30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Frauen und Männer gehen eine Treppe hoch

2.12.2009 | Von:
Katja Glaesner

Angela Merkel - mit "Soft Skills" zum Erfolg?

Vertrauen

Beim Thema Vertrauen rückt die Beziehung zu Kollegen und Untergebenen in den Fokus. Hierbei ist es von Bedeutung, dass sich Führungskraft und Mitarbeiter gegenseitig aufeinander verlassen können. Infolgedessen kann eine von Respekt und Loyalität geprägte Atmosphäre entstehen. Hierbei spielt auch Teamfähigkeit eine Rolle. Denn alle Beteiligten sollten die Gelegenheit bekommen, ihren Standpunkt darzulegen. In einem solchen vertrauensvollen Klima, können dann neue Ideen entwickelt und Probleme gelöst werden. Als Angela Merkel 1999 Helmut Kohls Entmachtung mit vorantrieb, war dies zwar notwendig, aber als sein "Mädchen" gewann sie durch dieses Vorgehen - von Vielen als "Vatermord" bezeichnet -, sicherlich nicht an Vertrauen innerhalb der eigenen Partei.

Ganz im Gegensatz dazu drückt sich in ihrer jetzigen Position als Kanzlerin in der fast täglich angesetzten "Morgenlage" Vertrauen aus. Bei diesem Treffen engster Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter auch stets Angela Merkels langjährige Vertraute und Büroleiterin Beate Baumann, werden aktuelle Themen offen diskutiert. Für eine halbe Stunde igeln sich die Beteiligten ein, und nichts des Besprochenen dringt an die Öffentlichkeit. Eine solche Diskretion schafft eine robuste und belastbare Führungssituation.

Lernbereitschaft

Die nächste zu diskutierende Führungskompetenz konzentriert sich auf die Mentalität einer Führungskraft. In der sich immer rascher wandelnden Welt ist es äußerst wichtig, mit Neuerungen kontinuierlich Schritt zu halten. Besonders ein Bundeskanzler muss sich ohnehin schnell in unbekannte Themengebiete einarbeiten können. Es ist bemerkenswert, wie Führungskräfte sich dabei nicht entmutigen lassen und der Wille dazuzulernen, sie regelrecht antreibt.

Die Lernbereitschaft betreffend, kann Angela Merkel geradezu als Musterbeispiel gelten. Vor allem ihr Werdegang von der Bundesministerin für Frauen und Jugend zur Kanzlerin dient hier als ein gutes Beispiel. Wurde sie früher noch als "Angela ahnungslos" verspottet oder kamen ihr im Jahr 1995 nach Kritik von Helmut Kohl einmal die Tränen, gilt sie heute als knallharte Politikerin und weltgewandte Persönlichkeit. Ebenso beachtlich ist der Wandel ihres Auftretens in der Öffentlichkeit und den Medien. Sie scheint erkannt zu haben, dass sie mit adretten Haaren, kleidenden Jacketts sowie einem gelegentlichen Lächeln ihr Image verbessern kann. Somit kontrolliert sie inzwischen auch genau, wie sie von Fotografen abgelichtet wird. Dieses Bewusstsein zeugt von einer hohen und kontinuierlichen Lernbereitschaft.

Eine Vision verfolgen

Wenn eine Führungskraft eine Vision verfolgt, bedeutet dies, dass sie mit klaren Zielen führt. Sie präzisiert, wofür sie eintritt und gibt eine generelle Richtung vor. Visionen sind oftmals langfristige Ziele oder Zukunftsbilder, die begeistern sollen. Diese geben Anhängern Orientierung und stabilisieren die Führungssituation. Ein solches Potenzial scheint Angela Merkel durch ihre pragmatische Art zu führen, nicht aufzuweisen. Die bisherige Realisierung der gesetzten Klimaschutzziele etwa verläuft desillusionierend und kann als Beispiel für ihre Visionslosigkeit gelten. Dabei schien es beim G-8-Gipfel 2007 in Heiligendamm noch, als sei ein Durchbruch gelungen. Denn Angela Merkel erreichte, dass das Thema Klimaschutz ganz oben auf die Agenda gesetzt wurde. Selbst den damaligen US-Präsidenten George W. Bush konnte sie überzeugen, das Abschlusspapier zu unterzeichnen, was ihr den schmeichelhaften Titel "Klima-Kanzlerin" einbrachte.

Ein Jahr später, bei einem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel, ruderte sie jedoch aufgrund der Wirtschaftskrise von den Klimazielen zurück. So sprach sie sich beispielsweise gegen eine CO2-Grenze für deutsche Autos aus. Ihre Auszeichnung als Klima-Kanzlerin musste Angela Merkel somit längst einbüßen, und wir dürfen gespannt sein, was der Kopenhagener Weltklimagipfel (7.-18. Dezember 2009) für Ergebnisse erzielt. Generell wirkt ihre "Politik der kleinen Schritte" also eher zermürbend, und es steht der Vorwurf im Raum, Angela Merkel lasse keine klare politische Linie erkennen.


Dossier

Frauenbewegung

In Deutschland ist wieder viel von Frauenbewegung und vom Verhältnis der Geschlechter die Rede. Doch wie verlief der Weg der Emanzipation? Die Geschichte der Frauenbewegung zeigt, an welchem Punkt wir heute stehen und was alles erreicht wurde.

Mehr lesen

Dossier

Homosexualität

Schwule und Lesben können heute in Deutschland und vielen anderen Ländern offen leben. Doch der Weg zu mehr Respekt war lang. Und er ist noch nicht vorbei. Weltweit werden Homosexuelle noch immer diskriminiert. In einigen Staaten wird Schwul-Sein sogar mit dem Tod bestraft.

Mehr lesen