Der Garten der Gerechten in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem

Malina Emmerink am 29.01.2011

Was hat das mit mir zu tun? Geschichtsvermittlung in der Einwanderungsgesellschaft

Interessieren sich Einwanderer eigentlich für den Nationalsozialismus? In dem interaktiv gestalteten Workshop wurden zwei innovative interkulturelle Projekte vorgestellt, die für Kinder und Jugendliche mit verschiedenen Hintergründen einen gemeinsamen Erfahrungsraum für das Erleben von Geschichte schaffen.

Petra Zwaka und zwei Kollegen präsentierten das "Geschichtslabor: 1933-1945", eine Ausstellung des Berliner Jugend Museums für Kinder ab acht Jahren. Ausgehend von historischen Objekten entwickeln die Kinder ihre eigenen Forschungsfragen und gehen mit Hilfe von großen Comicwänden und vielfältigem Quellenmaterial auf detektivische Spurensuche nach der Geschichte der Exponate. Helle Räume und die Präsentation der Objekte als kriminalistische Beweisstücke unterstützen den Eindruck eines echten Labors.

Anstatt die Ausstellung wie geplant 2009 zu schließen, verpackte das Museumsteam sie aufgrund der großen Nachfrage kurzerhand in Koffer. Seitdem tourt sie als mobiles Geschichtslabor mit bis zu zweiwöchigen Workshops durch Berliner Bildungsstätten. Zum Workshop brachten die Referenten viele Exponate, Comics und Quellenmaterial mit, durch die sie das beeindruckende Projekt sehr anschaulich präsentierten.

Ursprünglich ohne speziellen interkulturellen Fokus konzipiert, haben die Ausstellungsmacher mit der Zeit Themen wie beispielsweise die Türkei als Fluchtziel und Heimat von Juden einbezogen. Diese Erweiterung deutscher Geschichte dürfe aber auf keinen Fall zu einer "Einwanderungs-Sonderpädagogik" werden, so die Pädagogen. Sie wollen Raum für eigene Fragen schaffen und unabhängig vom kulturellen Hintergrund erreichen, dass die Kinder die "gleiche Leidenschaft packe wie Historiker auch."

Im Anschluss präsentierte Franziska Ehricht das Projekt “Dokumentenkoffer für eine interkulturelle Pädagogik zum Nationalsozialismus” der Berliner Initiative Miphgasch/Begegnung e.V. und der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Hier lernen Kinder der Klassen 8 bis 10 in Seminaren anhand von ausgewähltem Quellenmaterial zu zehn Themen wie muslimische Helfer in Sarajevo oder verfolgte Juden in Tunesien, sich dem Holocaust aus verschiedenen Perspektiven zu nähern.

Das Interesse der meisten Kinder mit Migrationshintergrund am Thema sei riesig, sagen die Workshopleiter. Warum? “Weil wir hier geboren sind und weil wir wissen wollen, was hier früher passiert ist”, erklärt ein junger Besucher des Geschichtslabors.

Die engagierten Referentinnen waren sich einig, dass die Beschäftigung mit dem Holocaust im Kontext der Einwanderungsgesellschaft besondere Wachsamkeit und Sensibilität der Pädagogen erfordere. Vermittelnde Signale aussenden statt ungemütliche Themen abblocken, so lautet die Devise der Experten.