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Zerstörter Straßenzug in Rotterdam im Mai 1940

18.12.2012 | Von:
Michael Wildt

Krieg und Besatzung in Ost- und Westeuropa

Luftkrieg gegen Großbritannien

Anfang August 1940 begann die deutsche Luftwaffe mit Bombardierungen britischer Ziele, um eine Invasion deutscher Truppen vorzubereiten. Aber Hitler fand in Premierminister Winston Churchill, der eine nationale Kriegsregierung aus allen Parteien zusammengestellt hatte, einen hartnäckigen Gegner. England verfügte über eine moderne Luftwaffe, eine mittlerweile leistungsfähige Rüstungsindustrie und konnte der Unterstützung durch die USA gewiss sein. Mit seiner berühmten "Blut, Schweiß und Tränen“-Rede vom 13. Mai 1940 hatte Churchill erfolgreich an die Opferbereitschaft seiner Landsleute appelliert, an ihren Widerstandswillen und die Behauptung der eigenen Freiheit.

Ungeachtet der großen eingesetzten Bomberflotte erlitten die deutschen Flugzeuge empfindliche Verluste, da die britischen Jäger gezielt die abwehrschwachen Bomber ins Visier nahmen und die Zahl der deutschen Jagdflugzeuge für den Schutz der Bomber nicht ausreichte. Zudem befand sich ein Großteil der britischen Luftrüstungsindustrie außerhalb der Reichweite der deutschen Flugzeuge. Als Ende August erkennbar wurde, dass die Kriegsführung, die sich bis dahin auf militärische und wirtschaftliche Ziele konzentriert hatte, erfolglos blieb, befahl die deutsche Führung, die Luftangriffe auf britische Städte, in erster Linie London, auszuweiten. Vor allem die Zivilbevölkerung wurde dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Die Großangriffe und selbst das schwere Bombardement von Coventry in der Nacht vom 14. auf den 15. November konnten jedoch den Widerstandswillen der britischen Bevölkerung nicht brechen, obwohl die Verluste mit 23 000 Toten, darunter fast 3000 Kinder, bis zum Jahresende 1940 sehr hoch waren.

Zudem unterschätzten die deutschen Militärs massiv die britische Flugzeugproduktion, die in der Lage war, immer neue Jagdflugzeuge herzustellen und einzusetzen. Das strategische Ziel, die Luftüberlegenheit zu erreichen, um die Landeoperation deutscher Truppen zu ermöglichen, wurde verfehlt. England war aus der Luft nicht zu besiegen, die Landung musste "bis auf weiteres“ verschoben werden – eine schwere Niederlage für Hitler. Dieser änderte daraufhin die Strategie und entschloss sich, den Krieg um "Lebensraum“ gegen die Sowjetunion, der ursprünglich erst nach der Niederlage Englands beginnen sollte, vorzuziehen, um dann – nach dem sicher geglaubten Sieg über die Rote Armee – England endgültig zur Aufgabe zwingen zu können. Am 18. Dezember 1940 erteilte Hitler die Weisung Nr. 21 (Fall "Barbarossa“) zur Vorbereitung eines Angriffs auf die Sowjetunion.

In einer von vornherein aussichtslosen Aktion versuchte Rudolf Heß, offiziell der "Stellvertreter des Führers“, durch einen Flug nach Großbritannien am 11. Mai 1941 doch noch einen Friedensvertrag mit England zu erreichen. Als Hitler von der eigenmächtigen, nicht mit ihm abgesprochenen Tat erfuhr, war er entsetzt und suchte jeden Eindruck, die deutsche Führung sei gespalten, rasch zu zerstreuen. Während dem deutschen Publikum erklärt wurde, Heß sei geistig verwirrt – was nicht ohne Tücken war, eröffnete sich doch damit die Frage, wieso eine psychisch kranke Person der Stellvertreter Hitlers sein konnte –, gingen die Briten auf das angebliche Friedensangebot Heß’ überhaupt nicht ein, sondern internierten und verhörten ihn. Seine Funktion innerhalb der NSDAP, nunmehr Leitung der Parteikanzlei genannt, nahm Martin Bormann ein.

Noch während die Vorbereitungen für den Krieg gegen die Sowjetunion liefen, zwangen die Fehlschläge der italienischen Armee in Griechenland und Nordafrika den deutschen Verbündeten dazu, die militärisch bedrohte Flanke im Südosten Europas zu sichern. Am 6. April 1941 begann Deutschland den Krieg auf dem Balkan, der, nachdem die Hauptstadt Belgrad durch Luftangriffe verwüstet worden war, mit der Kapitulation Jugoslawiens am 17. April und Griechenlands wenige Tage später endete. Serbien und Griechenland wurden von deutschen Truppen besetzt und durch eine Militärverwaltung beherrscht. In Kroatien, das sowohl von deutschen wie auch von italienischen Truppen besetzt war, entstand eine vom Deutschen Reich abhängige faschistische Regierung, die Ustascha, die in ihrem Gebiet mit brutaler Gewalt gegen Serben, Juden und Roma vorging.

Quellentext

„… blood, toil, tears and sweat“

Winston Churchill vor dem britischen Unterhaus am 13. Mai 1940


[…] „it must be remembered that we are in the preliminary stage of one of the greatest battles in history, that we are in action at many points in Norway and in Holland, that we have to be prepared in the Mediterranean, that the air battle is continuous and that many preparations have to be made here at home. In this crisis I hope I may be pardoned if I do not address the House at any length today. I hope that any of my friends and colleagues, or former colleagues, who are affected by the political reconstruction, will make all allowances for any lack of ceremony with which it has been necessary to act. I would say to the House, as I said to those who've joined this government: I have nothing to offer but blood, toil, tears and sweat.
We have before us an ordeal of the most grievous kind. We have before us many, many long months of struggle and of suffering. You ask, what is our policy? I will say: It is to wage war, by sea, land and air, with all our might and with all the strength that God can give us; to wage war against a monstrous tyranny, never surpassed in the dark and lamentable catalogue of human crime. That is our policy. You ask, what is our aim? I can answer in one word: victory. Victory at all costs, victory in spite of all terror, victory, however long and hard the road may be; for without victory, there is no survival. Let that be realised; no survival for the British Empire, no survival for all that the British Empire has stood for, no survival for the urge and impulse of the ages, that mankind will move forward towards its goal.“ […]

http://www.fiftiesweb.com/usa/winston-churchill-blood-toil.htm (zuletzt abgerufen: 30.10.2012)

[…] [„m]an muss aber bedenken, dass wir uns im Anfangsstadium einer der größten Schlachten der Weltgeschichte befinden, dass wir an vielen Punkten Norwegens und Hollands kämpfen, dass wir im Mittelmeer kampfbereit sein müssen, dass der Luftkrieg ohne Unterlass weitergeht und dass wir hier im Lande viele Vorbereitungen treffen müssen. Ich hoffe, man wird mir verzeihen, wenn ich in dieser kritischen Lage mich heute nicht mit einer längeren Aussprache an das Haus wende. Ich hoffe, dass jeder meiner jetzigen oder früheren Kollegen, der von der Regierung berührt wird, den etwaigen Mangel an Förmlichkeit, mit der wir vorgehen mussten, nachsehen wird.
Ich möchte zum Hause sagen, wie ich zu denen sagte, die dieser Regierung beigetreten sind: ‚Ich habe nichts zu bieten als Blut, Mühsal, Tränen und Schweiß‘. Wir haben vor uns eine Prüfung der schmerzlichsten Art. Wir haben vor uns viele, viele lange Monate des Kampfes und Leidens. Sie fragen, was unsere Politik ist; ich will sagen: ‚Es ist Krieg zu führen, zu Wasser, zu Land und in der Luft, mit all unserer Macht und mit all der Kraft, die Gott uns geben kann, und Krieg zu führen gegen eine ungeheuerliche Gewaltherrschaft, die nie übertroffen worden ist in der dunklen, beklagenswerten Liste menschlichen Verbrechens.‘ Das ist unsere Politik.
Sie fragen, was unser Ziel ist: ich kann in einem Worte erwidern: es ist der Sieg – Sieg um jeden Preis – Sieg trotz aller Schrecken, Sieg, wie lang und hart auch immer der Weg sein mag, denn ohne Sieg gibt es kein Überleben – seien Sie sich darüber klar – kein Überleben für das Britische Weltreich, kein Überleben für all das, wofür das Britische Weltreich eingetreten ist, kein Überleben für das Drängen und Streben der Zeitalter, dass die Menschheit sich vorwärts bewege ihrem Ziel entgegen.“ […]

http://www.rhetorik-netz.de/rhetorik/index.html (zuletzt abgerufen: 30.10.2012)



Webdocumentary

Auschwitz heute - dzisiaj - today

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur "Volksgemeinschaft" gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt - in deutscher, englischer und polnischer Sprache.

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