Daniel Cohn Bendit gemeinsam mit anderen Aktivisten auf einer Demonstration in Saarbrücken im Jahr 1968.

10.6.2008

Unterrichtsmaterialien und Arbeitsblätter

Konzeption der Unterrichtseinheit

M7 / M8: Zusatzmaterialien für die Sek. II: "1968" in der deutschen Nachkriegsgeschichte

M7: Kurt Sontheimer: Eine Generation der Gescheiterten

"Ich behaupte hingegen, dass die Studentenrevolte, so sehr sie die träge gewordene deutsche Demokratie der Post - Adenauer - Ära herausgefordert und auch in ihrer Entwicklung beeinflusst hat, der Bundesrepublik Deutschland per saldo mehr Negatives als positives vermittelt hat. Es ist nur dann möglich, von einem "Vermächtnis der 68er-Generation zu sprechen (...), wenn man die problematischen Auswirkungen der Revolte weitgehend ausblendet.

Natürlich gehört die Studentenrevolte zur Geschichte der Bundesrepublik, aber doch nicht zu ihrer Erfolgsgeschichte. Wenn diese Geschichte ? auch dank der Wende von 1982 bis 1989 - einigermaßen erfolgreich verlief, so doch gewiß nicht wegen, sondern trotz der 68er Generation. Sie hat sich unbrauchbaren politischen Ideen verschrieben. Sie war politisch zum Teil realitätsblind. Sie hat das Thema und die Praxis der Gewalt in die Geschichte der Bundesrepublik eingebracht. Sie hat, verlängert in den neuen sozialen Bewegungen, einen einseitigen ideologischen, gelegentlich freilich auch phantasievollen Kampfstil verbreitet; auf ihn lässt sich nach Bedarf immer wieder zurückgreifen, mit Fairneß und Toleranz hat er jedoch nichts zu tun. Sie hat Autoritäten zerfleddert, aber nichts Neues an ihre Stelle setzen können. Sie hat alle Tabus, ohne die eine humane Gesellschaft nicht auskommen kann, zur Verletzung freigegeben.

Es ist darum sehr die Frage, ob die 68er außer einem naiven Pazifismus wirklich Wesentliches zur Humanisierung und Zivilisierung unserer Gesellschaft beigetragen haben. Ich befürchte das Gegenteil."

in: DIE ZEIT Nr.15 vom 9.4.1993

M8: Wolfgang Kraushaar: "1968 ? das Jahr, das alles verändert hat."

"Das Jahr 1968 hat in der Bundesrepublik alles verändert (...). Auch wenn die APO in ihren unmittelbaren politischen Zielsetzungen fast überall gescheitert ist, so hat sie die Einstellungen, Haltungen und Mentalitäten doch nachhaltig verändert (...). Politisches Handeln ist nicht länger mehr obrigkeitsstaatlich geprägt und auf Regierungen, Parlamente und Parteien beschränkt. Selbstinitiative, Mündigkeit, Zivilcourage, Nonkonformismus und kollektive Verantwortlichkeit haben einen unverzichtbaren Stellenwert erhalten." Am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit, hat der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker erklärt: "Die Jugendrevolte am Ende der sechziger Jahre trug allen Verwundungen zum Trotz zu einer Vertiefung des demokratischen Engagements in der Gesellschaft bei."

in: Wolfgang Kraushaar, "1968 ? das Jahr, das alles verändert hat", 1998, S. 188f.

3 weitere Zitate:

"1968 war nicht das Jahr, das alles verändert hat, dazu war viel zu viel bereits im Gang. Aber nach "68" war fast nichts mehr so wie vorher. Und in diesem Sinn war "68" überall."

N.N.

"Mir scheint, die Kinder des nächsten Jahrhunderts werden das Jahr 1968 mal so lernen wie wir das Jahr 1848."

Hannah Arendt an Karl und Gertrud Jaspers, 26. Juni 1968

"In den letzten Jahren haben Manche in diesem Lande befürchtet, die zweite deutsche Demokratie werde den Weg der ersten gehen. Ich habe dies nie geglaubt. Ich glaube das heute weniger denn je.
Nein: Wir stehen nicht am Ende unserer Demokratie, wir fangen erst richtig an."

Willy Brandt, Regierungserklärung vom 28. Oktober 1969

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  • Dossier

    Prag 1968

    Vor 50 Jahren beendeten Kampftruppen aus der Sowjetunion, Bulgarien, Ungarn und Polen gewaltsam die reformkommunistische Bewegung des "Prager Frühlings" in der damaligen CSSR (den heutigen Ländern Tschechien und Slowakei). Damit machte die kommunistische Führung der Sowjetunion unmissverständlich deutlich, dass sie in ihren osteuropäischen Satellitenstaaten kein Abweichen von ihrem ideologischen und diktatorischen Kurs duldete.

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    Online-Angebot

    Kinofenster.de: We Want Sex

    Nigel Coles Sozialkomödie erinnert an den Streik in Dagenham 1968, als erstmals in der britischen Geschichte Frauen für ihre Rechte kämpften. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht.

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