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Normen und Rollen in einer Gruppe

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Normen und Rollen in einer Gruppe

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Implizite oder explizite soziale Normen wirken auf das Verhalten der Gruppenmitglieder. Die Reflexion von Gruppenrollen kann dazu dienen, den Prozess der Zusammenarbeit bewusster zu gestalten.

Normen in einer Gruppe

Das Verhalten der Gruppenmitglieder wird durch soziale Normen bestimmt. "Soziale Normen sind von den Gruppenmitgliedern konsensual geteilte Erwartungen" (Stürmer / Siem 2020: 19) und beziehen sich darauf, welches Verhalten in einer bestimmten Situation in der Gruppe erwartet wird und welches nicht. (…)

  • Geteilte Normen führen in einer Gruppe zu Übereinstimmung und erleichtern das Erreichen der Gruppenziele.

  • Außerdem geben sie Sicherheit in einer Gruppe und erleichtern die Interaktion zwischen den Gruppemitgliedern, da diese berechenbarer wird.

  • Geteilte Normen schaffen auch einen gemeinschaftlich geteilten Bezugs- und Bewertungsrahmen für Ereignisse oder Verhaltensweisen.

  • Sie können identitätsstiftend sein und dabei helfen, sich von anderen Gruppen abzugrenzen (vgl. ebd.).

Normen können in Gruppen implizit vorhanden sein oder auch explizit vereinbart werden. (…) Das Thema "Normen in Gruppen" kann in inklusiven Gruppen größere Relevanz haben als in vergleichsweise homogenen Gruppen: Da die Gruppenmitglieder häufig aus sehr unterschiedlichen sozialen Milieus, Arbeitszusammenhängen, Institutionen etc. zusammenkommen, kann weniger von übereinstimmenden Normen – implizit oder explizit – ausgegangen werden. Dies zeigt sich häufig erst im gemeinsamen Arbeitsprozess.

Rollen in einer Gruppe

(…) Rollen definieren eine Stellung innerhalb einer Gruppe. Sie erleichtern das koordinierte Handeln innerhalb einer Gruppe (vgl. Stürmer / Siem 2020: 21). Die Rolle in einer Gruppe wird als Erwartung der Gruppenmitglieder definiert, die der entsprechenden Gruppenrolle entgegengebracht wird. Dabei bleiben Rolle und Person unterschieden. (…)

Die gruppendynamische Betrachtungsweise geht davon aus, dass sich in jeder Gruppe ein bestimmtes, der an sie herangetragenen oder selbst konstituierten Aufgabe und der personellen Zusammensetzung entsprechendes Set von Rollenmustern herausbildet, das nur teilweise von den individuellen Eigenschaften der jeweiligen Rollenträgerinnen und -träger bestimmt ist. Jede Gruppe ist demnach nur arbeitsfähig, wenn in ihr "ein bestimmtes Repertoire an unterschiedlichen Rollen ausgebildet werden kann" (König / Schattenhofer 2020: 48). Dazu gehören aufeinander bezogene Rollen von Führenden und Geführten, welche jeweils die Initiative ergreifen oder diese Initiativen unterstützen und umsetzen. Ebenso bedarf es kritisch anfragender Rollen, welche die Qualität der Initiativen sichern (vgl. ebd.: 53). Auch konkurrierende, beratende, vermittelnde, helfende, zurückhaltende und zweifelnde Rollen oder eine Expertinnen- oder Expertenrolle für ein bestimmtes Gebiet können Teil der Rollenkonstellation einer Gruppe sein. (…)

Rollenstruktur einer Gruppe (© eigene Darstellung in Orientierung an Schindler 1971 und König/Schattenhofer 2020, Figuren: © 2020 Rieke Böcker.)

In der Reflexion von Gruppenrollen ist ein Bewusstsein für die begrenzte Verwertbarkeit von allzu festgelegten Rollenkonzepten wichtig (vgl. Sader 2008: 82). Sie haben für die praktische Gruppenarbeit zur Situationsanalyse einen gewissen Wert, bergen aber auch die Gefahr pauschalisierender Etikettierungen von Personen, indem sie nur ausschnitthafte Situationen unkritisch verallgemeinern. Insgesamt gilt, in Auswertungsgesprächen möglichst häufig auf beschreibbares Verhalten zurückzugreifen. Dies ist klarer als eine abstrakte Rollenzuweisung und methodisch einfacher: "Die Aussage ›Du hast mich heute schon mehrfach mitten im Satz unterbrochen, ich wünschte mir, daß Du mich öfter ausreden ließest‹ ist für die Beteiligten und den Gruppenprozeß vermutlich übersichtlicher und hilfreicher als die Zuschreibung einer Dominanz-Rolle" (ebd.). Die folgenden Leitfragen bietet einen dementsprechenden praxisorientierten Leitfaden für Seminarleitungen zur Reflexion von Gruppenrollen in inklusiven Gruppen. (…)

Reflexionsfragen für Gruppen (© eigene Darstellung, Figuren: © 2020 Rieke Böcker.)

Literatur

König, Oliver / Schattenhofer, Karl (2020): Einführung in die Gruppendynamik. Heidelberg.

Sader, Manfred (2008): Psychologie der Gruppe. Weinheim u. a.

Schindler, Raoul (1971): Die Soziodynamik in der therapeutischen Gruppe. In: Heigl-Evers, Annelise (Hrsg.): Psychoanalyse und Gruppe. Göttingen. S. 21 bis 32.

Stürmer, Stefan / Siem, Birte (2020): Sozialpsychologie der Gruppe. München u. a.

Fussnoten

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