Inhaltsbeschreibung
Die Monarchie ist eine der ältesten politischen Institutionen der Menschheit und war noch am Vorabend des imperialen Zeitalters die verbreitetste Herrschaftsform. Durch die europäische Expansion im Zuge des Kolonialismus wurden die meisten außereuropäischen Monarchien zerschlagen: vom Azteken-Reich bis zum Zulu-Staat wurden ihre Herrscher inhaftiert, getötet oder verbannt. Andere Monarchen mussten sich unterwerfen und sich in die imperiale Ordnung einfügen. Die wenigen Königshäuser, die verblieben waren – Äthiopien, China, Japan, das Osmanische Reich, Persien, Siam und zunächst auch Hawai’i, Johor, Korea, Madagaskar und Marokko, bemühten sich um gute Beziehungen zu den damals bestehenden, kolonial und imperial agierenden europäischen Höfen, um die Souveränität ihrer Länder und ihre eigene dynastische Legitimität zu bewahren. Unter anderem bereisten der osmanische Sultan Abdülaziz, König Chulalongkorn von Siam, und Naser al-Din Schah von Persien den europäischen Kontinent.
Ebenso unternahm König Kalākaua von Hawai’i eine Reise nach Europa – besuchte aber vor allem auch Monarchen außereuropäischer unabhängiger Staaten, um mit ihnen Bündnisse als Gegengewicht zum westlichen Imperialismus zu schließen. Der Historiker David Motadel untersucht die Beweggründe für die Staatsbesuche außereuropäischer Monarchen im Europa des 19. Jahrhunderts, die vorbereitende Korrespondenz, den Ablauf und die Umstände des Zeremoniells im damaligen globalen Kontext und erlaubt damit einen genaueren Blick auf die internationalen Beziehungen dieser Zeit und ihre weitere Entwicklung.