APUZ Dossier Bild

26.9.2011 | Von:
Alex Gertschen

Das bessere Leben, erträumt und erlitten* - Reportage

Javier Gómez ist ein illegaler Arbeitsmigrant in den USA. Ein Besuch bei seiner Familie in Mexiko-Stadt zeigt, dass die hart ver­dienten Dollars eine kleine Aufstiegsgeschichte ermöglicht haben.

Einleitung

Die Aufstiegsgeschichte der Familie Gomez Villanueva beginnt 1984. Javier Gomez und seine Ehefrau Rosa María Villanueva kaufen in Tláhuac, tief im Süden von Mexiko-Stadt, ein kleines Stück Land. Javiers Lohn als Lastwagenfahrer eines Suppenfabrikanten reicht nicht, um das von den Vätern geborgte Geld zurückzuzahlen. Deshalb zieht er noch im selben Jahr für ein paar Monate nach Chico in Kalifornien, auf eine Farm, wo er Pflaumen, Mandeln und Nüsse erntet. Die Arbeit ist äußerst hart, das Dasein einsam und kümmerlich, aber der Lohn ein Mehrfaches von dem, was er zuhause erhielt. Also geht er auch in den folgenden Frühjahren, um jeweils im Herbst zurück in Tláhuac zu sein.

Das Ersparte investieren Javier und Rosa María in Mörtel und Stein. Zusammen mit ihren Vätern, die auf dem Bau arbeiteten, ziehen sie die Mauern eines Häuschens hoch. Bis es 1992 endlich bezugsbereit ist, haust die Familie in der Nähe, bei Javiers Eltern. Als ihr ältester Sohn César kurz darauf mit 16 Jahren Vater wird, fügen sie ein zweites Stockwerk an. Auf diesem wohnen César und seine Ehefrau heute noch, mittlerweile mit drei Kindern. Sein jüngerer Bruder Johny ist in dem Jahr zur Welt gekommen, als Javier Gomez erstmals zur Ernte nach Kalifornien fuhr - deshalb der amerikanische Name. Inzwischen ist auch Johny verheiratet und Vater zweier Söhne. Seine Familie teilt sich das erste der vielleicht 60 Quadratmeter großen Stockwerke mit Rosa María, der unbestrittenen Patronin im Hause. Im Erdgeschoss neben der Küche wohnt Veronica, mit 20 Jahren das jüngste der drei Kinder von Javier und Rosa María.

* Erster Teil einer zweiteiligen Reportage, die in Mexiko beginnt und in den USA fortgeführt wird. Der zweite Teil ist im Themenheft "USA" erschienen (APuZ 51–52/2011).


Länderprofil 14

Mexiko

Mexiko ist sowohl von Zuwanderung und Transmigration – vor allem von Mittelamerika ausgehend in die USA – betroffen, als auch von Abwanderung, zumeist in die USA. Während des vergangenen Jahrhunderts war die Abwanderung am stärksten, dennoch haben alle drei Migrationsformen Spuren hinterlassen.

Mehr lesen