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Praxisbeispiel: Streetfootballworld

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Praxisbeispiel: Streetfootballworld

/ 4 Minuten zu lesen

Um die Entwicklung junger Menschen durch Fußball zu stärken, unterstützt streetfootballworld ein weltweites Netzwerk aus 94 Organisationen und bringt dafür Partner aus Regierungen, Unternehmen, Stiftungen, Fußball und Philanthropie zusammen.

Ein Gastbeitrag von Jan Lübbering von streetfootballworld

Jan Lübbering erklärt, wie Social Entrepreneurship die Entwicklung seiner Organisation gefördert hat und was den Ansatz ausmacht: „Innovation, Wirkung und Skalierung sind drei wichtige Säulen von Social Entrepreneurship“

Weitere Informationen: Externer Link: www.streetfootballworld.org.

Social Entrepreneurship basiert auf einer Grundhaltung
Der Ansatz von Sozialunternehmern kann auch für gemeinnützige Organisationen in der politischen Bildung interessant sein. Sozialunternehmer entwickeln Lösungen mit großer Interner Link: Skalierbarkeit, die an den Wurzeln der gesellschaftlichen Probleme ansetzen. Unter Skalierbarkeit wird die größtmögliche Verbreitung erprobter Lösungsmodelle verstanden, die zu einem spürbaren Systemwandel führen.
Interner Link: Sozialunternehmer lassen sich dabei von einer Grundhaltung leiten: Sie verstehen ihre Rolle als Innovatoren im gesellschaftlichen Gesamt-System. Dabei kommt es Ihnen auf das Wachstum von Lösungen an und nicht auf das Wachstum ihrer eigenen Organisation per se. Bei der Finanzierung suchen Sozialunternehmer nach Lösungen, die zur Skalierungsstrategie passen. Dies kann je nach Fall eine Vielzahl von diversen Spenden, öffentliche Gelder oder eigenes Einkommen durch den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen bedeuten.
Die Kriterien für einen Sozialunternehmer können sich somit auch als Leitfragen für gemeinnützige Organisationen in der politischen Bildung nutzen lassen, um ihren eigenen Ansatz zu überprüfen: Was ist die Ursache des erkannten Problems und wie sieht eine systemische, langfristige Lösung für die Zukunft aus? Wie kann die gesellschaftliche Wirkung gemessen und die Lösung möglichst effektiv im großen Stil ausgeweitet werden?

Wie wirkt sich diese Grundhaltung bei streetfootballworld auf das Fundraising aus?
Unterstützer und Investoren von streetfootballworld finden am sozialunternehmerischen Ansatz besonders die Skalierbarkeit, die Wirkungsorientierung sowie die Entwicklung von Finanzierungsmodellen für den Sektor attraktiv.
Im speziellen Fall von streetfootballworld spielen auch die globale Reichweite, der Netzwerkansatz und die Ausbreitung von effektiven Lösungen durch die Netzwerkorganisationen eine große Rolle. Vielen Geldgebern ist die messbare Wirkung von Programmen wichtig. Aufgrund der Komplexität von Wirkungsmessung im gesellschaftlichen Bereich, und insbesondere in der politischen Bildung, gibt es keine perfekte Lösung. Es geht eher um die Integration von relevantem Feedback, der Vergleichbarkeit von Lösungsansätzen anhand von nachvollziehbaren Wirkungskriterien und um die kontinuierliche Verbesserung von jenen Programmen, die Erfolge zeigen.
Bei streetfootballworld haben wir einen Sektoransatz gewählt und in Kooperation mit unseren Netzwerkmitgliedern, der Firma „Aqumen Social Technologies“ und der „Laureus Sport for Good Foundation“ ein System zur Wirkungsmessung für soziale Organisationen entwickelt. Diese systematische Herangehensweise in der Wirkungsmessung macht sich für die Organisationen sehr positiv im Fundraising bemerkbar, da sie die Wirkung klar kommunizieren und die Organisation ständig weiterentwickeln können.

Fundraising wird durch Wachstumsstrategie erfolgreicher
Beim „klassischen“ Fundraising von vielen Einzelspendern liegt der Schwerpunkt der Kommunikation in der Regel auf anekdotischen und emotionalen Komponenten. Bei institutionellen Partnern (Firmen, Stiftungen, öffentliche Geldgeber, Philanthropen) scheinen oft auch die Bekanntheit, die Größe und die Kontakte der beantragenden Organisation mit ausschlaggebend. Die Konkurrenz um bestehende und neue Ressourcen wird ausgeprägt bleiben. Der Ansatz von Sozialunternehmern kann daher neue Möglichkeiten der Differenzierung für gemeinnützige Organisationen in der politischen Bildung bieten, und z.B. neue Wege der Wirkungsmessung und der Ausbreitung von Lösungen aufzeigen.
Immer mehr Geldgeber legen Wert auf die (nachgewiesenen) quantitativen und qualitativen Wirkungen der Programme beziehungsweise auf die beabsichtigten Systemänderungen. Diese können dann in den Fokus des Fundraising gestellt werden. In diesem Prozess würde ein klares Verständnis dafür sichtbar, was gesellschaftliche Wirkung im Bereich politischer Bildung ist und wie sie gemessen wird.
Viele Ansätze für Systemwandel sind nur durch Kooperationen erfolgreich. Deshalb zeigt sich auch bei Spendern und sozialen Investoren große Offenheit für partnerschaftliche Ansätze und intermediäre Strukturen, um solche Kollaborationen zu koordinieren. Für das Fundraising bietet sich das gemeinsame Beantragen von Geldern und die Umsetzung im kollaborativen Netzwerk an, so dass zukünftig weniger in einzelnen Organisationen sondern als Kollektiv agiert wird.

Kooperation mit Unternehmen braucht Übersetzungsarbeit
Bei Partnerschaften mit Firmen haben viele Sozialunternehmer ihre Stärken im Zusammenbringen der unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Einige Firmen entwickeln sich weg von einem traditionellen CSR-Ansatz (Corporate Social Responsibility) hin zu einer „shared value“ Strategie, in die soziale Organisationen als wichtige Partner für die Erreichung der Firmenziele eingebunden sind.
Ein relevanter Aspekt ist der Stellenwert des ideellen Anspruchs bzw. der Mission einer sozialen Organisation. Nimmt man Gelder von Partnern an, die sehr bestimmte Vorstellungen über die Verwendung von Mitteln haben, und die (noch) nicht zu 100% mit den eigenen strategischen Zielen übereinstimmen? Finanzielle Zwänge sollten nicht ausschlaggebend für eine solche Partnerschaft sein – obwohl das in der Realität vieler NGOs der Fall ist. Bei streetfootballworld versuchen wir diesen Kompromiss offen mit dem Partner zu Beginn der Beziehung anzusprechen. Dies hat in der Regel zu langfristig tragfähigen Beziehungen geführt, in denen sich gemeinsame Zieldefinitionen und neue Möglichkeiten ergeben. Es gab aber auch Fälle, wo wir nicht zu einer gemeinsamen Zukunftsagenda gefunden haben.
Ein weiterer Aspekt ist der Ursprung der finanziellen Ressourcen möglicher Partner und ihre Reputation. Dabei haben wir die Erfahrung gemacht, dass fast jede Geldquelle bei hohen ethischen Ansprüchen diskussionswürdig sein kann. streetfootballwold entwickelt einige fixe und mehrere Fall-zu-Fall Kriterien für die Investoren- und Partnerauswahl. Mögliche Partnerschaften durchlaufen somit einen Evaluierungsprozess mit internen und externen Perspektiven.
Schließlich begegnen wir häufig einem gewissen Exklusivitätsanspruch von Unternehmensseite. Während es der Ansatz von streetfootballworld ist, möglichst firmenübergreifend Lösungen und Teilhabe für viele soziale Investoren aus einer Branche zu schaffen, so ist in den Frühphasen einer bilateralen Partnerschaft oft noch „klassisches“ Marketing-Denken vorherrschend. Es wird eine gewisse Exklusivität erwartet, ausgesprochen oder unausgesprochen. Mit der Zeit öffnet sich der Partner für den übergreifenden Industrie-Ansatz, wenn der eigene Mehrwert auch in einer Branchenlösung erkennbar ist.

Fussnoten