Dossierbild "Hotel California"

28.3.2017 | Von:
Andrea Keller

Hotel California: Arbeitsblatt und Unterrichtsvorschläge

Aufgabe 5: Alltagsrassismus

„Wir gehören da nicht dazu. Ich finde, wir sollten unter uns bleiben.“ (Hamad) – Ausschnitt aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" – 23:45 Min.



Unterrichtsvorbereitung: Das Drehbuch von "Hotel California" ist gespickt mit rassistischen, diskriminierenden Aussagen und Sprüchen wie „Kein Deutsch, kein Fußball“ oder „Deutsche sind alle gleich“ oder „Das sind doch alles Zuhälter“. Die Jugendlichen, die am Film mitgearbeitet haben, erzählen, dass sie solche diskriminierenden, ausgrenzenden Sprüche häufig hören. Diskutieren Sie vorab mit Ihren Schülerinnen und Schülern, ob und wenn ja wie sie Vorurteile, Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus in ihrem Alltag beobachtet und/oder erlebt haben.

Aufgabe 5a: Typisch ich?

Nehmt eure Gruppe genau unter die Lupe und untersucht, was ihr für Gemeinsamkeiten habt und wo Unterschiede liegen: Setzt euch in einen Stuhlkreis. Eine/r von Euch stellt ihren/seinen Stuhl beiseite und stellt sich in die Mitte des Kreises. Die Person in der Mitte sagt „Alle die schon einmal ……………… gemacht haben.“ (schon einmal demonstriert haben; schon einmal geschlagen worden sind; schon einmal Strandferien gemacht haben; ...).

Diejenigen, die diese Aussage mit JA beantworten können, stehen auf und gucken sich an. Auf das Kommando „Los“, das die Person in der Mitte des Kreises gibt, müssen alle die Plätze tauschen (nicht mit den unmittelbaren Nachbarn). Wer keinen leeren Stuhl findet, liefert die nächste Aussage.

Stellt dar, welche überraschenden Entdeckungen ihr im Laufe des Spiels gemacht habt. Erläutert im Anschluss an das Spiel die Aussage „Menschen in eine Schublade stecken“. Ordnet Menschen aus eurer Gruppe bewusst bestimmten Schubladen zu.

Schaut euch im Anschluss das Video „All that we share“ (auf Englisch) des dänischen Fernsehsenders TV2 an und gleicht die Darstellung dort mit euren Erfahrungen aus der Übung ab.

→ YouTube-Video „All that we share“, hrsg. von TV2 Danmark, 27.01.2017. Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=jD8tjhVO1Tc (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 5b: Typisch Deutschland?

Immer wieder wird gesagt, dass Deutsche pünktlich, Schweizerinnen reserviert, Kubanerinnen unbeschwert und Afghanen bescheiden seien. Bringe die folgenden Werte, die für Deutschland gelten sollen, in eine Reihenfolge: Hilfsbereitschaft – Ordnung – Selbstvertrauen – Gehorsam – Bescheidenheit – Familienbindung – Disziplin – Selbständigkeit – Respekt vor dem Alter – Ehrlichkeit – Gute Manieren – Religion – Gastfreundschaft.

Vergleicht eure Gewichtungen und beurteilt, ob es eine klare Aussage dafür gibt, was typisch Deutsch ist.

Schaut euch in dem verlinkten Artikel „Flüchtlinge zeigen, was sie mit Deutschland verbinden“ die dort gezeigten Bilder an. Erörtert anschließend die Aussage, dass es "den Afghanen", "den Syrer" oder "die Iranerin" gibt.

→ Gieffers, Hanna: Flüchtlinge zeigen, was sie mit Deutschland verbinden. In: Bento, 06.10.2015. Online unter: http://www.bento.de/politik/fluechtlinge-zeigen-gegenstaende-aus-deutschland-19447/ (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 5c: Diskriminierung, ja oder nein?

Bringt auf dem Boden mit Abdeckband oder Kreide eine Linie an; auf der einen Seite der Linie steht JA auf der anderen Seite NEIN. Je weiter weg du von der Linie entfernt bist, umso stärker ist dein jeweiliger Standpunkt (JA oder NEIN). Lies dir die verlinkte Beschreibung verschiedener Alltagssituationen durch und entscheide, ob Diskriminierung vorliegt oder nicht (z.B. „Die Schwarzen haben Rhythmus im Blut“). Positionieren sie sich anschließend im JA- oder NEIN-Feld.

→ Diskriminierung, ja oder nein?, hrsg. vom Bildungsteam Berlin-Brandenburg. Online unter: http://www.diversity.bildungsteam.de/sites/default/files/downloads/methodenbeschreibung_
diskriminierungsbarometer.pdf
(Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 5d: Die Macht der Sprache

Man spricht von der „Macht der Sprache“ oder sagt gar „Die Sprache kann töten“. Beurteile diese Aussagen in Bezug auf das Wort „Kanake“, das Lena immer wieder benutzt. Linda sagt schließlich: „Kanake heißt übrigens Mensch“.

Recherchiert in Partnergruppen, ob diese Aussage richtig ist. Welche Bedeutung hat das Wort „Kanake“ heute? Sollte das Wort benutzt werden dürfen? Sucht weitere Beispiele von Worten, die von den einen benutzt, von anderen aufgrund ihrer Bedeutung abgelehnt werden.

→ Terkessidis, Mark: Warum ich das nicht mehr hören will: "Kanake", hrsg. von Netz-gegen-Nazis.de, 13.11.2008. Online unter: http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/warum-ich-das-nicht-mehr-hoeren-will-teil-3-kanake (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 5e: Unsere Erfahrungen

Finde euch in Vierergruppen zusammen und sucht gemeinsam nach einer Situation in der jemand von euch diskriminiert wurde, ihr Diskriminierung beobachtet oder selbst jemanden diskriminiert habt. Dabei soll es sich nicht um eine erfundene, sondern um eine authentische Situation handeln. Entwickelt und schreibt eine Theaterszene, in der ihr die Szene vorspielt. Sammelt vorab auf einem Flipchart Gedankenblasen zu folgender Frage: Was geht den Menschen durch den Kopf, die diskriminiert werden? Was bewegt die Menschen, die diskriminieren?

Aufgabe 5f: Reagieren oder ignorieren?

Erstellt in der Gruppen ein Flussdiagramm, das die Hierarchie der Hotelbewohner und innerhalb der Dorfclique darstellt: Wer hat das Sagen, wer hält den Mund und wer traut sich zu intervenieren? Überlegt euch die Motivation, die Gedanken, Fantasien und Hoffnungen der einzelnen Charaktere.

Entscheidet euch anschließend jede/r für einen Charakter und stellt euch dem Rest der Gruppe vor: Erzählt aus eurem Leben und erläutert die Gründe eures Handelns (z.B. aus welchen Gründen Linda sich traut, sich gegen Lena aufzulehnen).

Aufgabe 5g: Fakten gegen Vorurteile

Du hast dir bereits einiges an Wissen über das Themenfeld Flucht und Asyl angeeignet, sodass du dich mit deinen eigenen Vorurteilen, mit Befürchtungen der Bevölkerung und Falschaussagen auseinandersetzen kannst.

In einem ersten Schritt sammelst du Aussagen und Behauptungen, die du in deiner Klasse oder Gruppe, in den Medien und auf der Straße gehört oder gelesen hast. In Kleingruppen sucht ihr dann Antworten, Fakten und Argumente, die diese Aussagen stützen oder widerlegen. Diskutiert die Ergebnisse mit Hilfe der Fish-Bowl-Methode zum Austausch von Gruppenarbeitsergebnissen (Quelle:Methoden-Kiste, Nummer 26).

→ Fakten gegen Vorurteile, hrsg. vom DGB Bildungswerk Thüringen. Online unter: https://www.fakten-gegen-vorurteile.de/ (Stand: 08.03.2017)

→ Fragen und Antworten, hrsg. vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Online unter: http://www.bamf.de/DE/Infothek/FragenAntworten/fragenantworten-node.html (Stand: 08.03.2017)

→ FAQ Asyl und Flüchtlinge: Die 10 häufigsten Fragen und Antworten, hrsg. von der Diakonie Deutschland, 05.09.2015. Online unter: https://info.diakonie.de/infothek/journal/detail/faq-asyl-und-fluechtlinge-die-10-haeufigsten-fragen-und-antworten/ (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 5h: Meinungsbild

Vertiefe dich mittels einer Internetrecherche in die akutelle politische Debatte um das Asylrecht. Wende die Zwei-Quellen-Regel an, die besagt, dass mindestens zwei voneinander unabhängige Quellen zu einem Thema gelesen werden sollen: Recherchiere beispielsweise die unterschiedlichen Positionen aller im Bundestag vertretenen Parteien. Wähle einen Aspekt aus (z.B. Familiennachzug) und stelle auf einem Plakat die Bandbreite der zugehörigen Argumente und Antworten vor.

Aufgabe 5i: "Be Deutsch"

Hör dir das Lied „Be Deutsch“ des Satirikers Jan Böhmermann an (englisch mit deutschen Untertiteln). Erläutere, was er mit dem Lied erreichen will: Was ist seine Aussage? (Lies dazu auch den kurzen Text, der in der Beschreibung des Videos steht. Eine weitere mögliche Erklärung bietet die Analyse des Journalisten Marc Röhlig.

→ YouTube-Video "Be Deutsch" von Jan Böhmermann (mit deutschen Untertiteln), hrsg. vom Neo Magazin Royale, 31.03.2016. Online unter: https://www.youtube.com/watch?v=HMQkV5cTuoY (Stand: 08.03.2017)

→ Röhlig, Marc: Warum uns ausgerechnet Böhmermann mit den "besorgten Bürgern" versöhnen könnte. In: Bento, 31.03.2016. Online unter: http://www.bento.de/politik/jan-boehmermanns-video-be-deutsch-ist-eine-mahnung-an-alle-besorgen-buergern-und-ihre-gegner-466677/ (Stand: 08.03.2017)


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