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Zwischen Kritik und Paranoia: Wo hört Medienkritik auf und wo fangen Verschwörungstheorien an?

Kondensstreifen werden nach Meinung einiger Verschwörungstheoretiker_innen mit Chemikalien versetzt, um beispielsweise das Wetter zu beeinflussen.Kondensstreifen werden nach Meinung einiger Verschwörungstheoretiker/-innen mit Chemikalien versetzt, um beispielsweise das Wetter zu beeinflussen. (© picture-alliance)

Hinter Kritik steckt immer auch eine Emotion. Sonst gäbe es keinen Anlass, sich zu Wort zu melden. Es ist deshalb normal, dass Kritik auch mal harsch, polemisch, fundamental ausfällt. Vielmehr sollte deshalb auf die Qualität der Kritik geachtet werden. Und genau hier setzt das Unbehagen vieler an der Medienkritik von AfD, PEGIDA, Querfront und weiteren Gruppierungen am rechten Rand an. In der Forschung wird deren Einstellung zu den Medien als "Hostile Media Effekt" bezeichnet, also als feindselige Haltung gegenüber den (Mainstream-)Medien überhaupt. Dieser pauschale Vertrauensentzug kann als paranoid oder verschwörungstheoretisch bezeichnet werden.

Stimmt’s oder habe ich recht?

Verschwörungstheorien sind allerdings nicht immer leicht zu identifizieren oder nachzuweisen. Typisch für sie ist, dass sie eine gesellschaftliche Entwicklung thematisieren, die sie als negativ empfinden und hinter der sie eine strippenziehende Macht vermuten, die nur von den Verschwörungstheoretikern selbst als solche erkannt wird. Sie lassen Fakten, die ihrer Theorie widersprechen, erst gar nicht zu oder deuten sie um in Fakten, die ihre Theorie bestätigen. So hat die Verschwörungstheorie am Ende immer Recht.

Im Gegensatz dazu überprüft ernst zu nehmende Wissenschaft - oder auch guter Journalismus - die Richtigkeit einer aufgestellten Theorie mit empirischen Daten, mit konkurrierenden Theorien oder mit argumentativen Einwänden. Wenn folglich die geäußerte Kritik an den (Mainstream-)Medien nicht substanziell und argumentativ fundiert ist, sich nicht auf konkrete, faktenbezogene Begründungen einlässt, sondern unsachgemäß und undifferenziert ist, liegt der Verdacht verschwörungstheoretischer Abkapselung und Feindseligkeit nahe. Insbesondere die unbelegte und pauschale Kritik an "den" Medien ist ein Indiz dafür, dass das Urteil bereits gesprochen ist und entlastende Argumente erst gar nicht in den Blick geraten.

Es geht nicht um Vielfalt

Dass es nicht um eine profunde und differenzierte Medienkritik geht, zeigt auch die Motivation, die hinter dieser Kritik hervorscheint: In dem Vorwurf, dass man nicht sagen dürfe was man will, was aber doch eigentlich alle denken, könnte man durchaus die Einforderung von Vielfalt, Beteiligung, Repräsentanz, Toleranz erkennen.

Aber genau hier wird deutlich, dass solche Ansprüche und Forderungen oft rein instrumentell vorgetragen werden: Es geht diesen Akteuren, Gruppierungen und Bewegungen gerade nicht um die Liberalisierung der Öffentlichkeit (und folglich auch nicht der Politik), die eigentlich mit den genannten Werten einhergeht. Im Gegenteil: Es geht schlicht um die Propaganda der eigenen Ziele, also um den Versuch, die vermeintlich liberale Hegemonie durch die eigene autoritäre Ideologie zu ersetzen.

Ist diese erst einmal durchgesetzt - wie Entwicklungen in Ungarn, Polen oder der Türkei befürchten lassen – ist Schluss mit Toleranz und Meinungsvielfalt, mit der Repräsentanz von Minderheiten und gleichen Beteiligungschancen für alle politischen Richtungen. Denn diese Werte gelten nicht mehr für den politischen Gegner, sondern nur für die eigene Klientel - solange man sich in der Opposition zu einer illegitimen Regierung und als unterdrückte Mehrheit wähnt.

"Die Medien", die derzeit zum Beispiel in Deutschland vonseiten der AfD, PEGIDA oder der Querfront als Steigbügelhalter der Macht identifiziert werden, hätten dann ausgedient, weil sie gleichgeschaltet würden und den mehrheitlichen Volkswillen zu verkünden hätten. Der Anspruch auf Repräsentation des Volkes ist aber irreführend und rein rhetorisch, weil jede Partei nur partielle Interessen vertreten kann. Sonst bräuchte man keine Wahlen, in denen es um die Gewinnung von Mehrheiten geht und nicht um den einen völlig illusorischen Volkswillen.

Zwischen nebulöser Rhetorik und Hetze

Sicher: Es gibt vieles an den professionellen Medien zu kritisieren. Insbesondere in der Berichterstattung über Kriege lassen sie sich oft vorschnell hinreißen, für eine Kriegspartei Stellung zu nehmen. Sie sind auch oft blind gegenüber den Verbrechen der Verbündeten, etwa wenn die USA Menschenrechte verletzen. Im Gegensatz zu den Medien, die den autoritären Rechten vorschweben, sind sie aber geradezu ein Garant für Demokratie. Ein Beispiel dafür ist das Querfront Magazin Compact, das den "Mut zur Wahrheit" beansprucht und damit die (eine) richtige Meinung im Sinn hat. Das ist typisch für Propaganda, die durchaus auch in den Qualitätsmedien vorkommen kann, hier aber zum Programm gemacht wird. Die rechte Medienkritik ist im günstigsten Fall inhaltlich unbrauchbar und rhetorisch nebulös, im schlimmsten Fall jedoch üble Hetze oder gar Gewaltandrohung gegen Journalisten (wie auf PEGIDA-Demonstrationen). Eine solche destruktive und hasserfüllte Medienkritik ist der Steigbügel zur Selbstermächtigung und eine Einschränkung von Rechten und von Vielfalt.




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Medienpolitik

Das Dossier möchte Grundlagen zum Rundfunk- und Medienrecht vermitteln, die neuen Herausforderungen und Nutzungsmöglichkeiten aufzeigen und eine kritische Auseinandersetzung mit der sich ständig wandelnden Welt der Medien und der sie regulierenden Medienpolitik fördern.

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Frage 1 / 6
 
Wer hat bereits 400 v. Chr. die erste Kritik an Medien geübt, in dem er für das Medium Sprache plädierte und die Nachteile der Schrift anprangerte?







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Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 22–23/2014)

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