Meine Merkliste

Umbruchsjahr 1991

Umbruchsjahr 1991

Kristina Spohr

/ 24 Minuten zu lesen

Das Vermächtnis von "1991" spielt entscheidend in der Machtpolitik der Gegenwart mit. Was genau geschah 1991, wie und warum? Welche Weichen wurden gestellt, wo hätte es noch Alternativen gegeben? Was begann, was wurde abgebrochen?

Vor gut 30 Jahren, am ersten Weihnachtstag 1991, zerfiel die Sowjetunion. Die UdSSR brach entlang der Grenzen ihrer Teilrepubliken friedlich auseinander. Der Untergang des Sowjetimperiums bedeutete auch das Ende des "sowjetischen Experiments" – der Herrschaft der kommunistischen Partei mit dem Versuch, eine neue Gesellschaft als Alternative zu den kapitalistischen Demokratien des Westens aufzubauen. Für viele Kommentatoren symbolisierte das sang- und klanglose Verschwinden der Sowjetunion von der Weltkarte überdies das Ende einer besonderen historischen Epoche in der jüngsten Geschichte, jener des Kalten Krieges.

Der Kollaps der Sowjetunion war ein bedeutsames Ereignis in der Weltgeschichte – obwohl es nur wenige, einschließlich der Russen selbst, als sonderlich traumatisch empfanden oder dieser Entwicklung besonders negativ gegenüberstanden. Das Ende kam zwei Jahre nach den "Revolutionen von 1989" in Mittel- und Osteuropa, die die regionalen kommunistischen Diktaturen und Kommandowirtschaften hinwegfegten und das dort seit den 1940er Jahren bestehende sowjetische Sicherheitsglacis zerschmetterten, und ein Jahr, nachdem das geteilte Deutschland – Mitursache und Hauptschauplatz des Kalten Krieges – ein Ganzes geworden war und die USA, die UdSSR und China in beispielloser Zusammenarbeit im UN-Sicherheitsrat einhellig eine Entscheidung herbeigeführt hatten, mit militärischen Mitteln auf die irakische Invasion und Annexion Kuwaits im August 1990 zu antworten.

Der kurze und erfolgreiche Erste Golfkrieg, der im Winter 1991 folgte, symbolisierte dabei eine Phase von "Ost-West-Flitterwochen"; US-Präsident George H.W. Bush sprach leidenschaftlich von einer "neuen Weltordnung". Aber längerfristig schienen sich die Ereignisse in der Sowjetunion und anderswo in Europa 1991 gegen eine solche imaginierte Zukunft zu verschwören. Zuerst rollten sowjetische Panzer in Litauen, dann implodierte Jugoslawien und glitt in Bürgerkrieg und Völkermord ab. In Moskau versuchten kommunistische Hardliner, die laufenden Prozesse in Richtung einer Erneuerung der Union zu unterminieren. Sie scheiterten ebenso wie der politisch gelähmte Staatspräsident Michail Gorbatschow. Denn die Stunde schlug nun für den kurz zuvor gewählten Präsidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Republik, Boris Jelzin, der inmitten des Chaos als heldenhafter Verteidiger von Reformen und Demokratie hervortrat. Entscheidend war, dass die baltischen Republiken im August endgültig aus der UdSSR ausschieden. Wann die anderen – unter der Führung Russlands – sich entschließen würden, ihrem Vorbild zu folgen, war nur mehr eine Frage der Zeit.

Mit der Auflösung der zweiten Supermacht trat die Welt in den "unipolaren Moment" ein. In Europa blieb bei aller Fragilität und Zersplitterung an seinen Rändern der Trend zu einer weiteren institutionellen Integration bestehen – durch die schrittweise Öffnung der NATO nach Osten mit der Bildung des Nordatlantischen Kooperationsrats (NAKR) im Dezember 1991 und durch die Verhandlungen in Maastricht im selben Monat, die in der Unterzeichnung des Vertrags über die Europäische Union Anfang Februar 1992 mündeten. Bemerkenswert ist, dass trotz aller Volatilität nach dem Umbruchsjahr 1991 die Stimmung allgemein von Hoffnung auf den "Anbruch einer neuen Ära" geprägt war. Viele in Ost und West glaubten damals an die strahlende Vision Francis Fukuyamas von einem neuen Zeitalter, bestimmt von "der Universalisierung der westlichen liberalen Demokratie als letzte Form der menschlichen Regierung". Gleichzeitig wurden jedoch außerhalb dieses westlichen Blickfelds in jenen Tagen bereits die Triebfedern für die grundlegenden geopolitischen Revisionen angelegt, die wir in den vergangenen Jahren erlebt haben.

Heute erscheint "1991" in einem ganz anderen Licht. Sein Vermächtnis spielt entscheidend in der Machtpolitik der Gegenwart mit. 2005 erklärte der russische Präsident Wladimir Putin den Zusammenbruch der Sowjetunion zur "größten geopolitischen Katastrophe des 20. Jahrhunderts". Im Dezember 2021 sprach er gar von der großen "Tragödie", die der Zerfall des "historischen Russlands unter dem Namen Sowjetunion" darstellte. "Wir haben uns in ein völlig anderes Land verwandelt. Und was über 1.000 Jahre hinweg aufgebaut worden war, ging weitgehend verloren." Diese "Katastrophe" von 1991 habe Russland zur internationalen "Irrelevanz" degradiert; und so besteht Putins Mission seit seiner Amtsübernahme zu Beginn des neuen Jahrtausends darin, den Großmachtstatus seines Landes wiederherzustellen und gleichzeitig die "Obsoleszenz" der liberalen Ordnung zu beweisen. China wiederum sah vor drei Jahrzehnten seine Chance in der globalen Transformation. Und vor dem Hintergrund der gewaltsamen Niederschlagung der Protestbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 schlug das Regime in Peking seinen eigenen, revisionistischen Weg ein – einen Weg, der die Volksrepublik von einem maoistischen Revolutionsstaat zu einem autoritären kommunistisch-kapitalistischen Machtzentrum mit globaler Reichweite führen würde, um aus dieser neuen Position der Stärke heraus die Hegemonie der Vereinigten Staaten herauszufordern.

Die Ereignisse und Auswirkungen von "1991" spielen also nicht nur eine wichtige Rolle für unsere Deutung der Vergangenheit, sondern sind gerade auch für unser Verständnis der Gegenwart von kritischer Bedeutung. Aber was genau geschah 1991, wie und warum? Welche Weichen wurden durch welche Ereignisse und Entscheidungen in diesem Jahr gestellt? Was begann 1991, was wurde abgebrochen, wo hätte es Alternativen gegeben? Wie stellten sich die großen systemischen Veränderungen dar? Dies sind die Fragen, die im Folgenden beleuchtet werden.

"Eine Diktatur ist am Entstehen." Mit diesen dramatischen Worten erklärte der reformistische sowjetische Außenminister Eduard Schewardnadse am 20. Dezember 1990 vor dem Kongress der Volksdeputierten der UdSSR überraschend seinen Rücktritt. Er tat dies in der Überzeugung, Gorbatschow sei gefangen zwischen Separatisten, die die Union zerstören wollten, und kommunistischen Hardlinern, die mit Notstandsverordnungen die Erosion der UdSSR noch zu verhindern suchten. Gorbatschow schien die Puste auszugehen, so schien es Schewardnadse wie vielen engen Verbündeten und Beobachtern. Das große Ziel der Neuerfindung der Sowjetunion – ihren Erhalt im Zuge von gradueller Anpassung und Modifizierung des Systems durch seine Perestroika- und Glasnost-Politik zu sichern – erwies sich als schwer zu verwirklichen. Der Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft, die Transformation vom Einparteienstaat zum politischen Pluralismus und die Verlagerung der politischen Verantwortung von Moskau auf die Peripherie – all diese Schritte wurden von schweren Rückschlägen überschattet.

1991 wurde die Kommunistische Partei der Sowjetunion (KPdSU) von inneren Unruhen heimgesucht; die Moral in der Roten Armee und den Sicherheitsdiensten war auf dem Tiefpunkt; und Regierungsministerien hatten Mühe, die vielfältigen politischen Veränderungen und Reformen umzusetzen. Die Macht im Zentrum schwand zusehends inmitten eines wahren Roulettes von Neubesetzungen, wobei Gorbatschow, der unbedingt am Steuer bleiben wollte, immer näher an die kommunistischen Hardliner heranrückte. Viele sahen in diesen Entwicklungen das Signal für das Ende von Gorbatschows Reformkurs und eine Rückkehr zur sowjetischen Orthodoxie. Aber könnte die Union ohne Gewalt zusammengehalten werden? Könnte es ein neues Commonwealth beziehungsweise einen neuen "Unionsvertrag", wie Gorbatschow ihn vorgeschlagen hatte, geben? Oder würde die UdSSR in Anarchie versinken?

Einer der explosivsten Landesteile der Sowjetunion war das Baltikum, dessen Länder in der Zwischenkriegszeit unabhängig gewesen waren, bevor sie 1939/40 und dann wieder ab 1944 unter sowjetische Kontrolle gebracht wurden. Anfang 1991 rollten sowjetische Panzer über die Straßen von Vilnius, und "Alfa"-KGB-Kommandos schossen zusammen mit Militär- und Bereitschaftspolizei (OMON) auf mehrere Hundert unbewaffnete litauische Demonstranten, wobei 15 getötet und viele mehr verwundet wurden. Unter dem Deckmantel einer drohenden internationalen Militäraktion im Nahen Osten (die von den Vereinten Nationen genehmigte und für Mitte Januar geplante "Operation Desert Storm" zur Vertreibung der irakischen Armee aus Kuwait) hatte der Kreml, so schien es, in der Nacht zum 12. Januar beschlossen, die volle Kontrolle über Litauen mit Gewalt wiederherzustellen. Jene Kontrolle hatte Moskau nach dem Sieg der Reformbewegung Sąjūdis bei den Wahlen zum Obersten Sowjet der Republik im Vorjahr und der anschließenden Erklärung der litauischen Regierung am 11. März 1990 zur Wiederherstellung der Unabhängigkeit des Landes verloren.

Am 20. Januar 1991, eine Woche nach dem litauischen Blutvergießen, starben fünf weitere Menschen in der lettischen Hauptstadt Riga, als sowjetische OMON-Truppen beim Versuch, Verteidiger der Unabhängigkeit aus dem Hauptquartier des Innenministeriums zu vertreiben, mit der bewaffneten lettischen Polizei zusammenstießen. In beiden Fällen weigerte sich Gorbatschow, Verantwortung zu übernehmen, und beschuldigte lokale Milizen, ja sogar lokale Führungskräfte und Parteigenossen, den Aufstand angezettelt zu haben. Doch trotz seiner Versuche, sich die Hände reinzuwaschen, nicht zuletzt auch was den Einsatz von Spezialeinheiten und den Befehl zur gewalttätigen Niederschlagung der Proteste betraf, konnte Gorbatschow seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. So wussten KGB-Chef Wladimir Kruychkow und die Minister für Inneres und Verteidigung, Boris Pugo und Dmitri Jazov, dass gerade der sowjetische Generalsekretär die Präsidialherrschaft angedroht hatte, um die aus seiner Sicht abtrünnigen baltischen Republiken zurück in den sowjetischen Schoß zu bringen. Mit anderen Worten, Gorbatschow hatte zumindest eine begrenzte militärische Lösung gebilligt.

Was auch immer Gorbatschows genaue Rolle und Beweggründe gewesen sein mögen, die baltische Tragödie hatte ihn politisch verwundet. Die westlichen Staatslenker waren erleichtert, als er sich anschließend von dem brutalen Vorgehen seiner Sicherheitsdienste distanzierte, die Opfer bedauerte und erneut die Anwendung von Gewalt gegen Zivilisten anprangerte. Aber das Vertrauen in Gorbatschow hatte gelitten. Und seine Glaubwürdigkeit als prinzipientreuer politischer Führer – jener Mann, der die Welt 1988 vor der UN-Vollversammlung über allgemeine universelle Werte belehrt hatte – wurde infrage gestellt. Selbst wenn Gorbatschow beim baltischen Blutbad nicht persönlich schuldig geworden sein sollte, hatte er die Kontrolle über sein Land verloren.

In den Augen des sowjetischen Sicherheitsapparates hatte er durch seinen Rückzieher Schwäche gezeigt. Schlimmer noch, indem der russische Staatschef Boris Jelzin nach Tallinn geflogen war, wo er und seine drei baltischen Amtskollegen einen Sicherheitspakt unterzeichneten und einen gemeinsamen Appell an die Vereinten Nationen richteten, "bewaffnete Gewalttaten gegen souveräne Staaten" anzuprangern, hatte Jelzin nicht nur die Balten erfreut, sondern mit seinen unabhängigen Schritten angefangen, die Russische Föderation gegen das marode sowjetische Konstrukt in Stellung zu bringen. In seinem persönlichen Machtkampf mit Gorbatschow wurde das Baltikum nunmehr zu einer der stärksten Waffen Jelzins. Und deshalb, anders als 1989 auf dem Tiananmen-Platz, hatte das scharfe Durchgreifen der Zentralregierung jetzt nicht den gewünschten Effekt, den Einheitsstaat zu stabilisieren, sondern unterminierte ihn stattdessen noch mehr.

Jelzin, der mittlerweile von der gesamten liberal gesinnten Moskauer Elite bewundert und unterstützt wurde, handelte dem sowjetischen Führer offen zum Trotz. Er nutzte die missliche Lage Gorbatschows geschickt aus, indem er sechs Jahre des Schwankens zwischen Demokratie und Autoritarismus anprangerte, während er begann, seine eigene Idee einer neuen "Staatspyramide" von unten nach oben voranzutreiben. Diese sollte um Russland, die anderen beiden slawischen Republiken Belarus und Ukraine sowie um Kasachstan herum aufgebaut werden – gegen die sowjetische Zentralregierung. Dabei glaubte Jelzin etwas naiv, dass später auch die drei baltischen Republiken zusammen mit Georgien und Moldawien einer solchen Liga beitreten würden. Aber mit Visionen dieser Art täuschte er sich genauso wie Gorbatschow mit seinen Hoffnungen, einen Vertrag für eine neue losere Union zustande zu bringen, während er in Wirklichkeit immer mehr zu einem faustischen Pakt mit den Hardlinern gezwungen wurde.

Auch in internationalen Angelegenheiten – einst Gorbatschows Stärke zu Zeiten seiner Gipfeltreffen mit US-Präsident Ronald Reagan und der deutschen Wiedervereinigungsdiplomatie – wirkte er nun verwirrt, fast hilflos. Noch in den Tagen vor Ablauf der UN-Frist für Kuwait, die den Krieg gegen die irakische Besatzungsmacht näher rückte, glaubte Gorbatschow daran, den Friedensstifter zwischen dem Weißen Haus und seinem ehemaligen Klienten Saddam Hussein spielen zu können. "Er ist bereit, auf Moskau zu hören. Er bittet mich um Rat", sagte Gorbatschow zu Bush. Aber der amerikanische Präsident wiederholte schlicht das Ultimatum vom 15. Januar: "Wir können nicht zulassen, dass er [Saddam] sich gegen die Meinung des Rests der Welt stellt."

Die Würfel waren gefallen. Und so ging der von den Vereinten Nationen sanktionierte Kuwait-Krieg seinen Gang. Das kleine Emirat wurde erfolgreich befreit und seine territoriale Integrität wiederhergestellt. Gemäß dem streng abgegrenzten Missionsauftrag wurde der Krieg nicht auf Bagdad ausgeweitet, um die international anerkannte Regierung von Saddam Hussein zu stürzen. Was diese historisch bedeutsame Episode in der Golfregion jedoch auf einer größeren, systemischen Ebene enthüllte, war, dass die Sowjetunion – die dieser internationalen, US-geführten Militäraktion zugestimmt, sich aber selbst nicht aktiv an der Koalition der Willigen beteiligt hatte – in Wirklichkeit Amerikas Juniorpartner war.

Bei allem ernsthaften Gerede Bushs von einer "neuen Weltordnung" im Herbst 1990, die auf den amerikanischen und sowjetischen Säulen und auf der Grundlage des Völkerrechts aufgebaut war, erwies sich diese Rhetorik letztlich als fiktiv – als diplomatisch nützliches Feigenblatt, um den machtpolitischen Niedergang der Sowjetunion zu verschleiern. Sie diente Gorbatschow und seiner Union als gesichtswahrendes Mittel, nicht zuletzt im Inland, aber auch als effizientes Instrument der US-Außenpolitik: um die aufkommende Unipolarität unter dem Deckmantel einer echten Kooperation der Supermächte während einer internationalen Krise zu verschleiern. Bush, wie auch seine europäischen Amtskollegen, kämpfte daher weiter für das Überleben der Sowjetunion und Gorbatschows. Dies war jedoch keineswegs selbstlos, denn Gorbatschow an der Spitze der UdSSR war ihrer Meinung nach der einzige Garant für eine friedliche Verwandlung der UdSSR, Europas und der Welt nach dem Mauerfall. Je tiefer die Sowjetkrise, desto mehr klammerten sie sich an den traumtänzerischen sowjetischen Führer als beste Verteidigung gegen die Anarchie. Tatsächlich würden sie an dieser Beziehung fast bis zum bitteren Ende festhalten.

Vielleicht hätte Gorbatschow in diesem Winter besser daran getan, das Baltikum ziehen zu lassen und sich darauf zu konzentrieren, Jelzin und Russland an Bord zu halten und die sich ständig verschlimmernde wirtschaftliche und soziale Lage in der UdSSR in den Griff zu bekommen. Stattdessen, während er versuchte, seine eigene Position im Kreml zu festigen, fokussierte er seine Aufmerksamkeit auf die technischen Details der Erneuerung des Sowjetstaates. In einem Referendum, in dem die Sowjetbürger gefragt wurden, ob sie für oder gegen eine "erneuerte Föderation gleichberechtigter souveräner Staaten" seien, stimmten 76 Prozent dafür. Dieses Ergebnis war irreführend, denn 6 von 15 Republiken boykottierten die Abstimmung offiziell, während in den verbleibenden neun große Mehrheiten für lokale Anti-Kreml-Initiativen wie eine allgemeine Wahl eines Präsidenten in Russland und für umfassendere Autonomie bis hin zur Unabhängigkeit der Ukraine erreicht wurden. Statt eine Lösung im Machtkampf zwischen dem Kreml und den Republiken aufzuzeigen, wie Gorbatschow gehofft hatte, legte die Abstimmung lediglich die leidenschaftlichen Widersprüche des Landes offen.

Unbeeindruckt beschloss Gorbatschow, mit den neun Republikspräsidenten im "9+1"- oder "Nowo-Ogariowo"-Prozess weiter zu verhandeln, um unter Ausarbeitung einer neuen Verfassung einen Vertrag für eine neue Union "souveräner Staaten" zu schließen. Zu seinem Leidwesen gewann Jelzin im Juni 1991 die direkte Wahl als russischer Präsident. Und das erlaubte ihm, als Verfechter einer russischen Demokratie, Gorbatschow in seiner Position als sowjetischen Staatslenker und Generalsekretär der KPdSU direkt herauszufordern. Obwohl den beiden Kontrahenten in jenem Sommer ein geselliges Abendessen anlässlich der scheinbaren Zustimmung zum Entwurf des Unionsvertrags gelang, stellte das Dokument in Wahrheit einen Kompromiss dar. Denn Gorbatschow drängte auf eine starke Föderation mit einer effektiven Zentralregierung, die auch weiterhin über beträchtliche Befugnisse (Verteidigung, Außenpolitik und Staatshaushalt) verfügen sollte, während Jelzin sich für eine schwächere Vereinigung, ein Commonwealth beziehungsweise eine Konföderation, einsetzte, die offensichtlich Russland als dominierende Republik begünstigen würde. Zudem löste, wie zu erwarten, die Nachricht von einer für den 20. August geplanten feierlichen Vertragsunterzeichnung bei den Konservativen der Kommunistischen Partei und der militärindustriellen Lobby einen weiteren Proteststurm aus – was die politischen Spannungen in Moskau nur noch weiter verschärfte.

Auf globaler Ebene gelang Gorbatschow jedoch ein Erfolg. Der Status der UdSSR als erstklassige Militärmacht wurde bestätigt, als er und Bush während des Moskauer Gipfels vom 30./31. Juli 1991 den ersten historischen Vertrag zur Reduzierung ihrer Arsenale an strategischen Kernwaffen (START) unterzeichneten, "als Zeugnis für die neue Beziehung, die sich zwischen unseren beiden Ländern entwickelt – in dem Versprechen weiterer Fortschritte in Richtung eines dauerhaften Friedens". Der Kalte Krieg war ihrer Meinung nach definitiv vorbei. Gemeinsam hatten sie die ersten Schritte in eine neue Ära gemacht. In diesem Sinne hatten sie als Führer kooperierender Supermächte auch die umfassenderen globalen Probleme der Zeit erörtert, darunter die weitere "Integration Europas" durch die Europäische Gemeinschaft (EG) und durch die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE), die Zukunft des Nahen Ostens nach dem Kuwait-Krieg und die Stabilisierung afrikanischer Hotspots wie Angola, Namibia und Südafrika.

Gorbatschow und Bush widmeten sich auch intensiv dem China-Problem nach dem Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Beide Staatschefs taten dies mit der Absicht – wenn auch mit unterschiedlichen strategischen Zielen –, die Beziehungen zum Regime in Peking zu normalisieren. Aus chinesischer Sicht war dies sicherlich von Vorteil, da Peking versuchte, Chinas internationalen Paria-Status nach dem Blutbad unweit der Verbotenen Stadt loszuwerden. So hoffte die Volksrepublik auf ein Ende des G7-Sanktionsregimes, um ihre sozioökonomische Modernisierung weiter voranzutreiben zu können. Letztlich aber verachteten die Chinesen den Mann im Kreml. Sie vertraten die Ansicht, dass "die Sowjets die Wirtschaft nicht gut verstanden" und Gorbatschow nicht in der Lage sei, feste "Maßnahmen" zu ergreifen, auch wenn sie natürlich hofften, dass es ihm gelingen möge, den sowjetischen Sozialismus aufrechtzuerhalten. Dahingegen sollte die langsame, bewusste Wiederherstellung der chinesisch-amerikanischen Beziehungen, insbesondere durch Handel, einen Beitrag leisten, Chinas Weg vom Entwicklungsland zur Weltmacht zu ebnen.

Bezeichnenderweise ging Bush während des Moskauer Gipfels Gorbatschows innenpolitischen Problemen – wirtschaftlichen und politischen – keineswegs aus dem Weg. Er sprach insbesondere auch das heikle Thema der baltischen Staaten an. Hierbei machte Gorbatschow deutlich, dass er am Prinzip der territorialen Integrität und der Unverletzlichkeit der Grenzen festhalten wollte. Er betonte, dass es in ganz Osteuropa umstrittene Grenzen gebe und Selbstbestimmung nur "im verfassungsrechtlichen und rechtlichen Rahmen" möglich sei.

Die gewaltsame Implosion Jugoslawiens, nachdem Slowenien und Kroatien am 25. Juni 1991 ihre Unabhängigkeit deklariert und die serbisch dominierte jugoslawische Armee gegen die Grenzsoldaten der sezessionistischen Republiken gekämpft hatten, diente als eindringliche Erinnerung daran, wie schnell der Zerfall eines Staates zu Konflikten, ja sogar zu einem offenen Bürgerkrieg führen konnte. Amerika nahm die düsteren Vorhersagen Gorbatschows über die "Balkanisierung", wenn nicht gar die "Libanonisierung" bestimmter Regionen des alten Kontinents und die besagte Möglichkeit, dass die Sowjetunion zu einem "Jugoslawien mit Atomwaffen" werden könnte, sehr ernst.

Und so, nicht zuletzt, um Gorbatschow zu unterstützen, hielt Bush am nächsten Tag in Kiew eine Rede, in der er erklärte, dass "die Amerikaner diejenigen nicht unterstützen werden, die Unabhängigkeit anstreben, um eine weit entfernte Tyrannei durch einheimischen Despotismus zu ersetzen. Sie werden niemandem helfen, der einem selbstmörderischen, auf ethnischem Hass beruhenden Nationalismus propagiert." Nationalistische ukrainische Abgeordnete waren bestürzt über Bushs Worte, da sie diese als direkte Kritik an ihrem eigenen Unabhängigkeitskampf auffassten, während Gorbatschows Berater in Moskau sie als eine entscheidende politische Verschiebung zugunsten ihres Chefs und des Kremls interpretierten, weg von einer möglichen Unterstützung für Jelzin und dessen russische pro-demokratische Kräfte. Tatsächlich wurde Bush auch in der US-amerikanischen Presse für seinen ukrainischen "Vortrag gegen Selbstbestimmung" teils heftig kritisiert. Denn mit seiner "entsetzlichen ‚Kiewer Angsthasen‘-Rede", schrieb der Kolumnist der "New York Times" William Safire, habe sich "Washington törichterweise auf die Seite Moskaus gestellt".

Am Schluss liefen die Dinge jedoch ganz anders, als alle erwartet hatten. Der gescheiterte Putsch eingefleischter Kommunisten im August 1991, die ungeschickt versuchten, die alte UdSSR zusammenzuhalten, ließ Gorbatschow, der kurzzeitig in der sowjetischen Sommerstaatsresidenz auf der Krim als Geisel gehalten wurde, zu einem Schatten seiner selbst verfallen. Jelzin war es, der gestärkt aus dem Chaos hervorging – gefeiert als der mutige Held Russlands, der die Demokratie auf den Straßen Moskaus gerettet hatte. Inzwischen hing die Zukunft der Sowjetunion als Einheitsstaat in der Schwebe. Während Gorbatschow verzweifelt an seinem Traum einer "Wiedervereinigung" der Union, auch ohne das Baltikum, Georgien, Moldawien und Armenien, festhielt, dachte eine Reihe der verbliebenen Sowjetrepubliken über ihren endgültigen Austritt nach.

So forderten Russland und Belarus eine losere "Union von Staaten", während sich die Ukraine von jeder Idee einer von Russland dominierten Konföderation zurückzog. Die Unabhängigkeit war in den Augen der Mehrheit der Ukrainer (auch in der Donbass-Region und auf der Krim) die einzig gangbare Option, wie ihr Referendum vom Dezember 1991 unterstrich. Und da Jelzin sich eine zukünftige Union ohne die Ukraine nicht vorstellen konnte, während für Belarus und die zentralasiatischen Republiken eine Zukunft ohne Russland völlig unrealistisch erschien, war die UdSSR schlussendlich nicht mehr als eine Hülle um einen toten Kern.

Jenseits der Dramen von "1991" ließ der sowjetische Tod allerdings lange auf sich warten. Eine Vielzahl von Ursachen – sowohl systemische als auch kontingente – hatten sich über längere Zeiträume, nach und nach, kumulativ, zu einer katastrophalen Wirkung zusammengefügt. Das Timing und die Art und Weise, wie der Staatszerfall vonstattenging, waren jedoch für alle überraschend. Unmittelbar war das sowjetische Konstrukt von seinen Bürgern friedlich abgewählt worden. Man könnte aber auch sagen, dass Jelzin die Union faktisch bereits verließ, als er im Juni 1990 die russische Souveränität erklärte und damit seinen "russischen Weg" einschlug. In dieser Leseart begann das Endspiel der Union also mit der von Jelzin eingeleiteten "Parade der Souveränitäten" bereits 18 Monate vor dem Schlusspfiff.

Rückblickend kann Michail Gorbatschow für viele Dinge verantwortlich gemacht werden. Vor allem für seine politische Naivität, seine Impulsivität und seinen unstrategischen Ansatz, als er seinen dualen Reformkurs zur Umstrukturierung von Wirtschaft und Politik einleitete. Aber wir müssen uns auch daran erinnern, dass er ein sowjetischer Führer war, der eine offenere sowjetische Gesellschaft wollte, der wollte, dass Veränderungen möglichst ohne Zwang und Gewalt bewältigt werden, und der von einer besser integrierten und einer nach Europa orientierten Sowjetunion träumte. Nachdem er all diese Bälle in die Luft geworfen hatte, konnte er nicht mehr aufhören zu jonglieren. Schließlich lief ihm auch noch die Zeit davon. Im Sog des Reformchaos, in der sich immer weiter verschlechternden sozioökonomischen Lage und inmitten der verschiedenen politischen Kräfte, die ihn ständig in verschiedene Richtungen zogen, war er letztlich machtlos. Und es gab wenig, was er hätte tun können, ohne auf die Truppen zurückzugreifen, als die "Landmine" des historischen sowjetischen Nationalitätenproblems explodierte. Am Ende hatte der Sowjetführer in einer tragischen Schicksalswende bei seinem Versuch, sein Land zu erneuern, ja gar neu zu erfinden, seine Untertanen und seinen Staat verloren.

Es ist bemerkenswert, dass der Untergang der Sowjetunion sich nicht in einem ungezügelten US-Triumphalismus ausdrückte. Tatsächlich war Bush im Herbst 1991, wie er seinem Tagebuch anvertraute, voller Pessimismus. 1992 war ein Wahljahr in Amerika und das Land steckte in einer tiefen wirtschaftlichen Rezession mit stetig steigender Arbeitslosigkeit. Der Zenit der Umfragewerte durch den Golfkrieg war längst überschritten und in Vergessenheit geraten. Die Amerikaner machten sich mehr Sorgen um den eigenen Wohlstand als um einen Präsidenten, der sich für den Weltfrieden einsetzte und versuchte, den Wandel der Weltordnung zu bewältigen. Im Zuge seines Popularitätsverlustes fixierte er sich vor allem auf Konfliktvermeidung – je weniger Aufruhr, desto besser.

Washington hielt sich deshalb auch gerne von der blutigen Auflösung Jugoslawiens fern. "Wir wollen keinen Hund in diesen Kampf schicken", so Bush. Unabhängigkeitsbewegungen auf dem Balkan wurden mit der gleichen Vorsicht betrachtet wie im Baltikum und im Kaukasus – zumindest bis zum Zerfall der UdSSR im Dezember. Und zu diesem Zeitpunkt war Jugoslawiens Auflösungsprozess und sein Abgleiten in den Bürgerkrieg bereits weit fortgeschritten.

Unterdessen erklärte Jacques Poos, Außenminister von Luxemburg und Vorsitzender des EG-Außenministerrates, großspurig: "Dies ist die Stunde Europas, nicht die Stunde der Amerikaner. Wenn ein Problem von den Europäern gelöst werden kann, dann ist es das Jugoslawien-Problem. Dies ist ein europäisches Land, und es nicht die Aufgabe der Amerikaner und nicht von irgendjemand anderem." Die EG war aber trotz ihrer selbstbewussten Rhetorik nie wirklich der Aufgabe des Peace Enforcement gewachsen, das notwendig schien, als das ehemalige Jugoslawien in Flammen aufging. Erstens verfolgten die wichtigsten EG-Mitglieder – Großbritannien, Frankreich und Deutschland – unterschiedliche Strategien, wobei Bonn der Ansicht war, dass die internationale Anerkennung der Selbstbestimmung Sloweniens und Kroatiens die Antwort sei, um die Gewalt einzudämmen, während London und Paris meinten, dass es notwendig sei, die territoriale Integrität Jugoslawiens als Ganzes zu erhalten, um den Frieden zu wahren. Zweitens, als die Gemeinschaft auf dem Gipfel von Maastricht im Dezember 1991 entschied, in die Europäische Union überzugehen, wurde schnell klar, dass die Rede von einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik eine erbärmliche Farce war. Die EU, ohne eigene gemeinsame militärische Kapazitäten und Strukturen, würde an ihrer "zivilen Tradition" festhalten – zu vermitteln und zur Konfliktresolution und Friedenssicherung beizutragen.

Als ebenso unzureichend in ihren Mitteln erwies sich die KSZE. Dieses 35-Nationen-Forum hatte, mit der UdSSR als gleichberechtigtes Mitglied neben den USA, in den 1970er Jahren dazu beigetragen, die europäische Entspannung zu fördern. Die Organisation als "Gewissen Europas", wie es US-Außenminister James Baker nannte, beschäftigte sich mit allgemeinen Prinzipien, Menschenrechts- und Wirtschaftsfragen. Sie sollte auch als Instrument zur Krisenprävention und Konfliktlösung dienen, etwa bei Grenzstreitigkeiten oder der Problematik von Minderheitenrechten. Aber ohne wirkliches politisches Gewicht – trotz der großartigen Ankündigung der "Charta von Paris für ein neues Europa" 1990, die den Kontinent in eine "neue Ära des Friedens, der Demokratie und der Einheit" führen sollte – und ohne jegliche militärische Fähigkeiten erwies sich auch dieses Gremium als völlig unfähig, die gewaltsame Auflösung Jugoslawiens zu bewältigen. Wie Gorbatschows vage Vision eines "gemeinsamen europäischen Hauses" in den späten 1980er Jahren, so war auch die KSZE nur ein weiterer gesamteuropäischer Traum, der nicht genutzt werden konnte, um in der Wendezeit nach dem Mauerfall eine effektive Struktur für die Sicherheit des Kontinents zu konstruieren.

Wahre Sicherheit blieb, so schien es, der Auftrag des Atlantischen Bündnisses, das die großen geostrategischen und geopolitischen Umwälzungen von 1989/90 überstanden hatte, während sich der Warschauer Pakt 1991 auflöste. Bezeichnenderweise konzentrierte sich die NATO 1991 noch immer auf die "kollektive Verteidigung". Der doktrinäre Wechsel in Richtung "kollektiver Sicherheit" – nicht zuletzt, um "Out of area"-Operationen zur Durchsetzung beziehungsweise "Erzwingung" des Friedens (vor allem auf dem Balkan) zu rechtfertigen und zuzulassen, lag zu diesem Zeitpunkt in der Zukunft. 1991 beschäftigten sich die Verbündeten außerdem vor allem mit der Stabilisierung der Ost-West-Beziehungen. Die Nordatlantische Allianz hatte in der Londoner Erklärung von 1990 dem Osten die "Hand der Freundschaft" ausgestreckt und davon gesprochen, eine "neue Partnerschaft mit allen Nationen Europas" aufzubauen. Im darauffolgenden Juni schlug James Baker eine "euro-atlantische Gemeinschaft vor, die sich östlich von Vancouver bis Wladiwostok erstreckt" und somit auch die gesamte Sowjetunion umfasst hätte. Vor diesem Hintergrund war es eine äußerst positive Entwicklung, als die ehemaligen sowjetischen Satellitenstaaten gemeinsam mit der UdSSR der Einladung der NATO zur Teilnahme am neuen Nordatlantischen Kooperationsrat folgten. Was niemand vorhersehen konnte, war, dass das erste Treffen des NAKR in Brüssel am 20. Dezember mit der Desintegration der Sowjetunion zusammenfiel. Dies war ein entscheidender Moment. Denn durch die sowjetische Fragmentierung wurde nicht nur die geostrategische Karte unwiderruflich neu gezeichnet, auch alle Zukunftspläne mussten novelliert werden.

Über Nacht wurde der NAKR zu einer Ansammlung völlig unterschiedlicher, vielfach fragiler Staaten, die sich vom Atlantik über Europa und Zentralasien bis zum Pazifik erstreckten, was jedes Konzept einer kohärenten euro-atlantischen Identität lächerlich machte. Da die UdSSR außerdem nicht mehr, wie Gorbatschow es formuliert hatte, als "solide" und zuverlässige "Säule" des internationalen Systems existierte, war nunmehr klar, dass die Frage, wie das postsowjetische Russland (als Nachfolger der UdSSR) sich in Europa positionieren sollte, als immens komplex und brisant erweisen würde.

Könnte ein geeigneter Platz für Russland in den wiederbelebten Kernorganisationen des neuen Europas – der EU und insbesondere der NATO – gefunden werden? Und könnten sich Ost- und Westeuropa wirklich vereinen? Diese Fragen gehörten zu den großen politischen Herausforderungen, mit denen sich Menschen und Politiker zu Beginn des Jahres 1992 konfrontiert sahen. Und doch wurde trotz aller Turbulenzen, Traumata und Transformationen, die sie erlebt hatten, die neue Ära jenseits der Bipolarität definitiv mit einem gewissen Enthusiasmus begrüßt. Die Stimmung war im Allgemeinen von Zuversicht und echter Hoffnung geprägt, dass eine bessere, friedlichere Welt aufgebaut werden könnte – und zwar gemeinsam. In Mittel- und Ost-, Südost- und Nordosteuropa galt sicherlich der Beitritt zum "institutionellen Westen" als Weg in eine sozioökonomisch bessere und politisch stabilere Zukunft, während Präsident Boris Jelzin in Russland davon träumte, Russland zu demokratisieren, wirtschaftlich zu öffnen und zu Wohlstand zu bringen und mit den USA zu verbünden.

Was noch nicht in den Blick gerückt war, waren die weitreichenden anderen systemischen und strukturellen Verschiebungen. Diese wurzelten unter anderem in Chinas separatem Ausstieg aus dem Kalten Krieg, dem Verlust des sowjetischen Imperiums Russlands, der Integration der globalen Märkte, der EU- und NATO-Erweiterung und in den Auswirkungen der Digitalisierung, die dem Beginn des Internet- und Mobilfunknetzzeitalters 1991 folgten. Erst heute beginnen wir, die umfassenderen, langfristigen Konsequenzen vieler dieser Entwicklungen vollständig zu erkennen und zu begreifen. Auf diese Weise ist das Erbe von "1991" noch immer akut zu spüren.

Weitere Inhalte

ist Professorin für Internationale Geschichte an der London School of Economics and Political Science. E-Mail Link: k.spohr@lse.ac.uk