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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

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Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

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Vor 69 Jahren befreiten sowjetische Soldaten das Vernichtungslager Auschwitz. Hier wurden zwischen 1940 und 1945 mehr als eine Million Menschen umgebracht. Seit 1996 wird in Deutschland am 27. Januar offiziell der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. In diesem Jahr steht das Gedenken im Zeichen der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht.

Das Torhaus des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. (© picture alliance / Bernd Oertwig/ SCHROEWIG)

Es war ein klarer Appell, den der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Januar 1996 an die Deutschen richtete: "Die Erinnerung darf nicht enden; sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen." Mit diesen Worten erklärte Herzog den 27. Januar zum zentralen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2005 beschloss die Generalversammlung der Interner Link: Vereinten Nationen (UN), den Tag international zum Holocaust-Gedenktag zu machen.

In zahlreichen Städten wird mit Gedenkveranstaltungen an die Millionen Menschen erinnert, die unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft entrechtet, verfolgt und ermordet wurden. Wie jedes Jahr wehen die Flaggen öffentlicher Gebäude in Deutschland auf Halbmast.

Gedenken an Belagerung von Leningrad

Daniil Granin (© picture alliance / Photoagency Interpress )

Der deutsche Bundestag begeht diesen Tag mit Reden von Zeitzeugen. In diesem Jahr steht die Gedenkstunde im Zeichen der Blockade Leningrads – das heutige Sankt Petersburg – von September 1941 bis Januar 1944 durch die deutsche Wehrmacht. Die Blockade, bei der über eine Millionen Zivilisten ums Leben kamen, endete am 27. Januar 1944 durch eine Offensive der Roten Armee – ein Jahr vor der Befreiung von Auschwitz. Die 900 Tage dauernde Belagerung wurde für die Sowjetunion zum Symbol ihres Widerstandswillens im Zweiten Weltkrieg.

Die Gedenkrede im Bundestag hält in diesem Jahr der russische Schriftsteller Daniil Alexandrowitsch Granin. Der 95-Jährige überlebte die Blockade von Leningrad. Er ist Mitverfasser eines "Blockadebuchs" mit Erinnerungen und Berichten aus der Zeit der deutschen Belagerung. 2001 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Zu den Gästen im Parlament zählen auch 80 Jugendliche aus Deutschland und seinen Nachbarländern, die sich mit der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit beschäftigen und sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus engagieren. Der Bundestag lädt seit 1997 jedes Jahr zu der Jugendbegegnung ein, initiiert hatte sie die damalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth.

Die Befreiung von Auschwitz

Sowjetische Truppen befreiten das Vernichtungslager in der südpolnischen Stadt Auschwitz (Oswiecim) südöstlich von Kattowitz am 27. Januar 1945. Nach dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 hatten die Nationalsozialisten dort zunächst politische Gefangene aus dem Nachbarland interniert. Später vergrößerten sie es und bestimmten es zu einem zentralen Ort der systematischen Ermordung europäischer Juden.

QuellentextHolocaust

[griech./lat.: Brandopfer] Bezeichnung für die planmäßig betriebene, auf völlige Vernichtung gerichtete Massenvernichtung von Menschen jüdischen Glaubens in den Konzentrationslagern während der nationalsozialistischen Diktatur und des Zweiten Weltkriegs.

Siehe auch:
Interner Link: Völkermord

Quelle:

Interner Link: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/politiklexikon/17614/holocaust


Im Hauptlager, das auf einem ehemaligen Barackengelände der polnischen Armee errichtet wurde, belief sich die Zahl der Insassen zeitweise auf mehr als 20.000. Dazu kamen mehr als 90.000 Häftlinge, die in dem noch größeren Lager im drei Kilometer entfernten Birkenau (Brzezinka) untergebracht waren. Auf dem später auch Auschwitz II genannten Gelände ließ Hitlers Schutzstaffel (SS) Anfang 1942 die ersten Gaskammern errichten.

Ort des Gedenkens

Heute ist das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz, das zum Symbol für den Holocaust wurde, ein Museum. 2013 besuchten mehr als 1,3 Millionen Menschen aus der ganzen Welt die Gedenkstätte, die Mehrheit von ihnen Schüler und Studenten. Für sie ist Auschwitz vor allem ein Ort des Lernens.

Die Generation der Opfer - wie auch der Täter - stirbt aus und mit ihr auch die persönlichen Bezüge zu diesem Abschnitt der deutschen Geschichte. An jedem Jahrestag der Auschwitz-Befreiung gibt es weniger Überlebende, die ihre Erfahrungen weitergeben können. Daher fordert die UN-Resolution zum Holocaust-Gedenktag von 2005 Staaten weltweit auf, Bildungsprogramme zu entwickeln, damit die Erinnerung lebendig gehalten wird und sich Auschwitz nicht wiederholt.

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