Inhaltsbeschreibung
In Putins Russland steht der Umgang mit Geschichte zunehmend im Dienst der Propaganda. Es wurden Gesetze erlassen, die eine offizielle Erzählung der Vergangenheit festschreiben, Schulbücher umgeschrieben und Schulfächer zur vermeintlich patriotischen Erziehung eingeführt. Die historische Erinnerung wurde einem verklärenden und imperialen Narrativ geopfert. Wer sich mit Geschichte auseinandersetzt, um eine demokratische Zukunft zu fördern, erleidet massive Repressionen. So erging es auch Memorial, einer der bedeutendsten zivilgesellschaftlichen Organisationen Russlands, die 2022 nach 35-jährigem Bestehen von der russischen Regierung aufgelöst wurde.
Die neu gegründete Organisation Zukunft Memorial setzt die Arbeit aus dem Exil heraus fort: Sie dokumentiert weiterhin den Widerstand gegen den Totalitarismus, erforscht die Staatsverbrechen der Sowjetdiktatur und organisiert Bildungsprojekte sowie Ausstellungen. In Beiträgen aus der Kommunismus- und Erinnerungskulturforschung sowie aus der ehemaligen und aktuellen Dissidenz in Osteuropa würdigen die Autoren und Autorinnen in diesem Sammelband die Arbeit von Memorial und fragen danach, wie historische Erinnerung zu einer besseren Zukunft beitragen kann.