Am 2. Juli 1776 stimmte der Zweite Kontinentalkongress – die Versammlung der Delegierten der 13 Kolonien Britisch-Nordamerikas – für die Unabhängigkeit von Großbritannien.
Traditionell feiern die US-Amerikaner den Unabhängigkeitstag mit Paraden, Feuerwerk, Reden und zahlreichen Festen. Dieses Jahr fallen die Feierlichkeiten besonders groß aus.
Der schwierige Weg zur Unabhängigkeit
Bereits im 16. Jahrhundert begannen die englische, spanische und französische Krone Expeditionen in die Neue Welt (den amerikanischen Kontinent) zu entsenden. Die erste dauerhafte englische Kolonie entstand Anfang des 17. Jahrhunderts in Nordamerika, bis tief ins 18. Jahrhundert siedelten sie vor allem an der Ostküste Nordamerikas.
Der Versuch, die amerikanischen Kolonien an der Rückzahlung der Kriegsschulden zu beteiligen, führte bei den Kolonisten zu erheblichem Unmut. Auch durften sie auf Druck der Briten wichtige Güter wie Tee nicht selbst herstellen, sondern mussten sie aus Großbritannien importieren – dabei wurden immense Zölle fällig.
Der Widerstand der Kolonien wurde 1763 durch ein Verbot der Siedlungstätigkeit weiter westwärts zusätzlich angeheizt. Die britische Regierung wollte damit sicherstellen, dass die indigene Bevölkerung ihr Land westlich der Kolonien behalten konnte, so sollten weitere Konflikte mit ihnen vermieden werden – viele Kolonialisten reagierten darauf jedoch mit Unverständnis, Ablehnung und Wut.
Auch kritisierten viele amerikanische Politiker und Publizisten, dass die Kolonien nicht im britischen Parlament vertreten waren, jedoch hohe Steuern entrichten mussten. Eine dabei in Großbritannien kaum beachtete Maßnahme war das am 22. März 1765 verabschiedete Stempelsteuergesetz („Stamp Act“). Es verpflichtete die Kolonien, Steuern auf jegliches bedruckte Stück Papier zu erheben (offizielle Dokumente, Zeitungen oder gar Pamphlete). Das führte zu massivem Widerstand innerhalb der Kolonien, aus dem heraus es zu dem berühmten Ausspruch kam: “No taxation without representation“ (dt.: keine Besteuerung ohne politische Vertretung). Der „Stamp Act“ wurde 1766 mit dem „Declaratory Act“ wieder außer Kraft gesetzt.
Widerstand und Proteste nahmen Anfang der 1770er-Jahre weiter zu und erreichten ihren Höhepunkt in der sogenannten
1774 trafen sich Vertreter der Kolonien in Philadelphia, um Widerstand gegen die sogenannten Intolerable Acts (dt.: Unerträgliche Gesetze) zu organisieren – das waren Strafgesetze des britischen Parlaments als Reaktion auf die Boston Tea Party. Auf diesem ersten Kontinentalkongress forderten die Delegierten die Rücknahme der repressiven Gesetze, verkündeten die Beendigung des Handels mit Großbritannien und riefen zum Boykott britischer Waren auf.
Ein seltener Druck der Unabhängigkeitserklärung – das „Essex Broadside“ vom Juli 1776, eine der frühesten Druckausgaben des Gründungsdokuments der Vereinigten Staaten – in New York City im Rahmen der Sammlung „Visions of America“ bei Sotheby’s (Aufnahmedatum: 17. Januar 2025). (© picture-alliance)
Ein seltener Druck der Unabhängigkeitserklärung – das „Essex Broadside“ vom Juli 1776, eine der frühesten Druckausgaben des Gründungsdokuments der Vereinigten Staaten – in New York City im Rahmen der Sammlung „Visions of America“ bei Sotheby’s (Aufnahmedatum: 17. Januar 2025). (© picture-alliance)
Am 19. April 1775 kam es dann zwischen Siedler-Milizen und britischen Soldaten zu ersten Gefechten. Sie markierten den Beginn des acht Jahre dauernden Unabhängigkeitskriegs (1775-1783). Mit der Führung der Armee wurde George Washington, welcher bereits im French and Indian War gekämpft hatte und später zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden sollte, beauftragt.
Am 2. Juli 1776 erklärten Vertreter der 13 Kolonien auf dem zweiten Kontinentalkongress ihre Loslösung vom Vereinigten Königreich. Die Unabhängigkeitserklärung wurde zwei Tage später unterzeichnet.
Mehrere, mit Großbritannien verfeindete, europäische Großmächte unterstützten die Unabhängigkeitsbewegung in ihrem Kampf – so schickte zum Beispiel Frankreich ab Ende der 1778 Waffen und Soldaten nach Übersee, später unterstützten auch Spanien und die Niederlande. Die Briten kapitulierten 1781 bei Yorktown. Doch erst im September 1783 erkannte das Vereinigte Königreich im Frieden von Paris die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika auch formell an.
QuellentextThe Declaration of Independence – die Unabhängigkeitserklärung
(4. Juli 1776, Auszüge)
„Wenn es im Zuge der Menschheitsentwicklung für ein Volk notwendig wird, die politischen Bande zu lösen, die es mit einem anderen Volke verknüpft haben, und unter den Mächten der Erde den selbständigen und gleichberechtigten Rang einzunehmen, zu dem Naturrecht und göttliches Gesetz es berechtigen, so erfordert eine geziemende Rücksichtnahme auf die Meinung der Menschheit, dass es die Gründe darlegt, die es zu der Trennung veranlassen. Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; dass, wenn immer irgendeine Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und diese auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es ihm zur Gewährleistung seiner Sicherheit und seines Glückes geboten zu sein scheint. [...] Die Regierungszeit des gegenwärtigen Königs von Großbritannien ist von unentwegtem Unrecht und ständigen Übergriffen gekennzeichnet, die alle auf die Errichtung einer absoluten Tyrannei über diese Staaten abzielen. [...]
Daher tun wir, die in einem gemeinsamen Kongress versammelten Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, [...] feierlich kund, dass diese Vereinigten Kolonien freie und unabhängige Staaten sind und es von Rechts wegen bleiben sollen; dass sie von jeglicher Treuepflicht gegen die britische Krone entbunden sind, und dass jegliche politische Verbindung zwischen ihnen und dem Staate Großbritannien vollständig gelöst ist und bleiben soll. [...]“
Hartmut Wasser, Die USA – der unbekannte Partner, Ferdinand Schoeningh Verlag, Paderborn 1983, Seite 38 ff.. Ein offizielles Transkript des Originaltextes finden Sie Externer Link: hier.
Warum war die Unabhängigkeitserklärung zu ihrer Zeit so besonders?
Zwar gab es in Europa vereinzelte Stadtstaaten, welche nicht von einem gekrönten Oberhaupt regiert wurden, doch durch die Gründung der
Indem die Verfasser unveräußerliche Rechte des Menschen festschrieben, gilt die
Von besonders großer Bedeutung war die Verabschiedung von Grundrechtskatalogen. So sicherte eine im Jahre 1776 in Virginia verabschiedete Bill of Rights ihren Bürgerinnen und Bürgern unter anderem Presse- und Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, ein Versammlungsrecht, Schutz vor willkürlicher Verhaftung und Folter sowie das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zu. Zwar war es nicht Ziel, eine soziale Gleichstellung innerhalb der Gesellschaft zu schaffen, revolutionär aber war, dass politische Privilegien nicht mehr vererbt werden konnten.
Einschränkung der Freiheits- und Gleichheitsrechte von Beginn an
Die in der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung manifestierten Freiheits- und Mitbestimmungsrechte galten allerdings zunächst nicht für alle Bewohner des US-Territoriums. Frauen hatten ebenso wie Besitzlose,
So feiern die USA
Das 250-jährige Jubiläum wird ein Jahr lang mit aufwändigen Feiern und Gedenkveranstaltungen, historischen Ausstellungen sowie Militärparaden begangen. Zusätzlich wird in Washington vom 25. Juni bis zum 10. Juli der Externer Link: „Great American State Fair” stattfinden. Täglich soll es dort Gedenkveranstaltungen, Feiern, Märsche oder andere Events anlässlich des Jubiläums geben. Im Vorfeld der Eröffnungsfeier wurde eine zu starke Instrumentalisierung durch US-Präsident Donald Trump befürchtet, weswegen mehrere Musiker ihre Teilnahme an der offiziellen Feier in Washington abgesagt haben und die geplante Konzertreihe entfallen musste. Zur Eröffnungsfeier sollen zwischen 5.000 und 10.000 Menschen gekommen sein.
Auch in Deutschland wird der Unabhängigkeitstag gefeiert. So lud die Externer Link: US-Botschaft „Gemeinden im ganzen Land, von der Bundes- bis zur Kommunalebene, Schulen, Non-Profit-Organisationen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger [dazu ein], Teil dieser historischen Feier zu werden“.