Ein Klassiker der Gaming-Welt: Pac Man. Das Bild zeigt eine Aufnahme des Spiels von 1983. Pac-man wird von drei Geistern gejagt, während er versucht, so viele Punkte wie möglich zu "fressen".

26.7.2019 | Von:
Daniel Heinz

Jugendmedienschutz und digitale Spiele

Alterskennzeichnung "greifbarer" Spiele

Die USK ist die verantwortliche Stelle für die Organisation der Prüfung von digitalen Spielen auf Trägermedien in Deutschland. Sie wird getragen durch die Freiwillige Selbstkontrolle Unterhaltungssoftware GmbH, Gesellschafter ist der Game – Verband der deutschen Games-Branche e.V.

In den "Leitkriterien der USK für die jugendschutzrechtliche Bewertung von Computer- und Videospielen"sind derzeit 15 "Aspekte der Wirkungsmacht" aufgeführt: Visuelle und akustische Umsetzung der Spielidee, Gameplay, Atmosphäre, Realismus, Glaubwürdigkeit, Menschenähnlichkeit, Jugendaffinität und Identifikationspotenzial, Handlungsdruck, Gewalt, Krieg, Angst und Bedrohung, Sexualität, Diskriminierung, Sprache und Drogen.[4] Die USK identifiziert in ihrer Spruchpraxis drei Wirkungs- beziehungsweise Risikodimensionen: eine Gewalt fördernde oder Gewalt befürwortende Einstellung, eine übermäßige Ängstigung sowie eine sozialethische Desorientierung. Anhand dieser Parameter werden die eingereichten digitalen Spiele geprüft, wobei "alle Beeinträchtigungen in Verbindung mit der Gesamtwirkung des Spiels" zu berücksichtigen sind.[5]

Das Ergebnis der Prüfung ist eine Altersfreigabe, die rechtlich ein hoheitlicher Verwaltungsakt mit Rechtsfolgen gemäß §14 JuSchG ist. Die Kennzeichnung beruht auf den fünf dort verankerten Altersstufen: 1) freigegeben ohne Altersbeschränkung, 2) freigegeben ab 6 Jahren, 3) freigegeben ab 12 Jahren, 4) freigegeben ab 16 Jahren, 5) keine Jugendfreigabe (beziehungsweise ab 18 Jahren). Ergänzend dazu dürfen Anbieter Informations- und Lehrprogramme als solche kennzeichnen, sofern sie gemäß §14 Abs. 7 JuSchG "offensichtlich nicht die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen".

Die Prüfung aller Titel mit einer Alterskennzeichnung höher als "ab 6 Jahren" geschieht in wechselnden, pluralistisch besetzten Prüfgremien, denen jeweils vier ehrenamtliche Jugendschutzsachverständige und eine Ständige Vertreterin oder ein Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörden (OLJB) angehören.[6] Nach Vorführung jugendschutzrelevanter Szenen inklusive der Möglichkeit, diese anzuspielen, wird per einfachem Mehrheitsbeschluss über die Vergabe eines Alterskennzeichens entschieden. Erweist sich ein Spiel als nach §15 Abs. 2 JuSchG "schwer jugendgefährdend", wird die Vergabe eines USK-Kennzeichens verweigert. Dies kann beispielsweise der Fall sein, wenn Krieg verherrlicht oder Gewalt besonders realistisch oder reißerisch dargestellt wird. Auf Grundlage der Empfehlungen des Prüfgremiums werden die Altersfreigaben letztendlich durch den OLJB-Vertreter erteilt.

Sofern bei der Abwicklung eines Kaufs das Alter der Käuferin oder des Käufers überprüft wird, dürfen alle Spiele offen zum Verkauf ausgelegt werden. Wer aber Kindern und Jugendlichen Spiele zugänglich macht, die nicht ihrer Altersstufe entsprechen, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit bis zu 50.000 Euro Bußgeld geahndet werden kann. Eltern beziehungsweise sorgeberechtigte Personen sind durch das in §27 Abs. 4 JuSchG verbriefte Erziehungsprivileg hiervon ausgenommen.

Eine Regulierungslücke ergibt sich indes schon durch den Erfindungsreichtum der Spielenden: Da viele digitale Spiele durch Modifikationen ("Mods") problemlos verändert werden können, haben sich neben manchen Blut- oder Nacktpatches mit potenziell entwicklungsbeeinträchtigender Wirkung völlig veränderte Spielmodi entwickelt, die sich stark von den Spielmechanismen der Basisversion unterscheiden können. Die USK-Kennzeichnung aber bezieht sich nur auf die vom Hersteller eingereichten, tatsächlich geprüften Spielinhalte.

Um ihrem Auftrag weiterhin gerecht werden zu können, muss die USK in ihrer Spruchpraxis laufend auf gesellschaftliche Diskurse, wissenschaftliche Erkenntnisse oder technische Innovationen reagieren. So wurde beispielsweise im Sommer 2018 eine Änderung im Altersfreigabeverfahren wirksam: Seitdem kann die sogenannte Sozialadäquanzklausel des §86a Abs. 3 StGB bei der Prüfung von digitalen Spielen durch die USK-Gremien zur Anwendung kommen. "Sozialadäquat bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Symbole verfassungsfeindlicher Organisationen in einem Titel verwendet werden können, sofern dies der Kunst oder der Wissenschaft, der Darstellung von Vorgängen des Zeitgeschehens oder der Geschichte dient."[7] Was bei Filmen schon lange der Fall war, ist nun also auch bei digitalen Spielen in Einzelfällen möglich – hierin spiegelt sich die gesellschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre wider, dass Videospiele zunehmend auch als Kulturgut akzeptiert werden.

Fußnoten

4.
Vgl. Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK), Leitkriterien der USK für die jugendschutzrechtliche Bewertung von Computer-und Videospielen, Juni 2019, S. 12ff., https://usk.de/?smd_process_download=1&download_id=1018522«.
5.
USK, Grundsätze der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle, §19 Abs. 2 Nr. 2, https://usk.de/?smd_process_download=1&download_id=1018457«.
6.
Die insgesamt rund 50 Sachverständigen werden für die Dauer von drei Jahren auf gemeinsamen Vorschlag der OLJB und der in der USK beteiligten Verbände ernannt.
7.
Vgl. USK, USK berücksichtigt bei Altersfreigabe von Spielen künftig Sozialadäquanz, 9.8.2018, https://usk.de/usk-beruecksichtigt-bei-altersfreigabe-von-spielen-kuenftig-sozialadaequanz«.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Daniel Heinz für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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