Inhaltsbeschreibung
Die Geopolitik ist zurück – so lautet eine weit verbreitete Deutung aktueller weltpolitischer Entwicklungen. Doch dies bedeute keineswegs, so der politische Ökonom Milan Babić, dass ein Zurück zum Nationalstaat, eine Rückabwicklung der Globalisierung und eine Auflösung transnationaler Lieferketten und Handelsnetzwerke zu beobachten sei.
Vielmehr würden die im Zuge der neoliberalen Globalisierung entstandenen Verflechtungen und Abhängigkeiten zunehmend als Ressource im geoökonomischen Wettbewerb eingesetzt: Mit Sanktionen, Investitionskontrollen, Exportbeschränkungen oder industriepolitischen Programmen würden Staaten aktiv in wirtschaftliche Prozesse eingreifen, um vermeintliche Sicherheitsinteressen durchzusetzen oder anderweitige strategische Ziele zu verfolgen. Diese Politisierung des Wirtschaftslebens eröffne einerseits Spielräume, um etwa bei der Umweltpolitik entschiedenere Maßnahmen zu ergreifen und das alleinige Primat des Wirtschaftswachstums infrage zu stellen. Anderseits berge sie erhebliche Risiken: Sie heize zwischenstaatliche Konkurrenzdynamiken weiter an und erhöhe so die Gefahr der Konflikteskalation. Darüber hinaus verschärfe sie bestehende Machtasymmetrien, indem sie jene Akteure begünstige, die über die nötigen Ressourcen verfügen, um sich die Abhängigkeiten anderer Akteure zunutze machen zu können.