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Folgen des Brexits

Redaktion

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Vor zehn Jahren stimmte eine knappe Mehrheit der Menschen in Großbritannien für den Austritt aus der EU. Welche Folgen hatte der Brexit für das Land?

Pro-europäische Demonstrierende schwenken vor dem britischen Parlament EU-Flaggen. (© AP, Kirsty Wigglesworth)

Am 23. Juni 2016 stimmten 52 Prozent der Britinnen und Briten für einen Austritt aus der Europäischen Union (EU). Nachdem der EU-Austritt wegen schwieriger Verhandlungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich mehrmals verschoben werden musste, wurde der Brexit schließlich Anfang 2020 vollzogen.

Die wirtschaftlichen Folgen des Brexits wurden schnell spürbar, da der Handel mit der EU stark eingeschränkt wurde und Investitionen zurückgegangen sind. Zehn Jahre nach dem Referendum ist das öffentliche Meinungsbild ein anderes: Eine Mehrheit der britischen Bevölkerung hält den Brexit für die falsche Entscheidung.

Hintergründe des Brexit Referendums

Anfang der 2010er-Jahre mehrten sich bereits Stimmen für einen Austritt Großbritanniens aus der EU. Nach ihrem Wahlsieg 2015 kündigte die Interner Link: Konservative Partei („Tories“) ein Referendum für das Jahr 2016 an. Obwohl einige Umfragen zuvor eine knappe Mehrheit für den Verbleib in der EU prognostiziert hatten, stimmten 52 Prozent der Wählerinnen und Wähler für den Brexit.

Viele Befürworterinnen und Befürworter waren davon überzeugt, dass Großbritannien die Zuwanderung nach einem EU-Austritt besser begrenzen könne. Auch andere Themen wie die nationale Souveränität, die Mitgliedsbeiträge an die EU sowie die wirtschaftliche Unabhängigkeit prägten die Debatte um den Brexit. Auf den Volksentscheid folgten schwierige Verhandlungen über die Modalitäten des britischen EU-Austritts.

Mehr Infos zum Brexit finden Sie Interner Link: hier.

Wirtschaftliche Folgen des Brexits

Da in der Wirtschaftsentwicklung viele Faktoren eine Rolle spielen, lässt sich keine direkte Kausalität zum Brexit herstellen. Dennoch besteht zehn Jahre nach dem Referendum weitgehend wissenschaftlicher Konsens, dass der Brexit der britischen Wirtschaft geschadet hat.

Externer Link: Einem Bericht der Aston University in Birmingham zufolge sank der Wert der britischen Warenexporte in die EU zwischen 2021 und 2023 um 27 Prozent, der Wert der Importe um 32 Prozent. In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Lieferengpässen, etwa bei Arzneimitteln oder Lebensmitteln, die zwar nicht allein auf den Brexit zurückzuführen sind, aber durch ihn verschärft wurden.

Externer Link: Nach Schätzungen des US-amerikanischen Wirtschaftsinstituts „National Bureau of Economic Research“ war das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025 um sechs bis acht Prozent niedriger, als es ohne den Brexit gewesen wäre. Grundlage ist ein Vergleich des Vereinigten Königreichs mit 33 anderen fortgeschrittenen Volkswirtschaften. Die Unternehmensinvestitionen im Vereinigten Königreich seien um 12 bis 18 Prozent niedriger als in einem hypothetischen Szenario ohne Brexit. Die Produktivität sowie die Zahl der Erwerbstätigen lagen jeweils um vier Prozent unter dem Niveau der Vergleichsgruppe.

Zugleich ist festzuhalten: Das reale Wirtschaftswachstum des Vereinigten Königreichs bewegt sich 2026 mit 0,8 Prozent auf dem gleichen Niveau wie in Deutschland und nur knapp unter dem EU-Durchschnitt von 1,3 Prozent. Auch mit Blick auf die Wirtschaftsentwicklung zeichnet sich im Vergleich des Niveaus vor der Corona-Pandemie mit heute ein ähnliches Bild: Im ersten Quartal 2026 ist die Wirtschaft in Großbritannien um 6 Prozent und in der Eurozone um 6,6 Prozent im Vergleich zum letzten Quartal 2019 gewachsen.

Gestiegene Lebensmittelpreise

Neben globalen Krisen, wie der Corona-Pandemie oder dem russischen Angriffskrieg auf die gesamte Ukraine, trug auch der Brexit dazu bei, dass viele Produkte im Vereinigten Königreich teurer wurden. Dies sorgte nicht nur in Großbritannien, sondern in der gesamten EU für hohe Inflationsraten: Nach Beginn der globalen Corona-Pandemie lag die Inflation in Deutschland 2022 bei rund acht Prozent – in Großbritannien sowie der EU dagegen bei gut neun Prozent.

Besonders stark stiegen die Lebensmittelpreise in Großbritannien: So waren sie im November 2025 knapp 40 Prozent teurer als im November 2020. Zu dem starken Anstieg hatten auch die Handelsbarrieren mit der EU infolge des Brexits beigetragen. Im gleichen Zeitraum verteuerten sich die Lebensmittelpreise in der EU um rund 35 Prozent.

Keine Personenfreizügigkeit

EU-Bürgerinnen und -Bürger dürfen sich seit dem Brexit nur noch für einen begrenzten Zeitraum in Großbritannien aufhalten. Mit dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember 2020 endete die Personenfreizügigkeit. Hinzuziehende EU-Staatsangehörige benötigen seitdem ein Visum, um im Vereinten Königreich zu arbeiten.

In den Jahren nach dem Brexit berichteten zahlreiche Branchen über Fachkräftemangel. Externer Link: Eine Untersuchung des Migration Observatory der Universität Oxford von 2022 zeigt, dass Branchen wie das Gastgewerbe, der Einzelhandel oder das Gesundheitswesen vom Ende der Freizügigkeit stark beeinträchtigt wurden. Da viele Arbeitgeber vor dem Brexit auf EU-Arbeitskräfte angewiesen waren, verschärfte dieser den Fachkräftemangel. Seit dem Austritt aus der EU hat sich der Anteil an Arbeitskräften aus Nicht-EU-Ländern knapp verdoppelt – viele von ihnen wurden für das Gesundheitswesen rekrutiert.

Zugleich resultierte der angespannte Arbeitsmarkt nicht allein aus dem Brexit, sondern auch aus den Folgen der Corona Pandemie sowie längerfristigen strukturellen Problemen.

Kein Rückgang bei der Migration

Das zentrale Brexit-Versprechen, die Migration nach Großbritannien deutlich zu reduzieren, wurde bislang nicht oder nur teilweise erreicht. Zwar ist Interner Link: die Zahl der aus der EU nach Großbritannien kommenden Arbeitskräfte gesunken, die von Migrantinnen und Migranten aus anderen Ländern dagegen gestiegen.

2023 wanderten etwa 1,4 Millionen Menschen in das Land ein – ein neuer Höchststand. Die Zahl der Netto-Zuwanderung (Einwanderung minus Auswanderung) belief sich für das Jahr 2023 auf etwa 850.000. Seit 2024 sinkt die Zahl der Menschen wieder, die nach Großbritannien einwandern: Im Jahr 2024 lag die Netto-Zuwanderung bei rund 330.000. Zum Vergleich: In den zehn Jahren vor dem Brexit lag die Netto-Migration bei 200.000 bis 300.000 Menschen pro Jahr.

Abkommen sollen wirtschaftliche Brexit-Folgen abmildern

Die EU und das Vereinigte Königreich einigten sich eine Woche vor dem Binnenmarktaustritt nach langen Verhandlungen auf ein Handels- und Kooperationsabkommen. Dieses trat im Januar 2021 vorläufig und im Mai 2021 dauerhaft in Kraft. Das Abkommen beinhaltet eine Freihandelsvereinbarung. Das heißt, Zölle entfallen auf den beidseitigen Warenverkehr.

Eine „harte“ Grenze zwischen der Republik Irland und dem zum Vereinigten Königreich gehörenden Nordirland wurde durch das sogenannte Interner Link: Nordirland-Protokoll abgewendet, das die Zollgrenze de facto in die Irische See verschiebt. Es wurde mittlerweile im „Windsor-Rahmen“ fortgeschrieben.

Zudem wurden Kooperationen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich in anderen Bereichen wie der Energiepolitik und dem Klimaschutz vereinbart. Für weite Teile des Dienstleistungssektors gilt das Handels- und Kooperationsabkommen dagegen nicht. Der Zugang zum EU-Binnenmarkt für den in der britischen Wirtschaft zentralen Bankensektor wurde nicht in das Handels- und Kooperationsabkommen aufgenommen. Darüber hinaus bestehen seit dem Brexit höhere Hürden im Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmitteln.

Im Mai 2025 einigten sich die amtierende Regierung und die EU-Kommission auf eine „Erneuerte Agenda für die Zusammenarbeit zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich“, die neben einem Sicherheits- und Verteidigungspakt auch eine engere Kooperation in den Bereichen Handel, Fischerei und Jugendmobilität vorsieht. Zudem wurde in Technologie und Justiz sowie in der Begrenzung illegaler Migration eine engere Zusammenarbeit vereinbart. Darüber hinaus wurde der Abbau von Hindernissen beim Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmitteln vereinbart.

Im Februar 2026 unterzeichneten beide Parteien zudem ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Wettbewerbsfragen. Im April 2026 einigten sich die EU-Kommission und die Regierung in London darauf, dass Großbritannien ab 2027 in das Erasmus Programm der EU zurückkehren soll.

Verstärkte Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik

Nach dem russischen Angriff auf die gesamte Ukraine im Jahr 2022 verstärkten diverse europäische Staaten ihre Zusammenarbeit im Verteidigungsbereich. Auch Deutschland und Großbritannien arbeiten etwa bei der Beschaffung von Waffen für die Ukraine zusammen.

2024 einigten sich die deutsche und die britische Regierung auf die sogenannte „Trinity House“-Vereinbarung. Diese sieht die Stärkung der Verteidigungsindustrie, den Schutz der NATO-Ostflanke sowie eine bessere Zusammenarbeit in den Bereichen Luft, Land, See, Weltraum und Cyber vor. Großbritannien und Deutschland wollen unter anderem gemeinsam neue Langstreckenwaffen und Drohnen entwickeln.

Im Rahmen eines Abkommens zwischen der EU und Großbritannien haben beide Seiten im Mai 2025 eine Sicherheits- und Verteidigungspartnerschaft unterzeichnet. Neben einer stärkeren Unterstützung der Ukraine sieht dieses regelmäßige Treffen sowie eine intensivierte Zusammenarbeit in der maritimen sowie der Cyber- und Weltraumsicherheit vor.

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Das Erasmus-Programm fördert allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport in Europa, wodurch u.a. Studierende, Auszubildende und Schüler Auslandsaufenthalte im europäischen Ausland realisieren können.

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