Meine Merkliste

Diener zweier Herren

Diener zweier Herren DDR-Juristen zwischen Recht und Macht

von Inga Markovits

Produktvorschau

Allgemeine Informationen
Produktpreis: 4 € und 450 Cents zuzüglich Versandkosten

Bestellmenge angeben

Dem Warenkorb hinzufügen

Inhaltsbeschreibung

Die DDR war eine Parteidiktatur ohne freie Wahlen, Gewaltenteilung oder eine unabhängige Justiz. Und doch, so die These der amerikanischen Rechtswissenschaftlerin Inga Markovits, sei eine Gleichsetzung mit der NS-Diktatur überaus fragwürdig. Unter Aufsicht der sowjetischen Besatzungsmacht versuchten die SED-Parteifunktionäre zwar von Beginn an eine systemkonforme Rechtswissenschaft in Lehre und Praxis durchzusetzen: Sie etablierten Überzeugte, eliminierten vermeintlich oder tatsächlich NS-Belastete sowie Bürgerliche und rangen darum, die fachwissenschaftliche Verwurzelung im Interesse von Partei und Doktrin aufzubrechen.

Anders als im Nationalsozialismus sei es in der DDR erst vergleichsweise spät und eher punktuell gelungen, das Recht tatsächlich im Sinne der Ideologie zu verformen – teils aus Personalnot, teils, weil den Juristen über ihre Berufsausübung hinaus die Initiative fehlte, die vielfach fortwirkenden Grundlagen bürgerlichen Rechts zu überwinden, um eine durchgängige sozialistische Gesetzgebung zu erarbeiten und durchzusetzen. Inga Markovits hat für ihre Studie ein Konvolut schriftlicher Quellen der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ausgewertet: Sitzungsprotokolle, Reporte, Kritiken, Fragebögen, Korrespondenzen und Meldungen, die nie für die Öffentlichkeit bestimmt waren. Die Autorin stellt die Entwicklung über vier Jahrzehnte differenziert dar und kommt zu dem Schluss, dass die ostdeutschen Juristen sich bis zum Untergang der DDR zunehmend mehr mit juristischen Detailfragen und dem Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis als mit den Machtinteressen einer Diktatur befassten.

Produktinformation

Bestellnummer:

10558

Reihe:

Schriftenreihe

Autor/-innen:

Inga Markovits

Ausgabe:

Bd. 10558

Seiten:

240

Erscheinungsdatum:

21.09.2020

Erscheinungsort:

Bonn

Weitere Inhalte

Schriftenreihe
Vergriffen

Der Holocaust vor deutschen Gerichten

Vergriffen

Gemessen an der großen Zahl der Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche NS-Täterinnen und Täter ist die Zahl der Verurteilten klein. Warum wurden nur vergleichsweise Wenige für ihre Verbrechen zur…

Deutschland Archiv

Nachkrieg

Am 8. Mai jährt sich zum 67. Mal das Ende des Zweiten Weltkrieges und damit die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus. Sechs Jahrzehnte später und gut 20 Jahre nach dem…

Weiße Rose

Justiz im Dritten Reich

Politische Justiz entscheidet in Abhängigkeit von politischen Einflüssen. Sie wird von diktatorischen Regimen benutzt oder stellt sich selbst in den Dienst politischer Interessen. Menschen werden…