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Landtagswahl 2026: Enges Rennen in Rheinland-Pfalz | Hintergrund aktuell | bpb.de

Landtagswahl 2026: Enges Rennen in Rheinland-Pfalz

Redaktion

/ 6 Minuten zu lesen

Seit 1991 besetzt die SPD in Rheinland-Pfalz durchgehend das Amt der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten. SPD und CDU liegen in den Umfragen fast gleichauf.

Wahlplakate im Stadtbild der Landeshauptstadt Mainz zur Landtagswahl 2026 in Rheinland-Pfalz (© picture-alliance, Chris Emil Janßen)

Am 22. März 2026 stimmen die Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz über die Zusammensetzung eines neuen Landtags ab. Das Landesparlament, dem aktuell 101 Abgeordnete angehören, wird alle fünf Jahre gewählt.

Seit 1991 regiert in Rheinland-Pfalz ein Ministerpräsident oder eine Ministerpräsidentin aus den Reihen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU) hofft angesichts der Umfragen, in denen sie in den letzten Monaten leicht vor der SPD liegt, erstmals seit dreieinhalb Jahrzehnten künftig wieder den Regierungschef in der Staatskanzlei in Mainz zu stellen.

Derzeitige Regierung

Seit 2016 regiert in Rheinland-Pfalz ein Bündnis aus SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) und der Freien Demokratischen Partei (FDP). Bis Juli 2024 wurde die Koalition von der sozialdemokratischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer geführt – diese übergab die Amtsgeschäfte an ihren Parteikollegen Alexander Schweitzer. Bei den Interner Link: Landtagswahlen 2021 erreichte die SPD 35,7 Prozent der Stimmen. Die CDU kam auf 27,7 Prozent, die GRÜNEN auf 9,3 Prozent und die AFD auf 8,3 Prozent. Auch FDP (5,5 Prozent) und FREIE WÄHLER (5,4 Prozent) erreichten den Einzug in das Mainzer Landesparlament. Die Wahlbeteiligung lag mit 64,4 Prozent etwa 6 Prozent niedriger als bei der Wahl 2016.

So wird gewählt

Wahlberechtigt sind deutsche Staatsbürger, die das 18. Lebensjahr vollendet haben und nicht ausdrücklich vom Stimmrecht ausgeschlossen sind. Sie müssen ihren Wohnsitz seit mindestens drei Monaten in Rheinland-Pfalz haben oder, sofern sie in der Bundesrepublik Deutschland keine Wohnung haben, sich gewöhnlich dort aufhalten. Die Altersgrenze für das passive Wahlrecht, also das Recht, gewählt werden zu können, liegt ebenfalls bei 18 Jahren. Die Wählerinnen und Wähler haben zwei Stimmen. Mit der „Wahlkreisstimme“ wählen sie je einen Wahlkreisabgeordneten oder eine Wahlkreisabgeordnete in den 52 Wahlkreisen. Mit der zweiten Stimme, der „Landesstimme“, wählen sie eine Landes- oder Bezirksliste. Für die Verteilung der Sitze auf die Parteien ist die Zweitstimme maßgeblich. Je mehr Stimmen die Liste einer Partei erhält, umso mehr Sitze bekommt sie. Es gilt eine Fünfprozenthürde. Der Bewerber oder die Bewerberin mit den meisten Wahlkreisstimmen zieht als direkt gewählter Abgeordneter bzw. Abgeordnete in das Parlament ein. Ihre Anzahl wird bei den jeweiligen Parteien der Zahl der gewählten Abgeordneten angerechnet. Die übrigen 49 Abgeordneten ergeben sich aus der Reihenfolge der nicht direkt gewählten Kandidatinnen und Kandidaten auf den Landes- und Bezirkslisten. Erringt eine Partei in den Wahlkreisen mehr Direktmandate als ihr an Sitzen gemäß der Landesstimmen zustehen würden, erhält sie sogenannten Überhangmandate. In diesem Fall erhöht sich die Gesamtzahl der Sitze um so viele sogenannte Ausgleichsmandate, wie erforderlich sind, um die Sitzverteilung nach dem Verhältnis der Landesstimmenzahlen der Parteien zu gewährleisten.

Interner Link: Mehr Informationen zum Wahlrecht in Rheinland-Pfalz finden Sie in unseren Fakten zur Landtagswahl 2026.

Demografie und Wirtschaft in Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz gibt es derzeit rund drei Millionen Wahlberechtigte. Ende 2024 lebten in dem Flächenland 4,13 Menschen. Das sind so viele Einwohnerinnen und Einwohner wie noch nie zuvor in der Landesgeschichte. Auch 2024 sind – wie in den Jahren davor – deutlich mehr Menschen gestorben als geboren worden. Es gab etwa 17.600 mehr Todesfälle als Geburten. Damit hat das Geburtendefizit den höchsten Wert seit der Gründung des Bundeslandes erreicht. Gleichzeitig sind mehr Menschen nach Rheinland-Pfalz gezogen als weggezogen, insgesamt etwa 22.100. Dieser Zuwanderungsüberschuss lag zwar deutlich unter dem Wert des Vorjahres, konnte das hohe Geburtendefizit aber dennoch ausgleichen. Die Bevölkerung in Rheinland-Pfalz war 2024 durchschnittlich 45,1 Jahre alt. Damit lag das Durchschnittsalter knapp über dem bundesweiten Mittelwert von 44,9 Jahren.

Interner Link: Rheinland-Pfalz ist nach dem Zweiten Weltkrieg als gänzlich neu zusammengefügtes Bundesland entstanden. Ihm gehören neben der einst bayerischen Pfalz unter anderem ehemalige preußische Rheinprovinzen an. Das Bundesland ist für seinen traditionsreichen Weinbau bekannt. In Rheinland-Pfalz befinden sich 63 Prozent der deutschen Rebflächen. Daneben prägen Konzerne mit Tausenden Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – etwa das Chemieunternehmen BASF – aber auch kleinere und mittlere Unternehmen die dortige Wirtschaft. Der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung beträgt rund 25 Prozent. Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz ist 2024 das dritte Jahr in Folge geschrumpft.

Wer steht zur Wahl?

Zur Landtagswahl 2026 treten zwölf Parteien an. Einen ausführlichen Überblick finden Sie auf unseren Seiten Interner Link: „Wer steht zur Wahl?“.

Bei der Wahl 2021 wurde die Interner Link: „Sozialdemokratische Partei Deutschlands“ (SPD) stärkste Partei. Die Sozialdemokraten betonen in ihrem Wahlprogramm die Bedeutung von Bildungsgerechtigkeit. Zentral ist aus Sicht der SPD hierfür die Verlässlichkeit der Kita-Betreuung und Lernmittelfreiheit. Die Zahl der sogenannten „Sprach-Kitas“, in denen ein besonderes Augenmerk auf frühkindliche sprachliche Bildung gelegt wird, will die SPD auf gut 1.000 in etwa verdreifachen. Stärkeres Wirtschaftswachstum will die SPD unter anderem durch Bürokratieabbau sowie die Ansiedlung von Innovationstechnologien wie Biotechnologie und Künstlicher Intelligenz erreichen. Auch der Gesundheitspolitik räumt die SPD in ihrem Programm hohe Priorität ein. Spitzenkandidat der Partei ist Ministerpräsident Alexander Schweitzer. Umfragen zufolge muss die SPD bei der bevorstehenden Wahl mit Verlusten rechnen und lag laut Forschungsgruppe Wahlen Mitte März mit 26 Prozent knapp hinter der CDU.

Die Interner Link: „Christlich Demokratische Union Deutschlands“ (CDU) sahen die Demoskopen zuletzt bei 28 Prozent. Die Landespartei spricht sich in ihrem Wahlprogramm für ein verbindliches Vorschuljahr an Grundschulen aus. Eine „Grundschulgarantie“ soll Unterricht bis 14 Uhr sichern –mit kostenlosem Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung. Zugleich will die Partei mehr Lehrerinnen und Lehrer einstellen und diese besser bezahlen. Um die Wirtschaft zu stärken, setzen die Christdemokraten in Rheinland-Pfalz auf einen Abbau der Bürokratie und eine Stärkung der Gründungszentren. Die Energiekosten will die Partei über eine Bundesratsinitiative senken. Die CDU will Polizei und Justiz mit mehr Personal ausstatten. Spitzenkandidat ist der Fraktions- und Landesvorsitzende Gordon Schnieder.

Interner Link: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (GRÜNE) stellt derzeit die drittgrößte Fraktion im Landtag. In ihrem Wahlprogramm setzt die Partei auf vier große Themenblöcke: Nachhaltigkeit, Innovation, Gerechtigkeit und ein für alle „lebenswert“ gestaltetes Rheinland-Pfalz. Die Partei fordert, das Land müsse die erneuerbaren Energien weiter konsequent ausbauen. Photovoltaikanlagen sollten vor allem auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Die Kommunen sollen laut Parteiprogramm künftig stärker vom Ausbau profitieren. Die GRÜNEN wollen auch die Wärmewende voranbringen. Der Flächenverbrauch soll reduziert, vorhandene Gebäude umgebaut oder aufstockt und Wohnungsleerstand bekämpft werden. Spitzenkandidatin ist die rheinland-pfälzische Umwelt- und Klimaschutzministerin Katrin Eder. Die GRÜNEN lagen zuletzt in Umfragen mit 9 Prozent etwa bei ihrem Wahlergebnis von vor fünf Jahren.

Die Interner Link: „Alternative für Deutschland“ (AfD) kann den Erhebungen zufolge auf einen deutlichen Stimmenzuwachs auf um die 19 Prozent rechnen. Die Partei spricht sich gegen Frauenquoten aus und will laut Wahlprogramm Mütter unterstützen, die teilweise oder vollständig zu Hause bleiben wollen. Die Partei plädiert in ihrem Programm für geringere Hürden für Volksentscheide und Bürgerbegehren. Die Polizei soll mehr Personal bekommen, die Außengrenzen durch eine landeseigene Grenzpolizei überwacht werden. Zudem steht die AfD für eine restriktive Asyl- und Migrationspolitik. Der Bundesverfassungsschutz beobachtet die AfD laut seinem Bericht für das Jahr 2024 als rechtsextremistischen „Verdachtsfall“. Auch der rheinland-pfälzische Verfassungsschutz beobachtet die Partei, deren Volksverständnis „die Gleichheit aller Staatsangehörigen in Frage“ stelle. Spitzenkandidat der rheinland-pfälzischen AfD ist Landeschef Jan Bollinger.

Die Interner Link: „Freie Demokratische Partei“ (FDP) muss dagegen um ihren Einzug in den Landtag fürchten. Die Liberalen liegen in Umfragen seit Monaten stets unter der Fünfprozenthürde. Spitzenkandidatin ist die aktuelle Landeswirtschaftsministerin Daniela Schmitt. Die Partei fordert eine Stärkung des Mittelstands. Neben der Wirtschaft ist der Partei laut ihrem Wahlprogramm die Bildung ein zentrales Anliegen. Unter anderem möchte die FDP den Unterricht noch stärker digitalisieren. Verkehrspolitisch zählen etwa die Sanierung und Erweiterung des Straßennetzes, aber auch die Stärkung des Öffentlichen Personennahverkehrs und der Erhalt des Deutschland-Tickets zu ihren Forderungen.

Die Interner Link: „FREIEN WÄHLER Rheinland-Pfalz“ (FREIE WÄHLER) haben ihren Fraktionsstatus im Laufe der Legislaturperiode nach dem Austritt von zwei Abgeordneten verloren und haben seitdem den Status einer Externer Link: parlamentarischen Gruppe aus vier Abgeordneten. Laut Forschungsgruppe Wahlen lag die Partei Mitte März bei 5 Prozent. Die FREIEN WÄHLER verstehen sich als Stimme der Kommunen. Sie fordern eine finanzielle Entlastung der Städte und Gemeinden. Unternehmensgründungen sollen durch zentrale digitale Strukturen erleichtert werden. Landwirtschaftliche Flächen wollen die FREIEN WÄHLER erhalten und die Weidetierhaltung durch eine Begrenzung des Wolfsbestands schützen.

Hoffnungen darauf, erstmals in den rheinland-pfälzischen Landtag einzuziehen, kann sich laut Umfragen Interner Link: „Die Linke“ machen. 2021 war sie mit 2,5 Prozent der Stimmen noch deutlich an der Fünfprozenthürde gescheitert. In den jüngsten Umfragen lag die Partei bei 5 Prozent. Die Linke fordert den Bau von mehr Sozialwohnungen und eine größere Unterstützung von kommunalen und genossenschaftlichen Baugesellschaften. Krankenhäuser möchte die Partei entprivatisieren. Zudem fordert Die Linke einen kostenlosen ÖPNV.

Aussagekraft und Genauigkeit von Umfragen zur Wahl

Umfragen liefern vor allem ein Stimmungsbild zum Zeitpunkt der Befragung – sie sind keine Prognose des endgültigen Wahlausgangs. Geringe Veränderungen oder Unterschiede zwischen zwei Erhebungen können innerhalb der statistischen Unsicherheit liegen. Ob es sich um einen tatsächlichen Trend handelt, lässt sich dann nicht eindeutig sagen. Rückschlüsse auf das Wahlverhalten oder Entwicklungen bis zum Wahltag sind auch mit Blick auf die Wahlberechtigten ohne feststehende Wahlpräferenz nur begrenzt möglich.

Gerade bei Parteien, die nahe an der Fünf-Prozent-Hürde liegen, können kleine statistische Abweichungen erheblichen Einfluss auf die Interpretation haben. Infratest dimap und die Forschungsgruppe Wahlen, die an den Wahltagen die Analysen und Hochrechnungen des Wahlergebnisses bei ARD und ZDF liefern, geben den Fehlerbereich bei Werten von 40 bis 50 Prozent mit etwa drei Prozentpunkten und für Werte von 10 Prozent mit etwa zwei Prozentpunkten an.

Was sind die wichtigsten Themen im Wahlkampf?

Das zentrale Thema im Wahlkampf ist Meinungsumfragen zufolge die Bildungspolitik, die von 25 bis 29 Prozent der Wählerinnen und Wähler als wichtigstes Thema im Land benannt wird. Während in der jüngsten Umfrage der Externer Link: Forschungsgruppe Wahlen das Themenfeld „Infrastruktur“ auf zweiter Stelle folgt, lag im Februar in einer Umfrage von Externer Link: Infratest dimap noch der Bereich „Zuwanderung/Flucht“ auf Platz zwei.

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