Das Palais de la Porte dorée in Paris wurde anlässlich der Kolonialausstellung von 1931 errichtet und beherbergt heute ein Einwanderermuseum. Im Vordergrund eine Plastik des senegalesischen Künstlers Diadji Diop von 2009 mit dem Titel "Dans le bonheur"

Europa zwischen Kolonialismus und Dekolonisierung

Mit ihrem Expansionsstreben haben die europäischen Großmächte seit dem 15. Jahrhundert nicht nur die Entwicklungsgeschichte ihrer Kolonien maßgeblich beeinflusst. Langfristig haben sich durch den Kolonialismus in Europa selbst tiefgreifende Veränderungen ergeben: Zahlreiche europäische Gesellschaften könnten heute ohne ein umfassendes Verständnis ihrer bewegten Kolonialgeschichte kaum verstanden werden.

Informationen zur politischen Bildung Nr. 338/2018

Editorial

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Beginn einer Ära: Ein Bronzerelief in einem Fort von Maputo, der Hauptstadt Mosambiks, zeigt dessen Eroberung und Inbesitznahme
durch die Portugiesen …

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Einleitung

Der europäische Kolonialismus hat über Jahrhunderte hinweg große Teile der Erde geprägt, seinen Höhepunkt erreichte er in der Epoche des Hochimperialismus zu Ende des 19. Jahrhunderts. Die Bewertung der europäischen Expansion und Machtausübung ist umstritten. Sicher dagegen ist, dass sie nicht nur die betroffenen Erdregionen, sondern auch die europäischen Gesellschaften nachhaltig veränderte.

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Eine Weltkarte von 1502 zeigt mittig links die Demarkationslinie von 1494, die gemäß dem Vertrag von Tordesillas die Einflussbereiche von Portugal und Spanien trennt.

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Die "Eroberung der Welt" und der Konflikt um universelle Rechte

Ab dem 15. Jahrhundert gilt die Neue Welt in Europa als Quelle unermesslichen Reichtums. Auswanderungswillige sehen dort die Chance auf ein besseres Leben und Privatunternehmer beuten lokale Rohstoffe aus, die Handelsschiffe nach Europa bringen. Ermöglicht wird dies durch den Einsatz von Sklaven. Doch die Vorstellung universell gültiger Menschenrechte, die mit der französischen Revolution 1789 aufkommt, stellt die herrschende Praxis zunehmend in Frage.

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Auf der Berliner Konferenz 1884/85 einigen sich die Vertreter europäischer Staaten unter Vermittlung Otto von Bismarcks auf Grundsätze und Verfahren zur Regelung ihrer kolonialen Besitzansprüche.

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Die Epoche des Hochimperialismus

Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verdichten und formalisieren die europäischen Staaten die Herrschaft über ihre Kolonialgebiete. An der dort lebenden Bevölkerung wollen sie eine "Zivilisierungsmission" erfüllen. Widerstand beantworten sie mit rücksichtsloser Gewalt, zu der sie sich auch durch die aufkommende "Rassenlehre" und die herrschende Völkerrechtsauffassung ihrer Zeit berechtigt glauben.

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Um internationale Bedeutung und Wirtschaftskraft zu bewahren, suchen die europäischen Staaten ihren Status als Kolonialmächte zu erhalten. Besuch des belgischen Königspaars in Léopoldville, Belgisch-Kongo, heute Kinshasa, Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo, 1928.

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Krisen und Niedergang der europäischen Imperien

Im Ersten Weltkrieg werden Arbeitskräfte und Soldaten aus den Kolonien rekrutiert, der Krieg wird nicht nur in Europa, sondern auch in Übersee geführt. Während das besiegte Deutschland seinen Kolonialbesitz verliert, sehen sich die westlichen Siegermächte mit Forderungen aus den Kolonien nach Mitsprache und Unabhängigkeit konfrontiert.

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In Abessinien, dem heutigen Äthiopien, beginnt der Zweite Weltkrieg bereits 1935. Bei ihrem Angriffskrieg setzt die italienische Invasionsarmee auch Giftgas ein. Foto einer Londoner Zeitung vom 31. August 1935.

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Die Auflösung der europäischen Imperien und ihre Folgen

Auch im Zweiten Weltkrieg ist die außereuropäische Welt Zankapfel, Kriegsschauplatz und Ausbeutungsobjekt für die kriegführenden Mächte. Die Nachkriegszeit steht im Zeichen des Ost-West-Konflikts und der Dekolonisation. Viele Länder des globalen Südens erlangen ihre Unabhängigkeit und müssen ihren Platz in der Staatenwelt finden.

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Die europäischen Gesellschaften betrachten es als ihre Aufgabe, die Menschen in den Kolonien zu "zivilisieren". Die erste Klasse der evangelischen Missionsschule in Windhuk, Namibia, um 1910.

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"Wir" und die "Anderen": europäische Selbstverständigungen

Mit dem kolonialen Projekt verbanden sich auf europäischer Seite auch langlebige Weltsichten und Selbstbeschreibungen. Die Auffassung, eine zivilisatorische Aufgabe in der Welt zu haben, wurde untermauert mit Repräsentationen "des Anderen" auf Völkerschauen und Weltausstellungen, in der Wissensproduktion und in der populären Kultur. Doch vor allem Literatur und bildende Kunst der Zwischenkriegszeit setzen dem hegemonialen Blick bereits radikal andere Sichtweisen entgegen.

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Im Ersten Weltkrieg kommen vermehrt Soldaten und Arbeitskräfte aus den Kolonien in die europäischen Mutterländer. Trotz staatlicher Hindernisse und gesellschaftlicher Diskriminierung lassen sich viele dort dauerhaft nieder. Indischer Bonbon-Verkäufer in London 1930.

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Die "Anderen" in den Metropolen

Durch die Dekolonisierung wurden die westeuropäischen Gesellschaften durcheinandergewirbelt. Hunderttausende von Migrantinnen und Migranten aus den Kolonien gelangten nach Europa, manchmal gefördert, weil sie als Arbeitskräfte willkommen waren; manchmal aber auch gegen Widerstände und Abwehr. Damit waren unterschiedliche Rechte, Integrations-, aber auch Ausgrenzungs-, ja Gewalterfahrungen verbunden.

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Die Mitglieder der französischen Rapmusik-Band IAM kommen aus unterschiedlichen Nationen und setzen dem Vorwurf, ihre Heimatstadt Marseille sei wegen deren hoher Zuwanderung "überfremdet", ihre eigene Sicht entgegen: den Planeten MARS, der durch seine Buntheit, Vielfalt und Kreativität besticht.

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Kultureller Wandel und hybride Identitäten

Mit der Dekolonisierung verband sich ein tiefgreifender kultureller Wandel in den westeuropäischen Gesellschaften, der noch längst nicht abgeschlossen ist. Formen des Erzählers über den imperialen Raum veränderten sich ebenso wie das Denken über die wissensbedingten Grundlagen von Identität. Der Wandel erfasste nicht allein intellektuelle Debatten, sondern auch Jugendkulturen sowie ganz alltägliche Praktiken wie etwa Esskulturen.

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Eine Welt formen, in der die Menschen in ihrer Vielfalt gleichberechtigt integriert sind: eine Aufgabe für die Zukunft, die die Reflektion über die gemeinsame Vergangenheit zur Voraussetzung hat.

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Ausblick

Die Epoche der europäischen Kolonialreiche ist unwiederbringlich Vergangenheit, aber ihre Geschichte wirft Fragen auf, die auch für heute wichtig sind.

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Literaturhinweise

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