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Frauenfußballerinnen

4.9.2007 | Von:

Damenfußball in der Verbotszeit

Oberhausen: Stadt erlaubt Damenfußball

Auch in Oberhausen führt das Pro und Kontra in Sachen Damenfußball zu hitzigen Debatten. Doch die Stadt zeigt sich sehr tolerant. Nachdem der Sportausschuss den Fußballerinnen vom FC Kickers Oberhausen die Bereitstellung eines städtischen Sportsplatzes zu "Trainingszwecken" bereits gestattet hatte, debattiert er im November 1958 darüber, ob die Stadt den Damen Platzanlagen auch zu Wettkämpfen freigeben soll, bei denen Eintrittgeld verlangt werde. Selbst anfängliche Widersacher des Frauenfußballs votieren für die Damen: Sie hatten sich davon überzeugen lassen, dass der "FC Kickers /.../ seinen Sport ernst nehme und keinen Rummel daraus machen wolle." Allerdings werden Auflagen erlassen. So müssen sich alle Damen 1) einer sportärztlichen Untersuchung unterziehen, 2) sich versichern und 3) "dürfen sich keine Beanstandungen seitens der Bevölkerung ergeben". (WAZ, 21.11.1958) Sportausschussmitglied Dr. Hunter stellt fest: "Aus Gründen der Gleichberechtigung müssen wir unseren Sportlerinnen die gleichen Chancen bieten wie den Männern." (NRZ, 21.11.1958) Eine anfangs aufgestellte vierte Auflage für die Damen wird indes gestrichen. Die besagte nämlich , dass die Damen sich dem Deutschen Fußball-Bund anschließen sollen. Ein "illusorisches" Unterfangen, wie man sich angesichts des DFB-Damenfußballverbots schließlich eingestehen musste.

Bis 1965 rund 150 Damenfußballländerspiele

In Jahre 1958 verlieren sich mehr und mehr die Spuren von WDFV und DDFB. Für dieses Jahr und die Jahre danach sind nur wenig durchgeführte Länderspiele dieser Verbände nachweisbar. Der WDFV wird 1961 aus dem Vereinsregister gestrichen, der DDFB sogar erst 1966. Dennoch kommt es bis 1965 zu annähernd 150 Länderspielen vor allem im süddeutschen Raum, organisiert von der Deutschen Damen-Fußball Vereinigung, die sich 1958 unter dem Vorsitz von Josef Floritz gegründet hat. Es sind vor allem Spielerinnen von Fortuna Dortmund, die das Herzstück dieser kontinuierlich trainierenden und öffentlich spielenden Damen-Nationalelf ausmachen. Gespielt wird u.a. in folgenden Städten und Gemeinden: Stuttgart, München, Ulm, Schwenningen, Limburg, Marburg, Mainz, Durlach, Augsburg, Geislingen, Regensburg, Aalen, Bremen, Coburg, Erlangen, Kulmbach, Calw, Ravensburg, Fellbach, Hechingen, Crailsheim, Fürth, Eislingen, Haßfurt, Heidenheim, Nürtingen. In viele Städte und Gemeinden werden die Fußball-Damen gleich zwei oder drei Mal eingeladen. Hinzu kommen Begegnungen in Österreich, Luxemburg, Frankreich, Italien und Holland. Aufgrund der weiten und langen Anreise wird häufig im Doppelpack gekickt, d.h. es an einem Wochenende häufig zwei Spiele an benachbarten Orten absolviert. So spielen die Damen am 8.5.1957 in Schwenningen und am 10.5.1957 in Ulm, bevor sie dann einen Tag später wieder pünktlich an ihrem Arbeitsplatz erscheinen müssen.

Kuriositäten und erste Lehrgänge

Auch nach der Auflösung der Damenelf von Fortuna Dortmund und dem Wegfall repräsentativer "Werbespiele" ist die Fußballbegeisterung unter dem weiblichen Geschlecht ungebrochen. Teilsweise kicken sie bereits "inkognito" in DFB-Vereinen mit. Doch Frauen lassen sich schwer in männliche Kategorien fassen. So gründet im Januar 1966 in Karlsruhe der Fußball-Verein Daxlanden eine "Damenmannschaft". Trainiert werden die Kickerinnen (Durchschnittsalter: 35 Jahre) von einem Daxlandener Jugendtrainer. Im Februar kickt die Elf vor 600 Zuschauern gegen ein Damenteam des Fußball-Clubs Albsiedlung. Spielzeit: 2x20 Minuten. Doch zu welcher Abteilung soll man(n) die Daxlandener Fußballerinnen vereinsmäßig zuordnen? Es kommt, wie die Badischen Neuesten Nachrichten berichten, zu einem "Kuriosum": "Die Fußballfrauen des FV Daxlanden werden als "Alte Herren" geführt." (Badische Neueste Nachrichten, 21.2.1966)

Kurios auch der 1963 eingerichtete Fußball-Lehrgang für Frauen, genauer: für (angehende) Lehrerinnen in Barsinghausen bei Hannover. 19 Studentinnen und Lehrerinnen trainieren auf Einladung des Niedersächsischen Fußball-Verbandes und des Schulfußballausschusses des DFB Doppel- und Flachpässe, barfüßiges Ballgefühl, Regelkunde und Fachausdrücke. "Doch sollte damit nicht der Damenfußball hoffähig gemacht, sondern lediglich sichergestellt werden, daß Jungen auch an kleinen Schulen das Fußballspielen erlernen können." (Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10.01.1995). Dem erfolgreichen Pilotlehrgang folgen weitere, und so wird manches "Fräulein" Lehrerin an den Volksschulen als Fußball-Lehrerin und Multiplikatorin für den vermeintlichen Männersport eingesetzt.

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