Der Garten der Gerechten in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem

Vanessa Stahl am 27.01.2011

"Ich bin natürlich voreingenommen, er hat ja mein Leben gerettet"

Ladislaus LöbLadislaus Löb Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/
Der 11-jährige Ladislaus Löb floh mit seinem Vater aus einer Kleinstadt in Siebenbürgen nach Budapest. Sie konnten sich in eine Gruppe jüdischer Flüchtlinge einschmuggeln, die von Rezső Kasztner zusammengestellt worden war. Dieser half als Vertreter der zionistischen Organisation Vaadaungarischen und aus den Nachbarländern geflohenen Juden bei der Ausreise nach Palästina. Als die deutschen Truppen im März 1944 – spät aber umso aggressiver – in Ungarn einmarschierten, begannen von Adolf Eichmann initiierte Verhandlungen mit Kastzner. Dieter Wisliceny, der Stellvertreter Eichmanns an Rezsö Kasztner laut Löb:

"Wir haben ein Geschäft für Sie, beschaffen Sie uns 10.000 Lastwagen und kriegswichtige Güter und wir lassen einige Juden laufen."

Im Sommer 1944 gelang es Kasztner mittels eines gewagten Doppelbluffs eine Gruppe von 1658 Juden freizukaufen, die nicht nach Auschwitz, sondern in das KZ Bergen-Belsen geschickt wurden.

Die Idee war, so Löb in seinem Vortrag:

"Wenn unsere Gruppe aus Bergen-Belsen entlassen würde, dann würde das den Alliierten ein Zeichen geben, damit sie wiederum den Deutschen ein Zeichen geben, dass sie zu weiteren Geschäften bereit wären, um die Juden zu befreien."

Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in dem "privilegierten" Parallellager (ohne Arbeitsdienst, mit eigener Kleidung, selbst organisiertem Schulbetrieb) überquerten sie im Winter 1944 die Grenze in die neutrale und "hell erleuchtete" Schweiz. Hinter ihnen lag das verdunkelte Deutschland.

Gleich zu Beginn seiner scharfsinnigen und oft humorvollen Erzählungen bemerkte Löb, dass er eine gewisse Befangenheit in Sachen Kasztner nicht abstreiten könne, "Ich bin natürlich voreingenommen für Kasztner, er hat ja mein Leben gerettet." Exemplarisch für viele andere Helferpersönlichkeiten sei auch Kasztners Persönlichkeit facettenreich und nicht nur zwie- sondern dreispältig gewesen, so Löb.

Die spätere Instrumentalisierung der Rettungsgeschichte gegen Kasztner durch rivalisierende politische Gruppen, seine Verleumdung und seine Ermordung als Symbol für die angebliche Kollaboration mit den Deutschen, wird in dem Dokumentarfilm Killing Kasztner von Gaylen Ross (2008) ausführlich dokumentiert: Im Licht dieser Geschichte möchte Ladislaus Löb sein Buch auch und vor allem als späte Ehrenrettung für Resző Kasztner verstanden wissen.

Ladislaus Löb ist Professor em. für Deutsche Sprache und Literatur an der University of Sussex in Brighton, UK. Im letzten Jahr erschien sein Buchm Geschäfte mit dem Teufel. Die Tragödie des Judenretters Resző Kasztner im Böhlau Verlag.

Ein Videointerview mit Ladislaus Löb finden Sie hier.

Den gesamten Vortrag von Ladislaus Löb finden Sie hier: PDF-Icon Vortrag_Löb.pdf