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26.7.2011 | Von:
Sybille Frank

Der Mauer um die Wette gedenken

Vom Checkpoint zum Scheckpoint

Der Checkpoint Charlie wurde im September 1961 von den in Berlin stationierten britischen, französischen und amerikanischen Truppen eröffnet. Er war für den innerberliner Grenzverkehr von Diplomatinnen und Diplomaten, Mitgliedern der Alliierten Streitkräfte und ausländischen Touristinnen und Touristen reserviert. Allerdings wurden nur letztere am Checkpoint Charlie kontrolliert, da Diplomaten sowie Mitarbeiter der Alliierten Streitkräfte in Berlin Freizügigkeit genossen.

Bis zum Fall der Mauer entwickelte sich der Checkpoint Charlie zum berühmtesten Grenzübergang der Stadt. Bereits im Oktober 1961 wurde er fast zum Schauplatz einer "heißen" Konfrontation im Kalten Krieg, als sich hier amerikanische und sowjetische Panzer mit laufenden Motoren gefechtsbereit gegenüberstanden. Ein Jahr später verblutete der 18-jährige Peter Fechter in der Nähe des Checkpoint Charlie bei einem gescheiterten Fluchtversuch. Zugleich konnte es der Kontrollpunkt wegen mehr als 1200 geglückter Fluchten zur Berühmtheit bringen, denn viele DDR-Bürgerinnen und -bürger nutzten seinen Sonderstatus, um den Grenzübergang, als Diplomaten oder Soldaten verkleidet, unkontrolliert zu passieren. 1963 eröffnete auf der westlichen Seite des Kontrollpunkts das Museum Haus am Checkpoint Charlie seine Türen. Es dokumentierte die Geschichte der Mauer sowie Fluchtschicksale und entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der meistbesuchten Museen West-Berlins. Nicht zuletzt war der Checkpoint Charlie auch deshalb international bekannt, weil er für ausländische Touristinnen und Touristen das Nadelöhr für ihre Einreise nach Ost-Berlin darstellte.

Mit dem Fall der Mauer wurde der Kontrollpunkt über Nacht obsolet. Bereits im Juni 1990 wurden die Grenzanlagen abgetragen; das plötzlich in der neuen Mitte der bald wiedervereinigten Stadt gelegene Gelände wurde zu einem attraktiven Anlageprojekt. Als Bewerberin trat die Central European Development Corporation (CEDC) auf, eine auf Immobilienprojekte in Osteuropa spezialisierte internationale Investmentgesellschaft, die am Checkpoint Charlie ein American Business Center errichten wollte. Bereits im Oktober 1991 wurde der Grundstein gelegt. Doch geriet die Investorin aufgrund des Überangebots von Büroflächen in Berlin bald in finanzielle Nöte. Als die CEDC im Jahr 2003 in die Insolvenz und der Checkpoint Charlie in den Besitz einer Bankaktiengesellschaft überging, waren nur drei der geplanten fünf Gebäude errichtet worden.

Angesichts der verbliebenen Brachen und der steigenden touristischen Nachfrage nach Zeugnissen der Berliner Teilungsgeschichte versuchten in den folgenden Jahren unterschiedliche Anbieter, den demontierten früheren Grenzübergang in den Stand des Erinnerungswürdigen zu erheben. Diese Versuche werden im Folgenden vorgestellt. Dabei wird gezeigt, dass der Checkpoint Charlie, international betrachtet, als typische Heritage-Industriestätte gelten kann. Dies belegt ein kurzer Exkurs zu einer ihrer Pioniereinrichtungen, der Plimoth Plantation an der Ostküste der USA. In der Nähe des heutigen Plymouth war einst die "Mayflower" angelandet.


Dossier

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