Dossierbild Geschichte und Erinnerung

3.6.2008 | Von:
Karl-Ernst Jeismann

Geschichtsbilder: Zeitdeutung und Zukunftsperspektive

VIII. Der Geist der Zeit, die Wahrheit und die Muse der Geschichte - mehr als eine Allegorie

Geschichtsbilder lassen sich nicht verordnen, aber die professionelle Geschichtsvermittlung in der Öffentlichkeit wie in der Schule bleibt blind, wenn sie sich nicht Rechenschaft ablegt über die Perspektiven der kommenden Geschichte, die sie anbieten. Sie muss sich im Spektrum der skizzierten Optionen orientieren, will sie nicht in die "Geschichtsfalle" laufen, Funde aus dem Labyrinth der Vergangenheit in nicht befragter Anordnung vorzeigen oder als Traumtänzer imaginärer Projekte auftreten. Es liegt ein hoher, aber notwendiger Anspruch in dem Appell an die Vermittler historischer Kenntnis und Bildung, an der Auseinandersetzung um die Zeitdeutung und Zukunftsperspektive teilzuhaben, um auf die Frage nach dem Ziel der Lehre von der Geschichte zwar keine einfachen, aber doch begründbare Antworten zu finden.

Goya hat vor zweihundert Jahren das alte Motto von der Geschichte als "lux veritatis" auf eine neue, uns sehr betreffende Weise dargestellt: [38] Der Genius der Zeit zieht, fast stürzend, die zögernde Gestalt der Wahrheit aus der Vergangenheit ins Licht. Vor beiden sitzt Klio, die Muse der Geschichte, klein wie ein Kind. Sie wendet den Blick aus dem Bild heraus auf den Betrachter, als wolle sie ihn fragen: Was soll ich berichten? Welche Vergangenheit braucht deine Zukunft? Klio drängt uns kein Geschichtsbild auf; sie verlangt aber ein Bewusstsein, das Geschichtsbilder zu erkennen und ihre Bedeutung zu verstehen vermag, ohne ihnen zu verfallen.

Text aus: Aus Politik und Zeitgeschichte (B 51-52, 2002)

Fußnoten

38.
Vgl. Alfonso E. Pérez SÄnchez, Goya and the spirit of enlightenment, Boston u. a. 1989.

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