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Frauen und Männer gehen eine Treppe hoch

2.12.2009 | Von:
Katja Glaesner

Angela Merkel - mit "Soft Skills" zum Erfolg?

Motivation

Eine weitere Anforderung an Führungskräfte ist ihr Wille, Leistung zu erbringen: die Motivation. Sie beschreibt den ganz individuellen Anreiz, zu handeln. Im beruflichen Kontext bedeutet dies, Interesse am Tätigkeitsfeld zu haben und von innen heraus bestimmte Ziele erreichen zu wollen. Dieser Antrieb ist mit positiven Emotionen verbunden. Denn nur wer intrinsisch motiviert ist, kann seine Arbeit dauerhaft gut verrichten.

Dieser Motor eines Menschen lässt sich bei Angela Merkel in ihrem Machtwillen erkennen. Nach diversen parteiinternen Machtkämpfen schaffte sie es bis an die Spitze der Regierung der Bundesrepublik und hält sich dort. Sie betont dabei des Öfteren, dass ihre Arbeit sie begeistert: "Es macht Freude, Dinge durchsetzen zu können, die (...) wichtig sind",[7] und: "Ich mache meine Arbeit mit Leidenschaft."[8] In der Rolle der Führungskraft muss eine Person auch versuchen, ein Umfeld zu schaffen, das ihre Mitarbeiter motiviert. Neben einem adäquaten Umfeld werden Mitarbeiter auch oft von der Begeisterung der Kollegen und Vorgesetzten "angesteckt". Ob Angela Merkel mit ihrem Verhalten auch andere - wie den Kreis ihrer Vertrauten - motiviert und mitreißt, darüber ist wenig bekannt. Ihr eigener Leistungswille scheint jedenfalls ungebremst zu sein.

Emotionale Intelligenz

Bei der allgemeinen Diskussion um typisch weibliche Fähigkeiten nimmt die emotionale Intelligenz eine zentrale Stellung ein. Gerade durch sie sollen Frauen angeblich die Führungswelten veredeln. Hierbei handelt es sich aber vielmehr um eine ernst zu nehmende Führungskompetenz. Denn emotionale Intelligenz beschreibt die Handhabung eigener und fremder Gefühle. Über Einfühlungsvermögen hinaus, vermag eine Führungskraft dadurch, für einen respektvollen sozialen Umgang zu sorgen. In der Politik ist dies vor allem relevant, weil für die unterschiedlichsten Kommunikationspartner verschiedene Töne angeschlagen werden müssen. Es gilt stets, zwischen verschiedenen politischen Lagern zu taktieren.

Die Kanzlerin muss sich zum Beispiel in CSU-Chef Horst Seehofer genauso hineindenken können wie in Oskar Lafontaine von Die Linke. Bei Angela Merkel spiegelt sich emotionale Intelligenz durchaus anschaulich in ihrem Verhalten gegenüber der Presse im August 2008 wider: beim Besuch des damaligen Präsidenten der Republik Ghana, John Kufuor. Dieser wurde nach allen Regeln des diplomatischen Protokolls in Deutschland empfangen, während parallel der russisch-georgische Krieg im Kaukasus ausbrach. Als auf der Pressekonferenz eine Fülle an Journalisten Fragen zum Konflikt um Südossetien stellten, anstatt die deutsch-ghanaischen-Beziehungen zu thematisieren, reagierte Merkel abweisend, denn sie wollte Präsident Kufuor nicht durch Ignoranz herabsetzen oder kränken.[9] Dies erweckt den Eindruck, dass ihr Verhalten von Achtsamkeit und Rücksichtnahme geprägt sein könnte.

"Biss"

Zusätzlich zu den genannten sechs eher weichen Führungskompetenzen spielen aber auch Tatendrang und Ehrgeiz für Führungserfolg eine Rolle. Dieser "Biss" einer Führungskraft drückt sich in ihrer Energie und ihrem Durchsetzungsvermögen aus. Gerade in der Politik ist die Forderung nach Stärke und einem hohen Grad an geistiger Wachheit nachvollziehbar. In den vergangenen Monaten wurde der Kanzlerin regelmäßig Führungsschwäche vorgeworfen. Immer wieder wurden Stimmen laut, sie müsse härter durchgreifen. Obwohl sie früher das Renommee einer "Männermörderin" hatte, herrscht heute eher die Befürchtung vor, sie würde sich zu viel gefallen lassen. Dieser Eindruck nahm bereits in der sogenannten Elefantenrunde 2005 beim Schlagabtausch mit Noch-Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Anfang. Seinen aufbrausenden Äußerungen begegnete Angela Merkel vor allem fassungslos und in keiner Weise kämpferisch.

Aber vielleicht stimmt es ja, dass sie eher zu gegebener Zeit die Konsequenzen aus einer Auseinandersetzung zieht und sich dann behauptet. So zahlte sie es Gerhard Schröder anlässlich der Feier zur Enthüllung seines Porträts im Kanzleramt heim: Sie lobte die fällige Anbringung des Bildes, weil sie nun die Frage vieler Besucher nicht mehr beantworten müsse, "wann der Schröder endlich aufgehängt" würde. Falls Angela Merkel es also vermag, ihre Kontrahenten eher später zurechtzuweisen und dies vielleicht sogar mit einem gewissen Scharfsinn, dann nimmt die Allgemeinheit davon in der Regel jedoch nur am Rande Notiz oder weiß das Verhalten der Kanzlerin nicht einzuordnen. Kanzlerin Merkels Biss wird auf rhetorischer Ebene folglich selten direkt spürbar.

Fußnoten

7.
Angela Merkel im Interview mit Alice Schwarzer, in: Emma vom 27. 8. 2009.
8.
Angela Merkel im Interview mit Sabine Hoffmann und Natascha Zeljko, in: Myself vom 13. 8. 2009.
9.
Vgl. Margaret Heckel, Wie tickt Angela Merkel?, in: www.welt.de, 1. 9. 2008 (8. 9. 2009).

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