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12. August 1970

Deutschland-Chronik I: Alliierte Besatzungspolitik 1. Vorentscheidungen der Siegermächte 2. Die Teilung Deutschlands 3. Wirtschafts- und Sozialreformen 4. Interzonale Verflechtungen und Sonderfall Saargebiet 5. Berlin und Berlin-Blockade II: Gründerjahre der beiden deutschen Staaten 6. Konstituierung der beiden deutschen Staaten 7. Bipolare Außenpolitik und Wiederaufrüstung im Kalten Krieg 8. Deutschlandpolitik und Berlin-Status im Kalten Krieg 9. Wirtschaft, Sozialpolitik und Gesellschaft 10. BRD und DDR: Bildungs-, Kultur-, Familien- und Jugendpolitik 1949 - 1955 III: BRD und DDR als Vorposten ihrer Schutzmächte 11. Regierung und Innenpolitik 12. Außen- und Sicherheitspolitik der beiden deutschen Staaten 13. Deutschlandpolitik und deutsch-deutscher Konflikt 1955 - 1961 14. Wirtschaft, Arbeit und Sozialpolitik 15. BRD und DDR: Bildungs- und Familienpolitik 1955 - 1961 IV: Deutschland in der Ära der Koexistenz 16. Regierungen, Parteien und Verfassung im politischen Wandel 17. Außen- und Sicherheitspolitik zwischen Konfrontation und Normalisierung 18. Deutsch-deutscher und Berlin-Konflikt im Übergang 1961 - 1969 19. Wirtschafts- und Sozialpolitik 20. Entwicklungspolitik und Weltwirtschaft 1961 - 1969/71 21. BRD und DDR: Bildung und Familie 1961 - 1969/71 V: Die deutschen Staaten im Wandel vom Ost-West-Konflikt zur Entspannung 22. Innenpolitik in der Ära Brandt/Schmidt und Honecker 23. Außen- und Sicherheitspolitik in der Ära Brandt/Schmidt und Honecker 24. Zwei Staaten, eine Nation in Deutschland 1969 - 1982 25. Berlin-Regelung und Berlin-Politik 1971 - 1982 26. Ökonomie, Umwelt und soziale Sicherung 27. Entwicklungspolitik und Weltwirtschaft 1969 - 1982 28. Familie und Jugend, Bildung und Kultur VI: Von der Ost-West-Entspannung bis zum Vorabend der 'Wende' 29. Innenpolitik in der ersten Ära Kohl und am Ende der Ära Honecker 30. Außen- und Sicherheitspolitik 31. Deutsch-deutsche Sonderbeziehungen und Berlin 1982 - 1989 32. Wirtschaft und soziale Sicherung, Umwelt und Entwicklung 33. BRD und DDR: Familie und Bildung 1982 - 1989 VII: Von der friedlichen Revolution zur staatlichen Einheit 34. »Wir sind das Volk«: Die friedliche Revolution vor und nach dem 40. Jahrestag der DDR-Gründung 35. DDR und BRD: Von der Vertragsgemeinschaft zur Einheit 36. Internationale und sicherheitspolitische Rahmenbedingungen der deutschen Einheit 37. Die Wiederherstellung der Einheit Berlins als »kleine Wiedervereinigung« 1989 - 1990 VIII: Deutschland auf dem Weg zur inneren Einheit 38. Regierungssystem und Innenpolitik in der zweiten Ära Kohl 39. Deutsche Außen- und Sicherheitspolitik nach der Einheit 40. Wirtschaft, Steuern und Sozialpolitik in Deutschland 41. Weltwirtschaft, Dritte Welt und Umwelt 1990 - 1998 42. Familien-, Jugend- und Bildungspolitik in Deutschland 1990 - 1998 IX: Kontinuität und Wandel 43. Regierungswechsel und Innenpolitik 44. Deutschland in der internationalen Politik 45. Wirtschafts-, Finanz- und Sozialpolitik 46. Weltwirtschaft, Dritte Welt und Umwelt 1998 - 2000 47. Familie und Bildung 1998 - 2000 Über die Chronik Redaktion

12. August 1970

Moskauer Vertrag zwischen der BRD und der Sowjetunion, unterzeichnet von Willy Brandt/Walter Scheel und Alexej Kossygin/ Andrej Gromyko im Beisein Leonid Breschnews. Um den internationalen Frieden aufrechtzuerhalten, die Entspannung zu fördern und die Lage in Europa zu normalisieren, gehen beide Staaten vom geographischen Status quo aus. Erstmals stellt daher eine Bundesregierung die territorialen Veränderungen des Zweiten Weltkriegs nicht mehr infrage. Gemäß den Zielen und Grundsätzen der UN-Charta verpflichten sich beide Staaten, ihre Streitfragen ausschließlich friedlich zu lösen und sich der Drohung mit Gewalt oder der Anwendung von Gewalt zu enthalten. Sie konkretisieren diesen Gewaltverzicht, indem sie versichern, keine Gebietsansprüche gegen »irgend jemand« zu erheben und heute und künftig die Grenzen aller europäischen Staaten als unverletzlich zu betrachten, darunter die Oder-Neiße-Linie als Westgrenze der Volksrepublik Polen und die Grenze zwischen der BRD und der DDR. Der Vertrag berührt nicht früher abgeschlossene zweiseitige und mehrseitige Verträge und bedarf der Ratifikation. Die Bundesregierung übergibt den »Brief zur deutschen Einheit« als einseitige Option. Er stellt im Sinne des Wiedervereinigungsgebots fest, dass der Vertrag nicht dem Ziel widerspreche, »auf einen Zustand des Friedens in Europa hinzuwirken, in dem das deutsche Volk in freier Selbstbestimmung seine Einheit wiedererlangt«. Damit wird dokumentiert, dass die deutsche Frage offen und ungelöst ist. Der Moskauer Vertrag leitet eine neue Ära des politischen Modus vivendi in den deutsch-sowjetischen Beziehungen seit 1955 ein. Er bildet das Kernstück der Entspannungs-und Friedenspolitik Brandts, die Adenauers Werk, die Integration der BRD in den Westen, durch eine Öffnung und Normalisierung nach Osten ergänzt. NATO-und EG-Mitgliedschaft sind Voraussetzungen dieser flankierenden Ostpolitik. - Brandt erhält als erster aktiver deutscher Politiker nach Gustav Stresemann den Friedensnobelpreis (1971).