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Vor 100 Jahren: Kapp-Lüttwitz-Putsch

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Vor 100 Jahren: Kapp-Lüttwitz-Putsch

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Am 13. März 1920 versuchten Freikorpssoldaten unter der Führung des Generals Walther von Lüttwitz und des Politikers Wolfgang Kapp die vom Volk gewählte Regierung des Deutschen Reichs abzusetzen. Es war der erste Versuch rechtsextremer Kräfte, die junge Weimarer Republik zu beseitigen.

Putschisten im März 1920 auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Auf ihren Helmen tragen sie Hakenkreuze. (© picture-alliance/akg)

Mit der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Compiègne endete am 11. November 1918 der Interner Link: Erste Weltkrieg. Deutschland hatte zu der Zeit schon im Innern zu kämpfen: Nur wenige Tage zuvor war in Berlin die Republik ausgerufen worden und das Kaiserreich damit faktisch beendet worden. Im ganzen Reich kam es im Zuge der Interner Link: Novemberrevolution zu gewalttätigen Unruhen und Aufständen, die sich bis weit in das Jahr 1919 zogen.

Zeitgleich verhandelten die Siegermächte des Krieges Interner Link: ab dem 18. Januar 1919 in Paris einen Friedensvertrag – ohne deutsche Beteiligung. Der Interner Link: Versailler Vertrag wies Deutschland und seinen Verbündeten die alleinige Kriegsschuld zu: Das Deutsche Reich musste Gebiete abtreten, sein Militär verkleinern, abrüsten und Reparationen zahlen. Der Friedensvertrag wurde am 7. Mai 1919 einer deutschen Delegation vorgelegt. Von deutscher Seite wurden die Vertragsbedingungen zunächst abgelehnt. Daraufhin drohten die Alliierten mit erneuten Kriegshandlungen. Unter diesem Druck stimmte die verfassungsgebende Nationalversammlung in Weimar am 22. Juni 1919 endgültig dem Versailler Friedensvertrag zu. Ministerpräsident Philipp Scheidemann war zuvor aus Protest gegen die Friedensbestimmungen zurückgetreten. Die Regierungsparteien SPD, Zentrum und DDP sahen sich in den folgenden Jahren mit heftigen Anfeindungen konfrontiert.

Schon zu Beginn des Jahres 1919 war es zu verschiedenen Aufständen gegen die junge Weimarer Republik gekommen. Um diese niederzuschlagen wurden auch bewaffnete Freiwilligenverbände aus ehemaligen Frontsoldaten eingesetzt: Die sogenannten Freikorps galten mehrheitlich selbst als antirevolutionär und antidemokratisch und kämpften vor allem gegen kommunistische Umsturzversuche wie den Spartakusaufstand im Januar 1919 oder die Interner Link: Münchener Räterepublik. Mit dem "Gesetz über die Bildung einer vorläufigen Reichswehr" vom 6. März 1919 sollten die Freikorps nach und nach in reguläre militärische Strukturen überführt werden. Ursprünglich wollte man eine neue Armee mit rund 400.000 Soldaten aufstellen.

Beschränkungen durch den Versailler Vertrag

Mit der Annahme des Versailler Vertrages wurden diese Pläne allerdings hinfällig. Artikel 160 des Vertrags sah eine Beschränkung der Truppenstärke auf maximal 100.000 Mann vor. Obwohl die Zahl der militärischen Verbände kurz darauf halbiert wurde, umfasste die vorläufige Reichswehr im Sommer 1919 immer noch 300.000 Soldaten. Um den Bestimmungen des Versailler Vertrags zu genügen, mussten weitere 200.000 Soldaten entlassen werden. Bedroht davon waren vor allem Freikorpssoldaten. Deren Unzufriedenheit traf mit den Umsturzplänen von nationalkonservativen Kreisen zusammen und mündete schließlich im Kapp-Lüttwitz-Putsch.

Wolfgang Kapp, ein ostpreußischer Rittergutsbesitzer, hatte 1917 die Deutsche Vaterlandspartei mitgegründet. Nach deren Auflösung im Jahr 1918 wurde er 1919 Mitglied im Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei (DNVP) und gründete mit nationalkonservativen Politikern und Militärs wie Erich Ludendorff die "Nationale Vereinigung". Sie lehnten die Weimarer Demokratie ab und planten einen antidemokratischen Umsturz.

Geplante Auflösung der Brigade Ehrhardt

Auch mit Walther von Lüttwitz stand Kapp in Kontakt. Von Lüttwitz hatte im Ersten Weltkrieg als Infanterie-General gedient und kommandierte im Januar 1919 jene Freikorpssoldaten, die den Spartakusaufstand niederschlugen. Ab März 1919 war er ranghöchster General der Vorläufigen Reichswehr und galt als entschiedener Gegner des Versailler Vertrages und der darin vorgesehenen militärischen Beschränkungen.

Am 29. Februar 1920 gab Reichswehrminister Gustav Noske im Zuge der Truppenreduzierungen die Auflösung der Marinebrigade von Hermann Ehrhardt bekannt. Als Freikorps war die "Brigade Ehrhardt" im Vorjahr unter anderem an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik beteiligt gewesen. Ihre Offiziere und Mannschaftsdienstgrade pflegten eine offen antirepublikanische Gesinnung.

Forderung nach Neuwahlen

Bereits am 1. März, auf der einjährigen Gründungsfeier der Brigade Ehrhardt, kündigte von Lüttwitz seinen Widerstand gegen die Auflösung an. Am 10. März forderte er in einer Unterredung mit Noske und Reichspräsident Friedrich Ebert, die Truppenreduzierungen abzubrechen und bestand auf Neuwahlen des Reichstags und einer Wahl des Reichspräsidenten durch das Volk. Die beiden SPD-Politiker lehnten diese Forderungen ab und entzogen von Lüttwitz die Verantwortung für die faktisch noch bestehende Brigade und andere Truppenteile. Außerdem wurde der General beurlaubt.

Walther von Lüttwitz sah sich seinerseits nun zum Handeln gezwungen und entschloss sich zum Putsch. Wolfgang Kapp befand sich bereits seit dem 8. März in Berlin. Am 12. März trafen sich beide Männer, um den Umsturz zu planen. Die Forderungen der beiden Putschisten glichen am Ende weitestgehend jenen, die von Lüttwitz bereits am 10. März Ebert und Noske vorgetragen hatte.

Reichswehr weigert sich, gegen die Putschisten vorzugehen

Am Morgen des 13. März marschierte von Lüttwitz mit der Brigade Ehrhardt im Berliner Regierungsviertel ein. Auf ihren Helmen trugen sie Hakenkreuze als Zeichen ihrer völkisch-nationalistischen Gesinnung. Die Reichswehr weigerte sich, gegen die Putschisten vorzugehen. Generaloberst Hans von Seeckt, Chef des Truppenamtes, soll einen entsprechenden Befehl Noskes mit den Worten abgelehnt haben ab: "Truppe schießt nicht auf Truppe".

Reichspräsident Ebert, Reichskanzler Gustav Bauer und andere Mitglieder der Regierung flohen aus der Hauptstadt – zuerst nach Dresden, anschließend nach Stuttgart. Kapp erklärte sich selbst zum Reichskanzler und ernannte von Lüttwitz zum Reichswehrminister und Oberbefehlshaber der Reichswehr. Die reguläre Reichsregierung und die Gewerkschaften riefen indes zum Generalstreik auf. Ab dem 15. März kam in vielen Regionen Deutschlands das öffentliche Leben zum Erliegen. Bis heute gilt der Streik vom März 1920 als der größte in der deutschen Geschichte, etwa zwölf Millionen Menschen legten die Arbeit nieder. In Berlin waren neben den Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerken auch die öffentlichen Verkehrsmittel lahmgelegt.

Terror gegen Weimarer Politiker

Gleichzeitig verweigerten die Berliner Beamten, die Anordnungen der selbst ernannten Regierung umzusetzen. Am 17. März war der Putsch gescheitert. Kapp, von Lüttwitz und Ehrhardt flohen aus Berlin. Ehrhardt setzte sich nach Bayern ab, wo er die "Organisation Consul" gründete. Diese terroristische Vereinigung war später unter anderem für die Morde an dem Zentrumspolitiker Matthias Erzberger und an Außenminister Walter Rathenau (DDP) verantwortlich, außerdem für einen Mordversuch an dem ehemaligen Reichskanzler Philipp Scheidemann (SPD). Somit war der Kapp-Lüttwitz-Putsch einerseits der erste Versuch rechtsextremer Kräfte, die Weimarer Demokratie zu beseitigen, andererseits auch Ausgangspunkt für den rechten Terror gegen politische Stützen der jungen Republik.

Als Reaktion auf den Kapp-Lüttwitz-Putsch bildeten sich in Sachsen, Thüringen und dem Ruhrgebiet während des Generalstreiks linksgerichtete Aufstandsbewegungen gegen die Weimarer Republik. So kontrollierte beispielsweise die "Rote Ruhrarmee" mit 50.000 Bewaffneten bis in den April 1920 weite Teile des Ruhrgebiets. Die revolutionären Aufstände wurden mit Hilfe von Reichswehr und Freikorps niedergeschlagen.

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