Der Berliner Reichstag

16.3. DDR: Vom Mauerbau bis zum Sturz Ulbrichts

13. August 1961

Die DDR beginnt mit Rückendeckung des Warschauer Pakts eine Mauer entlang den Westsektoren Berlins aufzubauen und die Grenze zur BRD zu befestigen. Diese Sperr- und Kontrollmaßnahmen werden damit begründet, dass man »dem Treiben der westdeutschen Revanchisten und Militaristen einen Riegel« vorschieben, die »systematische Bürgerkriegsvorbereitung durch die Adenauer-Regierung«, »feindliche Hetze«, »Abwerbung«, »Menschenhandel« und »Diversionstätigkeit« durchkreuzen müsse. Die spektakuläre Aktion war im Auftrag Ulbrichts streng geheim von Erich Honecker als zuständigem Sekretär für Sicherheitsfragen im ZK der SED vorbereitet worden. Noch auf einer Pressekonferenz am 15. 6. 1961 hatte Ulbricht versichert: »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.« Am 13. 8. - einem Sonntag löst Honecker um Mitternacht »Alarm« aus: das Signal für Abriegelungsmaßnahmen an der Sektorengrenze West-Berlins unter dem Schutz bewaffneter Einheiten der NVA, der Volkspolizei und von Betriebskampfgruppen. Damit wird die Millionenstadt hermetisch in zwei Teile abgesperrt. Der Mauerbau wirkt wie ein Schock. Er löst zunächst Angst, Schrecken und Erregung aus, schließlich Ratlosigkeit, Ohnmacht, Empörung und Wut. »Die Mauer muss weg«, »Nieder mit Ulbricht«, »Was machen die Amerikaner?«, »Wo bleiben sie?« - so lauten die Reaktionen. Die Gegenmaßnahmen der westlichen Alliierten und Schutzmächte beschränken sich auf verbale Proteste und demonstrative Akte wie die Entsendung des US-Vizepräsidenten Johnson und des beliebten Generals Clay (»Held der Blockade«) nach Berlin am 19. 8. 1961. Der Tod des angeschossenen Flüchtlings Peter Fechter, der am 17. 8. 1962 hilflos an der Mauer verblutet, lässt endgültig keinen Zweifel mehr daran, dass sich der Westen mit dem neuen Status quo minus in Berlin abgefunden hatte. Zwar bekräftigen die USA ihre Sicherheitsgarantien für West-Berlin, doch stellen sie im Rahmen der »Friedensstrategie« Kennedys den Besitzstand der Sowjetunion nicht mehr infrage. Die Mauer stabilisiert die DDR auf der Basis des Status quo und der neuen Koexistenz zwischen Ost und West zweifach: 1. Sie unterbindet den Flüchtlingsstrom nach West-Berlin, den die erzwungene Kollektivierung und die unrealistische Wirtschaftsplanung (1. 10. 1959 und 14. 4. 1960) bedrohlich gesteigert hatten (»Abstimmung mit den Füßen«). Deshalb beginnt innen- und wirtschaftspolitisch eine Konsolidierungsphase. 2. Sie wertet die DDR trotz des weltweit negativen Medienechos auch außenpolitischstaatlich auf, da im »Gleichgewicht des Schreckens« nichts anderes übrig zu bleiben scheint, als mit der »Schandmauer« zu leben. Dies erzwingt ein Umdenken in der Ost-, Deutschland- und Berlinpolitik und ebnet der DDR den Weg zur internationalen Anerkennung Adenauer kann nur mühsam verhindern, daß US-Präsident Kennedy bereits im Frühjahr 1962 die DDR als zweiten deutschen Staat und die Oder-Neiße-Linie als Grenze anerkennt.

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