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Zerstörter Straßenzug in Rotterdam im Mai 1940

18.12.2012 | Von:
Michael Wildt

Verdrängung und Erinnerung

Nürnberger Prozesse

Die nationalsozialistischen Verbrechen sollten nach dem Willen der Alliierten in einem umfassenden Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg abgeurteilt werden. Anklagepunkte waren laut Statut für den Internationalen Militärgerichtshof vom 8. August 1945 unter anderem:

  • Verbrechen gegen den Frieden, das hieß in erster Linie die Planung und Durchführung eines Angriffskrieges;
  • Kriegsverbrechen wie die Ermordung, Misshandlung, Deportation zur Zwangsarbeit von Zivilisten oder Kriegsgefangenen, das Töten von Geiseln, Plünderungen, die Zerstörung von Städten und Dörfern, und
  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit, worunter vor allem Mord, Ausrottung, Versklavung der Zivilbevölkerung und Verfolgung aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen fielen.
Ausgeklammert ließen die Nürnberger Ankläger die Verbrechen vor 1939, insbesondere auch die Verfolgung der deutschen Juden, weil es sich in der Logik des Verfahrens um einen Fall Deutscher gegen Deutsche vor dem Krieg handelte. Dass jedoch erstmals der Straftatbestand "Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ vor einem internationalen Gericht verhandelt wurde, war in der Tat neu und sollte die völkerrechtliche Ahndung von Menschenrechtsverletzungen in den kommenden Jahrzehnten nachhaltig beeinflussen. Drei Jahre später, im Dezember 1948, verabschiedete die Vollversammlung der Vereinten Nationen (UNO) in New York die Konvention über die Verhütung und Bestrafung von Völkermord sowie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte.

21 Männer saßen auf der Anklagebank im Nürnberger Gerichtssaal, darunter Hermann Göring, Julius Streicher, Albert Speer, Fritz Sauckel, Joachim v. Ribbentrop, Hans Frank, Franz v. Papen und die Generäle Keitel, Jodl, Raeder und Dönitz. Am 18. Oktober 1945 begann der Gerichtshof seine Arbeit, hörte zahlreiche Zeugen, sichtete unzählige Beweisdokumente, unter ihnen auch Filmaufnahmen aus den Konzentrationslagern, und gab den Angeklagten Gelegenheit, zu ihren Taten Stellung zu nehmen. Am 1. Oktober 1946 fällte er die Urteile: Der einstige Vizekanzler v. Papen, der Abteilungsleiter im Reichspropagandaministerium Hans Fritzsche und der ehemalige Reichsbankchef Hjalmar Schacht wurden freigesprochen; zu lebenslanger Haft verurteilte das Gericht Rudolf Heß, den Vorgänger Dönitz’ als Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Erich Raeder und NS-Wirtschaftsminister Walther Funk; langjährige Gefängnisstrafen erhielten Albert Speer, Reichsjugendführer Baldur v. Schirach, der einstige Reichsprotektor von Böhmen und Mähren Konstantin von Neurath und Großadmiral Karl Dönitz; alle übrigen wurden zum Tode verurteilt und, bis auf Göring, der sich selbst vergiftete, am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Dem Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher folgten zwölf weitere Prozesse gegen die Eliten aus Wirtschaft, Verwaltungen und NS-Organisationen, die die Verbrechen des Regimes unterstützt, initiiert und gebilligt hatten.


Webdocumentary

Auschwitz heute - dzisiaj - today

Auschwitz – Ort und Symbol der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie. Der Name der südpolnischen Stadt steht für den millionenfachen Mord an Juden, Sinti und Roma und Menschen, die nach der NS-Rassenideologie nicht zur "Volksgemeinschaft" gehörten. Der Bombay Flying Club hat dazu eine Webdocumentary für die bpb umgesetzt - in deutscher, englischer und polnischer Sprache.

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