Wer nach Angeboten der politischen Bildung sucht, denkt zunächst an dafür spezialisierte Institutionen. Aber denkt man auch an Streaming-Portale wie YouTube, Vimeo, TikTok, Instagram, Twitch, Netflix, Amazon Prime oder Mediatheken? Dort findet sich seit dem Start von YouTube im Jahr 2005 eine zunehmende Anzahl von millionenfach aufgerufenen Videos, unter denen es einige wenige ausgewogene politische Bildungsangebote gibt.
Streaming-Angebote als Bildungsressource?
Unter Streaming-Portalen werden im Folgenden digitale Plattformen verstanden, die audiovisuelle Inhalte entweder live oder on demand bereitstellen. Diese Angebote entsprechen den Mediennutzungsgewohnheiten junger Zielgruppen: Laut JIM-Studie 2025 haben 90 % der 12- bis 19-Jährigen Zugang zu Videostreaming-Diensten. Die durchschnittliche werktägliche Streaming-Nutzung liegt bei 109 Minuten mit einem klaren Anstieg im Altersverlauf: von 98 Minuten bei den 12- bis 13-Jährigen auf 121 Minuten bei den 18- bis 19-Jährigen (vgl. mpfs 2025, S. 71). Die werktägliche Nutzung von YouTube allein beträgt durchschnittlich 80 Minuten (vgl. ebd.). Vor diesem Hintergrund erscheint es folgerichtig, dass auch Angebote politischer Bildung dort präsent sein sollten, wo insbesondere junge Menschen medial sozialisiert werden.
Die große Herausforderung dabei: Wie lassen sich inmitten der Vielzahl von Inhalten qualitativ hochwertige, sachlich fundierte und zielgruppengerechte politische Bildungsangebote erkennen – und wie können diese sinnvoll in Bildungssettings, etwa in Schule oder außerschulischen Kontexten, eingebunden werden? Grundsätzlich gilt: Nahezu jedes mediale Format kann unter geeigneter pädagogischer Rahmung für politische Bildung genutzt werden. Nachrichtensendungen bieten Anknüpfungspunkte für die Analyse aktueller Diskurse, Dokumentarfilme ermöglichen Perspektivwechsel und vertiefte Auseinandersetzungen, fiktionale Serien – wie zum Beispiel die ARD-Serie „Parlament“ – können institutionelle Abläufe nachvollziehbar darstellen. Die Nutzung solcher Formate trägt nicht nur zur Motivation bei, sich mit politischen Inhalten auseinanderzusetzen, sondern fördert auch das Verständnis von Politik als medial vermitteltem Prozess.
Angebotsstrukturen auf Streaming-Plattformen
Die Inhalte auf Streaming-Plattformen lassen sich grob drei Anbietertypen zuordnen:
professionelle Medienanbieter, darunter öffentlich-rechtliche und private Sender, Content-Netzwerke und kommerzielle Plattformen wie Netflix oder Prime Video, die meist mit einzelnen Produktionsfirmen zusammenarbeiten, aber auch selbst produzieren,
institutionelle Anbieter zum Beispiel Bildungseinrichtungen wie die Bundeszentrale für politische Bildung oder Landeszentralen,
private Anbieter sowie Content-Creators, das heißt Einzelpersonen oder kleinere Teams und Agenturen, die eigene (politische) Formate und Kanäle betreiben.
Gestaltungslogiken und Plattformästhetik
Die formale Gestaltung politischer Bildungsangebote auf Streaming-Plattformen orientiert sich in der Regel an den spezifischen Anforderungen der jeweiligen Ausspielkanäle. Dazu zählen beispielsweise Formatvorgaben wie das vertikale 9:16-Format bei Instagram und TikTok. Inhalte, die aktuelle Plattformfunktionen nutzen, etwa bestimmte Filter, Sounds oder Features, werden durch algorithmische Empfehlungsmechanismen häufiger angezeigt. Dies kann zu einer erhöhten Reichweite führen, wobei diese oftmals mit kommerziellen Interessen verknüpft ist, etwa durch Werbeeinkäufe oder Kooperationen.
Videoangebote auf professionellen Video-on-Demand-Plattformen oder in Mediatheken unterscheiden sich häufig durch höhere Produktionsstandards und redaktionelle Kuratierung. Dabei wird gezielt auf die Ansprache bestimmter Zielgruppen geachtet. Ein Beispiel ist die Gestaltung von Anzeigebildern (Thumbnails) und Titeln, die auf Plattformlogiken und Publikumserwartungen abgestimmt sind.
Insbesondere auf Plattformen wie YouTube finden sich Formate, die auf erklärende Vermittlung setzen. Die auch als „Erklärbären“ (Vock 2020, S. 45) bezeichneten YouTuber*innen präsentieren politische Inhalte und ihre Hintergründe in strukturierter Form und zielen auf ein breites Verständnis beim Publikum. Auch längere Hintergrundinterviews mit Expert*innen, Politiker*innen oder Zeitzeug*innen können als Beiträge zur politischen Bildung eingeordnet werden, sofern sie eine nachvollziehbare und sachlich fundierte Aufarbeitung der jeweiligen Thematik leisten.
Ob Inhalte professionell oder amateurhaft produziert wurden, ist dabei nicht zwingend ausschlaggebend für ihre Wirkung oder Reichweite. Entscheidend ist vielmehr, ob die gestalterische Umsetzung anschlussfähig an die Wahrnehmungsgewohnheiten der jeweiligen Zielgruppe ist. Angebote, die authentisch erscheinen und sich in die Ästhetik und Kommunikationsstile der Plattform einfügen, werden als glaubwürdiger wahrgenommen. Dieser Faktor kann insbesondere bei jüngeren Rezipient*innen zur Wirksamkeit beitragen.
Qualitätskriterien: Orientierung trotz Vielfalt
Die Definition von Qualitätsstandards für politische Bildungsangebote auf Streaming-Portalen bleibt schwierig. Zwar existieren grundlegende Maßstäbe – etwa der
Auch das Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsenses erhält im Kontext audiovisueller Formate neue Relevanz. Gestalterische Mittel wie Musik, Schnitt, Nahaufnahmen oder eine emotionale, direkte Ansprache können stärker involvieren als klassische Textformate. Diese ästhetischen Verfahren erhöhen das Potenzial zur Emotionalisierung, was die Gefahr birgt, dass Inhalte weniger reflektiert und distanziert aufgenommen werden. Eine rein formale Bewertung von Gestaltung und Ästhetik greift deshalb zu kurz. Entscheidend ist vielmehr, ob das Format politische Urteilsbildung ermöglicht und zur eigenständigen Auseinandersetzung etwa durch Perspektivenvielfalt, transparente Argumentationsführung oder didaktische Einbettung anregt.
Hohe Aufrufzahlen (bei YouTube zum Beispiel über 100.000 Views) sind bei der Einschätzung geeigneter Formate zumeist ebenso wenig verlässlich wie die Anzahl von Nutzendenkommentaren über die entsprechenden Funktionen bei einigen Social-Media-Plattformen, da es hochwertige Angebote gibt, die sich nur an ein relativ kleines Publikum wenden. Gleichzeitig zeichnen sich reichweitenstarke Videos nicht immer durch die Güte oben genannter Merkmale aus. Die Kommentarfunktion ist darüber hinaus nicht bei allen Angeboten aktiviert und stellt damit keine verlässlichen Vergleichsparameter her.
Für eine erste Einschätzung von Content (Inhalten) mit politisch-bildnerischer Ausrichtung hinsichtlich der Qualität oder Geeignetheit gibt es allenfalls Indizien. Orientierung können erste Indikatoren bieten: Transparenz über Urheberschaft und redaktionelle Verantwortung (z. B. durch ein Impressum), Angabe von Quellen und Überprüfung dieser, kenntlich gemachtes Product Placement und klare Trennung zwischen Kommentar und Fakten. Auch die Verortung in einem größeren pädagogischen oder journalistischen Kontext kann auf Qualität hinweisen. Allgemein gilt, dass sich Inhalte nur umfassend und verlässlich beurteilen lassen, wenn die Plattformbetreiber hinreichend (a) transparent, (b) nachvollziehbar und (c) rückverfolgbar ihre Themen kommunizieren.
Die JIM-Studie 2025 hebt hervor, dass Jugendliche sich zwar stark über soziale Medien informieren, jedoch nur ein geringer Anteil Inhalte auf Glaubwürdigkeit prüft oder Quellen hinterfragt (vgl. mpfs 2025, S. 54). Politische Bildungsangebote sollten daher auch medienkritische Kompetenzen fördern. Aus didaktischer Perspektive erscheint es sinnvoll, politisch-bildnerische Inhalte aus Streaming- und Social-Media-Plattformen gezielt in formale Bildungssettings zu integrieren. Dies ermöglicht eine begleitete Auseinandersetzung mit den Formaten und schafft Räume, in denen auch kontextbedingte Herausforderungen – etwa algorithmisch gefilterte Sichtweisen, virale Dynamiken oder polarisierende Kommentarkulturen – gemeinsam reflektiert werden können. Insbesondere weil viele Streaming-Angebote informell und individuell genutzt werden, können sie in pädagogisch gerahmten Kontexten als Ausgangspunkt für vertiefende Diskussionen, Recherchen oder Medienanalysen dienen. Auf diese Weise lassen sich auch Defizite im Bereich Medienkritik und Informationskompetenz gezielt adressieren.
Im Folgenden seien einige Beispiele von unterschiedlichen Anbietern auf verschiedenen Streaming-Portalen vorgestellt, die Anschlüsse für die politische Bildungsarbeit eröffnen können.
Beispielangebote von öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Streaming-Plattformen
ARD und ZDF haben ihre Mediatheken inzwischen zu vernetzten Streaming-Plattformen ausgebaut, ergänzen diese aber durch gezielte Präsenz auf Drittplattformen wie YouTube oder Kooperationen mit VoD-Diensten. Eine Besonderheit ist in diesem Zusammenhang das von ARD und ZDF gemeinsam finanzierte Content-Netzwerk funk. Hier werden Formate jenseits klassischer Fernsehsendungen produziert, die sich an ein jüngeres Publikum im Alter zwischen 14 bis 29 Jahren wenden. Vertiefende Informationen zur dieser Zielgruppe haben Moritz Stock und Florian Krauß in dem Artikel „
Erklärformate: „MrWissen2go" (funk), „DieDaOben!" (funk), „Explained" (Netflix)
Eines der bekanntesten Angebote dürften die Videos von Mirko Drotschmann sein, der sowohl im Hauptprogramm des ZDF zu sehen ist (und damit auch im ZDF-Streaming-Portal präsent) wie auch als Produzent und Moderator seiner Videos auf den YouTube-Kanälen Externer Link: „MrWissen2go" und Externer Link: „MrWissen2go Geschichte | Terra X". Auf diesen präsentiert der studierte Historiker und Journalist Erklärvideos. Zunächst als Externer Link: Ergänzungsangebot für den Schulunterricht gestartet, wurden die Videos ab 2017 Teil des funk-Netzwerks mit dem Ziel, einem jungen Publikum „spannendes Allgemeinwissen rund um Politik, Geschichte und das aktuelle Zeitgeschehen“ zu vermitteln, wie in der Kanalinfo auf YouTube beschrieben wird. Drotschmann greift dabei kontinuierlich aktuelle politische Themen auf und bietet neben historischen Einordnungen auch Analysen zu den Wahlprogrammen der einzelnen Parteien sowie zur aktuellen Nachrichtenlage. Im Februar 2026 folgen dem Externer Link: Kanal „MrWissen2go" über 2,38 Millionen Abonnent*innen.
Die Netflix-Dokureihe „Explained“, produziert von Vox Media, greift gesellschaftlich relevante, häufig auch kontrovers diskutierte Themen in kompakter Form auf. Jede Episode widmet sich in rund 20 Minuten einem Schwerpunktthema – von globalen Finanzsystemen über Wahlprozesse bis hin zu Rassismus oder Geschlechterrollen. Die Reihe zeichnet sich durch eine klare visuelle Sprache, ein hohes Erzähltempo und eine journalistisch fundierte Aufbereitung aus. Die Kombination aus erklärenden Animationen, O-Tönen von Expert*innen und Archivmaterial macht sie ebenfalls besonders zugänglich für ein jüngeres Publikum. Für die politische Bildung bietet die Serie einen niedrigschwelligen Einstieg in komplexe Themen, allerdings bedarf es einer kritisch-reflektierenden Einordnung, da „Explained“ primär auf ein US-amerikanisches Publikum ausgerichtet ist und nicht immer eine globale Perspektive berücksichtigt.
Auch der Kanal „Externer Link: DieDaOben!“ von funk hat den Anspruch Informationen zu politischen Sachverhalten bereitzustellen. Die Videos werden von im Bild sichtbaren Moderator*innen geleitet und mit zitathaften Ausschnitten aus Film- und Fernsehsendungen unterlegt bzw. mit eigens geführten Interviews. Während Zahlen, Fakten und Studien unter anderem in eingeblendeten Diagrammen und Grafiken präsentiert werden, erfolgt die Kommentierung des Inhalts meist in Umgangs- oder Jugendsprache, wodurch insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene angesprochen werden sollen. Der YouTube-Kanal hat circa 343.000 Abonnent*innen (Stand: Februar 2026).
Debatte als Format? „Die 100 – Was Deutschland bewegt“ und „13 Fragen“
Mit „Die 100 – Was Deutschland bewegt“ (NDR, WDR) und „13 Fragen“ (ZDF) stehen zwei diskursorientierte Formate zur Verfügung, die politische Kontroversen für ein breiteres Publikum aufbereiten. Beide Formate werden linear ausgestrahlt und sind in den jeweiligen Mediatheken sowie auf YouTube abrufbar (Kanäle: tagesschau bzw. ZDFunbubble). „Die 100“ stellt eine kontrovers diskutierte Frage ins Zentrum. Zwei Journalist*innen präsentieren gegensätzliche Argumente, 100 Personen im Studio beziehen sichtbar Stellung, indem sie sich räumlich zwischen „Pro“ und „Contra“ positionieren. Der Fokus liegt auf Meinungsbildung im Prozess und der Abbildung verschiedener Perspektiven. Das Format wird online intensiv rezipiert und hinsichtlich der inhaltlichen Rahmung, der Auswahl und Präsentation der Argumente sowie der Zusammensetzung der hundert Personen kontrovers diskutiert. Auf Plattformen wie YouTube oder TikTok finden sich zahlreiche Reaction-Videos und Diskussionsbeiträge. „13 Fragen“ wendet sich durch die inhaltliche Schwerpunktsetzung und Zusammensetzung der Gäste insbesondere an ein jüngeres Publikum. Sechs Personen mit gegensätzlichen Einstellungen diskutieren auf einem Spielfeld, das die Distanz zwischen den Positionen symbolisiert. Ziel ist es, in 13 Runden Bewegung in Richtung Kompromiss zu erzeugen. Jeder Schritt in die Mitte markiert eine inhaltliche Annäherung. Der argumentative Austausch ist dabei darauf angelegt, Prozesse der Selbstreflexion und gegebenenfalls der Positionsanpassung anzuregen.
Videomaterialsammlungen: „planet schule“ und „ZDF goes Schule“
Weniger sichtbar in der breiten Streaming-Landschaft, aber didaktisch fundiert aufbereitet, sind die explizit für den Schulunterricht entwickelten Onlineangebote öffentlich-rechtlicher Sender wie „Externer Link: planet schule“ und „Externer Link: ZDF goes Schule“. Beide Plattformen richten sich gezielt an Lehrkräfte und bieten audiovisuelle Materialien zur Nutzung im insbesondere schulischen Bildungskontext. „planet schule“, ein gemeinsames Projekt vom Südwestrundfunk (SWR) und Westdeutschem Rundfunk (WDR), stellt über ein webbasiertes Portal unterrichtstaugliche Videos zur Verfügung, darunter kurze Erklärformate ebenso wie längere Dokumentationen. Viele der Filme sind mit zusätzlichen didaktischen Materialien wie Arbeitsblättern, interaktiven Modulen oder Quizformaten kombiniert. Aktuelle Themen der politischen Bildung werden regelmäßig aufgegriffen, etwa in dem Beitrag „Externer Link: Die Bundeskanzler*in-Wahl“, der die Funktionsweise parlamentarischer Demokratie vermittelt. Auch das Angebot „ZDF goes Schule“ stellt Lernvideos, Dokus, Erklärformate und begleitende Unterrichtsmaterialien bereit. Neben politischen Themen wie Demokratie, Grundrechte oder internationale Konflikte finden sich auch Beiträge zu gesellschaftlichen Fragestellungen und Medienkompetenz. Besonders hervorzuheben ist die enge Anbindung an aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Debatten sowie die Orientierung an den Bildungsplänen der Bundesländer.
Beispielangebote von Institutionen der politischen Bildung
Auch die einschlägigen Institutionen der politischen Bildung, wie etwa die Bundeszentrale für politische Bildung oder die verschiedenen Landeszentralen für politische Bildung, sind mit zahlreichen Videoprojekten auf den Streaming-Portalen präsent.
YouTube-Kanal: „JUGEND PRÄGT“
Das Angebot „Jugend prägt“ vom Landesjugendring Thüringen e.V. soll den demokratischen Diskurs mit digitalen Mitteln und die Teilhabe junger Menschen fördern. (Bildschirmaufnahme)
Das Angebot „Jugend prägt“ vom Landesjugendring Thüringen e.V. soll den demokratischen Diskurs mit digitalen Mitteln und die Teilhabe junger Menschen fördern. (Bildschirmaufnahme)
Die auf YouTube gehosteten Erklärvideos von „Externer Link: JUGEND PRÄGT“ sind kurz und prägnant (kaum länger als fünf Minuten) und bestehen meist aus einem Offkommentar mit animierten Grafiken. Einige Videos werden von einem Moderator vorgestellt, der im Vordergrund in einem Studio zu sehen ist, während im Hintergrund eine Animation abläuft. Die Videos greifen aktuelle und wichtige gesellschaftliche Themen auf wie zum Beispiel Externer Link: soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Diskriminierung, Diversität oder Fokusthemen wie etwa Externer Link: „Landtagswahl einfach erklärt". Die meisten Videos haben deutlich unter 10.000 Aufrufe. „JUGEND PRÄGT" wird von einer Initiative verantwortet, die vom Landesjugendring Thüringen getragen wird. Ziel ist es unter anderem, den demokratischen Diskurs mit digitalen Mitteln zu fördern, indem junge Menschen in die Lage versetzt werden, komplexe politische Sachverhalte zu analysieren, sich ein eigenes Urteil zu bilden und aktiv zu handeln (vgl. JUGEND PRÄGT o. J.).
Eigenständige Streaming-Plattform: bpb-Mediathek
Die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) bündelt eine Vielzahl an Videoformaten, Dokumentationen, Talks und Erklärfilmen, die für den Einsatz in Bildungskontexten konzipiert sind. Viele der Inhalte sind didaktisch aufbereitet, mit Zusatzmaterialien wie Arbeitsblättern oder thematischen Dossiers verknüpft und frei zugänglich. Die bpb verfolgt dabei das Ziel, politische Themen niedrigschwellig, verständlich und zielgruppenorientiert für schulische wie außerschulische Bildungsarbeit aufzubereiten. Ein Beispiel für ein plattformübergreifendes Videoangebot der bpb ist „
Beispielangebote von privaten Anbietern
Ein erheblicher Teil politisch relevanter Video-Inhalte auf Streaming-Plattformen stammt von privaten Anbieter*innen – darunter Einzelpersonen, kleinere Teams oder unabhängige Produktionskollektive. Diese Formate sind häufig aus individueller Initiative entstanden, etwa aus einem journalistischen, aktivistischen oder edukativen Interesse heraus. Sie thematisieren politische Sachverhalte, kommentieren aktuelle Ereignisse oder bieten Einordnungen und Diskussionen. Die Spannweite hinsichtlich Produktionsbedingungen, inhaltlicher Qualität und redaktioneller Sorgfalt ist dabei erheblich. Während einige Creator mit einfachen Mitteln und ohne Einbindung von Agenturen oder Redaktionen arbeiten, verfügen andere über erhebliche Reichweiten, professionelle Ausstattungen und ein eigenes Team. Auch wirtschaftlich sind viele Angebote unterschiedlich aufgestellt: Neben spendenfinanzierten Projekten oder ehrenamtlichem Engagement gibt es reichweitenstarke Kanäle, die durch Werbung, Sponsoring oder Produktplatzierung kommerziell erfolgreich agieren.
Ihre Anschlussfähigkeit an jugendliche und junge Zielgruppen ergibt sich dabei häufig aus einer plattformgerechten Ansprache und einer subjektiv-authentischen Präsentation, die Nähe und Relevanz erzeugt. Genau darin liegt ihr Potenzial für politische Bildungsprozesse, aber auch die Notwendigkeit zur Einordnung und Reflexion im Rahmen pädagogischer Begleitung.
Politik im Kurzformat: „nini_erklaert_politik"
Die Politikwissenschaftlerin und Creatorin Nina behandelt auf ihrem Instagram-Kanal „Nini_erklärt_Politik“ aktuelle Geschehnisse und Entwicklungen und ordnet diese für ihre Community aus persönlicher Perspektive ein. (Bildschirmaufnahme)
Die Politikwissenschaftlerin und Creatorin Nina behandelt auf ihrem Instagram-Kanal „Nini_erklärt_Politik“ aktuelle Geschehnisse und Entwicklungen und ordnet diese für ihre Community aus persönlicher Perspektive ein. (Bildschirmaufnahme)
Ein Beispiel für einen erfolgreichen Externer Link: TikTok- und Externer Link: Instagram-Kanal ist „nini_erklaert_politik“, betrieben von Nina Poppel, die Politikwissenschaft studiert hat und als freie Journalistin, Moderatorin und Content-Creatorin arbeitet. In ihren kurzen Videos, die meist weniger als eine Minute dauern und auf Instagram teilweise nur in Bildform veröffentlicht werden, präsentiert sie ihre persönliche Sicht auf aktuelle politische Geschehnisse und Entwicklungen. Mit ihren Kanälen erreicht sie inzwischen circa 456.000 (Instagram) bzw. 133.000 Follower*innen (TikTok, Stand: Februar 2026) und füllt eine wichtige Nische: Statt eine objektive Erklärung der politischen Themen bietet sie einen subjektiven Zugang zur jeweiligen Situation, ohne sich dabei parteipolitisch festzulegen. Häufig beginnen ihre Videos mit der Ansprache: „Leute, was war das denn wieder für ne Woche?“ In ihren Videos setzt Poppel typische Stilmittel von Instagram und TikTok wie Emojis und Texteinblendungen ein, legt großes Augenmerk auf die Darstellung ihres persönlichen Bezugs zur Arbeit und gibt Einblick in ihr persönliches Umfeld und ihre Lebensweise beispielsweise zeigt sie ihre Wohnung. In ihren Videos findet sich zum Teil – offensichtlich und im Kommentar transparent erklärt – Product-Placement. Formate wie dieses stehen exemplarisch für eine wachsende Zahl niedrigschwelliger politischer Informationsangebote auf Social-Media-Plattformen, die sich bewusst an die Mediennutzungsgewohnheiten junger Zielgruppen anlehnen.
Interviews im Livestream: „JUNG & NAIV“
Im YouTube-Format „JUNG & NAIV“ interviewt Thilo Jung bekannte Persönlichen zu politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen und macht diese für ein breites Online-Publikum zugänglich. (Bildschirmaufnahme)
Im YouTube-Format „JUNG & NAIV“ interviewt Thilo Jung bekannte Persönlichen zu politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Themen und macht diese für ein breites Online-Publikum zugänglich. (Bildschirmaufnahme)
Das Format „Externer Link: JUNG & NAIV“ funktioniert grundsätzlich anders als die meisten Angebote: Die Länge eines Videos liegt in der Regel zwischen drei bis vier Stunden. Es besteht in der Regel aus einem vom Moderator Tilo Jung intensiv geführten Interview mit nur einer Person. Dargestellt werden sowohl biografische Hintergründe der jeweiligen Gesprächspartner*innen als auch komplexe Inhalte zu bestimmten Themen in verständlicher Form. In den inzwischen weit über 700 veröffentlichten Interviews gibt Moderator Jung auch kontrovers diskutierten Persönlichkeiten Raum, ihre Ansichten vorzustellen. Mit der Interviewreihe scheut Jung sich nicht, vielschichtige Themen zu behandeln, um so zum Beispiel die politische Dimension von angrenzenden Wissenschaftsgebieten wie etwa Soziologie oder Philosophie deutlich zu machen. Die Interviews werden auf verschiedenen Streaming-Portalen, insbesondere als Livestream auf YouTube und als Podcast, ausgespielt. Das Projekt „JUNG & NAIV“ finanziert sich seit 2015 über Spenden und Werbeeinnahmen und hat auf YouTube 612.000 Abonnent*innen (Stand: Dezember 2025). Der Kanal und insbesondere das dazugehörige Talk-Format stehen dabei mittlerweile exemplarisch für eine Reihe von Video-Podcasts, die auf intensive Gespräche mit Akteur*innen aus Wissenschaft, Medien und Politik sowie Hintergrundwissen setzen.
Zugegeben: Es ist nicht einfach, bei der stetig wachsenden Anzahl von veröffentlichten Angeboten den Überblick zu behalten und eine qualitative Einschätzung geben zu können. Umso wichtiger ist es, Informations- und Nachrichtenkompetenz aufzubauen, um zwischen seriösen und unseriösen Medienangeboten unterscheiden zu können. Hierbei sind unterschiedliche Akteure gefragt – seien es die Schulen oder die politische Bildung, um nur einige wenige zu nennen. Um geeignete politische Bildungsangebote im Bereich Streaming und Social Web wahrzunehmen, hilft es, das Überangebot an Inhalten und Informationen auf den Plattformen nicht nur passiv zu konsumieren, sondern aktiv nach Informationen bzw. Angeboten zu recherchieren, zu selektieren und bewusst zu rezipieren.