Dossierbild "Hotel California"

28.3.2017 | Von:
Andrea Keller

Hotel California: Arbeitsblatt und Unterrichtsvorschläge

Aufgabe 3: Asylverfahren

„Du brauchst einen Anwalt!“ (Hamad) – Ausschnitt aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" – 27:10 Min.



Unterrichtsvorbereitung: In dem Film "Hotel California" gibt es viele Behauptungen über das Asylverfahren in Deutschland: „Wir dürfen nicht arbeiten.“ „Geh doch zur Schule.“ „Hier hat niemand Geld“. „Er wird nach Somalia abgeschoben.“ Um sich eine eigene Meinung bilden und zu möglicherweise undifferenzierten Aussagen Stellung beziehen zu können, müssen die Grundlagen des Asylverfahrens in Deutschland vermittelt werden.

So werden etwa Menschen, denen in Deutschland kein Asyl gewährt wird, nicht automatisch abgeschoben – sie haben allerdings weniger Rechte und Möglichkeiten. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge veröffentlicht regelmässig statistische Daten: Der Prozentsatz an schutzsuchenden Menschen, die auch tatsächlich Schutz erhalten – die sogenannte Schutzquote – lag im Jahr 2015 bei 34,7 %; im Jahr 2016 bei gut 60 Prozent (Quelle BAMF, Mai 2016). Entscheidend ist dabei der Status des Herkunftslandes: 1993 wurde mit der Reform des Asylrechts ("Asylkompromiss") das Konzept der „sicheren Herkunftsländer“ im Grundgesetz der Bundesrepublik aufgenommen. In Deutschland waren 2016 die folgenden Länder als sichere Herkunftsländer eingestuft: Albanien, Bosnien und Herzegowina, Ghana, Kosovo, Mazedonien, Montenegro, Senegal und Serbien (§29a und Anlage II Asylverfahrensgesetz). Darüber hinaus wird diskutiert, ob auch Afghanistan, Algerien, Marokko und Tunesien sichere Herkunftsländer sind. Mehr zum Thema hier.

Menschen aus sicheren Herkunftsländern haben nur geringe Chancen, in Deutschland Asyl zu erhalten. (Schutzquote 2015 gemäß BAMF bei 1 Prozent). Sie müssen für die Dauer des Asylverfahrens in Erstaufnahmeeinrichtungen wohnen. Sie dürfen keine Beschäftigung aufnehmen und haben nicht immer Recht auf Schulbildung, da sich die Schulpflicht je nach Bundesland oft nicht auf Kinder und Jugendliche in Erstaufnahmeeinrichtungen erstreckt.

Klären sie als Lehrende/r mithilfe der unten genannten weiterführenden Links Fragen und eignen sie sich gemeinsam mit den Schülern und Schülerinnen die zentralen Begriffe an: Die Schülerinnen und Schüler präsentieren den Ablauf des Asylverfahrens nochmals in einer eigenen Darstellung. Sie können dazu ein Plakat machen oder auch ein Quiz erstellen (z.B. Onlinequiz mit QuizLab der Leibniz Uni Hannover, http://quizlab.de).


→ Themenseite Flucht, auf: bpb.de, laufend aktualisiert. Online unter: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/flucht

→ Zahlen zu Asyl in Deutschland, auf: bpb.de, 14.03.2017. Online unter: http://www.bpb.de/politik/innenpolitik/flucht/218788/zahlen-zu-asyl-in-deutschland

→ Kurzdossier: Zuwanderung, Flucht und Asyl, auf: bpb.de. laufend aktualisiert. Online unter: http://www.bpb.de/gesellschaft/migration/kurzdossiers

einfach Politik: Flucht und Asyl, Heft in einfacher Sprache, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2016

→ Für jüngere Schülerinnen und Schüler vgl. Toyka-Seid, Christiane und Hebenstreit, Tanja: Flüchtlinge, Asylbewerber, Asylberechtigte - wo sind die Unterschiede? In: Spezial: Füchtlinge - Menschen auf der Flucht, auf: HanisauLand.de, Online unter: https://www.hanisauland.de/spezial/flucht-fluechtlinge/flucht-kapitel-4-fluechtlinge-ayslbewerber-asylberechtigte.html

→ Fragen und Antworten, hrsg. vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Online unter: http://www.bamf.de/DE/Infothek/FragenAntworten/fragenantworten-node.html (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 3a: Anerkannte Asylgründe

Die Flüchtlingsorganisation PRO ASYL e.V. zeigt in einer Broschüre mit dem Titel "Asyl ist Menschenrecht" auf Seite 8 Symbole mit kurzen Erklärungen zu verschiedensten Fluchtgründen.

Druckt die Symbole auf Papier aus (Falls möglich groß kopiert auf DIN A3). Schneidet sie einzeln aus und bringt sie in eine Reihenfolge – gemessen an der Wahrscheinlichkeit, dass die jeweiligen Fluchtgründe in Deutschland als Asylgrund anerkannt werden. Recherchiert dazu auch auf der Seite des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) nach anerkannten Asylgründen. Achtung: Eine eindeutige Reihenfolge gibt es nicht.

→ Fluchtgründe. Warum Menschen fliehen. In: Asyl ist Menschenrecht. Informationen zum Thema Flucht und Asyl, hrsg. von PRO ASYL, Frankfurt a.M. 2016. Online unter: https://www.proasyl.de/wp-content/uploads/2016/09/PRO_ASYL_Asyl-ist-MR_Broschuere_Web_klein_sep16.pdf, hier: S. 8. (Stand 08.03.2017)

→ Asylberechtigung, hrsg. vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Online unter: http://www.bamf.de/DE/Fluechtlingsschutz/AblaufAsylv/Schutzformen/Asylberechtigung/asylberechtigung-node.html (Stand 08.03.2017)

Aufgabe 3b: Wer trifft die Entscheidung?

Asylanträge werden beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) von den dort arbeitenden Entscheiderinnen und Entscheidern geprüft. Diese untersuchen die Angaben der Geflüchteten und führen mit ihnen eine persönliche Anhörung durch: Danach entscheiden sie, wer eine Aufenthaltserlaubnis bekommt, wer geduldet wird und wer abgeschoben werden soll.

Schau dir die Multimediareportage über die Arbeit der Entscheiderin Dölz an. Skizziere schriftlich ihre wichtigsten Aufgaben und den Ablauf einer persönlichen Anhörung.

Diskutiert anschließend in der Gruppe, welche Herausforderungen und welche Hilfestellungen die Entscheider und Entscheiderinnen bei ihrer Arbeit vorfinden.

→ Hunfeld, Frauke: Die Entscheiderin. In: Stern, 14.06.2015. Online unter: http://www.stern.de/politik/deutschland/die-entscheiderin--reportage-aus-dem-fluechtlingsamt-6862890.html (Stand: 08.03.2017)


Aufgabe 4: Abschiebung

„ Ich hoffe, es hat dir bei uns gefallen, Hans.“ (Sachbearbeiterin) – Ausschnitt aus dem Kurzspielfilm "Hotel California" – 32:44 Min.



Im Film "Hotel California" wird die Angst vor Abschiebung thematisiert. Bei der Diskussion um Abschiebung und Bleiberecht geht es um grundsätzliche, ethische Fragen zu Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Machtverhältnissen.

Aufgabe 4a: Abschiebung und Bleiberecht – Pro und Contra

Unterrichtsvorbereitung: In "Hotel California" heißt es, dass der Junge Hanod nach Somalia abgeschoben werden soll. Aktuell gibt es aus Deutschland keine Abschiebungen nach Somalia. Allerdings werden Menschen in sogenannte sichere Drittstaaten abgeschoben, wo die Lebensbedingungen schlechter sind oder von wo aus sie gegebenenfalls nach Somalia abgeschoben werden. Zudem können sich Menschen aus Somalia nie ganz sicher sein, ob das Abschiebungsverbot in Deutschland nicht doch plötzlich aufgehoben wird. Die Aussage „Abschiebung nach Somalia“ ist somit zwar nicht ganz korrekt, steht aber sinnbildlich für die Angst vor Abschiebung, die für viele Menschen zur täglichen Realität gehört und die Teilnehmende des Projekts "Hotel California" immer wieder zum Ausdruck brachten.

Lies einen der folgenden Texte. Fasse die zentralen Aussagen zusammen und schreib sie in Sprechblasen.

Notiere in einer Liste mögliche Argumente und Gegenargumente zu den Themen Abschiebung und Bleiberecht.

→ Brake, Michael: Im Zweifel für den Zweifel. In: Fluter, 20.12.2014. Online unter: http://www.fluter.de/im-zweifel-fuer-den-zweifel (Stand: 08.03.2017)

→ Olschewski, Julia und Link, Annette: Viele Flüchtlinge werden jahrelang von einer in die nächste Duldung geschickt. In: Migazin - das Fachmagazin für Migration und Integration in Deutschland, 20.08.2015. Online unter: http://www.migazin.de/2015/08/20/zermuerbende-warteschleife-viele-fluechtlinge-duldung/ (Stand: 08.03.2017)

→ Lau, Mariam: Für alle eine Qual. In: Die Zeit, 18.10.2015. Online unter: http://www.zeit.de/2015/42/abschiebung-fluechtlinge-berlin (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 4b: Menschenrechte

Unterrichtsvorbereitung: Wenn wir im Unterricht über Probleme, Erlebnisse oder Erfahrungen reden, die wir mit einem Thema oder einer sozialen Situation verbinden, so benutzen wir normalerweise Wörter und Begriffe. Eine Methode, mit der man ein Thema buchstäblich „verkörpern“ und Sichtweisen anders als mit Worten darstellen kann, sind Standbilder: Jeweils ein/e "Regisseur/-in" gestaltet dabei mit den anderen Teilnehmer/-innen als Statist/-innen ein Standbild (Freezebild), das fotografiert wird. Für weitere Informationen lesen sie sich die Hintergrundinformationen in der Methoden-Kiste (Nummer 38).

„Verkörpert“ die wichtigsten Menschenrechte in Standbildern. Vergleicht im Anschluss die Fotos und diskutiert die folgenden Fragen: Welches sind aus eurer Sicht die wichtigsten Menschenrechte? Was könntet ihr in eurem Umfeld tun, um die Menschenrechte zu stärken?

→ Krennerich. Michael: Zehn Fragen zu Menschenrechten, auf: bpb.de, 12.10.2009. Online unter: http://www.bpb.de/internationales/weltweit/menschenrechte/38627/zehn-fragen

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Resolution 217 A (III) der Generalversammlung der Vereinten Nationen vom 10.12.1948

→ Menschenrechte - Deine Rechte!, hrsg. von der Jugendstiftung Baden-Württemberg. Online unter: http://menschenrechte.jugendnetz.de/menschenrechte/artikel-1-30/ (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 4c: Was ist gerecht?

Jede Gruppe bekommt eine oder zwei Tafeln Schokolade (oder Kekse, Früchte …). Die Verteilung der Schokolade geht reihum: Die erste Teilnehmerin nimmt sich einen so großen Anteil an der Schokolade, wie sie möchte und reicht die Tafel weiter. Die Verteilung ist beendet, sobald nichts mehr von der Schokolade übrig ist – auch wenn einige der Schüler/-innen nichts erhalten haben sollten.

Diskutiert die Übung und entwickelt in der Gruppe eine Definition zu der Frage: Was ist (Un-)Gerechtigkeit?

→ Wie gerecht bist du? Gerechtigkeit will auch im Klassenzimmer gelernt sein, hrsg. von young caritas. Online unter: http://www.youngcaritas.de/cms/contents/youngcaritas.de/medien/dokumente/wie-gerecht-bist-du/kapitel1a_wie_gerecht_bist_du.pdf?d=a&f=pdf (Stand: 08.03.2017)

Aufgabe 4d: Chancen im Leben

Unterrichtsvorbereitung: Im Anschluss an Aufgabe 4b kann an dieser Stelle ein Rollenspiel zu sozialer Ungleichheit und Gerechtigkeit durchgeführt werden. Bereiten sie als Pädagoge/-in die folgende Übung zunächst anhand der unten verlinkten Materialien vor. Jede/r Schüler/in übernimmt anschließend eine Rolle, zu der er/sie jeweils eine Personenbeschreibung erhält (z.B. 20-jährige Asylbewerberin, im Iran aufgewachsen, ohne Papiere; unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aus Afghanistan; homosexueller 40-jähriger Gemüsehändler mit deutschem Pass). Anschließend versetzen die Schüler/-innen sich gedanklich in Alltagssituationen.

Übernimm eine Rolle und lies dir die dazugehörige Personenbeschreibung durch. Entscheide anschließend in deiner Rolle, ob die folgenden Fragen mit JA oder NEIN zu beantworten sind: Kannst du einen Schulabschluss machen? (…) …heiraten? (…) …eine Wohnung mieten? (…) …allein auf eine Party gehen? (…)

Falls du mit JA antworten kannst, gehe von einer Startlinie aus einen Schritt vor; falls du mit NEIN antwortest, bleib stehen (bei vielen Fragen gibt es keine eindeutige Antwort). Nach einigen Fragen vergleicht ihr, wie weit ihr von der Startlinie entfernt steht. Diskutiert eure Antworten und damit die Faktoren, die die Chancen und Möglichkeiten verschiedener Menschen beeinflussen.

→ Wie im richtigen Leben. In: Integration. Übungen gegen Ausgrenzung und Diskriminierung, hrsg. von Miteinander e.V. Online unter: http://www.miteinander-ev.de/servicestelle-miteinander/integration.pdf, hier: S. 26. (Stand: 08.03.2017)

→ Ein Schritt nach vorn. Auszug aus: Kompass - Handbuch zur Menschenrechtsbildung für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit, hrsg. von der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2005. Online unter: http://kompass.humanrights.ch/cms/upload/pdf/ch/ue_15_schrittnachvorn.pdf (Stand: 08.03.2017)


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Dieser Text und der Medieninhalt sind unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-SA 4.0 - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Andrea Keller für bpb.de

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