30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Ein Klassiker der Gaming-Welt: Pac Man. Das Bild zeigt eine Aufnahme des Spiels von 1983. Pac-man wird von drei Geistern gejagt, während er versucht, so viele Punkte wie möglich zu "fressen".

26.7.2019 | Von:
Daniel Heinz

Jugendmedienschutz und digitale Spiele

Alterskennzeichnung von Online-Spielen

Anders als für trägergebundene digitale Spiele gilt für den Online-Bereich der JMStV, der jedoch keine gesetzliche Kennzeichnungspflicht von digitalen Spielen vorsieht. Hier muss der Anbieter selbst für die jugendschutzkonforme Ausgestaltung Sorge tragen. Die Aufsichtsstelle für Telemedien ist die KJM, die als Organ der Landesmedienanstalten bei Verstößen gegen die Bestimmungen des JMStV Strafen verhängen kann.[8] Seit April 2003 ist jugendschutz.net, das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet, organisatorisch an die KJM angebunden und unterstützt sie bei der Aufsicht von Online-Spielen und anderen Angeboten im Internet.

Im Bereich der Telemedien ist zudem die FSM als anerkannte Selbstkontrolleinrichtung tätig. Der von der Online-Wirtschaft gegründete Verein entwickelt mit seinen Mitgliedsunternehmen freiwillige Selbstverpflichtungen und etabliert auf diese Weise Branchenstandards. Die FSM stellt den Betreibern von Internetseiten ein Altersklassifizierungssystem zur Verfügung, das von Jugendschutzfiltern ausgelesen werden kann. Weiterhin betreibt der Verein eine Beschwerdestelle für Online-Inhalte und engagiert sich im Bereich der Medienkompetenzförderung. Seit 2011 ist darüber hinaus auch USK.online eine anerkannte Selbstkontrolleinrichtung für Telemedien und unterstützt Mitgliedsunternehmen unter anderem bei der jugendschutzkonformen Gestaltung ihrer Angebote.

Um Eltern trotz fehlender Kennzeichnungspflicht eine Orientierung bei Online-Games und Apps zu bieten, erteilt die USK im Rahmen des Selbstklassifikationssystems der 2013 gegründeten International Age Rating Coalition (IARC) auch für Telemedien Alterskennzeichen. Grundlage hierfür ist kein Gremienentscheid, sondern die Auswertung eines Fragenkatalogs, der von den Anbietern ausgefüllt wird. Auch wenn die IARC-Symbole den USK-Alterskennzeichen teilweise ähneln, haben sie keine unmittelbare Privilegierungswirkung gemäß §14 JuSchG. Aktuell sind die Plattformen Google Play Store, Nintendo E-Shop, Microsoft Windows Store, Xbox Store und Oculus Store an das Bewertungssystem angeschlossen.

Das IARC-Verfahren zur Alterskennzeichnung wird von der USK laufend kontrolliert und kann angepasst werden, wenn sich etwa die USK-Spruchpraxis entscheidend verändert. Im Unterschied zur gesetzlichen Kennzeichnung der Trägermedien kann eine solche Änderung auch die bereits abgeschlossenen IARC-Ratings nachträglich beeinflussen. Auch öffentliche Beschwerden können zur Überprüfung einer Kennzeichnung führen. Zusätzlich zu den Alterskennzeichnungen arbeitet das IARC-System mit weiteren Symbolen (Deskriptoren), die bestimmte Elemente und Inhalte des jeweiligen Spiels kenntlich machen, darunter zum Beispiel die Darstellung von Krieg und Gewalt, ängstigende Inhalte, aber auch Daten- und Verbraucherschutzaspekte wie Nutzerinteraktion, Standortweitergabe oder Online-Käufe.

An der IARC beteiligen sich neben der USK auch das 2003 gegründete europäische Kennzeichnungssystem Pan-European Game Information (PEGI), das nordamerikanische Entertainment Software Rating Board (ESRB), das brasilianische Classificaçãao Indicativa (ClassInd), das australische Classification Board sowie das südkoreanische Game Rating and Administration Committee (GRAC). Aufgrund dieser Vielfalt und unterschiedlicher nationaler Jugendschutzbestimmungen kann sich die Kennzeichnung eines digitalen Spiels im IARC-Verfahren international durchaus unterscheiden.

Allerdings stellt sich auf Anbieterseite die Frage, ob ein gewissenhaft ausgefüllter Fragebogen im Rahmen des IARC-Kennzeichnungsverfahrens einen hinreichenden Schutz vor Sanktionierung bietet. Schließlich liegt es laut JMStV in der Verantwortung der Unternehmen, zu gewährleisten, dass entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte nicht frei verbreitet oder zugänglich gemacht werden. Dies könnte durch das Auslesen der IARC-Ratings auf einfache Weise gewährleistet werden, allerdings gibt es – bis auf das geschlossene System auf der Nintendo-Konsole Switch – derzeit kein Jugendschutzprogramm, das mit offizieller Zulassung die Vorgaben des JMStV erfüllt.

Zwar gab es mit dem "JusProg" (kurz für Jugendschutzprogramm) bereits ein durch die FSM anerkanntes Programm, die KJM kassierte diesen Entscheid jedoch unter Hinweis darauf, dass die FSM hiermit ihre Kompetenzen überschritten habe. Inhaltlich richtete sich die Kritik vor allem darauf, dass das JusProg wesentliche Medieninhalte gar nicht erfasse, weil es ausschließlich für Windows-PCs mit einem bestimmten Internetbrowser ausgelegt sei.[9]

Indizierung

Neben der Alterskennzeichnung ist die Indizierung von digitalen Spielen ein seit vielen Jahren etabliertes Mittel des Jugendmedienschutzes. Spiele, die "auf dem Index" landen, sind zwar nicht gänzlich verboten, aber sie können mit weitreichenden Vertriebs-, Verbreitungs- und Werbeverboten belegt und dürfen zudem ausschließlich Erwachsenen zugänglich gemacht werden.

Für die Bewertung beziehungsweise Indizierung ist die in Bonn ansässige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) zuständig, und zwar sowohl für Träger- als auch für Telemedien. Digitale Spiele, die bereits ein USK-Kennzeichen haben, sind von der Prüfung durch die BPjM ausgenommen. Die dem Bundesfamilienministerium nachgeordnete Behörde kann jedoch erst nach dem Markteintritt von Spielen tätig werden. Für eine Indizierung untersucht sie beispielsweise digitale Spiele dahingehend, ob diese insgesamt oder Teile von ihnen nach §18 Abs. 1 JuSchG entwicklungsgefährdend sind und entscheidet ebenfalls in einem pluralistisch besetzten Gremium über die Aufnahme in die Liste jugendgefährdender Medien ("Index"). Eine solche Indizierung kann erfolgen, wenn zum Beispiel Anreize zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass geboten werden, das Medium unsittliche, verrohende Inhalte bietet sowie solche, die Gewalthandlungen selbstzweckhaft darstellen oder Selbstjustiz als probates Mittel zur Konfliktlösung erscheinen lassen.

Im Vertrieb – online wie offline – sind alle deutschen Anbieter dazu verpflichtet, sich an die Indizierung zu halten. Wer sich widersetzt, begeht eine Straftat; die Kontrolle erfolgt durch die Strafverfolgungsbehörden.

Fußnoten

8.
Neben der Prüfung obliegt es der KJM, Einrichtungen der Freiwilligen Selbstkontrolle anzuerkennen, Sendezeiten festzulegen, Kriterien für die Anerkennung von Jugendschutzprogrammen zu definieren sowie Stellungnahmen zu Indizierungsanträgen bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien abzugeben.
9.
Vgl. Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), KJM stellt fest: Beurteilung der FSM zur Eignung von "JusProg" als Jugendschutzprogramm ist unwirksam, Pressemitteilung, 15.5.2019, http://www.kjm-online.de/service/pressemitteilungen/meldung/news/kjm-stellt-fest-beurteilung-der-fsm-zur-eignung-von-jusprog-als-jugendschutzprogramm-ist-unwirksa«.
Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Daniel Heinz für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

Sie dürfen den Text unter Nennung der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE und des/der Autors/-in teilen.
Urheberrechtliche Angaben zu Bildern / Grafiken / Videos finden sich direkt bei den Abbildungen.