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Vor dem Ende der Sowjetunion

Vor dem Ende der Sowjetunion Ein Forschungsbericht zur Perestroika

Corinna Kuhr-Korolev

/ 20 Minuten zu lesen

Die Begriffe "Glasnost" und "Perestroika" stehen für die Reformphase in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow von 1986 bis 1991. Wie stellt sich der Forschungsstand zu dieser Phase dar? Welche Zugänge dominieren? Welche neuen Perspektiven gibt es?

"Perestroika" ist im heutigen Russland ein Reizwort. Angesprochen auf Michail Gorbatschows Politik der Umgestaltung der Jahre 1985 bis 1991 (perestroit’: umbauen, umgestalten, neu organisieren) reagieren die meisten russischen Bürger*innen mit wütenden Auslassungen. Gorbatschow habe verantwortungslos und ohne Notwendigkeit das sowjetische Imperium zum Einsturz gebracht. Aber es gibt auch andere Stimmen: Sie betonen die optimistische Aufbruchsstimmung der Perestroika-Zeit, die Durchsetzung lang ersehnter bürgerlicher Freiheitsrechte, die Öffnung des Landes nach außen, die Aufarbeitung der stalinistischen Vergangenheit. Diese positiven Assoziationen sind vor allem mit dem anderen Schlagwort der Zeit verbunden, mit Glasnost (glasnost’: Offenheit, Transparenz, Öffentlichkeit).

Beide Begriffe haben Karriere gemacht und gehören sicherlich zu den im Ausland bekanntesten russischen Wörtern. Sie bezeichnen die Reformphase in der Sowjetunion, aber ebenso sind sie begrifflich mit dem gesamten Umbruch in Ostmitteleuropa verbunden, mit dem Ende des Kalten Krieges und der Neuordnung Europas nach 1989. Insofern wecken die beiden Begriffe in Westeuropa, in den ehemaligen Staaten des Warschauer Pakts und in manchen der früheren Sowjetrepubliken positive Assoziationen. Zur umstrittenen Bewertung der Perestroika vor allem in Russland trägt bei, dass der Begriff inzwischen umgangssprachlich längst auf die 1990er Jahre ausgedehnt worden ist und damit auch die chaotischen Umbruchprozesse, die in die Regierungszeit Boris Jelzins fallen, unter ihm subsummiert werden.

Dieser Forschungsbericht konzentriert sich auf die Jahre 1985 bis 1991 und reflektiert, welche Zugänge bisher die Erforschung der Perestroika dominiert und das Verständnis von diesem bedeutenden Zeitabschnitt geprägt haben. Zunächst werden die wichtigsten Etappen und Themen der Perestroika knapp skizziert und der derzeitige Forschungsstand referiert. Besondere Aufmerksamkeit gilt jedoch der Frage, welche Perspektivenwechsel für künftige Forschungen gewinnbringend sein werden.

Abriss: Ursachen und Etappen der Reformpolitik

Michail Gorbatschow wurde am 11. März 1985 im Alter von 54 Jahren zum Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) gewählt und erlöste das Land von der Herrschaft der alten Männer. Er gehörte zu jenem Teil der sowjetischen Parteiführung, der deutlich erkannte, dass das Land sich in einer schwierigen innen- und außenpolitischen Situation befand. Besonders im Bereich der Wirtschaft waren Reformen nötig. Durch die Beschleunigung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts (uskorenie) und eine verschärfte Disziplin sollte die Produktivität gesteigert werden. Dies griff zu kurz. Im Januar 1987 kündigte Gorbatschow mit den Schlagworten "Perestroika" und "Glasnost" eine deutlich entschlossenere Umgestaltung an. Die Mitsprache der Bürger*innen sollte erhöht, die Rechtsordnung gestärkt und die Gesetzgebung verbessert werden. Neue Gesetze erlaubten privatwirtschaftliche Unternehmungen, um Impulse für einen wirtschaftlichen Aufschwung zu geben und die Bevölkerung besser mit Lebensmitteln und Verbrauchsgütern versorgen zu können.

Im Frühjahr 1989 fanden die Wahlen zu einem Kongress der Volksdeputierten statt, die den Durchbruch für eine demokratische Entwicklung bedeuteten. Zunächst noch "von oben" gesteuerte Medienkampagnen gegen Missstände schufen Raum, immer offener über Probleme des politischen Systems zu sprechen. Dieser Prozess entfaltete eine ungeheure Dynamik und konnte bald nicht mehr kontrolliert oder gebremst werden. Umweltprobleme und der verantwortungslose Umgang mit ihnen – die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 war nur ein Beispiel dafür – konnten nun ebenso diskutiert werden wie die Verbrechen der Stalinzeit, Misswirtschaft, Amtsmissbrauch, Korruption und Schattenwirtschaft. In den Mittelpunkt der Kritik gerieten zunehmend die Parteiherrschaft und das Machtmonopol der Kommunistischen Partei.

Besonders in den kaukasischen und baltischen Republiken setzten sich Gruppen durch, die stärkere Autonomie oder sogar die Unabhängigkeit von der UdSSR anstrebten. Es kam zu Unruhen und gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Nationalitäten, wie etwa zwischen Armeniern und Aserbaidschanern im Konflikt um die Enklave Nagorny-Karabach. Die Balten forderten die Veröffentlichung des geheimen Zusatzprotokolls des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 und eine Erklärung über dessen Unrechtmäßigkeit. Schnell stellten die nationalen Unabhängigkeitsbewegungen die Staatlichkeit der UdSSR insgesamt infrage.

Zu Beginn der Reformen herrschte Euphorie und die Illusion, die Zukunft brächte bürgerliche Freiheiten und westlichen Wohlstand und bewahre gleichzeitig die gewohnten Sicherheiten des Lebens im Sozialismus. Schon 1990 machte sich Enttäuschung breit. Die Versorgungslage verschlechterte sich dramatisch, und die Kriminalität stieg spürbar an. Die Popularität Gorbatschows in der Bevölkerung sank. Konservative Kräfte in der Kommunistischen Partei versuchten, den Reformprozess zu bremsen, und entschieden sich im August 1991 zu einem Putsch. Dieser scheiterte am Unvermögen der Putschisten, vor allem aber am Widerstand der demokratischen Kräfte und der russischen Regierung unter der Führung von Boris Jelzin.

In den letzten Monaten seiner Präsidentschaft bemühte sich Gorbatschow um die Erneuerung des Unionsvertrages. Die Unabhängigkeitserklärungen eines Teils der sowjetischen Republiken und die Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) kamen dem allerdings zuvor. Am 25. Dezember wurde die rote Fahne der Sowjetunion im Kreml eingeholt und stattdessen die Trikolore des Nachfolgestaates Russland gehisst. Die Sowjetunion existierte nicht mehr. Das Gesellschaftsprojekt Kommunismus fand damit in Osteuropa ein Ende.

Perestroika als Finale oder Ouvertüre

Die historische Forschung zur Perestroika steht immer noch am Anfang und ist bei Weitem nicht so ausdifferenziert wie die entsprechende Forschung zur "Wende" in der DDR oder dem Umbruch in Ostmitteleuropa. Bisher ist sie stark geprägt vom Blick der zeitgenössischen politischen Beobachter*innen und Akteur*innen sowie von der politologischen und sozialwissenschaftlichen Forschungsliteratur, die unmittelbar in den Jahren der Perestroika oder in den 1990er Jahren erschienen ist. Obwohl sich der Zeitrahmen der Perestroika durch die Amtszeit Gorbatschows klar abgrenzen lässt, befindet sich diese Periode analytisch eingezwängt zwischen der historischen Forschung zum Sozialismus in der späten Sowjetunion und der eher politologischen Forschung zur Umbruchphase nach 1991.

Fragestellungen zur Perestroika gründen deshalb häufig auf dem Interesse an einem Problem, das zeitlich vorher oder nachher liegt. Wenn die Gorbatschow-Zeit als Endpunkt einer Entwicklung gesehen wird, stellen sich vor allem Fragen nach der Reformierbarkeit des Sozialismus sowjetischer Spielart, nach dem Ausmaß der Krise oder nach der Sprengkraft unterdrückter nationalistischer Tendenzen in den Sowjetrepubliken. Wer die Perestroika hingegen als Startpunkt für eine neue Entwicklung betrachtet, fragt, ob die demokratischen Kräfte in Russland und in vielen der ehemaligen Sowjetrepubliken zu schwach waren, um die Rückkehr autoritärer Tendenzen zu verhindern.

Mit der Situation des heutigen Russlands vor Augen sucht man nach Erklärungen dafür, warum es nicht gelungen ist, eine zuverlässig funktionierende Rechtsstaatlichkeit zu realisieren. Es wird untersucht, warum die Privatisierung der Wirtschaft den Aufstieg von Oligarchen ermöglicht hat und weshalb Korruption zu einem Problem geworden ist, das sich offenbar kaum in den Griff bekommen lässt. Von der Warte der heutigen Regierenden in Russland und ihrer Anhänger*innen wiederum scheinen andere Fragen im Mittelpunkt zu stehen. Mit Blick auf den eigenen Machterhalt besorgt sie eher die Frage, wie die Parteiführer der Sowjetunion ihr eigenes Machtmonopol zersetzen und das Land ins Chaos hatten stürzen können.

Aus diesen unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, rücken Vorgeschichte oder Folgen der Perestroika in den Mittelpunkt, nicht aber die Periode selbst. Sie kann in ihrer Bedeutung aber erst dann erschöpfend verstanden werden, wenn sie zunächst als eigenständige Periode und mit neuen Ansätzen erforscht wird. Dann erst lässt sich die Frage "Warum ist die Sowjetunion zusammengebrochen?" umformulieren in "Was ist 1991 zusammengebrochen (und was nicht)?" Mit dieser veränderten Fragestellung erschließen sich neue Perspektiven auch auf die Zeit nach 1991, weil neben den Brüchen die Kontinuitäten besser in den Blick genommen werden können.

Die bisher vorliegenden historischen Gesamtdarstellungen zur Gorbatschow-Zeit sind vor allem politik- und strukturhistorische Darstellungen, die die Rahmenbedingungen und Eckdaten dieses Zeitabschnitts systematisieren. Sie konzentrieren sich auf das unmittelbare politische Geschehen und das Handeln Gorbatschows, seiner Mitstreiter und Konkurrenten. Die inneren und äußeren wirtschaftlichen Faktoren werden erläutert: die außenpolitischen Beziehungen, die Nationalitätenkonflikte, der Bürokratismus, die sozialen Probleme, die Mängel des Wohlfahrtssystems, fehlende Rechtsstaatlichkeit, der Kampf um die Anerkennung der Menschenrechte und die Konflikte im Bereich der Kultur. Direkt oder indirekt setzen sie sich damit auseinander, warum Gorbatschow Reformen einleitete und weshalb sein Reformkurs zum Untergang der Sowjetunion führte.

Der Grundtenor der zeitnah verfassten Untersuchungen lautet, dass das sowjetische System unter einem extremen Reformdruck stand und Maßnahmen unumgänglich waren. Je nach Standpunkt rücken Autor*innen die Kosten der Rüstungsindustrie, den fallenden Ölpreis oder die ineffektive Planwirtschaft in den Vordergrund. Andere betonen die Ermüdungserscheinungen der Gesellschaft, die fehlende Bindekraft des Sozialismus als Staatsideologie, den Wunsch nach bürgerlichen Freiheiten und den wachsenden Konsumbedarf der Bevölkerung. Auch ein social overstretch, eine kumulative Gerechtigkeitskrise oder die Probleme, ein multinationales Imperium zusammenhalten zu müssen, ein imperial overstretch, können im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Das Scheitern wird in der Regel einerseits auf die Konzeptlosigkeit und die fehlende Entschlossenheit der Reformer sowie auf die Beharrungskraft von Strukturen und Mentalitäten und andererseits auf die Sprengkraft lange unterdrückter Kräfte zurückgeführt.

Gegen eine Betrachtungsweise, die vom Wissen um das Ergebnis bestimmt ist, versuchten Stephen Kotkin und Alexei Yurchak anzuschreiben. Kotkin rekapituliert in seinem 2001 verfassten Essay "Armageddon Averted" die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die Ambitionen Gorbatschows und kommt zu einer "Selbstmordthese". Seiner Meinung nach hätte das System weiterbestehen können, wäre nicht Gorbatschow aus tiefer ideologischer Überzeugung der Meinung gewesen, das Land zu einem Sozialismus im Geiste Lenins zurückführen zu müssen. Indem die sowjetische Führungselite ihrem eigenen Projekt das Vertrauen entzogen habe, sei die sowjetische Ordnung implodiert.

Yurchak sucht einen anderen methodischen Zugang und löst sich von der Betrachtung der Reformpolitik, ihrer Voraussetzungen, Akteure und Grenzen. Er beschreibt in "Everything Was Forever, Until It Was No More" anhand von Briefwechseln und Interviews mit Mitgliedern der Jugendorganisation Komsomol, wie sich im Spätsozialismus der diskursive Raum veränderte und von den Menschen auf ihre Weise gedeutet wurde. Indem die Teilnahme an ritualisierten Handlungen wie Parteiversammlungen oder Demonstrationen am 1. Mai nur noch als performative Akte vollzogen wurden, verkam das System zur leeren Hülle. Yurchak hat bei genauer Betrachtung ein Buch über den späten Sozialismus geschrieben und nicht über die Zeit der Perestroika. Seine These ist eine methodisch inspirierende Erweiterung der oben bereits skizzierten "Ermüdungsthese". Er löst sich von binären Denkmustern, wendet sich einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe zu und arbeitet mit Egodokumenten und Interviews. Auf diese Weise gelingt ihm ein neuer Blick auf die sowjetische Gesellschaft.

Neue Zugänge und Perspektiven

Zukünftige Forschungen zur Perestroika sollten diesen Impuls aufnehmen. Nicht die großen historischen Synthesen sind angesichts des derzeitigen Forschungsstands gefragt, sondern Detailstudien, die neue Quellenbestände erschließen und Fragen aus anderen Perspektiven stellen. In den Mittelpunkt muss eine Gesellschaftsgeschichte im weitesten Verständnis rücken. Die Perestroika gilt heute als "Revolution von oben". Das ist hinsichtlich ihres Beginns eine zutreffende Bewertung, vernachlässigt aber, dass eine starke Dynamik "von unten" als Reaktion auf die Reformversuche folgte und den weiteren Prozess wesentlich mitbestimmte. Wir wissen bisher zu wenig darüber, wie sich die Mobilisierung der Bevölkerung im Einzelnen vollzog, wie der Alltag sich durch die Reformen veränderte und wie sich die Menschen an die neuen Lebensbedingungen anpassten beziehungsweise diese oft nur mit Mühe überlebten. Auch benötigen wir noch detailliertere Informationen darüber, wie soziale Netzwerke und Freundeskreise, aber ebenso Klientel- und Patronagebeziehungen in der Umbruchsituation funktionierten.

Es gibt erste Projekte, in denen mit einem biografischen Ansatz gearbeitet und danach gefragt wird, wie der rasante Wandel individuelle Lebensentwürfe veränderte. Noch ist die Vorstellung davon, welche Hoffnungen und Befürchtungen die einzelnen Bürger*innen mit den Reformen verbanden, allgemein und schematisch. Über den Wertewandel, der sich in den verschiedenen Lebensbereichen, im Familienleben, im Berufsalltag und im öffentlichen Leben vollzogen hat, ist bisher fast nur aus soziologischer Sicht geforscht worden. Zu den Veränderungen im Medienkonsum, im Leseverhalten und in der Kommunikation gibt es weiterhin Untersuchungsbedarf, Studien im Bereich der Visual History fehlen fast noch völlig.

Damit sind einige Forschungsfelder genannt, deren Bearbeitung helfen würde, die Perestroika in ihrer ganzen Vielfältigkeit als eine gesellschaftliche Umbruchphase zu verstehen. Sie war geprägt von der Spannung zwischen Krise und Aufbruch, Hoffnung und Enttäuschung, Beharrung und Neuanfang. Daraus bezog die Perestroika ihre ungeheure Energie und Sprengkraft.

Um neue Perspektiven zu gewinnen, müssen weitere Quellen zusätzlich zu den bisher genutzten erschlossen werden. Zu nennen ist das große Massiv von Druckschriften und Flugblättern, das noch ausgewertet werden kann. Hinzu kommen umfangreiche soziologische Daten, die in den späten 1980er Jahren erhoben wurden und stärker unter historischen Fragestellungen bearbeitet werden sollten als bisher geschehen. Die neuen Nachrichtenformate, die im russischen Fernsehen während der Perestroika entstanden, bieten reiches Material und werden nach und nach online zugänglich. Verfügbar in russischen Archiven sind große Bestände von Briefen an Gorbatschow und Jelzin, aber ebenso an prominente Deputierte wie Andrei Sacharow oder Dimitrj Lichatschow sowie an Vertreter aus den verschiedenen Sowjetrepubliken.

Gerade in der Ausdehnung der Forschung auf die Regionen der ehemaligen Sowjetunion liegt eine Herausforderung. Noch sind regionale Zeitungen, in denen die speziellen Themen einer Stadt oder einer Region besprochen wurden, wenig analysiert worden. Ergänzend dazu lässt sich in den regionalen Archiven und auch in Museen Material gesellschaftlicher Initiativen, von Wirtschaftsbetrieben, Zeitungsredaktionen und Parteiorganisationen finden. Es ist von großem Erkenntnisgewinn, zu benennen, welche Themen an verschiedenen Orten des Landes für die Bevölkerung eine solche Dringlichkeit bekamen, dass sie das Potenzial hatten, die Menschen politisch zu mobilisieren. Damit wäre es möglich, sich von einer auf Moskau zentrierten Sicht zu lösen, die Vielfalt der Probleme, Hoffnungen und Ambitionen besser zu beschreiben und auch die Abspaltung der Sowjetrepubliken nicht nur von den Bestrebungen nach nationaler Unabhängigkeit her zu verstehen.

Ein anderer Perspektivenwechsel, der nicht Krisen, Mängel und Brüche, sondern Beständigkeit, Bewahren und Kontinuitäten in den Mittelpunkt rückt, ist als Korrektiv zum etablierten Verständnis ebenfalls sinnvoll. Es ist nach den staatlichen Strukturen zu fragen, die durch die Reformen wenig betroffen waren, wie beispielsweise das Militär und die Sicherheitsorgane, aber auch Erziehungsinstitutionen wie Schule und Kindergarten. Die Betrachtung privater und öffentlicher Lebensbereiche oder Verhaltensweisen, die sich trotz äußeren Wandels wenig veränderten, wird helfen, die gesellschaftlichen Realitäten der Perestroika-Zeit besser auszuleuchten.

Einstellungen zur Perestroika

Bisher scheint es in Russland nur ein Buch zu geben, das die Aufbruchstimmung, die während der Perestroika herrschte, ausführlich dokumentiert und zeigt, wie sich aus einer "Revolution von oben" eine von "unten" entwickelte. Es handelt sich um einen wenig rezipierten, aber bemerkenswerten Band, den der Petersburger Zweig der Gesellschaft "Memorial" herausgegeben hat. Unter dem Titel "Das gesellschaftliche Leben Leningrads in den Jahren der Perestroika" stellten ehemalige Aktivist*innen der demokratischen Bewegung 2010 eine Chronologie zusammen, die sie mit Fotografien und Zeitzeugengesprächen ergänzten. Da bewusst Flugblätter und Interviews aus dem gesamten Spektrum der gesellschaftlich-politischen Bewegung gesammelt wurden, entsteht bei der Lektüre ein Eindruck von der Vielfalt der Erwartungen und der Gleichzeitigkeit, mit der verschiedenste Prozesse abliefen. Zugleich liest sich dieser Band wie ein politisches Bekenntnis zu Demokratie, Pluralismus und Meinungsfreiheit. Die Perestroika erscheint als eine Periode des kreativen Aufbegehrens einer zuvor passiven Gesellschaft gegen eine stagnierende Staatsmaschine, gegen Engstirnigkeit und Bürokratismus.

Demonstration gegen die KPdSU auf der Ul. Tverskaja, Moskau 1990. (Reinhard Frötschner) Lizenz: cc by-nc-sa/3.0/de

Diese positive Deutung der letzten Phase der Sowjetunion, die in den 1990er Jahren noch viele teilten, ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten unter der Regierung Wladimir Putins im öffentlichen Diskurs systematisch diskreditiert worden. Putin betrachtete seit Anfang seiner Präsidentschaft den Verlust des Staatsgebiets, unsichere Grenzen und weitere Ablösungen von Territorien als größte Gefahr für das Land. 2005 deklarierte er in einer Rede zur Lage der Nation den Zusammenbruch der Sowjetunion als "größte geopolitische Katastrophe des zwanzigsten Jahrhunderts". Daraus folgte die Betonung der Einheit und Sicherheit des Staates nach innen wie nach außen. Alles, was der Sicherheit potenziell schaden oder unkontrollierbare Prozesse in der Gesellschaft in Gang setzen könnte, gilt vor diesem Hintergrund als latent staatsfeindlich. In dieser Logik erscheint jemand, der die gesellschaftlichen Emanzipierungsbestrebungen der späten 1980er Jahre befürwortet, als Aufrührer und Provokateur, der das Land erneut ins Chaos stürzen will. Wer hingegen die "gelenkte Demokratie" Putins unterstützt, der kann nicht gleichzeitig die Reformpolitik Gorbatschows in einem positiven Licht sehen.

Die Spaltung der heutigen russischen Gesellschaft in Gegner und Unterstützer der Regierung wirkt sich somit unmittelbar auf die Beurteilung der 1980er und 1990er Jahre aus und verhindert einen sachlichen Umgang mit diesem jüngsten Abschnitt der Zeitgeschichte in Russland. Dies und der fehlende zeitliche Abstand sind vermutlich die Ursache dafür, dass sich russische Historiker*innen bisher wenig mit der Perestroika beschäftigt haben. Je mehr das heutige politische System im Hinblick auf mangelnde Innovationskraft, Transparenz der Entscheidungsprozesse, fehlende Entwicklungschancen für seine Bürger*innen und repressive Methoden des Machterhalts an das sowjetische System erinnert, desto stärker wird die Perestroika als Modell des Aufbegehrens gegen den Staatsapparat und die herrschende Elite gesehen werden.

In den Staaten, die bis 1991 Sowjetrepubliken waren und jetzt selbstständig sind, erscheint die Perestroika dagegen in einem anderen Licht. Die "eigene" Geschichte beginnt in diesen Ländern mit dem Ende der Sowjetunion. In den meisten Fällen betont sie eine starke Abgrenzung von Russland. In den ehemaligen Sowjetrepubliken verbindet sich die Zeit der Perestroika mit Gründungsmythen, die auf der Geschichte der jeweiligen Unabhängigkeitsbewegungen beruhen. Diese offizielle Geschichte deckt sich möglicherweise nicht mit den individuellen Geschichten der Bürger*innen, denen nationales Denken fremd gewesen sein mag, die vielleicht andere Vorstellungen von der künftigen Ordnung hatten als die, in der sie sich jetzt zurechtfinden müssen. Deshalb wäre auch in diesen Ländern die Beschäftigung mit den Jahren der Perestroika als Regulativ zur aktuellen, die Gesellschaft stark polarisierenden Geschichtspolitik sinnvoll.

Viele im Westen lebende Sowjetunion- und Russlandhistoriker*innen verbinden eindrückliche persönliche Erinnerungen mit den stürmischen Jahren der Perestroika. Ganz Europa befand sich in einer Phase des Aufbruchs und des großen Zukunftsoptimismus. Konkret ergab sich damals für die westlichen Forscher*innen erstmals die Möglichkeit, mit Archivmaterialien vor Ort zu arbeiten. Ein Aufenthalt in dieser Zeit in der Sowjetunion bedeutete, "aktive Landeskunde" zu betreiben, heute mitzuerleben, was morgen in der Zeitung stehen würde, in sowjetischen Küchen zu debattieren, Prognosen anzustellen, Freundschaften zu knüpfen, Arbeitsbeziehungen zu entwickeln.

Für die sowjetischen Fachkolleg*innen bot sich die Gelegenheit, an westlichen Universitäten zu forschen; für viele bedeutete es die Entscheidung zur Emigration. In allen Fällen führt die persönliche Zeitzeugenschaft zu einer emotionalen, teils auch ideologischen Voreingenommenheit. Nach der hoffnungsvollen Aufbruchsstimmung spielen jetzt enttäuschte Erwartungen eine Rolle und verdüstern den Blick zurück. Der in wissenschaftlichen Arbeiten populär gewordene Begriff der "Katastroika" spiegelt dies deutlich wider. Jede Beschäftigung mit den Jahren der Perestroika und Glasnost muss deshalb mit der kritischen Selbstbefragung beginnen, damit diese kurze, aber ereignisreiche Epoche in ihrer Vielfalt gesehen werden kann. Neben dem Zusammenbruch der Ordnung und seinen dramatischen sozialen Folgen sollten auch der Modernisierungsschub, den die Reformen dem Land brachten, der Freiheitsgewinn des Einzelnen und die vielfältigen Möglichkeiten für eine Erneuerung angemessen betrachtet werden.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Der einführende Überblick übernimmt Auszüge aus: Corinna Kuhr-Korolev, Perestroika (Gnose), 14.12.2015, Externer Link: http://www.dekoder.org/de/gnose/perestroika. Vgl. auch Klaus Gestwa, Von der Perestroika zur Katastroika – Michail Gorbatschow und der Zerfall des Sowjetimperiums (Teil 1), in: Einsichten und Perspektiven 1/2016, S. 16–33, (Teil 2), in: Einsichten und Perspektiven 2/2016, S. 4–25; Susanne Schattenberg, Von Chruščev zu Gorbačev – Die Sowjetunion zwischen Reform und Zusammenbruch, in: Neue Politische Literatur Jg. 55/2010, S. 255–284; Dietmar Neutatz, Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013, S. 498–532.

  2. Zur Person Michail Gorbatschow vgl. Archie Brown, Der Gorbatschow-Faktor. Wandel einer Weltmacht, Frankfurt/M. 2000; ders., Seven Years that Changed the World. Perestroika in Perspective, Oxford–New York 2007; William Taubman, Gorbachev. His Life and Times, London u.a. 2017, deutsche Ausgabe: Gorbatschow. Der Mann und seine Zeit. Eine Biographie, München 2018; György Dalos, Gorbatschow. Mensch und Macht. Eine Biografie, München 2011.

  3. Vgl. Michail Gorbatschow, Glasnost. Das neue Denken, Berlin 1989²; ders., Perestroika. Die zweite russische Revolution. Eine neue Politik für Europa und die Welt, München 1987.

  4. Vgl. Maria Huber, Moskau, 11. März 1985 – Die Auflösung des sowjetischen Imperiums, München 2002; Yegor T. Gaidar, Collapse of an Empire. Lessons for Modern Russia, Washington, D.C 2007; Philip Hanson, The Rise and Fall of the Soviet Economy. An Economic History of the USSR from 1945–1991, London 2014; Hans-Hermann Höhmann, Chaos oder neue Ordnung? Wirtschaftskrise und wirtschaftspolitische Neuorientierung in der ehemaligen UdSSR, Köln 1991; Philip Hanson, From Stagnation to Catastroika: Commentaries on the Soviet Economy, 1983–1991, Washington, D.C. 1992.

  5. Vgl. Johannes Grotzky, Tschernobyl – Die Katastrophe. Zeitgenössische Berichte, Kommentare, Rückblicke, Norderstedt 2018; Franz-Josef Brüggemeier, Tschernobyl, 26. April 1986. Die ökologische Herausforderung, München 1998.

  6. Vgl. Dietrich Geyer (Hrsg.), Die Umwertung der sowjetischen Geschichte, Göttingen 1991; Elke Fein, Geschichtspolitik in Russland. Chancen und Schwierigkeiten einer demokratisierenden Aufarbeitung der sowjetischen Vergangenheit am Beispiel der Tätigkeit der Gesellschaft Memorial, Münster 2000.

  7. Vgl. Gerhard Simon, Nationalismus und Nationalitätenpolitik in der Sowjetunion. Von der totalitären Diktatur zur nachstalinschen Gesellschaft, Baden-Baden 1986; Andreas Kappeler, Rußland als Vielvölkerreich. Entstehung – Geschichte – Zerfall, München 1992; Martin Aust, Die Schatten des Imperiums. Russland seit 1991, München 2019; Serhii Plokhy, The Last Empire. The Final Days of the Soviet Union, London 2015; Romuald J. Misiunas/Rein Taagepera, The Baltic States. Years of Dependence 1940–90, London 2006²; Anatol Lieven, The Baltic Revolution. Estonia, Latvia, Lithuania and the Path to Independence, New Haven 1993; Jonathan Wheatley, Georgia from National Awakening to Rose Revolution, London–New York 2017.

  8. Vgl. Ignaz Lozo, Der Putsch gegen Gorbatschow und das Ende der Sowjetunion, Köln 2014.

  9. Aus journalistischer Sicht: David Remnick, Lenin’s Tomb: The Last Days of the Soviet Empire, New York 1994; David Satter, Age of Delirium: The Decline and Fall of the Soviet Union, New York 2001; Nancy Traver, Kife, The Lives and Dreams of Soviet Youth, New York 1989; Christian Neef, Ein Land in Bewegung: Berichte zur Perestroika 1985–1989, Berlin 1990.

  10. Vgl. Eduard Schewardnadse, Die Zukunft gehört der Freiheit, Reinbek 1991; Georgi Schachnasarow, Preis der Freiheit. Eine Bilanz von Gorbatschows Berater, Bonn 1996; Anatolij Černaev, Sovmestnyj ischod, 1972–1991 gody [Gemeinsamer Auszug, 1972–1991], Moskau 2008; Alexander Jakowlew, Die Abgründe meines Jahrhunderts. Eine Autobiografie, Leipzig 2003; Raissa Gorbatschowa, Leben heißt hoffen. Erinnerungen und Gedanken, Bergisch Gladbach 1991; Boris Jelzin, Aufzeichnungen eines Unbequemen, München 1990; Jegor Ligatschow, Wer verriet die Sowjetunion?, Berlin 2012.

  11. Vgl. Roland Götz, Die Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur der UdSSR als Determinante der Perestroika, Köln 1994; Margareta Mommsen, Wohin treibt Russland? Eine Großmacht zwischen Anarchie und Demokratie, München 1996; Kerstin Holm, Das korrupte Imperium. Bericht aus Rußland, München 2006.

  12. Vgl. Stefan Plaggenborg (Hrsg.), Handbuch der Geschichte Russlands. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion, Bd. 5, Stuttgart 2002; Brown (Anm. 2); Rudolf G. Pichoja, Istorija gosudarstvennogo upravlenija v Rossii [Geschichte der staatlichen Steuerung in Russland], Moskau 20094; Helmut Altrichter, Russland 1989. Der Untergang des sowjetischen Imperiums, München 2009; Aleksandr Bezborodov/Natalya Eliseeva/Vladimir Shestakov, Perestroika i krach SSSR. 1985–1993 [Die Perestroika und der Zusammenbruch der UdSSR], Moskau 2010; Vladislav M. Zubok, A Failed Empire. The Soviet Union in the Cold War from Stalin to Gorbachev, Chapel Hill 2007.

  13. Vgl. Götz (Anm. 11); Gaĭdar (Anm. 4); Douglas B. Reynolds, Soviet Economic Decline. Did an Oil Crisis Cause the Transition in the Soviet Union?, in: The Journal of Energy and Development 1/1998, S. 65–82.

  14. Vgl. Oleg Chlevnjuk, Den’ novych cen. Krisis snabženija i rossijskoe obščestvo na rubeže 1980–1990-ch gg. [Tag der neuen Preise. Versorgungskrise und die russische Gesellschaft in der Wende der 1980–1990er Jahre], in: Rossijskaja istorija 2/2019, S. 52–70; Luise Althanns, McLenin: Die Konsumrevolution in Russland, Bielefeld 2009.

  15. Vgl. Stefan Plaggenborg, "Entwickelter Sozialismus" und Supermacht 1964–1985, in: Plaggenborg (Anm. 12), S. 319–518, hier S. 490–518.

  16. Vgl. Corinna Kuhr-Korolev, Gerechtigkeit und Herrschaft. Von der Sowjetunion zum neuen Russland, Paderborn 2015.

  17. Vgl. Hannes Adomeit, Imperial Overstretch: Germany in Soviet Policy from Stalin to Gorbachev. An Analysis Based on New Archival Evidence, Memoirs, and Interviews, Baden-Baden 2016.

  18. Vgl. Stephen Kotkin, Armageddon Averted. The Soviet Collapse, 1970–2000, Oxford 2008.

  19. Vgl. Alexei Yurchak, Everything Was Forever, Until It Was No More. The Last Soviet Generation, Princeton 2005.

  20. Vgl. Andrea Chandler, Shocking Mother Russia. Democratization, Social Rights, and Pension Reform in Russia, 1990–2001, Toronto 2014²; Tatjana Eggeling, "Wie leben?" Jugend in der Perestroika. Eine Zeit gesellschaftlicher Neuorientierung in Leserbriefen, Hamburg 1999; Stephen Kotkin, Steeltown, USSR: Soviet Society in the Gorbachev Era, Berkeley 1992.

  21. Vgl. I. Ju. Novičenko, Obščestvennye organizacii v Moskve (1950–2000-e gody): Formal’nye i neformal’nye praktiki [Gesellschaftliche Organisationen in Moskau (1950er – 2000er Jahre): Formelle und Informelle Praktiken], in: Leonid Iosifovič Borodkin (Hrsg.), "Sovetskoe nasledstvo". Otraženie prošlogo v social’nych i ėkonomičeskich praktikach sovremennoj Rossii ["Das sowjetische Erbe". Die Wiederspieglung des Vergangenen in den sozialen und wirtschaftlichen Praktiken des gegenwärtigen Russlands], Moskau 2010, S. 76–158.

  22. Siehe dazu: Ol’ga V. Kryštanovskaja, Anatomija rossijskoj ėlity [Die Anatomie der russischen Elite], Moskau 2004; Cécile Vaissié, Le clan Mikhalkov: Culture et pouvoirs en Russie (1917–2017), Rennes 2019; Alena V. Ledeneva, Russia’s Economy of Favours. Blat, Networking and Informal Exchange, Cambridge 1998.

  23. Zum Beispiel: Cogita!ru, Ženščiny v perestrojke, [Frauen in der Perestroika], 30.1.2018, Externer Link: http://www.cogita.ru/restructuring/intervyu/zhenschiny-v-perestroike.

  24. Die Studie von Jurij A. Levada (Hrsg.), Die Sowjetmenschen 1989–1991. Soziogramm eines Zerfalls, Berlin 1992, sei an dieser Stelle für die umfangreiche Forschung des Levada-Zentrums genannt. Siehe auch René Ahlberg, Sowjetgesellschaft im Epochenwandel. Studien zur Selbstaufklärung der sowjetischen Gesellschaft in der Zeit der Perestroika, 1985–1990, Bern 1992.

  25. Siehe Nancy Ries, Russian Talk. Culture and Conversation during Perestroika, Ithaca 1997; John Murray, The Russian Press from Brezhnev to Yeltsin: Behind the Paper Curtain, Cheltenham 1994; Thomas Remington, The Truth of Authority: Ideology and Communication in the Soviet Union, Pittsburgh 1988; Scott Shane, Dismantling Utopia: How Information Ended the Soviet Union, Chicago 1994; Ellen Mickiewiecz, Changing Channels: Television and the Struggle for Power in Russia, Durham 1999; Reino Paasilinna, Glasnost and Soviet Television, Finnish Broadcasting Company, Helsinki 1995; Thomas C. Wolfe, Governing Soviet Journalism: The Press and the Socialist Person after Stalin, Bloomington 2005; George Faraday, Revolt of the Filmmakers: The Struggle for Artistic Autonomy and the Fall of the Soviet Film Industry, Pennsylvania 2010.

  26. Vgl. Klaus Waschik/Nina Baburina, Werben für die Utopie. Russische Plakatkunst des 20. Jahrhunderts, Bietigheim-Bissingen 2003, S. 302–353. Zu diesem Band zugehörige umfangreiche Datenbank mit sowjetischen und russischen Plakaten unter Externer Link: http://russianposter.ru.

  27. Umfangreiche Bestände befinden sich im Archiv der Forschungsstelle Osteuropa der Universität Bremen, Externer Link: http://www.forschungsstelle.uni-bremen.de/de/9/20110606113229/Archiv_Bibliothek.html und in der Library of Congress, Washington, Externer Link: https://catalog.loc.gov/vwebv/holdingsInfo?searchId=274&recCount=25&recPointer=0&bibId=16732411; Findbuch: Externer Link: https://www.loc.gov/rr/european/bibs/sip.html. Die Gesellschaft Memorial verfügt über umfangreiche Bestände in ihrem Moskauer Archiv und in der ehemaligen St. Petersburger Abteilung, heute Fond Iofe, hier vor allem das sogenannte Alekseevskij Archiv, Fond Iofe, St. Petersburg, Externer Link: http://memorial-nic.org/alarch.

  28. Siehe Edinyj Archiv Ėkonomičeskich i Soziologičeskich Dannych, EAĖSD [Gesammeltes Archiv der ökonomischen und soziologischen Daten], Externer Link: http://sophist.hse.ru; Dmitriy V. Maslov, Čelovek i reformy v sovremennoj otečestvennoj istorii. People and Reforms in Modern Russian History, in: Bulletin of the MSRU (History and Political Science) 2019, S. 73–85; zeitgenössisch ist die soziologische Studie von David Stuart Lane, Soviet Society under Perestroika, London 1992.

  29. So z.B. Radio Free Europe/Radio Liberty Research Institute, Soviet and Russian Television Monitoring, Externer Link: http://www.osaarchivum.org/film-catalog/300-81-9.

  30. Siehe z.B. GARF, Kollekcija pisem B.n. El’cinu, 1989–1991 [Sammlung von Briefen an B.N. Jelzin, 1989–1991]; GARF, Fond 10007, Opis 1, Kollekcija pisem i telegramm narodnym deputatam SSSR, opis 1 za 1989–1991gg. [Sammlung von Briefen und Telegrammen an die Volksdeputierten der UdSSR, Findbuch 1 für 1989–1991].

  31. Vgl. Mark R. Beissinger, Nationalism and the Collapse of Soviet Communism, in: Journal of Contemporary European History 3/2009 S. 331–347; Sergei Alymov, Perestroika v rossiiskoi glubinke [Perestroika in der russischen Provinz], in: Antropologicheskii forum 15/2011, S. 109–129, engl. Version online unter Externer Link: https://anthropologie.kunstkamera.ru/files/pdf/eng008/alymov.pdf.

  32. Siehe dazu bereits: Borodkin (Anm. 21); Mark R. Beissinger/Stephen Kotkin (Hrsg.), Historical Legacies of Communism in Russia and Eastern Europe, New York 2014; Dmitri N. Shalin, Russian Culture at the Crossroads: Paradoxes of Postcommunist Consciousness, New York 2018. Das internationale Forschungsprojekt "Legacies of Communism" am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, an dem auch die Autorin dieses Artikels beteiligt ist, verfolgt diesen Ansatz: Externer Link: https://legacies-of-communism.eu.

  33. Ol’ga Nikolaevna Ansberg/Ju. D. Margolis (Hrsg.), Obščestvennaja žizn’ Leningrada v gody perestrojki. 1985–1991. Sbornik materialov [Das gesellschaftliche Leben Leningrads in den Jahren der Perestroika. 1985–1991. Materialband], Sankt Petersburg 2009.

  34. Vgl. Vladimir Vladimirovič Putin/Natalija Pavlovna Gevorkjan, Ot pervogo lica. Razgovory s Vladimirom Putinym [Von der ersten Person. Gespräche mit Wladimir Putin], Moskau 2000.

  35. Zit. nach Ulrich M. Schmid, Der Bankrott eines Systems, 25.12.2016, Externer Link: http://www.nzz.ch/international/aufloesung-der-sowjetunion-vor-25-jahren-der-bankrott-eines-systems-ld.136566.

  36. Die Zeitschrift "Rossijskaja Istorija" hat in Heft 2/2019 eine Diskussion über die Periodisierung der Perestroika und neue Konzeptionen zu ihrer Erforschung angestoßen: Rudolf Pichoja, О pereodizacii sistemnogo krizisa Sovetskogo Sojuza [Über die Periodisierung der Systemkrise der Sowjetunion], S. 3–29; Sergej Žuravlev, Poka bol’še voprosov, čem otvetov [Bisher gibt es mehr Fragen als Antworten], S. 47–51; Aleksander Shubin, Osnovnye problemy i ėtapy istorii perestrojki [Grundlegende Probleme und Etappen der Geschichte der Perestroika], S. 39–47; Vladislav Zubok, Krizis, reformy i razrušenie SSSR [Krise, Reformen und Zerfall der UdSSR], S. 30–39.

  37. Die Autor*innen des Bandes von Katharina Kucher/Gregor Thum/Sören Urbansky (Hrsg.), Stille Revolutionen. Die Neuformierung der Welt seit 1989, Frankfurt/M. 2013, verdeutlichen die enge Verbindung von Wissenschaft und persönlicher Erfahrung. Siehe auch die Rezension von Natali Stegmann, 5.7.2013, Externer Link: http://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-19254.

  38. Vgl. Gestwa (Anm. 1); Hanson (Anm. 4).

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ist promovierte Osteuropahistorikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam. E-Mail Link: kuhr-korolev@zzf-potsdam.de