Der Berliner Reichstag

35.1. DDR: »Wir sind ein Volk«: Die Entscheidung für

Dezember 1989

Beginnende 2. Wende: Auf Massendemonstrationen werden zunehmend Meinungsverschiedenheiten zwischen Gegnern und Anhängern der deutschen Einheit ausgetragen. Damit vollzieht sich allmählich ein Gesinnungswandel: Haben sich die Protestkundgebungen bislang fast ausschließlich gegen den Führungsanspruch der SED gerichtet und politische Reformen oder Freiheiten angestrebt, so werden nun verstärkt Forderungen nach Vereinigung der beiden deutschen Staaten laut, erstmals offensichtlich in Plauen im Vogtland. Kirchen-, Friedens-, Umwelt- und Bürgergruppen, darunter viele Intellektuelle, die für die Eigenständigkeit und die Souveränität der DDR eintreten, ziehen sich enttäuscht von den Kundgebungen zurück. Oft werden sie von Befürwortern der Wiedervereinigung »ausgepfiffen«. Den Auftakt zu diesem Abstieg der Bürgerrechtsbewegung hatte bereits der 9. 11. 1989 markiert: Nachdem wichtige Freiheitsrechte und die Grenzöffnung erkämpft worden waren, hatten die basisdemokratischen Reformgruppen den Zenit ihres Einflusses zugleich überschritten. Diese 2. Wende der friedlichen Revolution dokumentieren vor allem die traditionellen Montagsdemonstrationen in Leipzig: Seit 4. und 11. 12. 1989 übertönen in einer spannungsgeladenen Atmosphäre die Rufe »Wir sind ein Volk« und »Deutschland, einig Vaterland« immer häufiger die Parolen für eine »souveräne DDR« (»Wir lassen uns nicht BRDigen«; »Kein Ausverkauf der DDR«; »Wider Vereinigung«). Am 18. 12. findet ein Schweigemarsch für die Opfer des Stalinismus statt.

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