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Kommentar zum Vortrag von Rolf Rosenbrock "Islamische Wohlfahrtspflege in Deutschland – Probleme, Chancen und Perspektiven"

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Kommentar zum Vortrag von Rolf Rosenbrock "Islamische Wohlfahrtspflege in Deutschland – Probleme, Chancen und Perspektiven"

/ 3 Minuten zu lesen

Sehr geehrter Herr Professor Dr. Rosenbrock,
sehr geehrter Herr Krüger,
sehr geehrte Anwesenden,

zu Recht hat Professor Rosenbrock in seiner Rede auf die zunehmende Bedeutung der kultursensiblen Versorgung muslimischer Mitbürger im Gesundheitssystem hingewiesen. Ob das nun in Form einer Organisation ähnlich der Caritas erfolgen soll, oder ob die muslimischen Gemeinden autark das Problem angehen, sei zunächst einmal dahingestellt. Die Realität drängt uns zum Handeln.

Während in den 60er und 70er Jahren, bis in die 90er Jahre hinein, viele eingewanderte muslimische Familien die Rückkehr in die alte Heimat als nahezu die einzige Option ansahen, hat sich diese Haltung in den letzten 15 Jahren radikal verändert. Dieser Paradigmenwechsel bringt es mit sich, dass in allen Bereichen des Gesundheitssystems die Anzahl der Muslime, sei es als Patienten oder als Mitarbeiter, zunehmen. Der unterschiedliche kulturelle Hintergrund, die differente Sozialisation und der religiöse Background spielen dabei eine bedeutende Rolle. Der Umgang mit Patienten muslimischen Glaubens stellt in allen Gesundheitsbereichen eine Herausforderung dar. Von welcher Art von Herausforderungen rede ich?

  • Ich rede von einer kultursensiblen Versorgung in den Pflegeheimen.

  • Ich rede von Beratungsstellen für alleinerziehende Frauen, Jugendlicher.

  • Ich rede von Beratungsstellen für geistig und körperlich behinderte Menschen muslimischen Glaubens (z.B. Behindertenwerkstätte).

  • Ich rede von Beratungsstellen für Drogenabhängige und andere Suchterkrankungen wie Spielsucht.

  • Ich rede von Beratungsstellen von Frauen für Frauen mit posttraumatischen Belastungsstörungen.

  • Ich rede von Therapeuten und Therapeutinnen sowie Seelsorgern, die kultursensibel behandeln.

  • Ich rede von der Problematik der Organtransplantation.

  • Ich rede von der Problematik des Hirntodes.

  • Ich rede von der Problematik der Sterbehilfe.

  • Ich rede von der Problematik der palliativen Versorgung.

  • Ich rede von Betreuung, Begleitung und psychosozialer Versorgung psychisch erkrankter Menschen muslimischen Glaubens.

  • Ich rede von Anlaufstellen, die hinsichtlich Vollmacht, Betreuung und Patientenverfügungen beraten.

Diese Probleme benötigen Lösungen. Die Fragen fordern Antworten. Die Lösungen und die Antworten können nicht nur von Ehrenamtlichen kommen, sondern wir müssen die Probleme professionell angehen und gemeinsam entsprechende Strukturen schaffen. Um diese Strukturen zu schaffen muss sich die muslimische Gemeinde in Deutschland selbst einbringen. Sie muss für ihre Probleme Lösungsvorschläge verbreiten. Sie muss kompromissfähig sein und sie muss im Hinblick auf die Errichtung einer solchen professionellen Institution kompromissbereit, kompromissfähig, pragmatisch und zielorientiert sein. Die oben gesteckten Ziele, davon bin ich persönlich überzeugt, kann die muslimische Gemeinde in Deutschland erreichen, wenn sie sich an die Bedürfnisse dieser Menschen orientiert und wenn sie die Hilferufe dieser Menschen wahrnimmt. Zur Lösung dieser Problematik sehe ich im Vergleich zu Professor Rosenbrock drei Lösungswege:

  1. Die Gründung eines eigenen Wohlfahrtsverbandes, in dem sich alle muslimischen Gruppen repräsentiert fühlen.

  2. Die Integration in eine bereits bestehende Struktur wie der Caritas oder der Diakonie.

  3. Der dritte Weg wäre eine ethnozentrische Versorgung innerhalb der muslimischen Gemeinde, das heißt, dass jede Nationalität und jede Religionszugehörigkeit innerhalb der muslimischen Gemeinde ein eigenes Versorgungssystem aufbaut, betreffend obengenannter Punkte.

Welcher Weg ist der Richtige? Wir sind heute und in den nächsten zwei Tagen hier, um zum einen die oben aufgeführten Probleme intensiv zu diskutieren und zum anderen um die Nachteile und Vorteile der drei Lösungsvorschläge zu erörtern. Ich bin guten Mutes, dass wir diesbezüglich einen Schritt nach vorne machen werden. Ich bedanke mich für das Zuhören und wünsche Ihnen allen heute und in den nächsten zwei Tagen rege und spannende Diskussionen.

- Es gilt das gesprochene Wort -