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Blick auf das brennende World Trade Center in New York nach dem Anschlag am 11.09.2001. Zwei Flugzeuge wurden an diesem Morgen von islamistischen Terroristen kurz hintereinander in die Türme des World Trade Center gesteuert.

9.7.2021 | Von:
Johannes Piepenbrink

Editorial

Als sich am Abend des 11. September 2001 die Nacht über Manhattan und die zerstörten Türme des World Trade Centers legte, waren die Anschläge, die an diesem Tag fast 3000 Todesopfer gefordert hatten, nicht vorbei. Die Auswirkungen von "9/11" sollten noch Jahre andauern und nicht nur die US-amerikanische Politik prägen. Der Schutz vor islamistisch motiviertem Terrorismus war bei fast allen nachfolgenden Wahlen in den USA und Europa wichtiges Wahlkampfthema und schlug sich in weitreichenden Sicherheitsgesetzen nieder. Die Angst vor ihm schürte islamfeindliche Ressentiments, und in der Außenpolitik vieler Staaten bestimmte lange Zeit der vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush ausgerufene war on terror die Agenda.

All dies hat in den demokratischen Gesellschaften "des Westens" deutliche Spuren hinterlassen – mentale wie rechtliche. So gilt auch in Deutschland manche sicherheitspolitische Maßnahme, die vor 9/11 als rechtsstaatlich zweifelhaft bewertet worden wäre, heute als normal; manch temporär gedachtes Gesetz ist inzwischen in dauerhaftes Recht überführt. Darüber hinaus wurde der "Krieg gegen den Terror" bisweilen mit Mitteln geführt, die mit "westlichen" Werten unvereinbar sind. Wenn die USA und ihre Verbündeten im Herbst 2021 aus Afghanistan abgezogen sein werden, haben sie das Land nicht als strahlende Sieger verlassen.

Die eigenen Werte beschädigt, kulturelle Gräben vertieft, dazu die terroristische Bedrohung nicht gebannt – haben die Terroristen von 9/11 ihr Ziel also erreicht? Für eine abschließende Bewertung ist es auch 20 Jahre nach den Anschlägen noch zu früh. Erst allmählich sind in den vergangenen Jahren andere dringliche globale Herausforderungen (wieder) in den Vordergrund gerückt. Wie mit diesen umgegangen wird und ob es dabei gelingt, die Balance zwischen Freiheit und Sicherheit (etwa vor Terrorismus, Klimaschäden oder Pandemien) zu halten, wird das historische Urteil über den 11. September 2001 mitbestimmen.

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