Young man with a rocket on his back (©Tijana/fotolia)

15.4.2016 | Von:
Christina Hoon

Management und Erfolgsfaktoren von Familienunternehmen

Mitunternehmertum und Wissensmanagement

Auch in Familienunternehmen ist das Bewusstsein dafür gewachsen, dass in sich dynamisch verändernden Umwelten agiert werden muss. Märkte, Geschäftsmodelle und Kundenstrukturen wandeln sich, allerdings nicht kontinuierlich, sondern in Sprüngen, die schlecht zu prognostizieren sind. Insbesondere im Mittelstand sollen die Digitalisierung und die Nutzung neuer Technologien dazu beitragen, die Überlebensfähigkeit von Familienunternehmen zu sichern. Hohe Wettbewerbsdichte und steigender Innovationsdruck bedingen die Notwendigkeit, Arbeitsprozesse effizienter, die Produktion flexibler und Produkte individueller zu gestalten. Strategische Investitionen in die Zukunft erfordern allerdings nicht nur Investitionen in die technologische Ausstattung, sondern auch in die Humanressourcen des Unternehmens. Aus Perspektive des Mitunternehmertums ist nicht nur der Einsatz des Entrepreneurs an der Unternehmensspitze von Relevanz, sondern insbesondere die Zusammenarbeit mit unternehmerischen Beschäftigten auf allen Hierarchiestufen. Mitunternehmertum umfasst das Ziel, unternehmerisches Denken und Handeln bei allen Beschäftigten zu etablieren und damit sicherzustellen, dass im gesamten Unternehmen Innovationskraft aufgebaut und eingesetzt wird. Hierbei nehmen organisationale Lernprozesse sowie der Wissensaufbau und der Wissenstransfer über alle Hierarchiestufen hinweg einen hohen Stellenwert ein.

Der Einsatz von Wissensmanagementsystemen ist für Familienunternehmen insbesondere mit Blick auf die Digitalisierung und Technologisierung relevant und damit stellt sich die Frage, wie das hierfür notwendige Wissen aufgebaut werden soll. Wissensgenerierung kann durch Kooperationen mit Externen wie Forschungsinstituten oder starken Partnern aus dem näheren oder weiteren Branchenumfeld geschehen. Gleichzeitig gilt es, intern die Beschäftigten in der digitalen Transformation mitzunehmen und darin zu unterstützen, entsprechendes Know-how aufzubauen. Der Einsatz eigener Akademien und Weiterbildungseinrichtungen kann dabei hilfreich sein. Das Wissensmanagement kann die Beschäftigten darin unterstützen, ihr individuelles Wissen kontinuierlich zu entwickeln sowie neues Wissen aufzubauen und der Organisation zur Verfügung zu stellen.

Mitunternehmertum, Wissensmanagement und Selbstverständnis als lernende Organisation müssen miteinander verknüpft werden. Wenn unternehmerisches Handeln und kontinuierliches Lernen die Maximen erfolgreicher Beschäftigung sind, sind nicht nur entsprechende Personalentwicklungskonzepte zu implementieren, sondern auch Anreiz- und Leistungsbeurteilungssysteme daran auszurichten.

Zukunftsfähigkeit

Für die Zukunft von Familienunternehmen gilt es, sie zu einer Marke zu machen, die für die Beschäftigten, Kunden, Lieferanten und Partner hohe Attraktivität hat. Damit ist auch das Ziel verbunden, den Familieneinfluss langfristig zu erhalten und die aktive Einbindung der Familienmitglieder in die Unternehmensführung über die Generationen hinweg sicherzustellen.

Insbesondere kleinere und mittlere Familienunternehmen stehen vor der Herausforderung, sich in einzelnen Managementpraktiken stärker professionalisieren zu müssen. Während Familienunternehmen generell stärker den Standards der anderen Unternehmen angepasst werden müssen, führt aber das reine Kopieren und Nachahmen von Instrumenten nicht zu einem Wettbewerbsvorteil. Vielmehr stehen hier das Kennen von Best Practices und die Auswahl und Entwicklung von Instrumenten im Vordergrund, die den idiosynkratischen Charakteristika von Familienunternehmen entsprechen. Hierzu gehört auch der gezielte Einsatz von Mechanismen der family governance wie beispielsweise der Familienbeirat, die Familienverfassung, die Familienstrategie sowie ihr code of conduct.[11]

Die Liste der Familienunternehmen ist lang, die sich seit Generationen durch wirtschaftlichen Erfolg, gesellschaftliche Reputation und Innovationskraft als attraktiver Arbeitsgeber in der Unternehmenslandschaft behaupten und diese aktiv mitprägen. Gleichzeitig lassen sich Beispiele finden, in denen Nachfolgeregelungen scheitern oder keine familieninternen Nachfolger zur Verfügung stehen; weitere Familienunternehmen sind in ihrem Fortbestand durch Familienkonflikte bedroht. Die langfristig geplante Nachfolgeregelung steht damit in engem Zusammenhang mit den Herausforderungen, die beispielsweise aus Fachkräftemangel, dem Wertewandel in zukünftigen Arbeitnehmergenerationen oder industriellen Entwicklungen resultieren. So stellt sich die Zukunftssicherung von Familienunternehmen als Dualität zwischen Tradition und Innovation dar und damit als kontinuierliche Navigation zwischen der Entdeckung des Neuen bei gleichzeitiger Bewahrung der eigenen, über Generationen gewachsenen Familienkultur.

Zur Zukunftssicherung gehört aber gerade auch in Deutschland die Stärkung der Gründerkultur. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass der Gründergeist in Deutschland im internationalen Vergleich nicht besonders ausgeprägt ist.[12] Gemessen an der Zahl der Gründungen im Haupterwerb liegt Deutschland im letzten Drittel. Dies wird gerne mit der fehlenden Not zur Existenzgründung erklärt. Findet sich bei guter Arbeitsmarktlage ein geeigneter Arbeitsplatz, ist die Bereitschaft für den Entschluss zur Selbstständigkeit niedriger. Der Aufbau einer echten Gründungskultur sowie die positive gesellschaftliche Einstellung zum selbstständigen Unternehmertum stellen zwei Ansatzpunkte dar, um mögliche Gründungshemmnisse abzubauen. Schließlich verweisen Kritiker auch darauf, dass die in der sogenannten Generation Y gelebten Werte – ein hoher Sinnanspruch an die Arbeit, starke Selbstbestimmtheit im Berufsleben sowie eine ausgeglichene Work-Life-Balance – wenig förderlich sind für den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein hohes Maß an Leistungsbereitschaft, das Eingehen finanzieller Risiken, lange Arbeitszeiten und Innovationskraft gelten als zentrale Faktoren für die Herausbildung einer Gründungsabsicht.

Für eine Volkswirtschaft sind Gründungen mit frischen Impulsen für die wirtschaftliche Struktur verbunden sowie mit der Schaffung neuer Arbeitsplätze. Neugründungen können auch den Bestand an Familienunternehmen sichern, wenn sich die Inhaber dazu entschließen, das Unternehmen in der Familie zu belassen. Dieses steht jedoch im klaren Gegensatz zu dem derzeit von den Risikokapitalgebern gelebten Ideal, neue Unternehmen zu gründen, um sie nach kürzester Zeit gewinnbringend wieder zu verkaufen. Lediglich die Gründung neuer Unternehmen mit dem Ziel der langfristigen Kontrolle durch die Unternehmerfamilie trägt zum Erhalt dieses Unternehmenstypus bei. In diesem Sinne kann die Arbeit an der "Marke Familienunternehmen" der entscheidende Vorteil sein, der die Familienunternehmen auch zukünftig überlebensfähig macht.

Fußnoten

11.
Vgl. B. Felden/A. Hack (Anm. 5).
12.
Vgl. Institut der deutschen Wirtschaft (Hrsg.), Gründerkultur in Deutschland, Köln 2015.
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