Eindruck vom Hackathon, Entwicklung von Prototypen

Redaktion am 08.02.2017

2. Tag #DiBiGe16: Ergebnisse aus den Sessions

Am zweiten Tag der Veranstaltung "Digitale Bildung & Geflüchtete" fanden 22 Open-Space-Sessions statt, in denen sich die Teilnehmenden in drei Runden für jeweils eine Stunde zu vorher festgelegten Themen austauschen konnten. Hier wurden Themen konkretisiert, Erfahrungen abgeglichen, konkrete Projekte weiterentwickelt und Handlungsvorschläge formuliert. Die Themen der einzelnen Sessions wurden von den Teilnehmenden selbst eingebracht. 
Wir haben die Ergebnisse der Sessions, zu denen uns Protokolle vorlagen, nach Themenfeldern gebündelt zusammengefasst.

1) Medien / Technik

Session: Online-Lernen fördern anstatt es zu behindern (Thomas von Rüden, Asylplus e. V.)
Wie kann es gelingen, selbstständiges Online-Deutschlernen bei Geflüchteten zu fördern? Für die Teilnehmenden der Session fehlte es dafür häufig noch an Internet in den Unterkünften und dem einfachen Zugang zu Fördermitteln. Jedoch seien viele der Probleme eher auf der politischen und rechtlichen, nicht auf der technischen Seite zu finden.

Um Online-Lernen unter den Neuankömmlingen bekannter zu machen, schlugen die Teilnehmenden vor, kleinere, modulare Einheiten anzubieten, die zum Nachmachen anregen. Getreu dem Motto "Tu Gutes und rede darüber" sollten diese Erfolgsgeschichten verbreitet werden. Die Vorbehalte vor Online-Lernangeboten sollten durch persönliche Begegnungen und in Zusammenarbeit mit Multiplikatorinnen bzw. Multiplikatoren vor Ort abgebaut werden. Auch die Wirtschaft solle aktiver eingebunden werden.

Session: Teilen & Bereitstellen von (Lern-)Materialien
Die Teilnehmenden dieser Session kamen zu dem Ergebnis, dass es eine zentrale Plattform oder Website geben sollte, auf der Materialien für die Arbeit mit Geflüchteten bereitgestellt werden können. Es gäbe zwar schon viele Plattformen, diese seien aber unübersichtlich. Bekannt war den Teilnehmenden, dass die Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg bereits Material bündelt, der Schubert-Verlag teilweise kostenloses Material anbietet und die Plattform etwinning europaweit Material sammelt. Auch EPALE, eine durch die Europäische Kommission bereitgestellte Plattform und Community für Expertinnen und Experten im Bereich Erwachsenenbildung bietet Materialien und einen Raum zum Austausch. Das Angebot "Ich will Deutsch lernen" des Deutschen Volkshochschulverbands stellt kostenlose Online-Deutschkurse zur Verfügung. Das Reallabor Asyl-Teilprojekt I erstellt Material: Campus Asyl plant, noch in diesem Jahr Material für Crashkurse zu erstellen. Weitere Orte des Teilens und Bereitstellens von Wissen und Materialien sind die Bildungsserver, jedoch auch lokale Stammtische und Netzwerke.



Auch über die Lizenzen, die für das Bildungsmaterial angegeben werden müssen, damit es kostenlos von anderen genutzt, aber auch problemlos bearbeitet, veröffentlicht und weitergegeben werden kann, wurde gesprochen. Hier bieten sich die Creative-Commons-Lizenzen an.

Session: Apps als Ergänzung zur Alphabetisierung
Welche Apps stehen zur Alphabetisierung bereits zur Verfügung und welche Zielgruppe sprechen diese an? Die genannten Angebote richten sich meist an Kinder, wie z. B. die App Wort-Zauberer und die Wortbild-App Icon. Diese Apps sind jedoch in der Regel nur eine Lernergänzung, da die Nutzerinnen und Nutzer bei der Anwendung begleitet werden müssen. Als Fazit ergab sich, dass es zwar Angebote gibt, aber keine, die sich gezielt an erwachsene Analphabeten richten.

Die App, die die Teilnehmenden sich in diesem Zusammenhang wünschen, müsste eine Alphabet-Einführung, Anlaute, Wortbildkonstrukte, Buchstabenzeichnen (von links nach rechts), Silbenbildung und Vokabularaufbau beinhalten.

Session: Videos mit Jugendlichen und für Geflüchtete, z. B. "Berufsbilder"
In dieser Session wurden konkrete Ideen für Filmprojekte in der Schule im Rahmen einer Projektwoche formuliert. Die Gruppengröße sollte dafür in der Regel fünf bis sieben Schülerinnen und Schüler betragen und die Themenfindung sollte von den Jugendlichen selbst übernommen werden, genauso die Umsetzung in verteilten Rollen (Kamera, Schnitt, Ton usw.). Die Betreuung sollte durch Medienpädagogen stattfinden, und die Jugendlichen könnten analog zum BYOD-Ansatz (Bring Your Own Device) mit ihrer eigenen Technik (Smartphone, Tablet) und kostenloser Schnittsoftware (z. B. MovieMaker, iMovie, Hitfilm) arbeiten. Theoriematerial stünde auf YouTube und Medienpädagogikblogs bereit. Wichtig zu beachten sei, dass GEMA-freie Musik verwendet wird, also Musik, die unter einer CC-Lizenz läuft. Diese kann z. B. durch eine Suchmaschine auf creativecommons.org gefunden werden.


Als Problem sahen die Teilnehmenden, dass eventuell eine Einverständniserklärung für Aufnahmen durch den Vormund gegeben werden muss.

Session: Sprachenlernen mithilfe von Musik-Apps (Christian Liebisch, Lern-Erlebnis-Programm "Der kleine Stern")
Zu Beginn dieser Session wurde die kommerzielle App "iMaschine 2" vorgestellt, derzeit nur für iOS erhältlich. Vorgefertigte Sounds (Texte/Sprache) ermöglichen es, eigene Sounds aufzunehmen, zu editieren und zu mixen. Für Spezialistinnen und Spezialisten im Bereich Weiterbildung und Kurse wurde die Seite "tAPP – Musik mit Apps in der kulturellen Bildung" empfohlen. Aufbauend auf der App entwickelten die Teilnehmenden eigene Ideen, wie das Sprachenlernen mithilfe von Musik-Apps umgesetzt werden kann:

Idee 1: Rhythmisches Sprechen in der Fremdsprache, dabei einen Beat laufen lassen und zum Beispiel das Gesicht beschreiben. Als Anregung wurde gegeben, eine Rollenverteilung in der Gruppe vorzunehmen mit Regie, Aufnahmeleitung, Sprechenden und Kameramann bzw. -frau. Das Arbeiten mit einer App lässt die Lernenden Selbstwirksamkeit erfahren, was förderlich für die Konzentration ist. Rhythmus fördere zudem Aussprache und die Erfahrung der Sprachmelodie.

Idee 2: Field Recording zur Aufnahme von Geräuschen, z. B. auf einen Stuhl klopfen, das Geräusch aufnehmen und dazu den Text "Das ist ein Stuhl" aufnehmen. Daraus könnte ein Geräusch-Memory erstellt werden. Die analoge Variante wären Gegenstände in Überraschungseiern.

Idee 3: Mit älteren Jugendlichen einen eigenen Groove selber herstellen.

Idee 4: Musik für Theater oder Film selber produzieren. Dies würde idealerweise mit acht bis zehn Kindern mit einem Tablet umgesetzt. Die Kinder würden dabei lernen, sich in Gruppen-Prozessen einzubringen. Es solle einen Wechsel zwischen Gruppenarbeit und Kleingruppenarbeit geben. Ein Mikrofon könnte zusätzlich eingesteckt werden, um eigene Klänge und Geräusche aufzunehmen – meist reiche aber die Qualität interner Mikros dafür aus. 


Session: Welche Materialien auf Leih-Tablets? (Cornelia Schneider-Pungs, Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung)
In dieser Session haben sich die Teilnehmenden über die Nutzung von Leih-Tablets ausgetauscht. Aufhänger war, dass das Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung von sechs Standorten aus Tablets an Sprachlernklassen verleiht. 
Bei der Nutzung von Tablets sei vorab zu klären, mit welcher Plattform gearbeitet werden soll. Zur Auswahl stehen Android und iOS. Für einen Einsatz von Mobilgeräten sprechen nach Meinung der Teilnehmenden grundsätzlich die Bedienbarkeit und die "gewohnte" Benutzeroberfläche. Es wurde auch diskutiert, ob es sinnvoller ist, mit Apps oder Angeboten im Browser zu arbeiten. Für die Nutzung von Apps spräche, dass diese gegebenenfalls auch offline nutzbar und interaktiver seien. Konzeptionell solle unterschieden werden zwischen dem Lernen und Üben mit Apps sowie der Produktion von Medien.


Die Teilnehmenden sammelten folgende Links für weitere Informationen: Session: Visual/Webvideos (Clemens Stolzenberg, bpb)
Der Fokus in dieser Session lag auf selbsterstellten Visuals und Webvideos von Geflüchteten. Die Qualität der Beiträge solle durch professionelle Begleitung gewährleistet sein. Generell seien kurze Videos vorzuziehen, die über Facebook und mehrere andere Kanäle gestreut werden sollten, da Webvideos nicht gezielt gesucht würden. Eine Verbreitung sollte allerdings nur stattfinden, wenn die Beiträge eine zufriedenstellende Qualität hätten. Lange Videos würden nur funktionieren, wenn "bekannte Persönlichkeiten, Communitys oder eine emotionale Bindung vorhanden sind". Eine andere Möglichkeit sei es, MOOCs (Onlinekurse) selbst zu erstellen. Generell wurde Mut zum (digitalen) Medieneinsatz gefordert. Zusätzlich wurde über das Thema "News" und dessen Relevanz insbesondere für Geflüchtete gesprochen. Als möglichen Rahmen zur Erstellung von Videos wurden Talentcamps mit Geflüchteten, zum Beispiel als Feriencamps genannt.

Session: Lernen per Videokonferenz in Erstaufnahmeeinrichtungen (Cornelia Schneider-Pungs, Niedersächsisches Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung)
Die in dieser Session diskutierte Idee war, Unterricht per Videokonferenz durch DaZ-Lehrkräfte bereitzustellen. Dies solle gegen die "Leerlaufzeit" in den Notunterkünften helfen und als Kooperation mit Ehrenamtlichen und Schulen vor Ort stattfinden. Als Unterrichtsskript wurde über ein "Spiralcurriculum" gesprochen; dabei wird der Lernstoff nicht linear angeordnet, stattdessen werden einzelne Themen im Laufe des Schuljahres mehrmals aufgegriffen. Dadurch sei ein Seiteneinstieg jederzeit möglich, was aufgrund der Fluktuation in den Unterkünften vorteilhaft sei. Das Thannhauser Modell könne als Grundlage dienen. 



2) Berufsbildend/-orientierend

Session: Berufsorientierung mit Willkommensklassen: Welche Elemente sind wichtig für eine gelingende Berufsorientierung mit/für Geflüchtete(n)? (Julia Hoffmann, Medienkompetenzzentrum CIA Spandau - Computer in Action)
Die Teilnehmenden der Session waren sich einig, dass die Berufsorientierung mit und für Geflüchtete zahlreiche Herausforderungen mit sich bringt, vor allem in Bezug auf interkulturell verschiedenartige Vorstellungen von (Aus-)Bildung, Berufen, Berufsbranchen etc. 
Eine gelingende Berufsorientierung müsste den Teilnehmenden zufolge ganzheitlich gedacht werden und insbesondere Lebensorientierung, Kompetenzfeststellung, sprachliche Kompetenzvermittlung und Wissensvermittlung einbeziehen. Zu klären sei auch, was eine Ausbildung ist und wohin diese führen kann. Informationen über die Finanzierung von (Aus-)Bildung und über die Struktur des (dualen) Bildungssystems sollten zugänglicher sein.

Session: Wie kann der Übergang von Schule zum Beruf, zur (Aus-)bildung gelingen? (Julia Bartl, Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft e. V.)
Fokus dieser Session war die Frage, wie man Jugendliche (insbesondere Geflüchtete) ohne Abschluss in den Arbeitsmarkt vermitteln könne. Die Teilnehmenden sprachen in diesem Zusammenhang über die Themen Berufs- und Ausbildungsvorbereitung, Sprachlernintegrationsklassen und die Bedeutung von Sprachhürden. Sie diskutierten darüber, wie über die Schulen Berufsorientierung stattfinden und wie durch Materialien der Bewerbungsprozess begleitet werden könne. 
 Außerdem sprachen die Teilnehmenden darüber, ob es Optionen gibt, auch ohne Abschlüsse ins Berufsleben zu starten. Dies sei ihrer Meinung nach die zentrale Frage, bei der man umdenken müsse, damit Ressourcen der Neuankömmlinge genutzt werden können. Notwendig sei dazu mehr Flexibilität von Unternehmen. Eine Idee in dieser Session war, in den ersten zwei Jahren an der Berufsschule einen klaren Fokus auf den Spracherwerb zu legen. Dafür sei eine andere Art der Prüfung erforderlich. Diskutiert wurde die Frage, wie man Geflüchtete vermitteln könne, ohne in Stereotype zu verfallen und welche Faktoren und Regeln in der deutschen Arbeitswelt wichtig seien. Regeln müssten laut den Teilnehmenden aber in jedem Fall angesprochen werden, um eine gelungene Integration in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Als Idee wurde eine Art "Knigge" mit kurzen Videoeinheiten eingebracht.

Session: Entwicklung Fachdidaktik: Arabisch als Fremdsprache (Christine Loy, Ehrenamtliche)
In dieser Session sprachen die Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit dem Arabisch-Unterricht. Ein Teilnehmender fasste seine Eindrücke zusammen: "Ich habe noch nie so viel Zeit und Geld investiert, um eine Sprache zu lernen und so wenig gelernt". Wünschenswert für die Arbeit mit Geflüchteten sei ein verstärktes Interesse an arabischen Ländern und die Erkenntnis, dass arabische Sprachkenntnisse in der Flüchtlingsarbeit wichtig seien. Es gäbe einen Bedarf an gutem Arabisch-Unterricht. Arabischsprachige Neuankömmlinge könnten als "Sprachexperten" herangezogen werden. Sie seien aber keine Sprachwissenschaftler und hätten meist keine didaktische Qualifikation. Es kam also die Frage auf, wie sie didaktisch qualifiziert werden könnten. Damit würden sie zusätzliche Qualifikationen erwerben und sich andere Arbeitsmöglichkeiten eröffnen. Außerdem käme es zu einer Anerkennung ihrer Muttersprache.


3) Angebote für Helfende

Session: Online-Module zur Schulung von Ehrenamtlichen (Ruth Hartmann, Johanniter-Unfall-Hilfe e. V.)
Welche Angebote gibt es bereits im Bereich der Schulung von Ehrenamtlichen und für wen sind diese geeignet? In welcher Form und mit welchen Inhalten finden die Fortbildungen statt? Mit diesen und weiteren Fragen rund um das ehrenamtliche Engagement beschäftigten sich die Teilnehmenden dieser Session. Grundlegend wurde die Frage diskutiert, welche Qualitätsstandards es in der ehrenamtlichen Arbeit gibt und welche Rolle die Creative-Commons-Lizenzen bei der Bereitstellung von Inhalten spielen können. Diskutiert wurde auch über die rechtlichen Grenzen ehrenamtlicher Arbeit und die Frage, wieviel Zeitaufwand Ehrenamtlichen zugemutet werden kann. Die Schulung von Ehrenamtlichen sollte den Teilnehmenden zufolge in Form eines Coachings stattfinden und prozessbegleitend sein. Dafür sei Lobbyarbeit notwendig. Wünschenswert wäre aus Sicht der Teilnehmenden die Schaffung einer bundesweit organisationsübergreifenden Plattform unter Einbeziehung verschiedener Träger und Akteure.

Session: Stärkung und Coaching für Ehrenamtliche und Pädagogen (Helga Neumann, Konflikthaus e.V.)
In dieser Session sprachen die Teilnehmenden über die Rahmenbedingungen für Ehrenamtliche. Sie fragten sich, wie man Ehrenamtliche unterstützen könne. Hier nannten sie "Persönlichkeit stärken" und "Visionen und Positionierung bewusstwerden lassen" als wichtige Punkte. Auf die Frage, welche Tools Ehrenamtliche bräuchten, nannten sie Konfliktmanagement, Kommunikationsfähigkeit und Teamverhalten. Als zeitliche Form dafür sahen sie ein Modell mit dreitägigem Crash-Kurs, monatlichen Treffen und regelmäßigem Austausch als geeignet. Die Gestaltung des Ehrenamts solle Supervision, Fortbildung und Intervision enthalten. Diese sollten als Grundkomponenten schon in der Ausschreibung angekündigt werden.


4) Politische/gesellschaftliche Bildung

Session: Elementare politische Bildung – welche Inhalte, welche Formate? (Tim Schmalfeldt, bpb)
Mit Blick auf digitale Bildungsangebote wurde zunächst über die mangelhafte Ausstattung der Schulen gesprochen. Nicht vorhandene Hardware, fehlendes WLAN und alte Rechner seien an vielen Schulen noch immer die Realität. 
 Der Bedarf nach Angeboten der politischen Bildung sei vor allem an Berufsschulen groß, hier sollten Initiativen verstärkt ansetzen. Bildungsangebote sollten dabei inklusiv gedacht und konzipiert werden, nicht nur mit Blick auf Willkommensklassen, denn es gehe um das Zusammenleben in einer heterogenen Gesellschaft insgesamt. Orientierungswissen sei vor allem in der Ankommensphase zentral. Allerdings wurde auch danach gefragt, ob die Vermittlung dieses Wissens Aufgabe der politischen Bildung sei. Nach Ansicht der Teilnehmenden sollte elementare politische Bildung vor allem Themen wie Menschen- und Frauenrechte behandeln, aber auch nicht lebensweltlich relevante Dinge wie die Funktionsweise des Bundestages vermitteln. Da bei Neuankömmlingen häufig das Faktenwissen fehle, seien besonders kurze Infofilme als Vermittlungsformen interessant. Die Teilnehmenden sprachen über "gut erzählte Geschichten, die Geschichte erzählen". Je einfacher die Sprache sei, desto besser.


Als weitere wichtige Fragen im Kontext politische Bildung nannten die Teilnehmenden der Session: 

  • Wie sind Diskurse entstanden, auf die man in Deutschland wert legt, was sind die historischen Hintergründe?
  • Welche Methoden der Diskussionsführung und Konfliktbewältigung haben sich bewährt?
  • Wie kommt Macht zustande? Inwiefern unterscheidet sich der Machtbildungsprozess in Deutschland von der Machtbildung in den Herkunftsländern?

Zudem sollten die Grundlagen des Zusammenlebens erklärt und Menschen zur Teilhabe befähigt werden.

Session: Kollaboratives Lernen – Flüchtlinge und Mehrheitsgesellschaft (Flavia Beu, Lehrerin an einer berufsbildenden Schule in Mainz)
Der Hintergrund zu dieser Session war der Ansatz, dass der Dialog sowie die kulturelle und politische Bildung kollaborativ, also mehrseitig gestaltet werden müssen. Dabei gäbe es unterschiedliche Ebenen, die kollaborative Angebote, Projekte und Plattformen benötigen. 
Dafür seien unterschiedliche digitale und analoge Formate notwendig. Als digitale Formate wurden z. B. kollaborative Plattformen zum Lernen, Festhalten, Überarbeiten, Publizieren und für den Austausch von Inhalten, Kontakten und Gesprächen im digitalen Raum genannt. Die Teilnehmenden sprachen über die Unabhängigkeit von Ort, Zeit, App und Software, die zum Beispiel auch für abgeschobene Flüchtlinge wichtig seien.


Bestehende Schwierigkeiten sahen die Teilnehmenden der Session in der strukturellen und institutionellen Förderung, sowie dem Mangel an IT, Material und Geld. Oft ginge Know-how verloren, weil Menschen, die ihre Erfahrung einbringen, aufgrund mangelnder Ressourcen nicht in den Projekten gehalten werden können. Fortbildungen und die Lehrerausbildung sollten interkulturell gestaltet werden, DaZ-Lehrer gerechter entlohnt und beschäftigt werden.

Zum Thema Willkommenskultur waren die Teilnehmenden der Meinung, dass mehr Menschen informiert und einbezogen werden sollen – in die Flüchtlingsarbeit und generell. Die Teilnehmenden schlugen regionale Lehrerstammtische vor und die Nutzung kollaborativer Plattformen (SMARTamp, klassenzimmer.at, meet up etwinning-Projekt und Plattform zur Vernetzung der Lehrenden und Schulen).

Session: Feedback zu Ideen für konkrete weitere Angebote für Geflüchtete (Rahman Satti, Archiv der Jugendkulturen e. V.)
Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit Ergebnissen aus Umfragen und Studien zu Problemen von Geflüchteten und daraus resultierenden weiteren Fragestellungen. Sie sprachen über Online-Bewertungen der Unterkünfte als Möglichkeit der Partizipation und Mitgestaltung. Schwierig dabei sei, dass es sowohl zentrale als auch sehr kleine, dezentrale Unterkünfte gibt. Wäre es sinnvoll, die Bewertungen zu veröffentlichen oder ist eine ausschließlich interne Verwendung geeignet, um Probleme anzusprechen? Soll Einblick in Verträge genommen werden können?

Außerdem wurden weitere Möglichkeiten angesprochen wie "Gelbe Seiten" für Geflüchtete, die es teilweise lokal schon gibt, oder ein Übersetzungsservice, zum Beispiel in Form einer App, der auf die Schnelle bei Kommunikationsproblemen hilft. Auch die Möglichkeit eines Online-Mentoring-Programms wurde besprochen, bei der es ein Matching von Geflüchteten und Ehrenamtlichen geben soll. Hierbei wäre ein niedrigschwelliger Zugang wichtig und es müsste eine Qualifizierung der Mentoren sichergestellt sein.

Um die Angebote sichtbar zu machen, könnte via Facebook oder WhatsApp darauf aufmerksam gemacht werden. Die Bekanntheit und Nutzung von WhatsApp liegt in verschiedenen Flüchtlingsgruppen bei etwa 50 Prozent. Dafür müssten bekannte Personen in der Community genutzt werden, um die Zielgruppe auf die jeweiligen Angebote aufmerksam zu machen (Peer Education). 
Als weitere Ideen wurde über einen Notruf-Button, einen Crowd-Source-Immobilienfonds und eine mehrsprachige Style-Beratung, zum Beispiel für Vorstellungsgespräche gesprochen.

Session: Mädchen und Jugendarbeit / Gendersensible Arbeit (z. B. zur Erarbeitung von Theaterstück) (Andrea Keller,ABC Bildungs- und Tagungszentrum)
Als Erfahrung wurde in diese Session eingebracht, dass sich tendenziell meist eher Mädchen der Mehrheitsgesellschaft sowie geflüchtete Jungen engagieren und an Angeboten teilnehmen. Daran anschließend wurde gefragt, ob geflüchtete Mädchen mehr Support benötigen, um an Veranstaltungen teilzunehmen, wie dieser Support aussehen könnte und ob für Schutzsuchende nach Geschlechtern getrennte Kurse angeboten werden sollten. Die Teilnehmenden diskutierten anschließend über geschlechtersensible Angebote und sprachen dabei über Möglichkeiten, das Selbstbewusstsein bei allen zu stärken, und Intersektionalität. Ein Punkt war außerdem, inhaltliche Angebote zu gestalten, an denen Mädchen teilnehmen können beziehungsweise auch wollen.

Das Fazit der Session war, dass so wie auch bei Angeboten für andere Zielgruppen die geschlechtersensible Arbeit wichtig sei. Als Tipp wurde ein Blogbeitrag mit dem Titel "Frauenrechte - aus der Sicht junger Frauen" genannt.

Session: Austausch über didaktisches Material zum biografischen Lernen über Flucht (Bianca Ely, Anne Frank Zentrum)
In dieser Session ging es um ein konkretes Projekt, in dem anhand von drei Biografien – dem Leben Anne Franks, einer Fluchtbiografie aus den 1990er Jahren (Balkan) und einer aktuellen Flüchtlingsgeschichte – ein Online-Lern-Tool zum biografischen Lernen über das Thema Flucht entwickelt werden soll. Zielgruppe des Projekts sind Jugendliche, nicht speziell Geflüchtete. 
Einige Teilnehmende gaben zu bedenken, dass es ein Fallstrick im Sinne einer Relativierung sein könne, eine NS-Fluchtgeschichte und eine spätere Flüchtlingsgeschichte nebeneinanderzustellen. 
Die Teilnehmenden stellten sich ferner die Frage, wie das pädagogische Material in diesem Bereich gestellt werden sollte. Als gute Beispiele wurden die Formate "Hinter uns mehr Land" (NDR) sowie das Portal "deinegeschichte.de" (bpb, Bundesstiftung Aufarbeitung, Bosch Stiftung; Laufzeit 2009–2011) genannt.

Weitere Ideen aus der Session:
  • Sprach- bzw. Biografie-Tandems
  • Allgemeine Biografiearbeit: schafft persönliche Begegnung
  • Methodenkoffer zum biografischen Lernen entwickeln und für interessierte Multiplikatoren bereitstellen
  • Lernen mit Jugendlichen zum Thema Flucht: Empathieförderung
  • Bedarf: Entwicklung von YouTube-Videos
  • Jugendliche werden über Instagram oder Snapchat angesprochen: Hierzu besteht Workshop-Bedarf
  • Biografische Arbeit gestalten, OHNE Flucht in den Mittelpunkt zu stellen
  • Begegnungen schaffen
  • Nachhaltigkeit und bleibende Dokumentation der Schüler- und Schülerinnen-Projekte: Online gut zugänglich für andere
  • Biografisches Lernen zur Erwerbstätigkeit junger Menschen: Tandem-Format
  • Begegnungsformat zwischen Jugendlichen mit verschiedenen Fluchtgeschichten
  • Online-Tools zum Storytelling


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