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Philip Artelt am 13.03.2014

Familie ist
... für jeden anders

Großfamilie oder alleinerziehend? Wie sieht Familie heute aus? Was müsste sich ändern, damit wir mehr Kinder bekommen? Und welchen Einfluss hat die Politik darauf? Wir haben sieben Menschen mit unterschiedlichen familiären Hintergründen befragt. Nun fragen wir Sie!

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„Familie“ wird immer mehr Gegenstand des öffentlichen Interesses. Gestritten wird nicht nur über Betreuungsgeld, KiTa-Ausbau und darüber, ob die 200 Milliarden Euro, die der Staat jedes Jahr für seine Familienpolitik ausgibt, gerecht verteilt werden. Es wird auch diskutiert über "Helikoptereltern", überforderte Kleinkinder und immer ältere Mütter. Grund genug, um das Thema Familie nicht nur im neuen bpb:magazin, sondern auch im bald erscheinenden Dossier zur Familienpolitik zu behandeln.

Wie unterschiedlich die Vorstellungen von Familie sein können, zeigen die folgenden sechs Kurz-Interviews.


Carla B.Carla B. (© Philip Artelt)
"Wir sind zu wenig locker"

Carla B. lebt mit einer Frau zusammen. Das war nicht immer so: 15 Jahre lang führte sie eine Ehe mit einem Mann, mit dem sie auch ein Kind hat. Dann trennte sie sich wegen ihrer Liebe zu Frauen. Heute ist sie 65 und lebt mit ihrer Partnerin und ihrem Ex-Mann im selben Haus. Dass das möglich ist, verdankt sie ihrem Sohn. Er war das Bindeglied, über das die Eltern wieder ein vernünftiges Verhältnis zueinander fanden.
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Familie ChristophFamilie Christoph (© Philip Artelt)
"Kinder bringen so viel Abwechslung"

Agnes Christoph hat mit 27 Jahren schon zwei Kinder. Beide kamen zur Welt, als sie und ihr Mann noch studierten. Für die Geburt ihres Sohnes unterbrach sie ihr praktisches Jahr als Medizinstudentin, mit ihrer Tochter war sie während des Examens schwanger. Jetzt haben die beiden Eltern Teilzeitstellen. Rückblickend sagt Agnes Christoph, die letzte Phase des Studiums war die ideale Zeit zum Kinder kriegen.
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Leni EwersLeni Ewers (© Philip Artelt)
"Die Politik soll sich mal mehr Mühe geben mit den jungen Menschen"

Wie sehr Leni Ewers ihre Familie liebt, bewies die heute 98-Jährige nach dem Krieg. Mit dem Fahrrad fuhr sie durch ganz Deutschland, um ihren Mann vor russischer Kriegsgefangenenschaft zu bewahren. In den 30er-Jahren bekamen sie zwei Kinder. Es wären wohl noch mehr geworden, wäre nicht der Krieg dazwischengekommen. Über zu wenige Kinder in der Familie kann Leni Ewers dennoch nicht klagen: Heute hat sie Freude an ihren vier Enkeln und sieben Urenkeln.
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Lemia Yiyit mit ihrer Familie auf einer türkischen Demonstration.Lemia Yiyit mit ihrer Familie (© Philip Artelt)
"Die Politik muss jetzt sofort handeln"

Lemia Yiyits Eltern kamen als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland, sie war damals neun Jahre alt. „Sei neugierig, aber verliere deine Kultur nicht“, rieten sie ihr. Wenn Lemia auf einen Kindergeburtstag ging, kam ihr Bruder als Aufpasser mit. So ist das bei alevitischen Muslimen üblich. Aber die Eltern ließen ihr auch viele Freiheiten: Mit ihren Klassenkameraden durfte Lemia Yiyit sogar in die Kirche gehen. So westlich Lemia Yiyit heute wirkt, ihre Kultur hat die 49-Jährige nicht verloren.
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Peter SchützPeter Schütz (© Philip Artelt)
"Familie bedeutet nicht unbedingt einen biologisch-genetischen Zusammenhang"

Peter Schütz (Name geändert) ist schwul – oder eher bisexuell? So genau kann er das nicht definieren. Und er ist Vater – oder doch nicht? Auch das kann er nicht so genau sagen. Vor drei Jahren hat der 44-Jährige eine Abmachung mit einem lesbischen Paar getroffen. Er stellte sich als biologischer Vater für ein Kind zur Verfügung und gab es zur Adoption frei, wie besprochen und wie bei einem Notar besiegelt. Jetzt kam das Kind zur Welt – und es brachte Peters Gefühlswelt durcheinander. Gerne würde er am Leben des Kindes – seines Kindes – teilhaben.
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Markus SchwarzMarkus Schwarz Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (Philip Artelt)
"Familie sollte der Ort sein, an dem man Halt findet"

„Sozialer Brennpunkt“ nennt Markus Schwarz den Stadtteil, in dem er aufgewachsen ist. Ein typisches Problemviertel, aber der soziale Brennpunkt war auch bei ihm daheim: Als er drei Jahre alt war, trennten sich seine Eltern. Schwarz musste ein Jahr in eine Pflegefamilie. Als er 15 war, starb sein Vater, Markus zog zu seiner Tante. Seine Jugend war von Alkohol geprägt, er suchte nach Halt, nach Stabilität, nach einer Familie. Heute ist alles anders. Er hat eine Frau und drei Kinder, seine jüngste Tochter ist fünf Monate alt. Bei seiner eigenen Familie will der 36-Jährige alles besser machen.
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Familie HauptmannFamilie Hauptmann (© Philip Artelt)
"Ich bin da ein bisschen traditionell"

Fünf Geschwister hatte Stefan Hauptmann. Seine Familie stammt vom Land, Nebenerwerbslandwirte. Neben seinem Beruf im Maschinenbau arbeitet Stefan Hauptmann immer noch als Landwirt. Inzwischen hat er selbst eine Frau und Kinder – allerdings nur zwei. Sein ganzes Leben war der 42-Jährige von vielen Menschen umgeben. Großfamilie ist schön, sagt Stefan Hauptmann, aber manchmal möchte man einfach seine Ruhe haben.
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Nun fragen wir Sie: Was bedeutet für Sie Familie? Wir freuen uns auf Ihre Meinung.

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Kommentare anderer Nutzer

John Kannamkulam | 14.03.2014 um 17:27 [Antworten]

Auch binationale Ehen und Familien in den Blick nehmen!

Immer mehr Frauen und Männer finden ihren Partner oder ihre Partnerin auch grenz- und kulturübergreifend: In Deutschland ist jede achte Eheschließung in 2012 eine binationale Verbindung, und jedes fünfte Kind, das in 2012 geboren wurde, hat mindestens einen ausländischen Elternteil.

Binationale Partnerschaften und damit auch ihre Familien sind nicht nur private Lebensentwürfe Einzelner, sie sind zugleich Ergebnis gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen. Gerade binationale und/oder bi-kulturelle Familien haben mit besonderen behördlichen Hürden, z.B. beim Familiennachzug oder aktuell mit der Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft zu kämpfen. Dies sollte stärker von der Politik in den Blick genommen werden und für diese Familien entschieden werden.

Susanne Schmal | 20.03.2014 um 23:05 [Antworten]

Familie

Wenn von Familien die Rede ist, geht es fast immer nur um Kinder und ihre Eltern. Wir leben in der Nähe der Großeltern und werden, wie viele andere Eltern auch, seit zwanzig Jahren bei der Versorgung unserer beiden Kinder unterstützt. Dafür sind wir sehr dankbar. Inzwischen braucht die ältere Generation auch unsere Unterstützung. Social support ist keine Einbahnstraße, oder? Deshalb möchten viele Frauen in Teilzeit arbeiten.

Eine Familie ohne Migrationshintergrund zu haben, bedeutet auch, Tante und Onkel zu haben und Nichte oder Neffe zu sein, Cousin oder Cousine. Familienfeste sind dadurch oft muntere Zusammentreffen der Generationen. Natürlich gibt es auch Krisen und Kontaktstörungen, auch das gehört dazu.

Familie: Das sind nicht nur Eltern mit Kindern. Sogar die First Lady of the United States hat sich lange durch ihre Mutter unterstützen lassen. Eine revolutionäre Methode der Kinderbetreuung :

Monika Koch | 11.06.2014 um 13:02 [Antworten]

Diskussion Familie

Jede Frau schwebt in Gefahr, ihres Kindes beraubt zu werden - von diesem furchtbaren Unrecht redet niemand. Es genügt, daß sie einen einzigen Fehler im Leben begeht, nämlich einem Mann mit schlechtem Charakter zu vertrauen. Dann kommt sie nie mehr aus der ausweglosen Situation heraus. Ihre Kinder werden gegen sie verwendet, und dem vom Bundestag nach dessen Petitionsantwort absichtlich nicht definierten und somit bloßen Schlagwort "Kindeswohl" steht sie chancen- und wehrlos gegenüber. In der Psycho-Sozial-Branche zählt die Wahrheit nichts, sondern wer sich besser verkauft. Mutter und Kinder sind Famile! Das muß endlich anerkannt werden!


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