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US-Militärintervention in Venezuela | Hintergrund aktuell | bpb.de

US-Militärintervention in Venezuela

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Am 2. Januar 2026 intervenierten die USA in Venezuela und nahmen den Präsidenten Nicolás Maduro gefangen. Beobachter warnen vor einer voranschreitenden Aushöhlung des Völkerrechts.

Nicolas Maduro und seine Frau Cilia Flores in Handschellen nach der Landung auf einem Hubschrauberlandeplatz in Manhattan. Sie werden von schwer bewaffneten Sicherheitsbeamten eskortiert, um zu einem Bundesgericht in Manhattan gebracht zu werden (5. Januar 2026, New York City). (© picture-alliance, XNY/STAR MAX/IPx)

Der langjährige venezolanische Machthaber Nicolás Maduro ist Anfang Januar 2026 in der Hauptstadt Caracas von einer US-Eliteeinheit gefangengenommen worden. Über ein mögliches militärisches Eingreifen der USA in dem erdölreichen Land war zuvor seit Monaten spekuliert worden.

Venezuela Lizenz: cc by-nc-nd/4.0/deed.de

Venezuela liegt an der Nordküste Südamerikas zwischen Kolumbien, Guyana und Brasilien. Mehrere US-Kriegsschiffe waren zuletzt in der Karibik stationiert. Seit September 2025 griff das US-Militär mindestens 35 angebliche Drogenschmugglerboote aus Venezuela an, dabei wurden nach US-Angaben über 100 Menschen getötet. Ab Anfang Dezember beschlagnahmte das US-Militär Öltanker, Ende Dezember folgte ein Drohnenangriff auf eine venezolanische Hafenanlage.

Das zwischenstaatliche Interner Link: Gewaltverbot (Art. 2 (4) Externer Link: UN-Charta ) erlaubt Kampfeinsätze nur zur Selbstverteidigung im Falle eines bewaffneten Angriffs (Art. 51 ). Der von den USA ausgerufene „War on Drugs“ fällt nicht darunter. Auch wenn Maduro nach der letzten Präsidentschaftswahl neben den USA auch von Deutschland und der EU nicht als rechtmäßiger Präsident Venezuelas anerkannt wurde, stellt der US-Angriff nach ganz überwiegender Ansicht von Externer Link: Expertinnen und Experten einen Völkerrechtsbruch dar.

Chronologie der Ereignisse

Am Abend des 2. Januar gab US-Präsident Donald Trump den Einsatzbefehl. Mehr als 150 Militärflugzeuge starteten in Richtung Venezuela. Kurz nach Mitternacht wurden aus der Hauptstadt Caracas Explosionen gemeldet. Gegen 2 Uhr Ortszeit nahmen US-Spezialkräfte den 63-jährigen Maduro und seine Ehefrau Cilia Flores gefangen. Sie brachten das Paar per Hubschrauber zunächst auf ein Kriegsschiff und anschließend nach New York. Nach Angaben der venezolanischen Regierung kam es dabei zu Gefechten, bei denen 100 Menschen getötet wurden, darunter venezolanische Soldaten und Zivilisten.

Am 3. Januar 2026 blicken Männer auf Rauch, der nach Explosionen im Hafen von La Guaira, Venezuela von einem Dock aufsteigt. (© picture-alliance/AP, Matias Delacroix)

Noch in der Nacht verkündete Trump auf seiner Plattform Truth Social den Erfolg der Operation und veröffentlichte ein Foto von Maduro in Handschellen. US-Justizministerin Pam Bondi erklärte, Maduro und Flores würden in New York wegen Drogendelikten angeklagt, unter anderem wegen „Verschwörung zum Drogenterrorismus“ und „Kokainimport“. Am 5. Januar wurde das venezolanische Präsidentenpaar erstmals einem US-Gericht vorgeführt. Beide wiesen alle Vorwürfe der Externer Link: Anklageschrift zurück. Die nächste Anhörung ist für den 17. März geplant.

Die Regierung in Venezuela setzte Maduro derweil nicht formal ab. Als Interimspräsidentin wurde am 5. Januar Vizepräsidentin Delcy Rodríguez vereidigt. Sie gilt als eine der engsten Vertrauten Maduros und prägte als Außenministerin den konfrontativen Kurs gegenüber den USA.

Kurz & knapp: Venezuela

Venezuela hat rund 28,5 Millionen Einwohner, etwa 5 Millionen leben in der Hauptstadt Caracas. Seit 1999 besteht formal ein Präsidialsystem, das sich unter Hugo Chávez und Nicolás Maduro zunehmend autoritär entwickelte. Im Externer Link: Demokratieindex des Economist 2024 erreichte Venezuela 2,25 von 10 Punkten, demnach wird das Land als autoritäres Regime klassifiziert.

Venezuela verfügt Schätzungen zufolge über die weltweit größten Erdölreserven. Die venezolanische Wirtschaft befindet sich jedoch in einer schweren Krise, geprägt von hoher Inflation, einer Staatsverschuldung von mindestens 150 Milliarden US-Dollar und starker Einkommensungleichheit. Über 80 Prozent der Bevölkerung leben Externer Link: Angaben der UN zufolge in Armut.

Aufstieg und Herrschaft Maduros

Nicolás Maduro hat Interner Link: Venezuela mehr als zwölf Jahre lang regiert. Bevor er sich der sozialistischen Bewegung von Hugo Chávez anschloss, arbeitete er als Busfahrer in Caracas und war Gewerkschaftsführer. Nach Chávez‘ Wahlsieg 1998 wurde Maduro Abgeordneter, Präsident der Nationalversammlung, Außenminister und schließlich Vizepräsident. Kurz vor seinem Tod Interner Link: 2013 ernannte der damals noch amtierende Präsident Chávez ihn zu seinem Nachfolger. Maduro gewann die Präsidentschaftswahl im selben Jahr nur knapp und blieb stets unpopulärer als Chávez.

Auch wenn Chávez angekündigt hatte, die wirtschaftliche Abhängigkeit seines Landes vom Erdöl zu verringern, nahm sie in seiner Amtszeit weiter zu. Als Maduro das Amt übernahm, stammten rund 96 Prozent der Staatseinnahmen aus dem Ölsektor, wobei die Fördermenge stets geschrumpft war. In den Folgejahren brach die Wirtschaft ein, die Inflation nahm stark zu und erreichte zeitweise Millionenprozentsätze. Sanktionen der USA ab 2015 verschärften die Situation.

Maduro verlor infolge der tiefen Wirtschaftskrise deutlich an Unterstützung. Sein Regime reagierte mit zunehmender Repression. Bei Protesten gegen die Regierung im Jahr 2017 starben mindestens 124 Menschen. Laut einem Externer Link: UN-Bericht von Dezember 2025 beging die venezolanische Nationalgarde in den vergangenen zehn Jahren schwere Menschenrechtsverletzungen bis hin zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Tausende tatsächliche oder vermeintliche Gegner des Regimes wurden inhaftiert, viele misshandelt. Mehr als 7,9 Millionen Menschen haben Externer Link: Angaben der UN zufolge seit 2014 das Land verlassen.

Sanktionen, Wahl 2024 und Eskalation

Interner Link: Venezuela ist seit vielen Jahren Schauplatz harter Machtkämpfe. Bereits während seiner ersten Amtszeit verhängte US-Präsident Trump parallel zur Europäischen Union und anderen Ländern Wirtschaftssanktionen gegen Venezuela, um einen Regimewechsel zu erzwingen. Schon damals setzte die Trump-Regierung ein Kopfgeld auf dessen Staatschef aus.

Hoffnungen, die Präsidentschaftswahl 2024 könne frei verlaufen und einen demokratischen Machtwechsel herbeiführen, erfüllten sich nicht. Der regierungsnahe nationale Wahlrat schloss die aussichtsreichste Herausforderin und spätere Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado von der Wahl aus und erklärte Maduro zum Sieger. Detaillierte Wahlergebnisse wurden nicht veröffentlicht. Zahlreiche Staaten erkannten das Ergebnis nicht an. Die Opposition erklärte den Herausforderer Edmundo González zum eigentlichen Wahlsieger. Maduro wurde dennoch für eine dritte Amtszeit vereidigt.

Nach Trumps Rückkehr ins Weiße Haus Anfang 2025 verstärkten die USA ihre militärische Präsenz in der Karibik und begründeten dies mit angeblichen Drogenlieferungen über den Seeweg aus Venezuela in die USA. Venezuela gilt zwar als Rückzugsort für kolumbianische Drogenkartelle und als Transitland für den Weitertransport von Drogen. Experten zufolge spielt das Land im globalen Drogenhandel allerdings nur eine Nebenrolle, das zeigt auch der Externer Link: aktuelle Weltdrogenbericht der Vereinten Nationen von 2025. Der Vorwurf aus der Anklageschrift, Maduro würde ein eigenes Kartell führen, wurde inzwischen vom US-Justizministerium fallen gelassen.

Der Angriff ist auch im Kontext wirtschaftlicher und geopolitischer Interessen zu verstehen. „Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder in Frage gestellt“, erklärte Trump am 5. Januar bei der ersten Pressekonferenz nach Maduros Gefangennahme. Er machte zudem deutlich, dass das venezolanische Erdöl ein zentrales Motiv der Intervention darstellt.

Die USA in Lateinamerika

Die Gefangennahme Maduros reiht sich ein in eine lange Geschichte US-amerikanischer Interventionen und Einflussnahme in Lateinamerika. Dazu zählen der von der CIA unterstützte Sturz des Präsidenten Guatemalas, Jacobo Árbenz Guzmán, im Jahr 1954, der gescheiterte Umsturzversuch gegen Fidel Castro 1961 sowie die Unterstützung mehrerer Militärregime in den 1970er-Jahren, etwa beim Putsch Augusto Pinochets gegen Salvador Allende in Chile 1973. Die letzte große militärische Intervention in Lateinamerika war zuvor die Festnahme des panamaischen Präsidenten Manuel Noriega gewesen.

Begründet wurde diese Politik mit der Interner Link: Monroe-Doktrin von 1823, die den kompletten amerikanischen Doppelkontinent zur US-Einflusssphäre erklärt. Auf diese beruft sich nun auch Donald Trump, indem er sie als „Donroe-Doktrin“ mit seinem eigenen Namen und geopolitischen Ansprüchen in Verbindung setzt.

Reaktionen

Exil-Venezolanerinnen und Venezolaner in Bogotá, Kolumbien, feiern die Intervention der USA. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Sebastian Barros)

Lateinamerikanische Staaten zeigten sich in der Reaktion auf den US-Einsatz gespalten: Während linksgerichtete Regierungen wie die von Kolumbien, Mexiko, Brasilien und Chile die Intervention als Völkerrechtsbruch verurteilten, äußerten rechtsgerichtete Regierungen in Peru und Argentinien Zuspruch. Zugleich wächst in Ländern mit Interner Link: großen venezolanischen Exilgemeinden die Hoffnung vieler Geflüchteter auf eine Rückkehr in ihre Heimat, sollte sich die Situation dort stabilisieren.

Russland, China und Iran verurteilten die Intervention scharf. Externer Link: 19 Expertinnen und Experten des UN-Menschenrechtsrates in Genf schrieben in einer Stellungnahme, die Handlungen stellten einen schwerwiegenden Verstoß gegen grundlegende Prinzipien des Völkerrechts dar und schafften einen gefährlichen Präzedenzfall.

Trotz dieser Einschätzung sind UN-Sanktionen unwahrscheinlich, allein deshalb, weil die USA als ständiges Mitglied im Interner Link: UN-Sicherheitsrat über ein Vetorecht verfügen. Möglich wäre eine Verurteilung durch die Interner Link: UN-Generalversammlung – diese hätte jedoch vor allem symbolischen Wert und keine automatischen rechtlichen Folgen.

Bundeskanzler Friedrich Merz bezeichnete in einer ersten Reaktion die rechtliche Einordnung der Intervention als „komplex“ und erklärte, Maduro habe sein Land ins Verderben geführt. Fünf Tage nach der Gefangennahme kritisierte Regierungssprecher Stefan Kornelius jedoch, die USA hätten im Interner Link: UN-Sicherheitsrat nicht überzeugend dargelegt, dass ihr Vorhaben völkerrechtskonform war.

Laut Plänen der US-Regierung sollen nun US-Ölkonzerne in Venezuela investieren und die Infrastruktur wieder ertüchtigen, die wegen der anhaltenden Wirtschaftskrise marode ist. Ziel sei die vollständige Rückkehr Venezuelas auf den Weltölmarkt. Bisher zeigen sich die Ölkonzerne jedoch zögerlich. Der US-Senat stellte sich zudem gegen Trump und kündigte an, seine militärischen Befugnisse in Venezuela einzuschränken.

Eine Woche nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro protestieren Anhängerinnen und Anhänger in der Hauptstadt Caracas. Sie fordern die Freilassung von Maduro und seiner Frau Cilia Flores. (© picture-alliance/AP, Matias Delacroix)


Interimspräsidentin Rodríguez verkündete, Venezuela werde nie wieder eine Kolonie, egal von welchem Imperium und forderte Maduros Freilassung. Zugleich erklärte sie aber, sie strebe respektvolle Beziehungen mit den USA an. Trump hatte gedroht, er könne einen weiteren Militäreinsatz anordnen, sollte Rodriguez nicht kooperieren.

Externer Link: Expertinnen und Experten sehen in der US-Intervention in Venezuela einen möglichen Wendepunkt. Sie warnen vor einer weiteren Aushöhlung des Völkerrechts und sinkender Stabilität der internationalen Ordnung.



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