Inhaltsbeschreibung
Blockbuster-Produktionen, lustige Webvideos, patriotische Popsongs und tanzende ehemalige Foltergeneräle auf Social Media: Autoritäre Kräfte haben kulturelle Ausdrucksweisen schon lange für ihre politischen Kämpfe entdeckt. Das Perfide dabei, so Gernot Wolfram, sei die heute kaum mehr entwirrbare Verschmelzung von Show und Menschenfeindlichkeit, von Unterhaltung und extrem rechtem Gedankengut. So bleiben politische Aussagen häufig bewusst vage, werden in Geschichten und Bildern verpackt. Wolfram beschreibt die Inszenierungen und Überwältigungsstrategien, die diese antidemokratische Remix-Kultur nicht nur in Europa und den USA so wirkmächtig machen. Auch anhand seiner Beobachtungen in Indien und Indonesien verdeutlicht er die globale Dimension der neuen Kulturkämpfe.
Sein Essay zeigt, wie autoritäre Kandidaten mit Erfolg populärkulturelle Formate bespielen. Der zivilgesellschaftliche Widerstand demokratischer Kräfte dürfe sich dabei nicht in moralischer Empörung erschöpfen – vielmehr sei es für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zentral, die Logik aggressiv geführter kultureller Kämpfe zurückzuweisen und neue Räume für eine aufklärerische Kultur zu schaffen.