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250 Jahre Unabhängigkeit der USA | Hintergrund aktuell | bpb.de

250 Jahre Unabhängigkeit der USA

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Am 4. Juli feiern die USA das 250. Jubiläum ihrer Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien. Für die politisch-kulturelle Identität des Landes ist dieses Datum bis heute von besonderer Bedeutung.

Pressevertreter stehen vor einem der „Freedom Trucks“, die als „mobile Museen“ im Rahmen der Feierlichkeiten zum 250-jährigen Jubiläum der Vereinigten Staaten in diesem Sommer zum Einsatz kommen sollen und hier am 22. April 2026 auf der National Mall in Washington ausgestellt wurden. (© picture-alliance, NurPhoto | Lenin Nolly)

Am 2. Juli 1776 stimmte der Zweite Kontinentalkongress – die Versammlung der Delegierten der 13 Kolonien Britisch-Nordamerikas – für die Unabhängigkeit von Großbritannien. Zwei Tage später wurde die Unabhängigkeitserklärung in Philadelphia verabschiedet. Bis heute gehört dieser Tag zu einem der höchsten Feiertage in den USA. Die Erinnerung an die Unabhängigkeitserklärung an jedem 4. Juli und die Gründungsgeschichte der Vereinigten Staaten haben für das Selbstverständnis des Landes große Bedeutung und prägen die politische Kultur des Landes bis heute: Als Manifestation von Freiheit und Gleichheit, unveräußerliche Rechte und Volkssouveränität.

Traditionell feiern die US-Amerikaner den Unabhängigkeitstag mit Paraden, Feuerwerk, Reden und zahlreichen Festen. Dieses Jahr fallen die Feierlichkeiten besonders groß aus.

Der schwierige Weg zur Unabhängigkeit

Bereits im 16. Jahrhundert begannen die englische, spanische und französische Krone Expeditionen in die Neue Welt (den amerikanischen Kontinent) zu entsenden. Die erste dauerhafte englische Kolonie entstand Anfang des 17. Jahrhunderts in Nordamerika, bis tief ins 18. Jahrhundert siedelten sie vor allem an der Ostküste Nordamerikas.

Interner Link: Der Weg zur staatlichen Unabhängigkeit wurde unter anderem durch aufklärerische Ideen sowie Interner Link: kulturelle und (geo)politische Veränderungen im Verlaufe des 18. Jahrhunderts begünstigt. Ein weiterer bedeutender Faktor, der zur Loslösung vom Mutterlang beitrug, war der sogenannte French and Indian War (1754-1763), in dem Großbritannien und Frankreich um die Vorherrschaft in Nordamerika kämpften. Mit dem Sieg Großbritanniens verlor Frankreich fast alle seine Territorien, die größtenteils im heutigen Kanada lagen. Somit fiel eine äußere Bedrohung für die britischen Kolonien weg. Jedoch verschuldete sich die britische Krone im Zuge seiner in jener Zeit geführten Kriege stark.

Der Versuch, die amerikanischen Kolonien an der Rückzahlung der Kriegsschulden zu beteiligen, führte bei den Kolonisten zu erheblichem Unmut. Auch durften sie auf Druck der Briten wichtige Güter wie Tee nicht selbst herstellen, sondern mussten sie aus Großbritannien importieren – dabei wurden immense Zölle fällig.

Der Widerstand der Kolonien wurde 1763 durch ein Verbot der Siedlungstätigkeit weiter westwärts zusätzlich angeheizt. Die britische Regierung wollte damit sicherstellen, dass die indigene Bevölkerung ihr Land westlich der Kolonien behalten konnte, so sollten weitere Konflikte mit ihnen vermieden werden – viele Kolonialisten reagierten darauf jedoch mit Unverständnis, Ablehnung und Wut.

Auch kritisierten viele amerikanische Politiker und Publizisten, dass die Kolonien nicht im britischen Parlament vertreten waren, jedoch hohe Steuern entrichten mussten. Eine dabei in Großbritannien kaum beachtete Maßnahme war das am 22. März 1765 verabschiedete Stempelsteuergesetz („Stamp Act“). Es verpflichtete die Kolonien, Steuern auf jegliches bedruckte Stück Papier zu erheben (offizielle Dokumente, Zeitungen oder gar Pamphlete). Das führte zu massivem Widerstand innerhalb der Kolonien, aus dem heraus es zu dem berühmten Ausspruch kam: “No taxation without representation“ (dt.: keine Besteuerung ohne politische Vertretung). Der „Stamp Act“ wurde 1766 mit dem „Declaratory Act“ wieder außer Kraft gesetzt.

Widerstand und Proteste nahmen Anfang der 1770er-Jahre weiter zu und erreichten ihren Höhepunkt in der sogenannten Interner Link: Boston Tea Party. Mehrere Dutzend Bostoner enterten im Dezember 1773 drei mit Tee beladende Handelsschiffe und warfen die Ladung über Bord. Bereits drei Jahre zuvor waren die Proteste in der in Massachusetts gelegenen Stadt eskaliert, als britische Soldaten in eine aufgebrachte Menge schossen und fünf Zivilisten töteten („Boston Massacre“).

1774 trafen sich Vertreter der Kolonien in Philadelphia, um Widerstand gegen die sogenannten Intolerable Acts (dt.: Unerträgliche Gesetze) zu organisieren – das waren Strafgesetze des britischen Parlaments als Reaktion auf die Boston Tea Party. Auf diesem ersten Kontinentalkongress forderten die Delegierten die Rücknahme der repressiven Gesetze, verkündeten die Beendigung des Handels mit Großbritannien und riefen zum Boykott britischer Waren auf.

Ein seltener Druck der Unabhängigkeitserklärung – das „Essex Broadside“ vom Juli 1776, eine der frühesten Druckausgaben des Gründungsdokuments der Vereinigten Staaten – in New York City im Rahmen der Sammlung „Visions of America“ bei Sotheby’s (Aufnahmedatum: 17. Januar 2025). (© picture-alliance)

Am 19. April 1775 kam es dann zwischen Siedler-Milizen und britischen Soldaten zu ersten Gefechten. Sie markierten den Beginn des acht Jahre dauernden Unabhängigkeitskriegs (1775-1783). Mit der Führung der Armee wurde George Washington, welcher bereits im French and Indian War gekämpft hatte und später zum ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt werden sollte, beauftragt.

Am 2. Juli 1776 erklärten Vertreter der 13 Kolonien auf dem zweiten Kontinentalkongress ihre Loslösung vom Vereinigten Königreich. Die Unabhängigkeitserklärung wurde zwei Tage später unterzeichnet.

Mehrere, mit Großbritannien verfeindete, europäische Großmächte unterstützten die Unabhängigkeitsbewegung in ihrem Kampf – so schickte zum Beispiel Frankreich ab Ende der 1778 Waffen und Soldaten nach Übersee, später unterstützten auch Spanien und die Niederlande. Die Briten kapitulierten 1781 bei Yorktown. Doch erst im September 1783 erkannte das Vereinigte Königreich im Frieden von Paris die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika auch formell an.

QuellentextThe Declaration of Independence – die Unabhängigkeitserklärung

(4. Juli 1776, Auszüge)

„Wenn es im Zuge der Menschheitsentwicklung für ein Volk notwendig wird, die politischen Bande zu lösen, die es mit einem anderen Volke verknüpft haben, und unter den Mächten der Erde den selbständigen und gleichberechtigten Rang einzunehmen, zu dem Naturrecht und göttliches Gesetz es berechtigen, so erfordert eine geziemende Rücksichtnahme auf die Meinung der Menschheit, dass es die Gründe darlegt, die es zu der Trennung veranlassen. Folgende Wahrheiten erachten wir als selbstverständlich: dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind; dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören; dass zur Sicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingesetzt werden, die ihre rechtmäßige Macht aus der Zustimmung der Regierten herleiten; dass, wenn immer irgendeine Regierungsform sich als diesen Zielen abträglich erweist, es Recht des Volkes ist, sie zu ändern oder abzuschaffen und eine neue Regierung einzusetzen und diese auf solchen Grundsätzen aufzubauen und ihre Gewalten in der Form zu organisieren, wie es ihm zur Gewährleistung seiner Sicherheit und seines Glückes geboten zu sein scheint. [...] Die Regierungszeit des gegenwärtigen Königs von Großbritannien ist von unentwegtem Unrecht und ständigen Übergriffen gekennzeichnet, die alle auf die Errichtung einer absoluten Tyrannei über diese Staaten abzielen. [...]

Daher tun wir, die in einem gemeinsamen Kongress versammelten Vertreter der Vereinigten Staaten von Amerika, [...] feierlich kund, dass diese Vereinigten Kolonien freie und unabhängige Staaten sind und es von Rechts wegen bleiben sollen; dass sie von jeglicher Treuepflicht gegen die britische Krone entbunden sind, und dass jegliche politische Verbindung zwischen ihnen und dem Staate Großbritannien vollständig gelöst ist und bleiben soll. [...]“

Hartmut Wasser, Die USA – der unbekannte Partner, Ferdinand Schoeningh Verlag, Paderborn 1983, Seite 38 ff.. Ein offizielles Transkript des Originaltextes finden Sie Externer Link: hier.

Warum war die Unabhängigkeitserklärung zu ihrer Zeit so besonders?

Zwar gab es in Europa vereinzelte Stadtstaaten, welche nicht von einem gekrönten Oberhaupt regiert wurden, doch durch die Gründung der Interner Link: USA entstand die erste Demokratie der Neuzeit in einem Flächenstaat. Ebenso neu war es zur damaligen Zeit, dass sich die Verfassungen der US-Einzelstaaten – bei Verkündung der Unabhängigkeitserklärung hatten vier Kolonien bereits eigene Verfassungen – auf das Prinzip der Volkssouveränität beriefen.

Indem die Verfasser unveräußerliche Rechte des Menschen festschrieben, gilt die Interner Link: Unabhängigkeitserklärung als Manifestation aufklärerischen Denkens. Auch bedeutete sie einen radikalen Bruch mit dem Gottesgnadentum und ein Bekenntnis zur Herrschaft des Volkes. Sie betont den Wert von Freiheit und Gleichheit sowie das Recht auf Widerstand gegen eine schlechte Regierung, d.h. ihre Abwählbarkeit. Auch bildet sie das Fundament und den Rechtsrahmen für die US-amerikanische Regierungsform, also Gewaltenteilung und Rechtsstaatlichkeit, wie sie später in der Externer Link: US-Verfassung von 1789 und der Externer Link: Bill of Rights von 1791 Gestalt annehmen sollten. Das politische System der USA ist stark von Interner Link: „Checks and Balances“ geprägt, demgemäß jede Macht im Staat durch eine institutionelle Gegenmacht kontrolliert werden können muss. So wird die Macht des Präsidenten und seiner Regierung durch den Kongress ebenso eingehegt wie durch die von Weisungen unabhängige Justiz. Zur damaligen Zeit war dies ein völlig neues Staatsmodell, das sich von den Feudalstaaten auf dem alten Kontinent maßgeblich unterschied.

Von besonders großer Bedeutung war die Verabschiedung von Grundrechtskatalogen. So sicherte eine im Jahre 1776 in Virginia verabschiedete Bill of Rights ihren Bürgerinnen und Bürgern unter anderem Presse- und Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, ein Versammlungsrecht, Schutz vor willkürlicher Verhaftung und Folter sowie das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück zu. Zwar war es nicht Ziel, eine soziale Gleichstellung innerhalb der Gesellschaft zu schaffen, revolutionär aber war, dass politische Privilegien nicht mehr vererbt werden konnten.

Einschränkung der Freiheits- und Gleichheitsrechte von Beginn an

Die in der Unabhängigkeitserklärung und der Verfassung manifestierten Freiheits- und Mitbestimmungsrechte galten allerdings zunächst nicht für alle Bewohner des US-Territoriums. Frauen hatten ebenso wie Besitzlose, Interner Link: Afroamerikaner und Sklaven in den USA lange Zeit kein Wahlrecht, Interner Link: ebenso waren Indigene in der Praxis oft weitgehend rechtlos. Viele Schwarze lebten in Sklaverei, zur Zeit der Unabhängigkeitserklärung war etwa jeder sechste der knapp drei Millionen Einwohner der 13 Kolonien versklavt – formell wurde die Sklaverei erst nach Ende des Interner Link: Bürgerkriegs 1865 landesweit abgeschafft. In der Praxis aber hielten die gesetzlich legitimierte Diskriminierung und politische Entrechtung der Afroamerikaner in zahlreichen Bundesstaaten noch bis weit in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein an – erst der Interner Link: Bürgerrechtsbewegung und -gesetzgebung der 1960er Jahre (Civil Rights Act of 1964, Voting Rights Act of 1965) gelang es, eine de facto Gleichberechtigung zu erkämpfen. Auch Angehörige anderer Minderheiten litten unter Diskriminierung und ungleicher Behandlung. Frauen erhielten das Wahlrecht erst im Jahr 1920 landesweit.

So feiern die USA

Das 250-jährige Jubiläum wird ein Jahr lang mit aufwändigen Feiern und Gedenkveranstaltungen, historischen Ausstellungen sowie Militärparaden begangen. Zusätzlich wird in Washington vom 25. Juni bis zum 10. Juli der Externer Link: „Great American State Fair” stattfinden. Täglich soll es dort Gedenkveranstaltungen, Feiern, Märsche oder andere Events anlässlich des Jubiläums geben. Im Vorfeld der Eröffnungsfeier wurde eine zu starke Instrumentalisierung durch US-Präsident Donald Trump befürchtet, weswegen mehrere Musiker ihre Teilnahme an der offiziellen Feier in Washington abgesagt haben und die geplante Konzertreihe entfallen musste. Zur Eröffnungsfeier sollen zwischen 5.000 und 10.000 Menschen gekommen sein.

Auch in Deutschland wird der Unabhängigkeitstag gefeiert. So lud die Externer Link: US-Botschaft „Gemeinden im ganzen Land, von der Bundes- bis zur Kommunalebene, Schulen, Non-Profit-Organisationen, Unternehmen, Bürgerinnen und Bürger [dazu ein], Teil dieser historischen Feier zu werden“.

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