Inhaltsbeschreibung
Der 30. Januar 1933 markiert das Ende der Weimarer Republik. Ihr öffentlicher Rückhalt war angesichts der schwierigen politischen und sozialen Verhältnisse bereits in den Jahren zuvor fragil geworden. Parlament und Parteien zeigten sich in der Frage nach Weichenstellungen für die Zukunft immer öfter tief zerstritten und brachten die Kraft oder den Willen zum Kompromiss nicht mehr auf. Zugleich war mit dem Nationalsozialismus ein radikaler Gegner der Republik erstarkt, dem es letztlich gelang, der verwundeten Demokratie den Todesstoß zu versetzen. Die Rechtsextremisten nutzten die Spannungen in Politik und Gesellschaft durch skrupelloses Taktieren, offene Drohungen und gewaltsames Agitieren aus. Ihr pöbelndes Auftreten und eine die Demokratie verachtende Programmatik fand Resonanz in vielen Gesellschaftsschichten, besonders bei von Abstiegsangst Erfüllten sowie bei Enttäuschten und Entmutigten, die sich von den suggestiven Parolen angesprochen fühlten.
Jens Bisky zeichnet Ursachen und Phasen der Erosion der Weimarer Republik fakten- und facettenreich nach: die alten und neuen Lasten der Nachkriegszeit, Mentalitäten und Befindlichkeiten zentraler Akteure sowie die Instrumentalisierung von Sprache, Kapital, Recht und Gesetz durch die Gegner der Republik. Nicht zuletzt beleuchtet er das Gären in einer tief gespaltenen Gesellschaft, der ihr Fundament abhandengekommen war und die sich teils resigniert, teils erwartungsvoll oder gar erleichtert und euphorisch der Diktatur überantwortete.