Der Berliner Reichstag

16.1. BRD: Von der Ära Adenauer zur Großen Koalition

28. November 1964

Der nationalkonservative Bremer Betonfabrikant Friedrich Thielen (zunächst CDU, dann DP) gründet aus rechtsextremen Splitterparteien die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD). Sie versteht sich als Sammelpartei für »nationale Deutsche aller Stände, Konfessionen, Landsmannschaften und Weltanschauungen« sowie für alle politisch, wirtschaftlich und sozial Unzufriedenen. Erstrebt wird »eine von fremden Interessen unabhängige deutsche Politik« gegen den »Monopolanspruch der Bonner Parteien«. Beeinflusst vom »Chefideologen« Ernst Anrich und dem neuen Vorsitzenden Adolf von Thadden (1967) entwickelt sich die NPD zur bedeutendsten Gruppe völkisch-nationalistischer, NS-belasteter und neofaschistischer Kräfte seit Kriegsende. Der NPD gelingt es im Zeichen wirtschaftlicher Rezession, Protestwähler zu mobilisieren und in sieben Landtage einzuziehen: 1966 in Hessen (7,9 Prozent) und Bayern (7,4 Prozent), 1967 in Niedersachsen (7 Prozent), Bremen (8,9 Prozent), Rheinland-Pfalz (6,9 Prozent) und Schleswig-Holstein (5,8 Prozent), 1968 in Baden-Württemberg (9,8 Prozent). Doch scheitert die NPD bei der Bundestagswahl 1969 (4,3 Prozent) und verliert bis 1972 alle Landtagsmandate. Sie ist seitdem politisch bedeutungslos. Ihr vorübergehender Erfolg, oft als Wiedergeburt nationalistischer oder nazistischer Tendenzen gedeutet, schadete dem außenpolitischen Ansehen der BRD.

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