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Sicherheitspolitischer Pragmatismus statt Idealismus | Pazifismus | bpb.de

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Sicherheitspolitischer Pragmatismus statt Idealismus Der Pazifismus der Deutschen in der Zeitenwende

Timo Graf

/ 12 Minuten zu lesen

Die populäre Behauptung, dass die Deutschen im Zuge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vom Pazifismus abgerückt seien, ist falsch. Wie empirische Daten zeigen, waren sie schon zuvor mehrheitlich keine Pazifisten, sondern sicherheitspolitische Pragmatiker.

Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine markiert einen Epochenbruch für die europäische Sicherheitsordnung, der Deutschland zu einer Kehrtwende in der Verteidigungspolitik und zu einer strategischen Neuausrichtung seiner Rolle in Europa zwingt: Die einstige „Zivilmacht“ soll zur stärksten konventionellen Militärmacht Europas werden.

Deutschland rüstet massiv auf – und eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung unterstützt diesen Kurswechsel. Diese „Zeitenwende in den Köpfen“ ist bemerkenswert, steht sie doch der in Politik, Medien und Wissenschaft weitverbreiteten Annahme entgegen, die deutsche Bevölkerung sei mehrheitlich pazifistisch eingestellt. Führt die Zeitenwende also zu einer Abkehr der Deutschen vom Pazifismus? Nein. Neue Forschungsergebnisse legen vielmehr nahe, dass die Bevölkerungsmehrheit weder vor 2022 noch danach pazifistisch eingestellt war. Dementsprechend ist die „Zeitenwende in den Köpfen“ kein Anzeichen für einen grundlegenden Kulturwandel, sondern die sicherheitspolitische Reaktion einer pragmatischen Mehrheit auf die veränderte Sicherheitslage.

Bundeswehr und Gesellschaft: Postmodern, postheroisch, pazifistisch?

Mit dem Ende des Kalten Krieges war das Schreckensszenario eines zwischenstaatlichen Krieges in Europa vorerst überwunden. In der Folge rüstete Deutschland massiv ab und definierte seine Rolle in den internationalen Beziehungen als „Zivilmacht“. „Scheckheftdiplomatie“ allein bot jedoch keine nachhaltige Lösung, um der Vielzahl internationaler Konflikte sowie den Erwartungen der Verbündeten gerecht zu werden. Um Deutschlands außenpolitische Teilhabe zu sichern, wurde die ehemalige Verteidigungsarmee Bundeswehr zu einem flexibel einsetzbaren Instrument der Außen- und Sicherheitspolitik umgebaut. Analog dazu sollte sich der postmoderne Soldat im Rahmen „vernetzter Sicherheit“ zum „bewaffneten Sozialarbeiter in globaler Mission“ wandeln. Während die Einsparungen bei der Verteidigung und die sich hieraus ergebende „Friedensdividende“ über viele Jahre von einer Bevölkerungsmehrheit begrüßt wurden, stießen die Auslandseinsätze der Bundeswehr im Rahmen des internationalen Krisenmanagements auf eine überwiegend kritische Öffentlichkeit.

Vor dem Hintergrund dieser sicherheits- und verteidigungspolitischen Entwicklung etablierte sich in weiten Teilen von Politik, Medien und Wissenschaft die Vorstellung, dass die deutsche Gesellschaft eine postheroische Gesellschaft sei, die Kriegserfahrungen nur schwer verarbeiten könne und eine niedrige Toleranz für eigene Gefallene aufweise. Die strategische Kultur der Bevölkerung im wiedervereinigten Deutschland wird in der einschlägigen Forschungsliteratur als pazifistisch beschrieben. Insbesondere die militärsoziologische Einstellungsforschung unterfütterte diesen Konsens mit empirischen Befunden, die der deutschen Bevölkerung eine „antimilitaristische“ außen- und sicherheitspolitische Grundhaltung bescheinigten. Dieser Forschungskonsens prägte auch das Denken der politischen Eliten in Deutschland. Stellvertretend sei der frühere Bundesminister der Verteidigung Thomas de Maizière zitiert: „Wir leben in einer zutiefst pazifistischen Gesellschaft mit einer Grundskepsis gegenüber allem Militärischen.“

Rückkehr des Krieges und „Zeitenwende in den Köpfen“

Mit Russlands Vollinvasion der Ukraine ist der Krieg nach Europa zurückgekehrt. Dieser Epochenbruch führte nicht nur zu einer verteidigungspolitischen Kehrtwende, sondern auch zu einer „Zeitenwende in den Köpfen“ der deutschen Bevölkerung. Seit 2022 plädiert in Umfragen eine absolute Mehrheit der Befragten für eine Steigerung der Verteidigungsausgaben, eine Erhöhung der Zahl der Soldatinnen und Soldaten sowie die Einführung eines neuen Wehrdienstes. Allem voran die Forderung nach einer finanziellen und personellen Stärkung der Bundeswehr ist seit 2022 gesamtgesellschaftlicher Konsens; ihr stimmt eine absolute Mehrheit in allen Wählerschaften und soziodemografischen Teilgruppen der deutschen Bevölkerung zu. Der öffentliche Zuspruch zum Auftrag der Landes- und Bündnisverteidigung – insbesondere zum Schutz der Nato-Ostflanke – ist seit 2022 ebenfalls stark gestiegen. Und selbst Waffenlieferungen an die Ukraine – und damit in ein Kriegsgebiet – sind kein Tabu mehr, sondern werden von den meisten Bürgerinnen und Bürgern befürwortet. Eine Vielzahl von Umfragen bestätigt diese Befunde, etwa die jährliche Bevölkerungsbefragung des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr (ZMSBw), das ZDF-Politbarometer, der ARD-Deutschlandtrend, die Umfragestudie „Berlin Pulse“ der Körber-Stiftung und die „Sicherheitsreports“ des Instituts für Demoskopie Allensbach.

Die Veränderungen im sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbild sind ganz offenkundig eine Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage in Europa. Seit 2022 ist das Sicherheitsempfinden der Bürgerinnen und Bürger stark beeinträchtigt, während die Spannungen mit Russland und der Krieg in Europa zu den größten Sorgen der deutschen Bevölkerung gehören. Während vor 2022 lediglich ein Drittel der Bevölkerung in Russland eine militärische Bedrohung für Deutschlands Sicherheit sah, sind es seit 2022 konstant zwei Drittel. Weiterführende Untersuchungen belegen, dass diese wahrgenommene Bedrohung der wesentliche Treiber für die öffentliche Zustimmung zur Neuausrichtung der deutschen Verteidigungspolitik ist.

Anzeichen eines Kulturwandels?

Die „Zeitenwende in den Köpfen“ ist eine Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage. Aber bedeutet dieser Einstellungswandel eine grundlegende Abkehr der deutschen Bevölkerung vom Pazifismus? Die Beantwortung dieser Frage erfordert eine differenzierte Betrachtung des sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbildes.

Die empirische Einstellungsforschung im Bereich der Außen-, Sicherheits- und Verteidigungspolitik arbeitet seit Jahrzehnten mit einem hierarchischen Modell der kognitiven Einstellungsbildung, das zwischen spezifischen Sachfragenorientierungen und abstrakten Grundhaltungen unterscheidet. Die Logik dieses theoretischen Modells ähnelt der Struktur eines Baumes: Die Sachfragenorientierungen werden gewissermaßen durch die Blätter und Äste des Baumes repräsentiert. So, wie diese Blätter und Äste stark von ihrer Umwelt beeinflusst werden, reagieren die spezifischen Sachfragenorientierungen auf Veränderungen der sicherheitspolitischen Lage. Der seit 2022 zu beobachtende sicherheits- und verteidigungspolitische Einstellungswandel in der deutschen Bevölkerung ist auf der Ebene der Sachfragenorientierungen zu verorten, geht es hier doch überwiegend um Detailfragen wie die Erhöhung der Verteidigungsausgaben von 2 auf 3,5 oder 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts oder die Beteiligung der Bundeswehr an bestimmten Nato-Missionen. Um einen tiefgreifenden Kulturwandel in der deutschen Bevölkerung zu konstatieren, müssen mögliche Veränderungen auf der Ebene der Grundhaltungen betrachtet werden. Diese Grundhaltungen bilden, wenn man im Bild bleiben will, den Stamm und die Wurzeln des Baumes. Sie zeichnen sich durch ein höheres Abstraktionsniveau und eine stärkere normative Aufladung aus als die Sachfragenorientierungen, weshalb sie weniger sensibel auf kurz- oder mittelfristige Veränderungen in der sicherheitspolitischen Lage reagieren – wenn überhaupt.

Die außen- und sicherheitspolitische Einstellungsforschung hat eine Reihe solcher Grundhaltungen identifiziert, etwa Pazifismus, Militarismus, Realismus und Isolationismus. Aggregiert man die persönlichen Grundhaltungen von Bürgerinnen und Bürgern, lässt sich hieraus die „strategische Kultur“ einer Bevölkerung ableiten. Der Begriff der strategischen Kultur bezeichnet „die ideellen Grundannahmen, die in einer Gesellschaft aufgrund ihrer historischen Erfahrung im Hinblick auf die Ausrichtung ihrer Sicherheits- und Verteidigungspolitik vorherrschen“.

Pazifismus als sicherheitspolitische Grundhaltung

Pazifismus wird im Allgemeinen definiert als „politisch-moralische Überzeugung, die den Einsatz von Gewalt, insbesondere von militärischer Gewalt und von Kriegen als Mittel zur Durchsetzung von Interessen ablehnt und ausschließlich friedliche und gewaltfreie Aktivitäten duldet“. In der einschlägigen empirischen Forschungsliteratur zu den außen- und sicherheitspolitischen Grundhaltungen der deutschen Bevölkerung wird eine pazifistische Einstellung üblicherweise jedoch nicht als eigenständige Haltung gemessen, sondern lediglich als Gegenpol zu einer „militaristischen“ Einstellung: „Pazifistisch orientierte Bürger lehnen den Einsatz militärischer Mittel kategorisch ab, während Militaristen diesem Instrument prinzipiell positiv gegenüberstehen.“

Diese allein auf die Haltung zum Einsatz militärischer Mittel begrenzte Operationalisierung greift jedoch zu kurz, weil dem Pazifismus als politische Idee nicht nur die Überzeugung zugrunde liegt, dass militärische Mittel zur Konfliktbewältigung ineffektiv und deshalb abzulehnen sind, sondern vor allem, dass „gewaltlose Mittel die effektiveren Mittel der Herstellung und der Bewahrung des Friedens“ sind. Es ist also erforderlich, die Haltung zum Einsatz militärischer und ziviler Mittel zu erfassen. Dieser Ansatz ermöglicht zudem eine trennscharfe Abgrenzung des Pazifismus gegenüber anderen außen- und sicherheitspolitischen Grundhaltungen wie dem Realismus, dem Isolationismus und dem Militarismus.

Pragmatismus statt Idealismus: Kein Kulturwandel trotz „Zeitenwende“

Seit 2016 enthält die Bevölkerungsbefragung des ZMSBw eine umfangreiche Fragebatterie, die die grundsätzlichen Einstellungen der Befragten zum Einsatz verschiedener ziviler und militärischer Mittel in der deutschen Außen- und Sicherheitspolitik erfasst. Diese Daten ermöglichen erstmalig eine trennscharfe Messung der außen- und sicherheitspolitischen Grundhaltungen in der deutschen Bevölkerung sowie eine Analyse der Verteilung der Grundhaltungen im Zeitverlauf.

In der Analyse werden die Einstellungen der Befragten zu den zivilen und militärischen Mitteln zunächst jeweils in einer Indexvariable „gebündelt“. Anschließend erfolgt eine Kategorisierung der Befragten anhand ihrer individuellen Mittelwerte auf den beiden Skalen ziviler und militärischer Mittel. Pazifisten befürworten demnach den Einsatz ziviler Mittel und lehnen den Einsatz militärischer Mittel ab; Militaristen befürworten den Einsatz militärischer Mittel und lehnen den Einsatz ziviler Mittel ab; Pragmatiker (Realisten) befürworten den Einsatz militärischer und ziviler Mittel; Isolationisten lehnen sowohl den Einsatz militärischer als auch ziviler Mittel ab.

Wird Pazifismus trennscharf als exklusive Mittel-Präferenz gemessen und diese Operationalisierung auf die vorliegenden repräsentativen Bevölkerungsbefragungsdaten übertragen, ergibt sich ein ganz anderes Bild als das tradierte. Die Betrachtung der Verteilung der außen- und sicherheitspolitischen Grundhaltungen in der deutschen Bevölkerung im Zeitverlauf von 2016 bis 2025 offenbart, dass Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022 in zweifacher Hinsicht nicht zu einer „Abkehr vom Pazifismus“ in der deutschen Bevölkerung geführt hat (Abbildung). Erstens waren die meisten Bürgerinnen und Bürger bereits vor dem Ukraine-Krieg keine Pazifisten, sondern Pragmatiker beziehungsweise Realisten, die sowohl militärische als auch zivile Mittel zur Konfliktlösung unterstützen. Zweitens ist der Anteil der Pazifisten in der deutschen Bevölkerung auch nicht erst infolge des Kriegsausbruchs 2022 zurückgegangen, sondern bereits seit 2018 rückläufig. Weiterführende Untersuchungen zeigen, dass der Realismus sogar die dominante „Denkrichtung“ in allen soziodemografischen Gruppen und Wählerschaften in Deutschland ist – vor und nach Kriegsausbruch. Darüber hinaus gibt es auch keine empirische Evidenz für eine „Militarisierung im Denken“. Die Gruppe der Militaristen war bereits vor dem Krieg eine kleine Minderheit, die seit Kriegsausbruch zudem nicht größer geworden ist. Das Gleiche gilt für die Gruppe der Isolationisten.

Fazit

Infolge von Russlands Vollinvasion der Ukraine hat sich das sicherheits- und verteidigungspolitische Meinungsbild stark gewandelt, nicht aber die strategische Kultur der deutschen Bevölkerung. Die Deutschen waren weder vor 2022 noch danach mehrheitlich Pazifisten, sondern Pragmatiker beziehungsweise Realisten – und zwar quer durch die Gesellschaft. Dementsprechend ist die „Zeitenwende in den Köpfen“ keine Abkehr vom Pazifismus, sondern die sicherheitspolitische Reaktion einer pragmatischen Mehrheit auf die sich dramatisch verschlechternde Sicherheitslage in Europa. Der große öffentliche Zuspruch zu einer Politik der Abrüstung nach dem Ende des Kalten Krieges war weniger Ausdruck eines überzeugten Pazifismus, sondern ebenfalls eine pragmatische – allerdings wenig vorausschauende – Reaktion auf den Umstand, dass man sich fortan „nur noch von Freunden umgeben“ wähnte.

Der Philosoph (und erklärte Pazifist) Olaf Müller kommt übrigens zu einer ähnlichen Einschätzung. In einem Interview im Dezember 2022 zeigte er sich wenig überrascht über den plötzlichen sicherheitspolitischen Einstellungswandel in der deutschen Gesellschaft: „Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft zuvor pazifistisch gewesen ist“, so Müller. „Es herrschte lediglich ein weitgehender Konsens darüber, dass wir uns keine großen Sorgen um Krieg und Frieden in Europa zu machen brauchten. Aber das ist noch kein Pazifismus: Pazifismus ist keine Schönwetterveranstaltung, sondern eine Haltung, die wichtig wird, wenn es hart auf hart kommt.“ Mit Russlands Invasion der Ukraine kommt es „hart auf hart“. Im Angesicht der Bedrohung führt der in der Bevölkerung vorherrschende sicherheitspolitische Pragmatismus allerdings zum Wunsch nach einer Stärkung der eigenen Verteidigungsfähigkeit. Vor diesem Hintergrund sollte auch die historische Erfahrung des Kalten Krieges stärker reflektiert werden. Konfrontiert mit einer existenziellen militärischen Bedrohung unterstützte auch damals eine Bevölkerungsmehrheit eine Politik der militärischen Stärke.

Vor allem der Befund, dass die Mehrheit der Deutschen bereits vor Russlands Vollinvasion der Ukraine keine pazifistische Einstellung hatte, stellt den bisherigen Forschungskonsens zur pazifistischen Prägung der deutschen Bevölkerung infrage. Dementsprechend ist die empirische Einstellungsforschung aufgefordert, den „Pazifismus der Deutschen“ in der aktuellen Lage neu zu vermessen. Darüber hinaus lassen die Befunde erkennen, dass die in Politik und Medien mitunter hitzig geführte Debatte über die „Abkehr vom Pazifismus“ eine Phantomdebatte ist, weil die ihr zugrundeliegende Annahme einer mehrheitlich pazifistischen deutschen Bevölkerung einer genauen empirischen Überprüfung nicht standhält. Da die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger sicherheitspolitische Pragmatiker sind und den aktuellen Kurswechsel in der Verteidigungspolitik mittragen, erscheinen weiterführende Forderungen nach einem tiefgreifenden gesellschaftlichen Mentalitätswandel gleichsam unnötig. Umgekehrt sollte die legitime Forderung der Bevölkerungsmehrheit nach einer Stärkung der Verteidigung nicht als „Militarisierung im Denken“ diskreditiert werden.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Vgl. Knut Kirste/Hanns W. Maull, Zivilmacht und Rollentheorie, in: Zeitschrift für Internationale Beziehungen 2/1996, S. 283–312; Hanns W. Maull, Deutschland als Zivilmacht, in: Siegmar Schmidt/Gunther Hellmann/Reinhard Wolf (Hrsg.), Handbuch zur deutschen Außenpolitik, Wiesbaden 2007, S. 73–84.

  2. Vgl. Heiko Biehl, Von der Verteidigungs- zur Interventionsarmee. Konturen eines gehemmten Wandels, in: Gerhard Kümmel (Hrsg.), Streitkräfte im Einsatz. Zur Soziologie militärischer Interventionen, Baden-Baden 2008, S. 9–20; Gerhard Kümmel, Die Hybridisierung des Militärs. Militärische Aufgaben im Wandel, in: Nina Leonhard/Ines-Jacqueline Werkner (Hrsg.), Militärsoziologie – Eine Einführung, Wiesbaden 20233, S. 195–221.

  3. Wilfried von Bredow, Global Street Workers? War and the Armed Forces in a Globalizing World, in: Defense Analysis 2/1997, S. 169–180. Siehe auch Nina Leonhard, Soldat sein: Sozialwissenschaftliche Debatten über den Wandel des Soldatenberufs, in: APuZ 16–17/2020, S. 18–24; Gerhard Kümmel/Angelika Dörfler-Dierken, Identität, Selbstverständnis, Berufsbild. Implikationen der neuen Einsatzrealität für die Bundeswehr, Wiesbaden 2010.

  4. Vgl. Timo Graf, Interner Link: Von Zeitenwende zu Zeitenwende. Einstellungen der Bevölkerung zur Verteidigungspolitik von 9/11 bis zum Ukraine-Krieg, 12.4.2024; ders., Wie die Deutschen wirklich zum Afghanistan-Einsatz standen, in: Stefan Hansen/Michael Bartscher/Michael Rohschürmann (Hrsg.), 20 Jahre Einsatz in Afghanistan. Ein Paradigmenwechsel des Internationalen Krisen- und Konfliktmanagements der Bundesrepublik Deutschland, Baden-Baden 2023, S. 359–402.

  5. Vgl. Nina Leonhard, Die postheroische Gesellschaft und ihr Militär, in: Matthias Junge (Hrsg.), Metaphern soziologischer Zeitdiagnosen, Wiesbaden 2016, S. 101–121; Gerhard Kümmel/Nina Leonhard, Casualty Shyness and Democracy in Germany, in: Sicherheit und Frieden 3/2004, S. 119–126; Herfried Münkler, Militärisches Totengedenken in der postheroischen Gesellschaft, in: Manfred Hettling/Jörg Echternkamp (Hrsg.), Bedingt erinnerungsbereit. Soldatengedenken in der Bundesrepublik, Göttingen 2008, S. 22–30.

  6. Vgl. Daniel Göler, Die strategische Kultur der Bundesrepublik. Eine Bestandsaufnahme normativer Vorstellungen über den Einsatz militärischer Mittel, in: Angelika Dörfler-Dierken/Gerd Portugall (Hrsg.), Friedensethik und Sicherheitspolitik, Wiesbaden 2010, S. 185–199; Julian Junk/Christopher Daase, Germany, in: Heiko Biehl/Bastian Giegerich/Alexandra Jonas (Hrsg.), Strategic Cultures in Europe, Wiesbaden 2015, S. 139–152; Kerry Longhurst, Germany and the Use of Force, Manchester 2004; Antti Seppo, From Guilt to Responsibility and Beyond. The Evolution of German Strategic Culture After the End of the Cold War, Berlin 2021. Für eine gegenteilige Darstellung siehe Brian C. Rathbun, The Myth of German Pacifism, in: German Politics and Society 2/2006, S. 68–81.

  7. Vgl. Heiko Biehl et al., Strategische Kulturen in Europa. Die Bürger Europas und ihre Streitkräfte. Ergebnisse der Bevölkerungsbefragungen in acht europäischen Ländern, Strausberg 2011; Fabian Endres, Öffentliche Meinung und strategische Kulturen. Außenpolitische Überzeugungen in Deutschland, Frankreich und Großbritannien, Wiesbaden 2018; Timo Graf, Die Bundeswehr als Mittel deutscher Außenpolitik aus Sicht der Bevölkerung: „Brunnenbohrer“ oder „Kampftruppe“?, in: Uwe Hartmann/Claus von Rosen (Hrsg.), Jahrbuch Innere Führung 2019, Berlin 2019, S. 80–100; Zoltán Juhász, German Public Opinion and the Use of Force in the Early 1990s, in: Philip Everts/Pierangelo Isernia (Hrsg.), Public Opinion and the International Use of Force, London 2001, S. 57–85; Matthias Mader, Öffentliche Meinung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr. Zwischen Antimilitarismus und transatlantischer Orientierung, Wiesbaden 2017; ders., Grundhaltungen zur Außen- und Sicherheitspolitik in Deutschland, in: Heiko Biehl/Harald Schoen (Hrsg.), Sicherheitspolitik und Streitkräfte im Urteil der Bürger, Wiesbaden 2015, S. 69–96.

  8. „Giert nicht nach Anerkennung!“, Interview mit Thomas de Maizière, 24.2.2013, Externer Link: https://www.faz.net/-12092201.html.

  9. Vgl. Timo Graf, Zeitenwende ja, Pazifismus nein, Kriegstüchtigkeit vielleicht. Das verteidigungspolitische Meinungsbild im Wandel, in: Michael Bartscher/Stefan Hansen/Michael Rohschürmann (Hrsg.), Die Zeitenwende – sicherheitspolitischer Kulturwandel in der Bundesrepublik Deutschland? Implikationen einer „Normalisierung“ auf Gesellschaft und Bundeswehr, Wiesbaden 2025, S. 69–100.

  10. Vgl. Timo Graf, Zwischen Kriegsangst und Kriegstauglichkeit, 25.11.2024, Externer Link: https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/befragung-zwischen-kriegsangst-und-kriegstauglichkeit-5860904.

  11. Vgl. ders., Deutschland in der militärischen Führungsrolle?, 10.9.2025, Externer Link: https://zms.bundeswehr.de/de/publikationen-ueberblick/bevoelkerungsbefragung-2025-deutschland-fuehrungsrolle--5990790.

  12. Vgl. Timo Graf/Markus Steinbrecher/Heiko Biehl, From Reluctance to Reassurance: Explaining the Shift in the Germans’ NATO Alliance Solidarity Following Russia’s Invasion of Ukraine, in: Contemporary Security Policy 2/2023, S. 298–330; Timo Graf, Die „Zeitenwende in den Köpfen“ als gesellschaftliche Reaktion auf die Bedrohung durch Russland, in: Ringo Wagner/Hans-Joachim Schaprian (Hrsg.), Operation Zeitenwende – eine Zwischenbilanz. Was Gesellschaft und Bundeswehr leisten müssen, Magdeburg 2024, S. 203–215.

  13. Vgl. Jon Hurwitz/Mark A. Peffley, How Are Foreign Policy Attitudes Structured? A Hierarchical Model, in: American Political Science Review 4/1987, S. 1099–1119; Stanley Feldman, Structure and Consistency in Public Opinion: The Role of Core Beliefs and Values, in: American Journal of Political Science 2/1988, S. 416–440.

  14. Biehl et al. (Anm. 7), S. 10.

  15. Klaus Schubert/Martina Klein, Das Politiklexikon, Bonn 20207, Interner Link: https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18001/pazifismus.

  16. Mader (Anm. 7), S. 71. Vgl. auch Christopher Cohrs, Militarismus-Pazifismus als Einstellungsdimension, in: Gert Sommer/Albert Fuchs (Hrsg.), Krieg und Frieden. Handbuch der Konflikt- und Friedenspsychologie, Weinheim 2004, S. 290–302; Kenneth E. Vail/Matt Motyl, Support for Diplomacy: Peacemaking and Militarism as a Unidimensional Correlate of Social, Environmental, and Political Attitudes, in: Peace and Conflict 1/2010, S. 29–57; Timothy B. Gravelle/Jason Reifler/Thomas J. Scotto, The Structure of Foreign Policy Attitudes in Transatlantic Perspective: Comparing the United States, United Kingdom, France and Germany, in: European Journal of Political Research 4/2017, S. 757–776.

  17. Gertrud Brücher, Pazifismus als Diskurs, Wiesbaden 2008, S. 40.

  18. Vgl. Boris Bizumic et al., On the (In)Compatibility of Attitudes Toward Peace and War, in: Political Psychology 5/2013, S. 673–693; Nicolas Van der Linden et al., Are Attitudes Toward Peace and War the Two Sides of the Same Coin? Evidence to the Contrary from a French Validation of the Attitudes Toward Peace and War Scale, in: Plos One 9/2017, Externer Link: https://doi.org/10.1371/journal.pone.0184001.

  19. Frageformulierung: „Welche Mittel sollte Deutschland in der Außen- und Sicherheitspolitik einsetzen? Zivile Mittel: Aufnahme von Flüchtlingen, Entwicklungszusammenarbeit, Diplomatie, Rüstungskontrolle und Wirtschaftssanktionen. Militärische Mittel: Kampfeinsätze der Bundeswehr, Stabilisierungseinsätze der Bundeswehr, Ausbildungseinsätze der Bundeswehr, Waffenlieferungen an befreundete Staaten und militärische Maßnahmen zum Schutz des Nato-Bündnisgebiets.“

  20. „Pazifismus ist keine Schönwetterveranstaltung“. Interview mit Olaf Müller, 16.12.2022, Externer Link: https://www.fluter.de/pazifismus-ukraine-philosophie-mueller.

  21. Vgl. Timo Graf, Erkenntnisse der Umfrageforschung: Schluss mit den falschen Glaubenssätzen über das Verhältnis der Deutschen zum Militär, in: Uwe Hartmann/Reinhard Janke/Claus von Rosen (Hrsg.), Jahrbuch Innere Führung 2024/25: Wissenschaft und Bildung für gute Führung in einer kriegstüchtigen Bundeswehr, Berlin 2025, S. 201–218.

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ist promovierter Politikwissenschaftler und Wissenschaftlicher Oberrat im Forschungsbereich Militärsoziologie am Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam (ZMSBw).