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Schüler-ID | Ausgewählte Beiträge von Instagram | bpb.de

Schüler-ID Stichwort

/ 2 Minuten zu lesen

Mit einer Schüler-ID sollen Bildungswege erfasst werden, um das Schulsystem gezielter zu unterstützen. Kritiker warnen vor dem "gläsernen Kind" und dem Verlust des Rechts auf einen Neuanfang.

Der Koalitionsvertrag sieht die Einführung einer bundesweiten Schüler-ID vor. Ziel ist es, die Bildungswege von Kindern und Jugendlichen genauer abzubilden. Denn ein Bildungsverlaufsregister könnte Daten von Schülerinnen und Schülern bündeln. Bildungswege sollen über Schulformen und Bundesländer hinweg statistisch erfasst werden und die Daten als Grundlage der Bildungspolitik dienen.

Kommt das Bildungs-Register?

Mit der Schüler-ID sollen Bildungsverlaufsdaten gespeichert werden. Lizenz: cc by-sa/4.0/deed.de

Laut Martin Pfafferott und Dirk Zorn von der Bertelsmann Stiftung könnte mit technischer Infrastruktur wie einer Schüler-ID das Schulsystem datengestützt gesteuert und Ressourcen gezielt verteilt werden. Bildungsverlaufsdaten könnten helfen, kritische Übergänge früher zu erkennen und anonymisierte Daten machten sichtbar, welche Unterstützung tatsächlich wirkte - so könnten beispielsweise Schulabbrüche verhindert werden.

Zitat

Eine Bildungsverlaufsstatistik schafft eine belastbare Datengrundlage und macht sichtbar, wo Bildungswege gelingen, wo junge Menschen verloren gehen und welche Maßnahmen tatsächlich wirken.

Dr. Martin Pfafferott Projektleiter, Bertelsmann Stiftung

Die Einführung gelänge nur, wenn ein gesamtgesellschaftlicher Dialog Vertrauen schüfe und das Register als sichere, gemeinwohlorientierte Infrastruktur gestaltet würde. Erste Bundesländer wie Niedersachsen planen den Start ab 2027.

Kritik an der Schüler-ID

Kritikerinnen und Kritiker aus Gewerkschaften und der Wissenschaft sehen einen Eingriff in die Privatsphäre einer besonders schutzwürdigen Gruppe. "Der zentrale Datenabruf droht Vorurteile zu schüren", so die Kritik. "Ein sozialer Neustart bei einem Schulwechsel wird so unmöglich." Daten allein senkten keine Abbrecherquoten und schüfen keine Bildungsgerechtigkeit. Schon heute würden vorhandene Schuldaten kaum sinnvoll genutzt – die ID wäre ein bürokratischer Irrweg.

Zitat

Die lückenlose Schülerakte von der Kita an nimmt Kindern [...] das Recht auf einen Neuanfang. Kitas und Schulen werden zu Datenfabriken, das Kind zum gläsernen Datensatz.

Ralf Becker GEW-Vorstandsmitglied, Berufliche Bildung und Weiterbildung
Zitat

Bildungsbiografien verlaufen alles andere als linear. Das liegt manchmal am Zugang zu Bildung selbst, oft aber auch an hochgradig individuellen Entscheidungen. Einen solchen Bildungsverlauf [...] auf Basis gut dokumentierter Daten quasi begradigen zu wollen, scheint mir kaum zu bewerkstelligen und pädagogisch durchaus problematisch.

Prof. Dr. Sandra Hofhuest Fernuni Hagen
Zitat

Keine Lehrkraft dieses Landes ruft morgens: ‚Hätten wir doch nur mehr Daten!' Was fehlt, sind kleinere Klassen, mehr Personal und eine gute Ausstattung. Wir haben keinen Datenmangel, sondern ein Umsetzungsproblem.

Anja Bensinger-Stolze GEW-Vorstandsmitglied, Berufliche Bildung und Weiterbildung

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