Der Garten der Gerechten in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem

Raphael Rothenberger am 29.01.2011

"Eine Woche später pflanzte Schindler den Baum"

Irena Steinfeld sprach über das Projekt "Die Gerechten unter den Völkern – Righteous Among the Nations" der Gedenkstätte Yad Vashem, dem sie seit 2007 als Direktorin vorsteht.

Irena Steinfeld Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Es gibt die "Pflicht, an diese edlen Menschen zu denken", erklärte Irena Steinfeld, "die dem jüdischen Volk in den schwersten Stunden halfen." Motivation der Ehrungen sei "tiefe Dankbarkeit". Die Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem wurde 1953 gegründet und die Idee der Ehrung der "Gerechten unter den Völkern" bestand von Anfang an. Es werden Nichtjuden, die "ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Juden zu retten" geehrt. Das Projekt entsprang dem Glauben der Überlebenden an das Gute und ihrer Zukunftshoffnung, denn "wir können nicht in einer Welt leben, die vollkommen dunkel ist", meinte Steinfeld. Die Einzigartigkeit des Programmes liege vor allem darin, dass ein Volk Menschen anderer Völker in den eigenen "Pantheon der Helden" einlässt, ganz gleich, ob es sich um "polnische Professoren" oder "französische Bauern" handele. Insgesamt gibt es heute 23.000 Geehrte.

"Die Gerechten unter den Völkern" sei, so Steinfeld, ein sehr komplexes Projekt. Von Anfang an war klar, dass die Auswahlkommission mit "schwierigen Dilemmata" konfrontiert würde. Gerechte seien Retter, die nicht nur halfen und Solidarität zeigten, sondern "die bereit waren, einen Preis zu zahlen und am Ende womöglich das Schicksal der Opfer zu teilen". Gerechte unter den Völkern seien kleine Gruppen in den weiten Reihen der Helfer.

Die Entscheidung für die Ehrung sei nicht immer einfach, sagte Steinfeld, doch am Ende müsse ein klares "Ja" oder "Nein" stehen, wie sie an einem Beispiel erläuterte. In Litauen versteckte Vladislav Vushkan mehrere Juden, die ihn dafür bezahlten. Aus Angst vor Denunziation lehnte er es schließlich ab, sie weiter zu beherbergen. Ihr Versuch, sich in einer Synagoge zu verstecken, scheiterte und sie kehrten zu Vushkan zurück, der sie doch wieder aufnahm. Zwei der Beherbergten verhungerten, aber elf überlebten. Sie waren die einzigen jüdischen Überlebenden der Stadt. Es galt abzuwägen: Wie stark wirkt die erneute Bereitschaft zu helfen, welche Bedeutung haben die zwei Verhungerten? Die Kommission beschloss, Vladislav Vushkan zu ehren.

Die Fragen des Publikums waren vielfältig. Es ging um die Rücknahme von Ehrungen (bisher gab es sechs), um die Ablehnung von Anträgen aufgrund der Bezahlung von Hilfe, oder die Hilfestellung unter der Bedingung der Konversion zum Christentum. Eine Vielzahl der Anträge sei noch unbearbeitet, weil Informationen fehlten, erläuterte Steinfeld. "Es gibt sehr viele Geschichten, die wir nicht kennen, manche werden für immer verborgen bleiben", sagte sie, "doch wir geben uns alle Mühe, diese Geschichten zu finden."