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Die dokumentarische Form der filmischen Langzeitbeobachtung

Christian Meyer-Pröpstl

/ 7 Minuten zu lesen

Dem Leben zusehen. So könnte man es nennen, was der Dokumentarfilm leisten kann. Blickt man genauer auf Form und Machart von Dokumentarfilmen, so wird dieses Versprechen nur selten ganz eingelöst.

(© Robert J. Flannery / Pathe Pictures, Nanook of the north, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons ) (© picture alliance / Everett Collection) (© picture alliance/United Archives | United Archives/Impress) (© picture alliance/United Archives)

Zwischen Dokumentation und Fiktion

Schon früh in der Filmgeschichte versuchen Filmschaffende mit Dokumentarfilmen längere Zeiträume im Leben ihrer Protagonisten abzubilden. Robert J. Flahertys ethnografischer Dokumentarfilm „Nanuuk der Eskimo“ („Nanook of the North“) aus dem Jahr 1922 begleitet das Leben einer Inuit-Familie. Flaherty hatte als Prospektor und Kartograf im Norden Kanadas viele Jahre das Leben der Inuit studiert und auch gefilmt. Für seinen ersten abendfüllenden Film (fälschlicherweise häufig als erster abendfüllender Dokumentarfilm der Filmgeschichte bezeichnet) hat er mehrere Ereignisse gefilmt und dramaturgisch verknüpft und dabei auch deutlich inszenatorisch in die Szenerie eingegriffen. In diesem frühen Beispiel zeigen sich bereits viele Möglichkeiten, aber auch viele Fragestellungen zur filmischen Dokumentation.

Der Film macht das Publikum mit Orten und mit Menschen bekannt, die es ansonsten kaum kennengelernt hätte. Mit dem filmischen Mittel der Montage werden Perspektiven, Räume und auch Zeiträume miteinander verbunden oder auch Zeitabläufe verkürzt. In dieser Qualität, Zusammenhänge herzustellen, steckt zugleich die Möglichkeit, die Realität zu gestalten. Der Übergang zur regelrechten Inszenierung wie bei Spielfilmen ist fließend. So hat Robert J. Flaherty die Gestaltung im Sinne einer Fiktionalisierung und Dramatisierung, aber auch im Sinne einer vorgefertigten Aussage des Films sehr stark betrieben: Er hat die Wahl der Kleidung, der Waffen und vieles andere bis hin zu den Mitgliedern der scheinbar authentischen Inuit-Familie bestimmt. Er hat, um das Bild der noch unzivilisierten, von ihm romantisierten Inuit zu erlangen, stark in das Vorgefundene eingegriffen und es ‚naturalisiert’. Flaherty wurde für seinen Film gefeiert, wurde für seine Eingriffe in die vorgefundene Realität aber auch kritisiert.

Auch der Film „Farrebique“ von Georges Rouquier aus dem Jahr 1946 hat seinerzeit eine scharfe Diskussion um das Spannungsfeld zwischen Dokumentation und Fiktion entfacht. Der Film zeigt das Landleben in einem kleinen französischen Dorf über die vier Jahreszeiten hinweg. Es wird gesät, geerntet, Brot gebacken, Kinder werden geboren, Alte sterben. Der Film zeigt den Lauf der Zeit mit filmischen Tricks wie Zeitraffer und Überblendung, aber auch mit symbolischen und poetischen Bildern wie langen Schlagschatten, fallendem Laub oder schmelzendem Schnee. Ein zeitgenössischer Gegner des Films wie Jean Fayard polemisierte, er habe „in anderthalb Stunden Kühe Kuhfladen produzieren, Bauern essen, Regen fallen, Dreck an Holzschuhen kleben sehen...“, und er müsse nicht ins Kino gehen, um die Dinge so zu sehen, wie sie sind. Ein Verteidiger wie Georges Sadoul schrieb hingegen frei nach Søren Kirkegaard, das Ewige könne nur im Gegenwärtigen gefunden werden. Nach Kirkegaard kommt im Augenblick das Vergängliche und das Ewige zusammen. Vielleicht ist deshalb das Wiederkehrende wie die Jahreszeiten, der jährliche Zyklus, eine häufig genutzte Zeitspanne für eine dokumentarische oder fiktive Betrachtung.

Ganz scharf wie sich das einige Theoretiker wünschen lassen sich Dokumentation und Fiktion nicht trennen. Das Dokumentarische ist immer vom Filmischen beeinflusst. Mindestens durch die Anwesenheit der Kamera verändert sich die Wirklichkeit, aber auch in der Montage wird in die Wirklichkeit, wie wir sie wahrnehmen, eingegriffen. Und auch umgekehrt wohnt einem Spielfilm immer auch eine dokumentarische Qualität inne, allein dadurch, dass wir echte Menschen sehen und meist auch Häuser, Straßen, Natur, die es ja so in der Wirklichkeit gibt, mindestens aber ihre Modelle, wenn es sich um ein Filmset handelt. Und auch in Thema, Rede, Gestik und Mimik findet sich realer Zeitkolorit, der die Entstehungszeit eines Films repräsentiert.

ExkursSpielfilm-Langzeitprojekte

Es gibt Beispiele für ein Pendant zur Langzeitdokumentation im Bereich des Spielfilms. Das scheint sich zunächst auszuschließen. Doch wenn man genauer hinsieht, dann ist alleine schon in den Gesichtern der alternden Darsteller/-innen die Zeit genauso eingeschrieben wie bei den Protagonistinnen und Protagonisten in einer Langzeitdokumentation. Diesen Effekt spürt man in Langzeit-Serien wie der „Lindenstraße“ ebenso wie in fiktiven Kinospielfilmen oder Spielfilmreihen, die über eine längere Zeit realisiert wurden.

Der französische Regisseur François Truffaut hat mit seinem Antoine Doinel-Zyklus zwischen 1958 und 1978 eine in der Filmgeschichte einzigartige Reihe aus vier langen und einem kurzen Film geschaffen, in der wir die Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud und Claude Jade reifen sehen. Auch der US-Amerikaner Richard Linklater hat mit seiner Before-Trilogie ein Liebespaar, dargestellt von Ethan Hawke und Julie Delphy, in drei Spielfilmen über fast 20 Jahre begleitet. Allerdings sind es nur jeweils wenige, ausgewählte Tage, die das Publikum mit ihnen in dem jeweiligen Film verbringt, bevor wieder lange Jahre bis zum nächsten Wiedersehen vergehen. Ausführlicher beziehungsweise kontinuierlicher erzählt Linklaters Familienporträt „Boyhood“, dessen zentrale Figur – und zugleich dessen Darsteller – zwischen seinem sechsten und seinem 18. Lebensjahr begleitet wird. Die Dreharbeiten umfassten einen Zeitraum von elf Jahren. Der Fluss der Zeit ist durch die Kinderdarsteller und ihre Veränderungen am Körpern noch deutlicher als in seiner Before-Trilogie abzulesen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte eine Zwischenform wie Edgar Reitz’ „Heimat“-Reihe. Die zwischen 1981 und 2013 entstandenen Filme mit den Teilen „Heimat – Eine deutsche Chronik“ (1984), „Die zweite Heimat – Chronik einer Jugend“ (1992) und „Heimat 3 – Chronik einer Zeitenwende“ (2004), die jeweils wiederum mehrere Filme umfassen, schildern einen Erzählzeitraum von 1919 bis 1999 (als Epilog entstand 2006 aus nicht verwendeten Szenen außerdem der Film „Heimatfragmente: Die Frauen“). Vorangestellt war der Serien-Trilogie der 1981 entstandene Dokumentarfilm „Geschichten aus den Hunsrückdörfern“. Mit „Die andere Heimat“ wurde 2013 als Kinofilm eine Art Prequel nachgeschoben, der die Auswanderungswelle der Jahre 1842 bis 1845 im Hunsrück thematisiert. Der Dokumentarfilm von 1981 porträtiert Menschen aus verschiedenen Hunsrückdörfern. Die Spielfilme hingegen basieren auf den Rechercheergebnissen aus alten Tageszeitungen, eigenen Lebenserinnerungen der Autoren und aus den Erzählungen der Dorfbewohner und wurden um fiktive Ereignisse ergänzt. Gedreht wurde wenn möglich an Originalschauplätzen. Eine sehr genaue, langsame Erzählweise hat das Gesamtwerk, dass auch eine Chronik der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts ist, auf 50 Stunden anwachsen lassen. Den Effekt einer Chronik, die den langsamen Wandel von Menschen und Menschengruppen sowie Orten sichtbar macht, erlebt man bei nur wenigen Langzeitprojekten so deutlich.

ExkusDoku-Soap „Die Fussbroichs“

1979 realisiert die WDR-Regisseurin Ute Diehl für den WDR den 45-minütigen Dokumentarfilm „Die Fussbroichs: Ein Kinderzimmer 1979“. Gezeigt werden sollte der Alltag einer typischen Kölner Arbeiterfamilie und ihr Konsumverhalten. Protagonisten sind Vater Fred, Mutter Annemie und der 11-jährige Sohn Frank.

Zehn Jahre später folgt 1989 der 85-minütige Dokumentarfilm „Die Fussbroichs – Eine Kölner Arbeiterfamilie“, die wiederum den Alltag der Familie ohne Drehbuch in spontan gefilmten Situationen zeigt. Ab Ende 1991 bis Ende 2003 werden dann 100 je 30-minütige Folgen im Fernsehen ausgestrahlt. Danach tritt Sohn Frank in Reality-TV und Scripted Reality TV-Formaten wie „Big Brother“ oder „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ auf. In den Jahren 2013, 2014 und 2016 folgen von den Fussbroichs selber produzierte DVDs mit der Dokumentation ihres Lebens. Nachdem Vater Fred 2022 gestorben ist, dokumentiert Sohn Frank sein Leben mit Ehefrau Elke auf einem eigenen YouTube-Kanal.

Der Unterschied zu vielen anderen dokumentarischen Langzeitprojekten ist hier zum einen die Konzentration auf wenige Protagonist*innen, vor allem die drei Familienmitglieder. Zum Anderen, aber damit einhergehend, ein sehr auf das Private fokussierter Blick, auch wenn es zu Beginn des Projektes, vor allem bei dem Vorläufer „Ein Kinderzimmer 1979“ um die Repräsentation einer typischen Arbeiterfamilie geht. Ein weiterer wichtiger Punkt, der die kompletten Umwälzungen in der Welt der Bewegtbildmedien widerspiegelt, ist Frank Fussbroichs ‚Karriere‘ durch die seinerzeit üblichen Formate des Reality-TV und schließlich die Übernahme der Produktionsmittel bei den ersten eigenen DVDs und dann folgerichtig ab ca. 2014 den Videos auf YouTube. Ab ca. 2020 ist diese fortlaufende Dokumentation des eigenen Lebens auf dem YouTube-Kanal mit inzwischen 1500 Videos bei über 15.000 Abonnenten angelangt – auf Instagram sind es über 20.000 Follower.

Die Entwicklung des Formats Fussbroichs spiegelt sehr anschaulich die Entwicklung von den Langzeitdokumentationen der 1960er und 1970er Jahre, die etwas Repräsentatives für (einen Teilbereich der) Gesellschaft aufzeigen wollen über das sogenannte Trash-TV, das sich vermeintlich über die Protagonist*innen stellt bis hin zur Zeit von Social Media und ihren Influencer*innen, die zuallererst nur sich selbst repräsentieren, indem sie ihr Privatleben vor der Welt ausbreiten. Wie bei Langzeitdokumentationen liefern die Timelines dieser Accounts einen Blick auf die vergangene Zeit: Aus dem Leben der Protagonist*innen ist am Ende auch Geschichte und Sozialgeschichte ablesbar.

Die verschiedenen Schulen des Dokumentarfilms

Zurück zum Dokumentarfilm: In den 1960er Jahren entfaltete sich eine teils ideologische Diskussion um den vermeintlich richtigen dokumentarischen Ansatz. Technische Entwicklungen hatten weniger komplexe, leichtere Aufnahmesituationen als zu Zeiten von Robert J. Flahertys „Nanook from the North“ oder Georges Rouquier „Farrebique“ ermöglicht. Das französische Cinéma verité („Kino der Wahrheit“) mit Filmemachern wie Jean Rouch nutzt diese Technik, um mit kleinerem Team näher an der Realität und am Alltag zu sein. Zugleich interagieren die Filmemacher*innen aber mit den Protagonist*innen, um zum Einen spontane, ‚echte‘ Reaktionen hervorzurufen und zum Anderen das Medium an sich zu reflektieren.

Das zeitgleich entstandene amerikanische Direct Cinema um Filmemacher wie Richard Leacock oder D.A. Pennebaker nutzt zwar auch die neue Technik, um nah und direkt an die Protagonist*innen zu gelangen, versucht aber wie „the Fly on the Wall“ (die Fliege an der Wand) unsichtbar zu sein und das Gezeigte nicht zu beeinflussen.

Gemein ist beiden Ansätzen, dass sie die Protagonist*innen für sich selbst sprechen lassen wollen und nicht als Filmemacher*in interpretieren oder in größere Sinnzusammenhänge stellen wollen. Letzteres, den ‚autoritären‘ oder ‚bevormundenden‘ Dokumentarfilm, der mit Off-Kommentar („Voice-over“) alles Gezeigte für das Publikum erklärt, einordnet und interpretiert nennt der Filmtheoretiker Bill Nichols den Expository Mode. Die vermeintlich reine Beobachtung des Direct Cinema, die sich nicht in das Geschehen einmischt, nennt er den Observational Mode und die Interaktion mit der Wirklichkeit vor der Kamera des Cinema Vérité den Interactive beziehungsweise Reflexive Mode. Letzterer stellt die vermeintliche Objektivität des Dokumentarfilms in Frage. Nichols unterscheidet ferner den Poetic mode für impressionistische, experimentelle, an der Avantgarde orientierte Formen des Dokumentarfilms, unter die bestimmte Sequenzen von „Farrebique“ fallen würden, und den Performative mode, der einen subjektiv aus der Perspektive des Filmemachers erzählten Film über seine eigene Realität bezeichnet. Hier treten die Filmschaffenden selber als Protagonisten ihrer Filme auf.

Dokumentarische Langzeitprojekte

Dokumentarische Langzeitprojekte erstrecken sich häufig über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte. In den seltensten Fällen ist dies jedoch von Anfang an so geplant.

Als die längste dokumentarische Betrachtung in der Filmgeschichte gilt die Reihe „Die Kinder von Golzow“ von Winfried Junge, die 1961 mit dem 13minütigen Schwarzweiss-Film „Wenn ich erst zur Schule gehe“ über eine erste Klasse in Golzow, einem brandenburgischen Dorf auf dem Gebiet der damaligen DDR, startete und nach 44 Jahren und 20 Filmen – darunter zahlreiche über vierstündige Filme – im Jahr 2007 mit „Und wenn sie nicht gestorben sind …“ und „… dann leben sie noch heute" abschließt. Insgesamt beträgt die Laufzeit der Reihe 45 Stunden. Bis 1975 entstanden sechs kurze Filme, die 18 Menschen ab dem ersten Schuljahr porträtierten. Ab 1979 entstanden dann weitere lange und überlange Filme, die sich einzelnen Protagonist*innen aus Golzow widmen und deren weiteren Lebensweg porträtieren, sie aber auch immer wieder mit altem Filmmaterial konfrontieren. Für die Zuschauer wird dieses ältere Filmmaterial in die jüngeren Filme hineinmontiert. Winfried Junge ist in allen Filmen im Off als Kommentator zu hören. Außerdem hört man ihn aus dem Off in den Interviewpassagen mit den Protagonist*innen, wenn er sie nach ihrer Lebenssituation und ihrer Meinung fragt und häufig auch bei den Antworten nachhakt. Winfried Junges Frau Barbara Junge betreut seit 1983 die Montage der Golzow-Filme, seit 1992 führen sie gemeinsam Regie. Die Filme archivieren Zeit, zeigen Entwicklungen, immer wieder im Rückblick auf Vorheriges, und machen das Leben der Anderen erlebbar.

Dem Leben zusehen

Eine weitere bemerkenswerte Langzeitdokumentation stammt aus der DDR. Volker Koepp beginnt seine Reihe über drei Textilarbeiterinnen in der Kleinstadt Wittstock in Brandenburg genau in dem Jahr, in dem Winfried Junge den letzten seiner kurzen Golzow-Filme dreht – 1975. Nach vier kurzen Filmen folgen ab 1984 noch drei abendfüllende Dokumentarfilme (alle Filme findet man in der Interner Link: bpb-Mediathek). Wie Winfried Junge spricht Koepp Off-Kommentare über die Bilder, ist auch in den Interviews zu hören, aber fast nie in den Bildern zu sehen. Und wie bei den Golzow-Filmen wird in späteren Filmen immer wieder älteres Filmmaterial einmontiert. Beide Reihen begleiten individuelle Lebenslinien – Ausbildung, Beruf, Familie – , beschreiben mit ihnen aber auch gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, allen voran mit der Wiedervereinigung wohl den umfangreichsten historischen Bruch im Leben der Protagonist*innen. Anders als bei Flaherty gibt es bei den beiden Reihen nur sehr wenig fiktionalisierende Momente. Junge legt in späteren Filmen allerdings die ein oder andere Inszenierung in älteren Filmen offen.

Ein Beispiel für eine im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks entstandene Langzeitdokumentation ist „Berlin – Ecke Bundesplatz“. Die Filmemacher Hans-Georg Ullrich und Detlef Gumm haben zwischen 1986 und 2012 dreißig Menschen aus der Gegend rund um den Bundesplatz in Berlin-Wilmersdorf mehr als ein Vierteljahrhundert lang mit der Kamera durch ihren Alltag begleitet. Entstanden sind so insgesamt 62 Filme mit zusammen 60 Stunden Laufzeit. Das Projekt hat eine Gemeinsamkeit mit dem Filmzyklus Prosper/Ebel von Christoph Hübner und Gabriele Voss. Wie diese haben Ullrich und Gumm ihren Arbeitsraum – ihr Filmbüro – in der Gegend, um nah am Ort des Geschehens und den Porträtierten zu sein und so gewissermaßen Teil dessen zu werden, was sie da dokumentieren.

Zu vielen Aspekten der genannten Beispiele zeigen sich Parallelen zu der bundesrepublikanischen Chronik „Prosper / Ebel“ von Christoph Hübner und Gabriele Voss (1979 bis 2023), die damit klar in der Tradition der Filmreihen von Junge und Koepp stehen. Doch während bei den Vorbildern die Menschen deutlich im Vordergrund stehen, rücken bei Hübner und Voss die Orte gleichermaßen in den Fokus. Hübner und Voss haben an weiteren Langzeitdokumentationen gearbeitet: 1998 begannen sie mit der Arbeit an ihrer Fußballtrilogie „Champions“ – drei langen Kino-Dokumentarfilme, die die Entwicklung einiger Jugendtalente von Borussia Dortmund über einen Zeitraum von über 20 Jahren dokumentiert. Und in den Jahren 2006 bis 2015 entstand der Filmzyklus „EmscherSkizzen“, der in ca. 60 kurzen dokumentarischen Filmen vom Umbau einer Flusslandschaft und von ihren Anwohnern erzählt.

Fussnoten

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lebt und arbeitet als freier Journalist in Köln und publiziert vor allem zu popkulturellen Themen (Schwerpunkt Film, aber auch Musik- und Comic-Themen) in diversen Magazinen (u.a. Filmdienst, Zeit-Online, choices, Strapazin). Daneben Moderation von Publikumsgesprächen und Erwachsenenbildung (Friedrich-Ebert-Stiftung).