Daniel Cohn Bendit gemeinsam mit anderen Aktivisten auf einer Demonstration in Saarbrücken im Jahr 1968.

10.6.2008

Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter

Konzeption der Unterrichtseinheit

Vorüberlegungen zum Thema

Die Ereignisse der Jahre 1967/68 werden seit den 80er Jahren unter dem Kürzel "1968" zusammengefasst, die Beteiligten nennt man seither die "Achtundsechziger". Kaum ein Phänomen der deutschen Nachkriegsgeschichte ist so umstritten und hat so unterschiedliche Deutungen erfahren. Für die einen bedeutet "1968" "Freiheitsrevolte", "Fundamentalliberalisierung der westdeutschen Gesellschaft", "Aufbruch zur einzigen Reformära der Bundesrepublik", für die anderen, "Karneval", "Tumult", "Massenpsychose", "spätpubertäre Unmutsbezeugungen", "romantischer Rückfall" und "linker Faschismus". Der Deutungskampf um "1968" wird seit 40 Jahren hoch emotional geführt. Spätestens seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks überwiegen die negativen Urteile. Die Linke als historisches Projekt galt fortan für viele als erledigt und damit auch die 68er- Bewegung. Viele fühlen sich gerade im Jubiläumsjahr 2008 veranlasst, mit ihr abzurechnen.

Ausgehend von den USA breitete sich in den 60er Jahren eine Protestbewegung über die ganze Welt aus. In Deutschland fand sie einen ersten Höhepunkt 1967. Nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg am 2. Juni kam es zu Demonstrationen und Gewalttätigkeiten in den großen Städten wie Berlin und Frankfurt und dauerte in dieser Intensität bis Herbst 1968.

Die 68er – Bewegung war keineswegs homogen. Die vielen kaum zu entflechtenden Strömungen geben ein verwirrendes Bild. Alle einte jedoch die Suche nach Neuorientierung, nach Verhältnissen, die Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung ermöglichen würden. Die dunklen Seiten der 68er-Bewegung dürfen nicht ausgeblendet werden, dazu gehören Gewalt, Intoleranz und ideologische Verhärtung. Das Fanatische, Unbedingte, Irrationale, das heute der 68er-Bewegung zugeschrieben wird, gilt aber eher für den harten Kern der Bewegung und seine Chefideologen, die die revolutionäre Umwälzung der Gesellschaft und die Abschaffung des kapitalistischen Wirtschaftssystems forderten – auch unter Anwendung von Gewalt: "Macht kaputt, was Euch kaputt macht!" "1968" allein hat nicht alles verändert. Viel zu viel war bereits seit Jahren im Gang. Aber diesen Modernisierungsprozess haben die 68er vorangetrieben, so dass nach 68 fast nichts mehr so wie vorher war. "Und in diesem Sinn war "68" überall."
  • Die politische Wende von 1969 und die Reformpolitik der 70er Jahre wären ohne die 68er Bewegung nicht möglich gewesen.
  • Ein tiefer Mentalitätswandel führte zu neuen Verhaltensweisen in vielen Bereichen. Besonders eindrücklich im Bereich der Sexualität. Neue Werte wie Gleichheit, Kollektivität, Mitbestimmung oder soziale Gerechtigkeit standen nun in den Vordergrund, alte bürgerliche Werte wie Pflicht, Treue, Ehre, Gehorsam oder Vaterlandsliebe wurden in Frage gestellt.
  • Ein neues Politikverständnis setzte sich im Gefolge der Politisierung in den Jahren 1967/68 in Deutschland durch. Protest als Element des Politischen war nun allgemein akzeptiert. Die Bundesrepublik wurde in der Folgezeit ein Land der Bürgerinitiativen. An der "Basis" der Parteien, in Gewerkschaften, Kirchen und Verbänden wurde mehr Mitsprache, mehr Transparenz und Begründungspflicht eingefordert, die Mitbestimmung in der Wirtschaft wurde ausgeweitet.
  • Sehr schnell organisierte sich eine Frauenbewegung, andere soziale Gruppen folgten und forderten ihre Beteiligungsechte ein.
Eine "68er-Bewegung" hat es in der DDR nicht in der Öffentlichkeit gegeben. Das SED-System konnte gestützt auf die Rote Armee und mit Hilfe eines starken Repressionsapparats jegliche Opposition bis 1989 im Keim ersticken. Vereinzeltes Aufbegehren im Zusammenhang mit dem Prager Frühling wurde schnell unterdrückt und konnte sich zumeist nur im Privaten abspielen.

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    Text: Harald Schneider und Hans Woidt


  • Dossier

    Prag 1968

    Vor 50 Jahren beendeten Kampftruppen aus der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn und Polen gewaltsam die reformkommunistische Bewegung des "Prager Frühlings" in der damaligen CSSR (den heutigen Ländern Tschechien und Slowakei). Damit machte die kommunistische Führung der Sowjetunion unmissverständlich deutlich, dass sie in ihren osteuropäischen Satellitenstaaten kein Abweichen von ihrem ideologischen und diktatorischen Kurs duldete.

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    Online-Angebot

    Kinofenster.de: We Want Sex

    Nigel Coles Sozialkomödie erinnert an den Streik in Dagenham 1968, als erstmals in der britischen Geschichte Frauen für ihre Rechte kämpften. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht.

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