Szenenfoto aus "For Eyes Only – Streng geheim".

9.9.2011

Handout: "Die gestohlene Bombe"

Rumänien 1961
Agentenkomödie

Handout mit umfangreichen Informationen zum Film, Anregungen zur Unterrichtsvertiefung sowie einem Arbeitsblatt für die Gruppenarbeit von Schülerinnen und Schülern.

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    Deutsche Uraufführung: 23.11.1962, DDR
    Regie: Ion Popescu-Gopo
    Drehbuch: Ion Popescu-Gopo
    Kamera: Stefan Horvath
    Musik: Dumitru Capoianu
    Produktion: Filmstudio Bucuresti
    Darsteller: Iurie Darie, Emil Botta, Haralambie Boroş, Ovid Teodorescu, Geo Saizescu u.a.
    Laufzeit: 72 Min.
    Format: 35 mm, s/w, ohne Dialoge

    FSK: keine Angabe
    Altersempfehlung: ab 15 J.
    Klassenstufen: ab 10. Klasse
    Themen: Ost-West-Konflikt, atomares Wettrüsten
    Unterrichtsfächer: Geschichte, Politik/Sozialkunde, Kunst, Ethik/Religion, Deutsch

    Rechtekontakte für (Schul-)Vorführungen: PROGRESS Film-Verleih.

    Inhalt

    Der Film beginnt in einer wüstenähnlichen Landschaft, die wie ein mysteriöses Niemandsland erscheint. Der Protagonist taucht hier zum ersten Mal auf. Er pflückt eine Blume, wird dabei aber von einem Militärflugzeug überrascht und von Spezialeinheiten in silbernen Anzügen vorübergehend in Gewahrsam genommen, da ein Atombombentest bevorsteht. Zurück in der Stadt, begibt sich der junge Mann auf Arbeitssuche und gerät dabei, wie es der Zufall dieser Komödie will, unwissentlich in den Besitz einer Atombombe. Ohne es zu ahnen, trägt er sie in einer Aktentasche durch die Stadt, die Gangsterbande, die die Bombe in ihren Besitz bringen wollte, und uniformierte Truppen der bestohlenen Firma XOX dicht auf den Fersen. Während die beiden konkurrierenden Gruppen im Wettlauf gegeneinander versuchen, die Bombe zurückzuerobern und sich schließlich einen finalen Kampf liefern, verliebt sich der junge Mann in eine Schaffnerin. Er erobert ihr Herz, und am Ende verwandeln die beiden kraft ihrer Liebe die zerstörerische Bombe in kleine, Energie spendende Stücke, die sie an die Einwohner der Stadt verteilen. In der letzten Szene kehren sie an den Ausgangspunkt des Films zurück: Aus einem verstreuten Funken der Bombe erwächst ein Blumenfeld in der Wüste.

    Thema

    Der Film thematisiert in Anspielung auf das atomare Wettrüsten während des Kalten Krieges den Konkurrenzkampf um den Besitz der Atombombe und die Angst vor ihrer Zerstörungsmacht. Zwei unterschiedliche Gruppierungen, die Reichtum und Macht symbolisieren, ringen um die alleinige Verfügungsgewalt über die Bombe. Im Wettlauf gegeneinander versuchen sie, die Bombe aus den Händen des unwissenden jungen Mannes zurückzuerobern. Die Mitglieder der Gangsterbande haben dabei jedoch so große Angst, dass sie im entscheidenden Moment der Mut verlässt und sie die Chance verpassen, sie an sich zu nehmen. Dem Tüftler zittern die Lippen, dem hartgesottenen Cowboy läuft der Schweiß über die Stirn und der größte und dickste Mann der Gruppe muss aus Furcht lauthals niesen. Trotz des überwiegenden Humors enthält der Film die ernsthafte Botschaft, dass die eigentliche Gefahr weniger in der Explosionskraft der Bombe liegt, als vielmehr im gegenseitigen Konkurrenzkampf der Reichen und Mächtigen. Eine Lösung für dieses Problem hält der Film am Ende bereit. Weder die Gangsterbande, noch die Firma XOX erhält die Bombe für ihre kriegerischen Absichten zurück. Statt dessen wird das Energiepotential der Atombombe umfunktioniert und allen Menschen, egal welcher Herkunft und Hautfarbe, zu friedlichen Zwecken zugänglich gemacht.

    Figuren und Figurengruppen

    Der Mann mit der Blume
    Der namenlose Held des Films, der in der ersten Szene eine Blume pflückt, ist das realfilmische Alter Ego einer Comicfigur Ion Popescu-Gopos, die bereits in seinen Zeichentrickfilmen auftaucht und auch dort meist eine Blume bei sich trägt. In Die gestohlene Bombe ist der junge Mann im zerknitterten Anzug die harmloseste Figur des Films und zugleich die gefährlichste. Seine Friedfertigkeit wird zu Beginn des Films durch die Geste des Blumenpflückens verdeutlicht. Obwohl er keinerlei böse Absichten hegt und eigentlich nur auf der Suche nach Arbeit ist, avanciert er jedoch schon bald zur Bedrohung für die ganze Stadt. Die kleinste Erschütterung könnte die Bombe in seiner Aktentasche zum Explodieren bringen und so läuft der junge Mann, ohne es zu ahnen, als tickende Zeitbombe umher.

    Die Gangsterbande
    Die Gangsterbande, die ursprünglich die Bombe stehlen wollte und im Laufe des Films hinter dem jungen Mann her ist, lässt vielerlei Anspielungen auf die US-amerikanische Kultur erkennen. Der Anführer erinnert mit seiner Körperfülle, seinen adretten Anzügen sowie Hut und Zigarette an den Gangsterboss Al Capone, Chef der Chicagoer Unterwelt in den 1920er- und 1930er-Jahren. Ähnlich wie Capone, der sich im zivilen Leben als Antiquitätenhändler ausgab, besitzt der Chef der Gangsterbande in Die gestohlene Bombe ein Geschäft für Brautmoden, in dessen Hinterzimmer geraucht und gezockt wird und in dem sich hinter einer Falltür sein Versteck befindet. Das Verhalten des Gangsterbosses und seiner Frau kann nicht zuletzt als Parodie auf das US-amerikanische Konsumverhalten gedeutet werden. Nachdem sie von einer Shoppingtour zurückkehren, führen sie sich (und dem Zuschauer) zu moderner Jazzmusik ihre neu erstandenen Kleidungsstücke vor, die im Falle der Frau sogar zur Wohnungsausstattung passen. Die Untergebenen des Anführers und ihr Verhalten wirken wie eine Ansammlung von Klischees aus amerikanischen Gangsterfilmen, Western und Slapstickkomödien, aus denen mit filmischen Mitteln kräftig zitiert wird. Ihre äußere Coolness hält den Erwartungen nicht stand. Obgleich sie mit Waffen und allerlei Einbrecherutensilien ausgestattet sind und sich diverse Gelegenheiten bieten, fehlt ihnen im entscheidenden Moment der Mut, die Bombe an sich zu nehmen.

    Die uniformierten Truppen
    An Ungeschicklichkeit unübertroffen sind jedoch die uniformierten Truppen, die zu Beginn des Films den Raub der Bombe aus der Firma XOX verhindern und sie anschließend wieder zurückerobern sollen. In blindem Gehorsam rennen sie auf Befehl los, aber direkt vorbei an den Verbrechern. Dabei bewegen sie sich in Formationen, vom Befehlsgeber per Trillerpfeife dirigiert. Ihr Aufmarsch im Gebäude der Firma XOX wirkt wie ein einstudiertes Ballettstück. Das Abzeichen an ihrer Uniform, zwei sich kreuzende Blitze, erinnert entfernt an das Abzeichen der deutschen SS – womöglich ein versteckter Hinweis auf die Kooperation Rumäniens mit den Nationalsozialisten unter dem rumänischen Diktator Ion Antonescu oder aber eine direkte Anspielung auf das NS-Regime und seine militärisch durchorganisierten Strukturen, bei denen das Individuum in den Hintergrund tritt. Die Uniformiertheit und Ununterscheidbarkeit dieser Figurengruppe kann im Kontrast zu den markanten und wiedererkennbaren Typen der Gangsterbande aber auch als Anspielung auf die untergeordnete Rolle des Individuums im Sozialismus gedeutet werden.

    Die Schaffnerin und die Einwohner der Vorstadt
    Die junge Schaffnerin mit den blonden Haaren lebt in bescheidenen Verhältnissen in der Vorstadt. Nach Dienstschluss kehrt sie am Abend dorthin zurück. In ihrer Nachbarschaft wohnt das Arbeitervolk, das einen Querschnitt aus den "sozialistischen Bruderstaaten" der ganzen Welt zu repräsentieren scheint. Der junge Mann verliebt sich auf den ersten Blick in die Schaffnerin. Ihre Engelsgleichheit verdeutlicht der Film durch das surreale Element zweier weißer Flügel, die von Zeit zu Zeit an ihrem Rücken erscheinen. Als eine Art Marienfigur des Films ist sie am Ende diejenige, die die friedliche Nutzung der Energie der Bombe initiiert.


  • Dossier

    Der Filmkanon

    Auf Initiative der Bundeszentrale für politische Bildung wurden 35 bedeutende Werke der Filmgeschichte zusammengestellt. Ziel war es, für das Medium Film zu sensibilisieren und der filmschulischen Bildung in Deutschland Auftrieb zu geben.

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    Film als Teil schulischer Bildung

    Programm

    Die Tagung gliederte sich in drei Sektionen, die in thematisch verbundenen Vorträgen und Workshops jeweils einen Aspekt der Filmbildung in der Schule im Detail behandelten. Im Mittelpunkt der ersten Sektion stand die Auseinandersetzung mit dem Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung sowie Möglichkeiten, mittels der Kanonfilme Filmgeschichte im Unterricht zu vermitteln. Die zweite Sektion fragte nach Methoden, filmische Techniken zu behandeln. Die dritte Sektion schließlich konzentrierte sich auf Filmästhetik und wie diese in verschiedene Fächer eingebunden werden kann.

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    Wird die DDR-Diktatur verharmlost? Und warum begann die intensive Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erst so spät? Die Deutung von Geschichte ist oft umstritten - und nicht selten ein Politikum.

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