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Internationaler Frauentag 2026 | Hintergrund aktuell | bpb.de

Internationaler Frauentag 2026

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Am 8. März wird ein Schlaglicht auf die Frauenrechte weltweit geworfen. Besonders in Krisenregionen stehen Frauen unter Druck – viele werden zu Opfern sexualisierter Gewalt. Wir geben einen Überblick.

Demonstrantinnen auf einer Demonstration zum Internationalen Frauentag 2025 in Berlin. (© picture-alliance, IPON | Stefan Boness)

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. Seine Wurzeln reichen weit zurück: Bereits 1910 beschlossen Frauen aus 17 Ländern auf einer internationalen sozialistischen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Internationalen Frauentags – damals noch am 19. März. Nur ein Jahr später fanden in mehreren europäischen Ländern sowie den USA erstmals Kundgebungen zu diesem Anlass statt. Zu der Zeit stand die Einführung des allgemeinen Frauenwahlrechts, aber auch der Kampf für Arbeitnehmerinnenrechte im Fokus. 1975 erklärten die Vereinten Nationen (VN) den 8. März offiziell zum Internationalen Frauentag. Bis heute demonstrieren Frauen weltweit an dem Tag für Ihre Rechte.

Ziel der Geschlechtergleichheit

Die VN haben sich Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen bis 2030 zum Ziel gesetzt. Als einer der wichtigsten Indikatoren gilt dabei, ob in einem Land gesetzliche Rahmenbedingungen bestehen, um Diskriminierung aufgrund des Geschlechts abzuschaffen und die Gleichstellung zu fördern, durchzusetzen und zu überwachen.

In Ländern mit umfassenden gesetzlichen Maßnahmen ist die Rate von Partnerschaftsgewalt nur weniger als halb so hoch wie in Staaten mit geringerem Schutz. Rechtlich zeichnet sich weltweit ein positiver Trend ab. Im untersuchten Zeitraum zwischen 2019 und 2024 wurden auf der ganzen Welt knapp 100 neue oder reformierte Gesetze zum Schutz von Frauen verabschiedet. In vielen Staaten fehlt allerdings noch immer umfassender gesetzlicher Schutz: Beispielsweise gilt nur in 63 Ländern Sex ohne Einwilligung als Vergewaltigung. Außerdem haben Ehemänner in 18 Ländern weltweit das Recht, ihren Frauen das Arbeiten zu verbieten.

Weiterhin ist Gewalt gegen Frauen weit verbreitet. In der EU hat knapp jede dritte Frau in ihrem Leben bereits körperliche oder sexualisierte Gewalt erfahren. Interner Link: Weltweit werden außerdem pro Tag im Durchschnitt 137 Frauen und Mädchen von Partnern oder Familienangehörigen getötet. Auch strukturelle Menschenrechtsverletzungen wie Genitalverstümmelung oder Frauenhandel setzen sich fort. Im Jahr 2025 lebten über 230 Millionen Mädchen und Frauen mit den Folgen Interner Link: weiblicher Genitalverstümmelung, rund 30 Millionen mehr als noch 2016. Besonders verbreitet ist diese Praxis weiterhin in Teilen Afrikas, des Nahen Ostens und Asiens.

Jede dritte Frau in Deutschland Opfer von Gewalt

Interner Link: Auch in Deutschland wird weiterhin jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben Opfer von Interner Link: physischer oder sexualisierter Gewalt. Betroffen sind Frauen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen. Frauen und Mädchen mit Behinderung erleben dabei zwei- bis dreimal häufiger Gewalt als der Bevölkerungsdurchschnitt: Schätzungen zufolge erfahren 70 bis 90 Prozent von ihnen im Erwachsenenleben psychische Gewalt. Laut aktuellen Erhebungen hat außerdem fast jede zweite Frau in Deutschland bereits sexuelle Belästigung erlebt – am Arbeitsplatz, im öffentlichen Raum oder im digitalen Umfeld. Viele Betroffene melden Vorfälle nicht, weil sie berufliche Nachteile fürchten oder kein Vertrauen in die Strafverfolgung haben.

Partnerschaftsgewalt ist auch in Deutschland ein zentrales Problem. Aktuell wird etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch einen aktuellen oder früheren Partner. Fachleute gehen von einer erheblich höheren Dunkelziffer aus. Auch im politischen Kontext nimmt frauenfeindliche Gewalt zu. 2024 wurden 558 frauenfeindliche Straftaten im Bereich politisch motivierter Kriminalität registriert, überwiegend waren es Beleidigungen. Dies ist ein Anstieg um 73 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Sexualstraftaten nahm zu, um sechs Prozent auf über 50.000 Betroffene.

Auch im digitalen Raum erleben insbesondere junge Frauen häufig Hass – in einer Externer Link: repräsentativen Befragung aus dem Jahr 2024 gibt knapp jede dritte Frau im Alter von 16 bis 24 Jahren an, bereits von Hass im Netz betroffen gewesen zu sein. Dies führt dazu, dass der Großteil der betroffenen Frauen sich weniger im Internet äußert.

Sexualisierte Gewalt als Waffe

Interner Link: In bewaffneten Konflikten wird sexualisierte Gewalt weiterhin systematisch eingesetzt, besonders gegen Frauen und Mädchen. 2024 wurden weltweit über 4.600 Fälle verzeichnet, ein Anstieg um rund 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr – wobei die Dunkelziffer auch hier hoch ist. Frauen und Mädchen machten dabei über 90 Prozent der Opfer aus. Die Fälle beziehen sich derzeit vor allem auf den Südsudan, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik, Haiti und Somalia.

Dass Frauen in Kriegen besonderen Schutz benötigen, erkannte der UN-Sicherheitsrat in Folge der Massenvergewaltigungen in Bosnien-Herzegowina im Jahr 2000 mit der Externer Link: Resolution 1325 an. Sie fordert den Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt sowie die stärkere Beteiligung von Frauen an Friedensprozessen. Zudem erkennt das Römische Statut des Internationalen Strafgerichtshofs Vergewaltigung im Rahmen systematischer Angriffe auf die Zivilbevölkerung als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit an.

Situation in Krisenregionen

In autoritären Regimen, die durch Konflikte und politische Instabilität geprägt sind, werden Frauenrechte besonders massiv eingeschränkt. Zu den Ländern mit den schlechtesten Lebensbedingungen für Frauen zählen Afghanistan, Jemen, die Zentralafrikanische Republik sowie Syrien, vor allem in den Bereichen Sicherheit, Bildung, wirtschaftliche Teilhabe und rechtliche Gleichstellung.

Besonders dramatisch ist die Lage in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban 2021. Mädchen dürfen keine weiterführenden Schulen besuchen, Frauen sind von Universitäten ausgeschlossen, ihre Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt und viele Berufe bleiben ihnen verwehrt. Auch im Iran verschärfte sich die Situation für Frauen weiter. Der Tod der 22-jährigen Jina Mahsa Amini im Jahr 2022 löste zwar landesweite Proteste gegen Diskriminierung und staatliche Kontrolle aus, doch reagierte das Regime mit verstärkter Repression, Verhaftungen und harten Strafen gegen Aktivistinnen.

Reproduktive Rechte von Frauen

Interner Link: Reproduktive Rechte betreffen die Familienplanung und Fortpflanzung von Frauen. Diese stehen weltweit unter Druck: Etwa 214 Millionen Frauen im geschlechtsreifen Alter haben keinen Zugang zu Verhütungsmitteln. Auch wenn die Müttersterblichkeit deutlich zurückgegangen ist, sterben weiterhin etwa 260.000 Frauen jährlich an Komplikationen während Schwangerschaft und Geburt.

Im Jahr 2020 verschärfte Polen sein bereits striktes Abtreibungsgesetz von 1993 zu einem faktischen Verbot. Ausnahmen gelten nur, wenn das Leben der Mutter gefährdet ist oder nach einer Vergewaltigung. Auch nach einem Regierungswechsel im Herbst 2023 und einem gescheiterten Reformversuch 2024 bleibt Polen Interner Link: eines der Länder mit den strengsten Abtreibungsgesetzen in Europa. In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch nur straffrei möglich, wenn dieser innerhalb der ersten 12 Schwangerschaftswochen durchgeführt wird und die betroffene Frau von einer anerkannten Beratungsstelle beraten wurde. Straflos bleibt ein Schwangerschaftsabbruch außerdem bei medizinischen oder kriminologischen Gründen. Interner Link: 2022 hob der Bundestag das Werbeverbot für Abtreibungen (Paragraph 219a) auf.

In den Vereinigten Staaten entschied der Oberste Gerichtshof im Jahr 2022, Interner Link: Abtreibung nicht wie zuvor als bundesweites Grundrecht zu schützen. Dies hat weiterhin Folgen. Mehrere republikanisch regierte Bundesstaaten haben seitdem ihre Abtreibungsgesetze teils stark verschärft, in 13 ist ein Schwangerschaftsabbruch verboten. In Europa gab es auch gegenteilige Entwicklungen. So hat Frankreich als erstes Land weltweit die Freiheit zum Schwangerschaftsabbruch in die Verfassung aufgenommen.

Gender Gap auf dem Arbeitsmarkt

Obwohl Frauen in Deutschland gesetzlich gleichgestellt sind, bestehen weiterhin unter anderem im Erwerbsleben strukturelle Benachteiligungen. Der „Gender Gap Arbeitsmarkt“ macht diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern sichtbar, indem er die Lohnunterschiede, die bezahlte monatliche Arbeitszeit sowie die Interner Link: Erwerbsbeteiligung – also den Anteil der berufstätigen Frauen und Männer – vergleicht. Laut Statistischem Bundesamt lag der Gender Gap Arbeitsmarkt im Jahr 2025 mit 37 Prozent auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr. Damit stagniert die Entwicklung, nachdem der Indikator im Jahr 2024 noch rückläufig war. Die Ungleichheit setzt sich im Interner Link: „Gender-Pension-Gap“, also der „Rentenlücke“ fort. Dieser Indikator beschreibt den relativen Unterschied der Alterssicherungseinkommen von Männern und Frauen ab 65 Jahren. Dieser Unterschied lag 2025 bei 24 Prozent bei Frauen mit Hinterbliebenenrenten und bei 36 Prozent bei Frauen ohne Hinterbliebenenrenten.

Frauen in höheren Positionen und Ämtern

Interner Link: In Führungspositionen sind Frauen in Deutschland nach wie vor wenig vertreten. Weniger als jede dritte Führungskraft ist weiblich – ein Wert, der sich seit zehn Jahren kaum verändert hat. In den 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen lag der Anteil weiblicher Vorstandsmitglieder zuletzt bei 19 Prozent und stagnierte damit erstmals nach Jahren des Anstiegs. Es bleiben strukturelle Hürden bestehen: Weil Frauen häufiger berufliche Auszeiten für Kinderbetreuung oder Pflege nehmen, haben sie oft geringere Aufstiegschancen. Außerdem existieren weiterhin geschlechtsspezifisch geteilte Arbeitsmärkte, also männer- bzw. frauendominierte Branchen, die für Frauen tendenziell niedrigere Einkommen, ein niedrigeres soziales Ansehen und höhere Armuts- und zum Teil auch Arbeitsplatzrisiken mit sich bringen.

Auf politischer Ebene zeigen sich weltweit teils Fortschritte. Der Anteil weiblicher Abgeordneter in nationalen Parlamenten stieg von elf Prozent im Jahr 1995 auf nunmehr 27 Prozent. Anders sieht es an der Staatsspitze aus: Im Januar 2025 waren global nur 25 von 189 erhobenen Staatsoberhäupter weiblich, zwölf davon in Europa.

In Deutschland sank der Frauenanteil im Bundestag nach der Interner Link: vergangenen Wahl wieder auf rund von 35 auf 32 Prozent. Damit rangiert Deutschland im internationalen Vergleich von Parlamenten auf Platz 60 von 185 Ländern.

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Fussnoten

Fußnoten

  1. Die Internationale Sozialistische Frauenkonferenz war ein Zusammenschluss internationaler sozialistischer Organisationen. Die erste Konferenz fand bereits 1907 in Stuttgart statt, unter Beteiligung deutscher Delegierten. Und das, obwohl sich Frauen in Deutschland bis 1908 nicht in politischen Vereinen oder Parteien engagieren durften.

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